Faksimile im Insel Verlag


Seminararbeit, 2002
35 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Faksimile: Versuch einer Begriffsbestimmung

III. „Die Insel“ als Nachdruck

IV. Anforderungen an das Faksimile

V. Historischer Abriß über das Evangeliar Heinrichs des Löwen

VI. Die Faksimilierung des Evangeliars Heinrichs des Löwen

VII. Abschließende Bemerkungen

VIII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Schöne und gut ausgestattete Bücher zu verlegen, ist ein Ziel, das in faksimilierten Ausgaben besondere Gestalt annimmt. In der vorliegenden Seminararbeit werden zwei Reproduktionen[1] aus dem Insel Verlag analysiert, nämlich die buchkünstlerisch-literarische Zeitschrift „Die Insel“ und das Evangeliar Heinrichs des Löwen. Beide geben sich als Faksimiles aus.

Im ersten Teil dieser Arbeit wird die Definition des Begriffs „Faksimile“ problematisiert, indem die Anforderungen an die Vorlage geklärt werden. Dadurch kristallisieren sich Gründe heraus, die deutlich machen, daß die reproduzierte Ausgabe der „Insel“ ein Nachdruck ist.

Im zweiten Teil sollen zentrale Erkenntnisse, die aus der Bestimmung der Merkmale eines Faksimiles entstanden sind, in Verbindung mit der Faksimilierung des Evangeliars Heinrichs des Löwen gebracht werden. Dabei wird auch die technische Verfahrensweise berücksichtigt. Wie reproduziert der Insel Verlag den Evangeliencodex?

In einem gesonderten Kapitel soll die Rolle, welche die Faksimilierung in der Geschichte dieser Handschrift spielt, deutlich werden. Das Evangeliar ist für den Gottesdienst angefertigt worden, heute stellt es jedoch ein Objekt der Wissenschaft dar. Wie ist der Weg, der vom Herstellungszweck zum Wissenschaftszweck geführt hat, verlaufen?

Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, Einsichten in die Probleme zu gewinnen, die Insel bei einer originalgetreuen Nachbildung zu lösen hat.

Beim Bearbeiten dieser Aufgabenstellung haben sich Herbert Douteils Aufsatz „Begriff und Aufgabe des »Faksimile«“ sowie der von Dietrich Kötzsche herausgegebene Kommentar zum Faksimile des Evangeliars Heinrichs des Löwen als besonders hilfreich erwiesen.

II. Faksimile: Versuch einer Begriffsbestimmung

Die Sprachwurzel des Begriffs Faksimiles bedeutet nicht Gleichartigkeit; sie enthält lediglich einen Imperativ: „fac simile – mach’ gleich“[2].

Diese Aufforderung sagt zunächst einmal wenig aus. Was ist ein Faksimile? Bis dato gibt es keine eindeutige, allgemein anerkannte Antwort auf diese Frage.[3]

Herbert Douteil legt dar, was er unter einem Faksimile versteht. Hierbei handelt es sich weniger um eine Definition, sondern vielmehr um „eine schwer zu erfüllende Idealforderung – was aber den Wert dieser Festlegung keineswegs mindert“[4]:

Unter einem Faksimile verstehen wir die mechanische Reproduktion einer einzelnen geschriebenen oder gemalten Vorlage, die unter Einsatz aller technischen Mittel das Original in seiner inneren und äußeren Gestalt nachbildet, um es möglichst vollwertig zu ersetzen.[5]

Demgemäß liegt ein Faksimile nur dann vor, wenn seine Vorlage unikal ist und in ihrer Ge-samtheit mit der bestmöglichen, technischen Reproduktionsmethode möglichst originalgetreu wiedergegeben wird.

Die grundsätzliche Forderung nach dem Maximum des derzeit technisch Erreichbaren für alle Faksimiles ist freilich unrealistisch. Wenn ein Verlag den technischen Aufwand nicht an die Ausstattung der zu reproduzierenden Vorlage anpaßt, kann das Faksimile selbst zu einem un-erschwinglichen „Rarissimum“[6] werden.

Als Unikate bezeichnet Douteil einmalig vorhandene Originale, die „handgeschrieben, handgemalt oder auf irgend eine andere Weise handgestaltet [sind]“[7]. Reproduktionen von be-reits vervielfältigten Vorlagen läßt er auch dann nicht als Faksimiles gelten, wenn sie die originalgetreue Nachbildung des vorgegeben Textbildes darstellen; er nennt sie Nachdrucke.[8] So zeigt sich, daß Douteil den Begriff „Faksimile“ wesentlich enger auffaßt, als man bei der abstrakten, lateinischen Imperativform „fac simile – mach’ gleich“[9] vermuten könnte.

III. „Die Insel“ als Nachdruck

Im Jahre 1981 druckt der Insel Verlag alle 36 Hefte seiner buchkünstlerisch-literarischen Monatszeitschrift „Die Insel“ nach; er bezeichnet die reproduzierten Editionen im Untertitel als „Faksimilesausgabe[n]“[10].

Die Originalausgaben der Zeitschrift, die von 1899 bis 1902 erschienen sind, gelten in li-terarischer wie in buchkünstlerischer Hinsicht als „»Keimzelle« eines der bedeutendsten deutschen Verlagshäuser.“[11]

Viele Autoren, die heute ›selbstverständlich‹ schon zu den Klassikern der Literatur des 20. Jahrhunderts zählen, waren in der Insel vertreten: Rainer Maria Rilke, Hugo von Hofmannsthal, Robert Walser und Frank Wedekind.[12]

Die Entstehung der „Insel“ läuft parallel mit den Anfängen des Insel Verlages. Klaus Schöff-ling versteht daher den von ihm verfaßten Kommentarband zur reproduzierten Edition der Zeitschrift als einen Beitrag zur Gründungsgeschichte des Insel Verlages und wählt den Titel „Die ersten Jahre des Insel Verlags 1899-1902. Begleitband zur Faksimileausgabe der Zeit-schrift »Die Insel«“. Auch Heinz Sarkowski bezeichnet in seiner Verlagsgeschichte die reproduzierte Ausgabe der „Insel“ als „Faksimile“[13].

Der Umstand, daß man das Fachwort „Faksimile“ noch nicht allgemein verbindlich definiert hat[14], ermöglicht den Verlagen, es verkaufsfördernd einzusetzen, da es vom „Flair des Kostbaren“[15] umgeben ist. „Faksimile: das ist etwas teures, möglicherweise gar wertvolles, kurzum ein Reizwort, das den Verkauf fördert.“[16] Über diesen ungenierten Gebrauch der Ter-minologie wundert sich Douteil:

Bei näherer Prüfung dessen, was alles als „Faksimile“ bezeichnet wird, ist man höchst erstaunt: Das Angebot geht von einem fotomechanischen Nachdruck über den Druck jedes einzelnen Blattes auf glänzendem Kunstdruckpapier mit weißem Rand zur Edition Grau in Grau mit handbeschnittenem Rand und originalähnlichem Einband, zum Nachdruck der Bilder oder Textseiten auf der einen und des Kommentars auf der anderen Seite, bis hin zum Band, der das Original bis in die Lagen hinein nachahmt (…).[17]

Bevor nun erklärt wird, warum die reproduzierte Edition der „Insel“ kein Faksimile darstellt, sondern einen Nachdruck, soll die besondere Aufmachung ihrer Originalausgabe hervor-gehoben werden. Die Herausgeber Otto Julius Bierbaum, Alfred Walter Heymel und Rudolf Alexander Schröder haben diese Zeitschrift buchmäßig ausgestattet, also mit typographischen Mitteln und mit Reproduktionsverfahren, die dem Buchdruck verwand sind wie z. Bsp. Holzschnitten.

Der Ausgangspunkt war immer das Buch, auch für Anlage und Gestaltung der Zeitschrift. Die Hefte sollten in sich einen Zusammenhang haben, eben ›Buchmäßig‹ (sic!) wirken, und die Ausstattung möglichst in einer Hand sein. So entstand der Plan, jedes Quartal einem anderen Künstler zur Ausgestaltung zu übergeben.[18]

Den Herausgebern kommt es auf eine ganzheitliche Ausstattung an, auf die Übereinstimmung von Form und Inhalt, auf die Wahl der Schrift, des Papiers und des Umschlages.

Der erste Jahrgang der „Insel“ „ist in einer alten Drugulin-Fraktur großzügig im Cicero-Grad gesetzt“[19] und auf Büttenpapier gedruckt, das als Wasserzeichen das Verlagssignet trägt.[20]

Im zweiten und dritten Jahrgang kann diese Ausstattung trotz der mäzenatischen Unter-stützung[21] dem finanziellen Druck nicht mehr standhalten.

Deshalb ersetzt eine Antiqua-Schrift der Offizin Drugulin[22] im Korpus-Grad die Fraktur, man nützt die Seiten durch einen größeren Satzspiegel ökonomischer aus, verwendet weniger starkes Papier und schränkt die Illustrationen und Ornamente ein.[23] So hat man den Preis der Einzelhefte von anfänglich drei Mark auf zwei ermäßigt, die Hefte des dritten und letzten Jahrgangs haben nur noch eine Mark gekostet.[24]

Die Abonnementsbestellungen können die Zeitschrift jedoch zu keinem Zeitpunkt tragen.[25]

Die Sparmaßnahmen greifen weiter um sich. „Die Insel“ erscheint im dritten Jahrgang auf Werkdruckpapier, ihr Buchschmuck verringert sich von neuem, Umfang und Format werden verkleinert.[26]

Wie bereits dargelegt worden ist, gehört es zu den notwendigen Bedingungen eines Fak-similes, daß das entsprechende Original ein Unikat darstellt. Deshalb soll nun geklärt werden, ob die Vorlage der reproduzierten Zeitschrift dieser Anforderung standhält.

Die Vorlage selbst muß handgeschrieben, handgemalt oder auf irgend eine andere Weise handgestaltet sein und auf diesem Wege ihre Unverwechselbarkeit besitzen; bei einem mit gewöhnlichen Lettern gesetzten Druckwerk als Vorlage sollte man nicht von Faksimile, sondern von „Nachdruck“ sprechen.[27]

Freilich ist „Die Insel“ keine Handschrift. Aber sind unter bestimmten Voraussetzungen nicht auch Drucke unikal? Nachträglich zugefügte handschriftliche Anmerkungen bzw. Zeich-nungen, die nicht vom Verlag oder Autor stammen, könnten eine Zeitschrift zu einem Unikat machen. Sie höbe sich dann von den anderen Exemplaren ihrer Auflage ab.

Die Ausweitung des Unikatbegriffes wirkt sich unmittelbar auf die Definition des Faksimiles aus. Dies zeigt sich symptomatisch in den unterschiedlich datierten Anfängen der Geschichte des Faksimilierens. Sie beginnt nach Ansicht von Karl Dachs 1808 mit der lithographischen Faksimilierung „des nur als Unicum (sic!) in der Bayerischen Staatsbibliothek erhaltenen ersten Buches Gutenbergs, des Türkenkalenders von 1454“[28].

Stephan Füssel konstatiert, daß die ersten manuellen Faksimilierungen im Kupferstich erfolgt sind.

Als ältestes Vollfaksimile gelten die Seiten des Martyrologium St. Hieronymi aus Echternach, das von Heribert Rosweyde in Kupfer gestochen und 1626-33 bei Balthasar Moretus verlegt wurde.[29]

Thomas Hilka macht den Beginn der Faksimilegeschichte bereits an Beispielen spätmittel-alterlicher Handschriftenkopien fest.[30]

Douteils enge Begriffsbestimmung setzt beim modernen Faksimile an. Er postuliert die genaue technische Wiedergabe einer unikalen Vorlage unter Verzicht auf händisches Kopieren. Damit schließt er kategorisch manuelle Eingriffe auch auf den Druckkörper aus.

Demnach würde die Faksimilierungsgeschichte noch später als mit der Lithographie ein-setzen, nämlich erst mit der Erfindung der Fotografie, da hier erstmalig die Vorlage nicht manuell auf die Druckform übertragen worden ist.[31]

Eine Faksimilierung bildet ein einzelnes, ganz bestimmtes Werk mit allen seinen exemplar-spezifischen Eigenschaften nach.[32] Individuelle Merkmale wie Gebrauchspuren oder nach-träglich zugefügte handschriftliche Eintragungen sind in der reproduzierten Ausgabe der „Insel“ aber nicht enthalten[33], denn der Verlag hat die Zeitschrift nicht in ihrem aktuellen, sondern ursprünglichen Erhaltungszustand wiedergegeben. Deshalb handelt es sich bei der Vorlage nicht um ein Unikat.

Eigentlich erübrigt es sich an dieser Stelle, das äußere Erscheinungsbild der reproduzierten Ausgabe mit ihrem Original genauer zu vergleichen. Douteil bezeichnet Reproduktionen von Vorlagen, die nicht unikal sind, selbst dann nicht als Faksimiles, wenn sie die originalgetreue Wiedergabe des vorgegeben Textbildes darstellen. Er nennt sie Nachdrucke.

Daß die Herausgeber die Ausstattung der originalen Zeitschrift je nach Jahrgang sukzessiv haben einschränken müssen, ist bereits aufgefallen. Für die reproduzierte Edition aller 36 Hefte der „Insel“ hat man jedoch ausschließlich das Format des dritten Jahrganges gewählt, weshalb zahlreiche Seiten[34] um 20 Prozent verkleinert und einige Abbildungen im Unter-schied zur Originalsausgabe einfarbig nachgebildet worden sind.[35] Außerdem ersetzt ein Werkdruckpapier die verschiedenen Papiersorten der Vorlagen.[36]

Diese Abweichungen der äußeren Erscheinungsbilder von Reproduktion und Original nimmt Ilse Unruh zum Anlaß zu ihrer Feststellung:

Um ein Faksimile im strengen Sinn handelt es sich bei dieser Ausgabe nicht.[37]

Die reproduzierte Edition der „Insel“ stellt die technische Wiedergabe eines bereits ge-druckten und damit vervielfältigten Werkes dar, nicht die eines bestimmten Exemplars. Unruh spricht daher zu Recht – Douteils Begriffbestimmung bestätigt sich dadurch – von einem „Nachdruck aller 36 Hefte (…) dieser von 1899 bis 1902 existierenden buchkünstlerisch-literarischen Zeitschrift.“[38]

IV. Anforderungen an das Faksimile

Bei einer Faksimilierung wird „eine illusionistische Identität“[39] von Vorlage und Repro-duktion angestrebt, damit sich die Benutzung des Originals nahezu erübrigt. Daraus ergeben sich konkrete Forderungen an ein Faksimile, die im folgenden erläutert werden.

An erster Stelle ist wohl das Kriterium der Vollständigkeit zu nennen.[40] Darunter versteht man, daß alle Bild- und Textseiten der Vorlage wiedergegeben werden.[41] Ob dies auch vor-handene Vakatblätter einschließt, wird unterschiedlich aufgefaßt. Füssel bezieht in seiner Forderung, den gesamten kodikalen Bestand einer Handschrift zu reproduzieren, ausdrücklich auch die Leerseiten mit ein.[42] Hans Zotter legt darauf jedoch nur dann großen Wert, wenn die Vorlage nicht allzu viele Vakatblätter aufweist:

[D]ie Wiedergabe einer größeren Zahl von Leerblättern bringt kaum wissenschaftlichen Gewinn.[43]

Sind die Vakatblätter jedoch mit Randbemerkungen versehen worden, gehören sie grund-sätzlich zum festen Bestandteil eines Faksimiles.[44]

Einige Wissenschaftler, welche die Unterscheidung von Vollfaksimiles und Teilfaksimiles anführen, relativieren bei der Faksimilierung bestimmter Vorlagen sowohl den Anspruch des Vollständigkeitskriteriums als auch den Grundsatz der farbtreuen Wiedergabe.

Während man bei einer Vollfaksimilierung das Original grundsätzlich vollständig und seine Farben trotz kalkulatorischer Zwänge originalgetreu reproduzieren muß, dürfen für ein Teil-faksimile uninteressante Passagen durchaus übergangen oder mit einem Schwarz-weiß-Druck wiedergegeben werden, wenn dabei der wissenschaftliche Wert der Reproduktion nicht beeinträchtigt wird.

Nach den Auffassungen von Zotter und Dachs ist die Teilfaksimilierung bei liturgischen Handschriften „mit stereotypem und daher weniger interessantem Text vertretbar.“[45] Dies können z. Bsp. Evangeliare oder Stundenbücher sein; ihre Texte brauchen für den Liturgie-wissenschaftler nicht vollständig wiedergegeben zu werden, weil sie in den seltensten Fällen voneinander abweichen.[46] Zotter hebt ausdrücklich hervor, daß man nur die Reproduktionen als Teilfaksimile bezeichnet, die den kompletten Bildschmuck der Vorlage enthalten; „das ledigliche Abbilden einiger Spezimina-Seiten reicht (…) nicht für die Ehre dieser Bezeichnung.“[47]

Sind die Handschriften nur zu einem geringen Teil illuminiert, hält Dachs es für legitim, alle Seiten mit Illuminationen originalgetreu in Farbe, die Textseiten hingegen mit einem Schwarz-weiß-Druck wiederzugeben.[48]

Diese beiden Möglichkeiten der Teilfaksimilierung sollen die Produktionskosten reduzieren und dadurch verhindern, daß die reproduzierte Ausgabe wegen eines zu hohen Preises von den Bibliotheken nicht gekauft wird.[49]

Die Vollständigkeitsforderung verliert ihre Gültigkeit bei der Reproduzierung von Palimp-sesten. Es handelt sich hierbei um alte Handschriften aus Pergament oder gar aus Papyrus, deren ursprüngliche Beschriftung beseitigt und durch eine jüngere ersetzt worden ist, um den kostbaren Beschreibstoff wiederverwenden zu können.[50]

Da es meist der ältere Text ist, auf den sich das alleinige Interesse konzentriert, dieser aber nur unter Anwendung von Speziallicht sichtbar gemacht werden kann – bei welchem Verfahren der jüngere Text unsichtbar wird –, kann man solche Reproduktionen schwerlich als vollständig bezeichnen.[51]

Zotter macht auf Ausgaben aufmerksam, die versuchen ein Palimpsest vollständig wiederzugeben, indem sie sowohl dessen Normallicht- als auch Speziallichtaufnahmen zeigen.[52] Dieses Speziallicht stellt ein UV-Licht dar. Deshalb lassen sich bei der Gruppe der Palimpseste die originalen Farben grundsätzlich nicht nachbilden.[53] Die farbtreue Repro-duktion gilt jedoch als wesentliches Charakteristikum eines Faksimiles.[54] Zotter vermutet daher, daß es sich bei den reproduzierten Palimpsesten möglicherweise gar nicht um „Fak-simile[s] im engeren Sinn“[55] handelt.

Die absolute Farbübereinstimmung mit der Vorlage stellt nicht nur einen großen Mehrwert für die wissenschaftliche Beurteilung von Miniaturen, Initialen und Illustrationen, sondern auch die Voraussetzung für die Erschließung des privaten Marktes dar, weil „offensichtlich nur mit der Farbe der Bibliophile als Käufer zu gewinnen ist.“[56] In der Praxis fällt es jedoch schwer, den Grundsatz der farbtreuen Nachbildung durchzuhalten.

Otto Mazal[57] und Zotter[58] wenden daher ein, daß bei reinen Texthandschriften der hohe Stellenwert, den die Reproduktion der Farben für die Forschung hat, entfällt. Hierauf bezüglich halten sie eine Faksimilierung in Schwarz-weiß oder in einer Doppelton-Wiedergabe für ausreichend, sofern die Tonabstufungen der Vorlage entsprechend nach-gebildet werden.

[...]


[1] „Unter dem allgemeinen Begriff „Reproduktion“ verstehen wir jede Form der Wiedergabe einer Vorlage.“ Hilka, Thomas: Zur Terminologie und Geschichte der Faksimilierung. S. 290.

[2] Zitiert nach Füssel, Stephan: Vom Steindruck zum Internet. S. 134.

[3] Vgl. Reichert, Ludwig: Faksimile-Ausgaben. S. 2821. Vgl. auch Kramer, Manfred: Das Faksimile. S. 89.

[4] Zotter, Hans: Überlegungen zu einer Terminologie im Bereich von Faksimileausgaben. S. 331.

[5] Douteil, Herbert: Begriff und Aufgabe des „Faksimile“. S. 8.

[6] „Es wäre (…) sinnlos, die moderne Edition einer Handschrift derart aufwendig zu gestalten, daß die Reproduktion ob ihres Preises zu einem Rarissimum wird.“ Kramer, Manfred: Was ist ein Faksimile? S. 16.

[7] Douteil, Herbert: Begriff und Aufgabe des „Faksimile“. S. 9.

[8] Vgl. ebenda.

[9] Zitiert nach Füssel, Stephan: Vom Steindruck zum Internet. S. 134.

[10] Bierbaum, Otto Julius (Hg.); Heymel, Alfred Walter (Hg.); Schröder, Rudolf Alexander (Hg.): Die Insel. Faksimilesausgabe in zwölf Bänden. Frankfurt am Main 1981. (=Insel Taschenbuch 578).

[11] Schöffling, Klaus: Die ersten Jahre des Insel Verlags 1899-1902. S. 8.

[12] Ebenda. S. 55.

[13] „›Die Insel. Monatsschrift mit Buchschmuck und Illustrationen‹, hrsg. von Otto Julius Bierbaum, Alfred Walter Heymel und Rudolf Alexander Schröder; Faksimile der von Oktober 1899 bis September 1902 erschienenen Zeitschrift, zwölf Bände und ein Begleitband: ›Die ersten Jahre des Insel Verlags‹.“ Sarkowski, Heinz: Der Insel Verlag 1899-1999. S. 532.

[14] Vgl. Reichert, Ludwig: Faksimile-Ausgaben. S. 2821.

Vgl. auch Kramer, Manfred: Das Faksimile. S. 89.

[15] Zotter, Hans: Flair des Kostbaren. S. 72.

[16] Ebenda.

[17] Douteil, Herbert: Begriff und Aufgabe des „Faksimile“. S. 7.

[18] Schöffling, Klaus: Die ersten Jahre des Insel Verlags 1899-1902. S. 24.

[19] Unruh, Ilse: Die Monatszeitschrift »Die Insel« von 1899 bis 1902. S. 2592.

[20] Vgl. Schöffling, Klaus: Die ersten Jahre des Insel Verlags 1899-1902. S. 23.

[21] „Trotz der gesicherten finanziellen Basis wollen die Herausgeber ihre Zeitung natürlich nicht auf Dauer subventionieren; wenn auch kein Gewinn dabei herauskommen konnte, so sollte sie sich doch zumindest selbst tragen.“ Ebenda. S. 56.

[22] Ilse Unruh bezeichnet die Offizin Drugulin in Leipzig als „erste Adresse unter den Druckereien.“ Unruh, Ilse: Die Monatszeitschrift »Die Insel« von 1899 bis 1902. S. 2593.

[23] Vgl. Schöffling, Klaus: Die ersten Jahre des Insel Verlags 1899-1902. S. 56.

[24] Vgl. ebenda. S. 59.

[25] Vgl. ebenda. S. 28.

[26] Vgl. ebenda. S. 59, 60.

[27] Douteil, Herbert: Begriff und Aufgabe des „Faksimile“. S. 9.

[28] Dachs, Karl: Die Konzeption von Faksimileausgaben als bibliothekarische Aufgabe. S. 36.

[29] Füssel, Stephan: Vom Steindruck zum Internet. S. 135. Füssel betont dabei, daß die Faksimilierungen im Kupferstich „in einer freien künstlerischen Nachahmung [erfolgten]“. Ebenda. S. 136.

[30] Vgl. Hilka, Thomas: Zur Terminologie und Geschichte der Faksimilierung. S. 292.

[31] Die Retuschen werden bei der Photographie jedoch per Hand durchgeführt. Vgl. Kramer, Manfred: Das Faksimile. S. 87.

[32] Vgl. Manfred Kramer, der darauf verweist, daß „ein Faksimile ausschließlich den momentanen Erhaltungszustand einer Handschrift wiedergeben darf.“ Kramer, Manfred: Faksimile-Ausgaben als verlegerische und technische Herausforderung im Dienste der Forschung. S. 60.

[33] Vgl. Bierbaum, Otto Julius (Hg.); Heymel, Alfred Walter (Hg.); Schröder, Rudolf Alexander (Hg.): Die Insel. Bd. 1, S. 1-Bd. 12, S. 363.

[34] Es handelt sich herbei um 21 Seiten aus den ersten beiden Jahrgängen.

[35] Vgl. Schöffling, Klaus: Die ersten Jahre des Insel Verlags 1899-1902. S. 127.

[36] Vgl. Unruh, Ilse: Die Monatszeitschrift »Die Insel« von 1899 bis 1902. S. 2592.

[37] Ebenda.

[38] Unruh, Ilse: Die Monatszeitschrift »Die Insel« von 1899 bis 1902. S. 2592.

[39] Hilka, Thomas: Zur Terminologie und Geschichte der Faksimilierung. S. 290.

[40] „Unter allen Umständen aber die wichtigste und unabdingbare Forderung ist die Vollständigkeit.“ Kramer, Manfred: Faksimile-Ausgaben als verlegerische und technische Herausforderung im Dienste der Forschung. S. 58.

[41] Vgl. Hilka, Thomas: Zur Terminologie und Geschichte der Faksimilierung. S. 291.

[42] Vgl. Füssel, Stephan: Vom Steindruck zum Internet. S. 135.

[43] Zotter, Hans: Überlegungen zu einer Terminologie im Bereich von Faksimileausgaben. S. 332.

[44] Vgl. ebenda.

[45] Vgl. ebenda. S. 334.

[46] Vgl. Dachs, Karl: Die Konzeption von Faksimileausgaben als bibliothekarische Aufgabe. S. 44.

[47] Zotter, Hans: Überlegungen zu einer Terminologie im Bereich von Faksimileausgaben. S. 334.

[48] Vgl. Dachs, Karl: Die Konzeption von Faksimileausgaben als bibliothekarische Aufgabe. S. 45, 46.

[49] Vgl. ebenda. S. 46.

[50] Vgl. Hiller, Helmut: Wörterbuch des Buches. S. 227a.

[51] Zotter, Hans: Überlegungen zu einer Terminologie im Bereich von Faksimileausgaben. S. 332.

[52] Vgl. ebenda.

[53] Vgl. ebenda. S. 334.

[54] Vgl. Hilka, Thomas: Zur Terminologie und Geschichte der Faksimilierung. S. 291.

[55] Zotter, Hans: Überlegungen zu einer Terminologie im Bereich von Faksimileausgaben. S. 333.

[56] Dachs, Karl: Die Konzeption von Faksimileausgaben als bibliothekarische Aufgabe. S. 44.

[57] Vgl. Mazal, Otto: Das Faksimile und die Wissenschaft. S. 135, 136.

[58] Vgl. Zotter, Hans: Überlegungen zu einer Terminologie im Bereich von Faksimileausgaben. S. 335.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Faksimile im Insel Verlag
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Buchwissenschaft)
Veranstaltung
Faksimilierungen
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
35
Katalognummer
V116696
ISBN (eBook)
9783640189311
ISBN (Buch)
9783640189533
Dateigröße
570 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Faksimile, Insel, Verlag, Faksimilierungen, Nachdruck, Buchwissenschaft, Drucktechnik, Medienwissenschaft
Arbeit zitieren
M.A. Peter Barkefeld (Autor), 2002, Faksimile im Insel Verlag, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116696

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