Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History - Basics

Anti-Antisemitismus auf dem Prüfstand

Neue Studien über das Verhältnis von Sozialismus und Liberalismus zu Antisemitismus und Judentum

Title: Anti-Antisemitismus auf dem Prüfstand

Literature Review , 2008 , 14 Pages

Autor:in: Thomas Gräfe (Author)

History - Basics
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Sozialismus und Liberalismus gelten gemeinhin als zivilgesellschaftliche Gegenkräfte zum Antisemitismus, der seit dem späten 19. Jahrhundert in der deutschen Gesellschaft zunehmend Fuß fasste. Die Antisemitismusforschung hat jedoch aufgedeckt, dass auch auf der linken Seite des politischen Spektrums judenfeindliche Stereotype kultiviert und ideologisch verzerrte Judenbilder gepflegt wurden. Unterschieden sich Antisemiten und Anti- Antisemiten letztendlich gar nicht in ihrer Einstellung gegenüber den Juden, sondern nur in ihren Lösungsvorschlägen der „Judenfrage“? Waren die Vorurteile von Sozialisten und Liberalen gegenüber Juden Zugeständnisse an einen gesamtgesellschaftlichen Antisemitismus, oder handelte es sich um hausgemachte Phänomene? Diesen Fragen soll an Hand der Studien von Lars Fischer zur SPD und von Auguste Zeiß- Horbach zum Verein zur Abwehr des Antisemitismus nachgegangen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Anti- Antisemitismus auf dem Prüfstand

1.1 Neue Studien über das Verhältnis von Sozialismus und Liberalismus zu Antisemitismus und Judentum

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit analysiert kritisch neue wissenschaftliche Studien zur Haltung des Sozialismus und des liberalen Bürgertums gegenüber dem Antisemitismus im deutschen Kaiserreich und der Weimarer Republik, um gängige Forschungsthesen auf ihre historische Belastbarkeit zu prüfen.

  • Kritische Auseinandersetzung mit der These eines "antisemitischen Gesellschaftskonsenses"
  • Analyse der Rolle der Sozialdemokratie (SPD) im Kampf gegen den Antisemitismus
  • Untersuchung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus (VAA) und seiner kulturprotestantischen Prägung
  • Diskussion der historiographischen Bedeutung von Antisemitismus- und Philosemitismusbegriffen
  • Reflektion der Gefahr einer unhistorischen "Nach-Holocaust-Perspektive" in der Forschung

Auszug aus dem Buch

Anti- Antisemitismus auf dem Prüfstand

Nach der Etablierung des modernen Antisemitismus auf dem politischen Massenmarkt, setzten – mit leichter Verzögerung – in den 1890er Jahren auch zivilgesellschaftliche Bemühungen um seine Abwehr ein. Seit der nationalsozialistischen Machtergreifung ist die Abwehr des Antisemitismus in Deutschland mit dem Nimbus des Scheiterns behaftet und wird daher von der Geschichtsschreibung nach 1945 naturgemäß kritischer beurteilt als von den Zeitgenossen selbst. Der Umgang mit dieser perspektivischen Verzerrung ist allerdings sehr unterschiedlich. Einige Historiker nutzen sie zu moralisierenden ex- post- Urteilen, die die Grenzen zwischen Antisemiten und Anti- Antisemiten verschwimmen lassen. Andere behalten die grundsätzliche Unterscheidung zwischen Antisemiten und Anti- Antisemiten bei, nutzen aber die feineren Sensoren der Nach- Holocaust- Perspektive, um Ambivalenzen und Widersprüchlichkeiten in den Argumentationsweisen der Gegner des Antisemitismus zu entdecken, die ihre Position gegenüber dem Antisemitismus schwächten.

Dies beginnt bereits bei begriffsgeschichtlichen Fragen. Die Wahl von "Philosemitismus" als Antonym zu Antisemitismus ist gleich in dreifacher Hinsicht problematisch. Erstens handelt es sich um eine Prägung der Antisemiten, die darunter eine unkritische Verteidigung der Juden aus unbedingter Sympathie verstanden. Dies zielte nicht nur auf eine Denunziation der Gegner des Antisemitismus ab, sondern verdunkelte ihre tatsächliche Motivlage, die allzu häufig eine Solidarisierung mit den angegriffenen Juden gerade nicht beinhaltete. Zweitens bezeichnet Philosemitismus aus religionsgeschichtlicher Perspektive eine positive Einstellung zum jüdischen Erbe innerhalb des Christentums. Dieser eingeschränkte Begriffsgebrauch erfasst nur die bürgerlich- kulturprotestantischen Gegner des Antisemitismus, nicht hingegen das sozialistische Lager, in dem religiöse Einstellungen keine Rolle spielten. Drittens geht der Philosemitismusbegriff ausschließlich von einer Haltung der Nichtjuden gegenüber den Juden aus und ignoriert, dass in der gesellschaftlichen Praxis Juden und Nichtjuden bei der Abwehr des Antisemitismus interagierten, auch wenn man nur in Einzelfällen von einer gelungenen Kooperation ausgehen kann.

Zusammenfassung der Kapitel

Anti- Antisemitismus auf dem Prüfstand: Der Autor führt in die Problematik der historiographischen Bewertung der Antisemitismusabwehr ein und hinterfragt kritisch die gebräuchliche Verwendung des Begriffs Philosemitismus.

Neue Studien über das Verhältnis von Sozialismus und Liberalismus zu Antisemitismus und Judentum: Das Kapitel bietet eine detaillierte Rezension und Analyse der Arbeiten von Lars Fischer und Auguste Zeiß-Horbach, wobei insbesondere die methodischen Schwächen in Fischers SPD-Kritik und die Bedeutung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus hervorgehoben werden.

Schlüsselwörter

Antisemitismus, Sozialdemokratie, Liberalismus, Kaiserreich, Weimarer Republik, Verein zur Abwehr des Antisemitismus, Philosemitismus, Geschichtsschreibung, Kulturprotestantismus, Judenfrage, Antisemitismusforschung, Ideologiekritik, Soziale Milieus, Identität, Diskursanalyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Publikation?

Die Arbeit befasst sich mit der historiographischen Aufarbeitung der Abwehr des Antisemitismus im deutschen Kaiserreich und der Weimarer Republik durch linksliberale und sozialistische Organisationen.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die politische Haltung der SPD zum Antisemitismus, die Rolle des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus (VAA) sowie die methodische Kritik an modernen Historikern, die ein pauschales antisemitisches Vorurteil in der Gesellschaft unterstellen.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Es wird untersucht, ob die Abwehr des Antisemitismus durch nichtjüdische Organisationen als "kultureller Code" verstanden werden muss und wie Historiker die Ambivalenzen dieser Organisationen historisch korrekt bewerten können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine quellenkritische, hermeneutische Herangehensweise und setzt die untersuchten Studien in den Kontext der allgemeinen Antisemitismus- und Sozialgeschichte.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der umstrittenen Thesen von Lars Fischer zur SPD sowie eine Untersuchung der Vereinstätigkeit des VAA durch Auguste Zeiß-Horbach.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen zählen Antisemitismus, Sozialdemokratie, Philosemitismus, Kulturprotestantismus und historische Hermeneutik.

Warum lehnt der Autor die Goldhagen-These in Bezug auf die SPD ab?

Der Autor argumentiert, dass die Übertragung eines vermeintlichen gesellschaftlichen Antisemitismus-Konsenses auf die Sozialdemokraten historische Erkenntnisse der Sozialgeschichte ignoriert und den Fokus von einer differenzierten Ursachenforschung ablenkt.

Welche "hausgemachten" Schwächen schreibt die Studie dem VAA zu?

Zeiß-Horbach identifiziert die veraltete Honoratiorenpolitik, eine zu starke Einseitigkeit im linksliberalen Milieu sowie die mangelnde Anerkennung jüdischer Eigenidentität als zentrale Schwächen des Vereins.

Excerpt out of 14 pages  - scroll top

Details

Title
Anti-Antisemitismus auf dem Prüfstand
Subtitle
Neue Studien über das Verhältnis von Sozialismus und Liberalismus zu Antisemitismus und Judentum
College
Bielefeld University
Author
Thomas Gräfe (Author)
Publication Year
2008
Pages
14
Catalog Number
V116691
ISBN (eBook)
9783640184835
ISBN (Book)
9783640903559
Language
German
Tags
Anti-Antisemitismus Antisemitismus Antisemitismusforschung Philosemitismus Sozialismus Liberalismus Kulturprotestantismus Sozialdemokratie SPD Kaiserreich Rezensionen Lars Fischer Auguste Zeiß- Horbach Verein zur Abwehr des Antisemitismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Gräfe (Author), 2008, Anti-Antisemitismus auf dem Prüfstand, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116691
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  14  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint