Der Text beleuchtet ökumenische Ideen und Projekte im Fachbereich Evangelische Theologie / an der Theologischen Fakultät der Philipps-Universität Marburg von 1860 bis 2020. Er ist konzipiert als Beitrag für einen Sammelband, der anlässlich des 500-jährigen Bestehens der Philipps-Universität erscheinen soll. Zur Darstellung kommt, wie der ökumenische Gedanke seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Marburg durch Vertreter unterschiedlicher theologischer Disziplinen vorangebracht wurde.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorgeschichte
2 Zwischen den Zeiten
2.1 Rudolf Otto
2.2 Friedrich Heiler
2.3 Heinrich Hermelink
3 Zwischen II. Weltkrieg und der hessischen Universitätsreform 1970
3.1 Ernst Benz
3.2 Hans Graß und Carl Heinz Ratschow
3.3 Stephan H. Pfürtner
3.4 Exkurs: Ernst Wilhelm Kohls
4. Forschungsstelle Ökumenische Theologie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit rekonstruiert die Entwicklung ökumenischer Ideen und Projekte an der Theologischen Fakultät bzw. dem Fachbereich Evangelische Theologie der Philipps-Universität Marburg im Zeitraum von 1860 bis 2020 und würdigt die zentralen Akteure sowie deren institutionelle Ansätze zur ökumenischen Verständigung.
- Historische Genese ökumenischer Ansätze in Marburg
- Die Rolle prominenter Theologen wie Rudolf Otto, Friedrich Heiler und Ernst Benz
- Entwicklung und Wirken der Forschungsstelle Ökumenische Theologie
- Spannungsfelder zwischen Konfessionskunde und ökumenischem Engagement
- Interreligiöse und interkonfessionelle Dialoginitiativen
Auszug aus dem Buch
2.1 Rudolf Otto
Rudolf Otto, der 1917 als Nachfolger von Wilhelm Herrmann den Lehrstuhl für Systematische Theologie übernahm, wird so sehr als Religionswissenschaftler gesehen und von seinem Hauptwerk „Das Heilige“ her verstanden, dass sein Beitrag für die beginnende ökumenische Entwicklung die ihm gebührende Würdigung nicht erfahren hat. In der letzten wichtigen Veröffentlichung über Rudolf Otto fehlt ein Hinweis zu Ottos ökumenischem Engagement. In Darstellungen der Geschichte des ökumenischen Gedankens erscheint sein Name nicht.
Immerhin hat Hermann Mulert 1938 einen Artikel über „Otto’s ökumenisches Interesse“ veröffentlicht. Ernst Benz bringt 1971 in einem Beitrag über „Rudolf Otto als Theologe und Persönlichkeit“ auch Ottos Bedeutung für die Ökumene zur Sprache.
Rudolf Ottos Beziehung zur Ökumene äußert sich in drei Arbeitsbereichen: in seinen Reisen, seinen liturgischen Bemühungen und in seiner Mitwirkung bei ökumenischen Aktivitäten.
Bei seinen Reisen – Reinhard Schinzer nennt ihn scherzhaft den ersten Weltreisenden unter den Theologen – hatte Otto wohl zunächst eher die Konfessionskunde im Blick, die ja für ökumenisches Wirken eine wichtige Voraussetzung darstellt. Bei einer Reise durch Griechenland übernachtet er in Klöstern, nimmt an einer Säuglingstaufe teil. In Ägypten lernt er die Koptisch-Orthodoxe Kirche kennen und wird von deren Geistlichem Oberhaupt empfangen. Auf dem Athos wandert er von Kloster zu Koster und ist offenbar besonders von den russischen Mönchen des Klosters Panteleimonos beeindruckt. Bei einer Russland-Reise sind ihm besonders die Walamo-Klöster wichtig. Schon von Marburg aus besucht er die USA, wo er am Oberlin College in Oberlin / Ohio Vorlesungen über das Verhältnis von westlicher und östlicher Mystik hält. 1911 war es bei einer Reise durch Nordafrika in einer Synagoge in Tanger zu dem berühmten Erlebnis mit dem „Dreimal Heilig“ gekommen, das als der entscheidende Impuls für die Verfassung seines Epoche machenden Werks „Das Heilige“ gilt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorgeschichte: Der Abschnitt skizziert die konfessionellen Spannungen und die frühen Ansätze zur ökumenischen Auseinandersetzung an der Marburger Theologischen Fakultät ab dem 19. Jahrhundert.
2 Zwischen den Zeiten: Dieses Kapitel widmet sich den Anfängen eines engeren ökumenischen Interesses durch die Arbeit und den Einfluss von Rudolf Otto, Friedrich Heiler und Heinrich Hermelink.
3 Zwischen II. Weltkrieg und der hessischen Universitätsreform 1970: Hier werden die ökumenischen Beiträge von Ernst Benz, Hans Graß, Carl Heinz Ratschow und Stephan H. Pfürtner sowie ein Exkurs zu Ernst Wilhelm Kohls behandelt.
4. Forschungsstelle Ökumenische Theologie: Das letzte Kapitel dokumentiert die Gründung und die vielfältigen Aktivitäten der Forschungsstelle, die maßgeblich zur akademischen Verankerung ökumenischer Fragen in Marburg beitrug.
Schlüsselwörter
Ökumenische Theologie, Marburg, Philipps-Universität, Konfessionskunde, Rudolf Otto, Friedrich Heiler, Ernst Benz, Interreligiöser Dialog, Religionsgeschichte, Liturgik, Ostkirchen, Kirchengeschichte, Ökumene, Systematische Theologie, Interkonfessionelles Gespräch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Geschichte der ökumenischen Ideen und Projekte an der Theologischen Fakultät der Philipps-Universität Marburg im Zeitraum von 1860 bis 2020.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entwicklung der ökumenischen Bewegung, die Rolle der Konfessionskunde, liturgische Reformbestrebungen, der interreligiöse Dialog sowie die institutionelle Etablierung ökumenischer Forschung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die wissenschaftliche Aufarbeitung und Dokumentation des ökumenischen Engagements, das in Marburg durch bedeutende Theologen geprägt und institutionell durch Forschungsstellen gefestigt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-theologische Untersuchung, die auf Archivrecherchen, der Analyse von Dokumenten, Publikationen und Zeitzeugengesprächen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Beiträge maßgeblicher Theologen wie Otto, Heiler, Benz und Pfürtner sowie die Gründung und Arbeit der Forschungsstelle für Ökumenische Theologie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Ökumenische Theologie, Konfessionskunde, Interreligiöser Dialog, Liturgik und die Akteure der Marburger Theologie charakterisiert.
Welche Rolle spielte Rudolf Otto für die Ökumene?
Otto trug durch seine Reisen, seine liturgischen Bemühungen – etwa die Einführung von Chorgebeten – und sein weites Verständnis von Religion zur ökumenischen Weitung des Marburger Horizonts bei.
Warum war die Gründung der Forschungsstelle Ökumenische Theologie so bedeutsam?
Sie schuf ein institutionelles Zentrum zur Bündelung der ökumenischen Forschung, leistete Vernetzungsarbeit und begleitete die ökumenische Praxis wissenschaftlich.
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- Hans-Martin Barth (Author), 2022, Ökumenische Ideen und Projekte im Fachbereich Evangelische Theologie / an der Theologischen Fakultät der Philipps-Universität Marburg 1860 bis 2020, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1167295