Selbstmord im Alter


Hausarbeit, 2006

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung
1.1. Motivation zum Thema
1.2. Aufbau der Arbeit

2. Selbstmord allgemein
2.1. Definition
2.2. Epidemiologie im Überblick
2.3. Motivation

3. Selbstmord im Seniorenalter
3.1. Epidemiologie im Alter
3.2. Motive
3.2.1. Soziale Desintegration - Partnerverlust
3.2.2. Kränkungen und Krisen
3.2.3. Psychische Krankheiten im Alter
3.2.4. Verlust von Selbstständigkeit
3.3. Suizidprävention
3.3.1. Signale der Suizidgefährdung
3.3.2. Präventionsmaßnahmen für Betroffene
3.3.2.1. Vorbereitung auf das Alter
3.3.2.2. Annahme von Hilfen bei Krankheit und Behinderung
3.3.2.3. Gespräche mit suizidalen alten Menschen
3.3.3. Präventionsstrategien der Einrichtungen
3.3.3.1. Primäre Prävention
3.3.3.2. Sekundäre Prävention - Krisenintervention
3.3.3.3. Tertiäre Prävention - Psychotherapie

4. Zusammenfassung wichtiger Punkte

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Motivation zum Thema

Wenn ein junger Mensch sich sein Leben nahm, fragt man sich, welche Motive ihn zu dieser letzten Handlung bewegt haben. Er stand vor Zukunft in seinem Leben und beendete dieses. Angehörige und Personen, die damit konfrontiert werden, reagieren auf jugendlichen Selbstmord besonders schockiert. Es kommen Gedanken und Vorwürfe auf, was man als Vorzeichen übersehen hat und woran die eigene Schuld wahrscheinlich lag. Anders schaut die Reaktion der Menschen auf den Suizid von Senioren aus, die auf Grund eines Leidens im hohen Lebensalter ihr Leben aus eigenem Wunsch selber abschlossen. Es scheint in der gegenwärtigen Gesellschaft eine gewisse Toleranz zu geben, dass Senioren ihr Leben selbstbestimmt beenden wollen. Schließlich haben Medien mit den Begriffen Seniorenschwemme und Defizitmodellen der Senioren ein negatives Bild von den betagten Menschen vermittelt. Es ist auch in der Leistungsgesellschaft nicht verwunderlich, dass man nur durch eigene Arbeit und dementsprechend autonomen Ehrgeiz seine Existenz in der Gesellschaft als nützlich rechtfertigt. Bei Senioren ist Selbstmordgedanke eher ein schleichendes Phänomen. In der Öffentlichkeit wird es nicht in den Schlagzeilen der Zeitungen berichtet. Es herrscht vielleicht der Gedanke vor, dass der alte Mensch seines langen Lebens überdrüssig werden darf. In Verbindung mit dem bevorstehenden Tod des betagten Menschen herrschen die Schlagwörter Hospiz, Sterbebegleitung oder Euthanasie vor. Der Hintergrund dieser Begriffe liegt im Leidensverständnis durch unheilbare Krankheiten. Aber die steigende Selbstmordrate ab dem sechsten Lebensjahrzehnt kann pauschal nicht immer mit todbringenden Erkrankungen in Verbindung gebracht werden. Es gibt kritische Lebensphasen, die im Zusammenhang von Selbstmordabsichten berücksichtigt werden müssen. Krisen können die Entscheidung, das Leben frühzeitig zu beenden, wesentlich beeinflussen. So steht bei dieser Arbeit der Punkt im Vordergrund, wie die Epidemiologie des Suizids im Alter durch Psychologen bereits beschrieben ist. Es ist bei analysierendem Gedankengang auch wichtig festzuhalten, welche Motive hinter Suiziden stecken. Zusätzlich wird in diesem Kontext versucht, die Vorzeichen sowie die Präventionsmaßnahmen festzustellen. In Bezug auf die Präventionsmaßnahmen muss geklärt werden, was der einzelne Betroffene selber in seiner kritischen Situation unternehmen kann, und welchen Beitrag die Gesellschaft zur Vorbeugung etwaiger Selbstmordhandlung bieten soll.

1.2. Aufbau der Arbeit

Diese Arbeit behandelt das Thema Selbstmord im Alter. Sie ist nun folgendermaßen aufgebaut: Der Selbstmord wird anfangs ohne genauen Altersbezug beschrieben. Die Definition, Epidemiologie sowie die Motive werden in diesem Kapitel zum allgemeinen Selbstmord geschildert. Im darauf folgenden Kapitel bezieht sich der Selbstmord speziell auf die ältere Generation. Zunächst beschreibe ich den Suizid im Alter in Bezug der Epidemiologie. Die Motive werden im nächsten Abschnitt genauer beschrieben. Um Präventionsmaßnahmen einleiten zu können, ist natürlich erst notwendig, die Signale der Suizidgefährdung zu erkennen. So werden zunächst in einem Abschnitt die Merkmale für den Selbstmord erläutert. Als nächsten Schritt werden die Präventionsmaßnahmen beschrieben. Zunächst wird der Handlungsspielraum der Angehörigen sowie der Betroffenen erläutert. Anschließend werden die Angebote der Gesellschaft erörtert, die in einem Phasenmodell untergliedert sind. Im Schlussgedanken will ich die wichtigen Punkte zusammenfassen.

2. Selbstmord allgemein

Grundlegend soll erst der Suizid ohne Altersbezug beschrieben werden.

So wird in diesem Abschnitt der Begriff Selbstmord definiert und die Epidemiologie beschrieben. Abschließend werden auch die Motive aufgelistet.

2.1. Definition

Als Selbstmord wird das gegen sich selber gewaltsame und überlegte Vernichten des eigenen Lebens betrachtet. Die Ursachen werden im Konflikt des Menschen mit Normen und Orientierung gesehen. In Deutschland wird der Suizidversuch nicht bestraft. Auch der Versuch, die Beihilfe und die Anstiftung werden strafrechtlich nicht verfolgt. Hingegen wird in Österreich die Mitwirkung an der Selbsttötung generell bestraft. Auch in der Schweiz wird die Anstiftung sowie Beihilfe aus selbstsüchtigen Motiven strafrechtlich verfolgt. (Vgl. Brockhaus, 1998)

2.2. Epidemiologie im Überblick

Jährlich bringen sich 10 von 100.000 Frauen in den alten Bundesländer selber um. Die Selbstmordzahl von Männern ist doppelt so hoch zu beziffern. Auch in den neuen Bundesländern stieg die Selbstmordrate um 50 %. Die WHO legt weltweit eine Selbstmordziffer von 500.000 Menschen jährlich fest. Das bedeutet, dass sich täglich über 1000 Selbstmordfälle ereignen. Die Zahl der Suizidversuche wird von 10 bis 100 noch mal höher eingestuft. (Vgl. Tölle, 1999)

2.3. Motivation

Allgemein kann man festhalten, dass als Motiv für eine Suizidhandlung eine unerträglich sowie unlösbar erscheinende Lebenssituation für eine Entscheidung zum Selbstmord beiträgt. Der potentielle Selbstmörder sieht nur in der Flucht aus dem Leben einen Ausweg aus seiner auswegslosen Gesamtsituation. Natürlich spielen Enttäuschungen in zwischenmenschlichen Beziehungen auch eine wichtige Rolle. Ängste vor einer Gefahr sowie vor Verlust und dem langsamen Tod, und auch die Furcht, dass irgendeine Schuld aufgedeckt oder dass eine Geisteskrankheit ausbricht, kann den Menschen dazu bewegen, den Selbstmord als Fluchtmöglichkeit aus dem Leben zu wählen. Die Gemeinsamkeit aller Motive eines Selbstmords liegt in der empfundenen Hoffnungslosigkeit. (Vgl. Tölle, 1999) Hinter Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit verbergen sich Selbstzweifel und Schulderleben. So wird der Suizid ausgeübt, um aus dieser unerträglichen Realität zu fliehen. In diesem Zusammenhang versucht der werdende Selbstmörder ihm ausweglos erscheinenden Situationen ohne eigene Zukunftsperspektive auszuweichen. (Vgl. Tölle, 1999)

3. Selbstmord im Seniorenalter

Nachdem ich nun die Motive des allgemeinen Selbstmordes beschrieben habe, will ich nun speziell auf den Selbstmord im Seniorenalter eingehen.

3.1. Epidemiologie im Alter

Die Selbstmordrate bei Senioren lag in den alten Bundesländern im Jahre 1990 bei 13.000 bis 14.000 Selbstmorden von insgesamt 700.000 Todesfällen. Es ist allerdings während den letzten 15 Jahren keine Zunahme von Suiziden festzustellen. Die Abnahme wird auch nur auf die veränderte Definition solcher Todesursachen alter Jahrgänge zurückgeführt. Mit zunehmenden Alter liegt bei Männern ein höheres Suizidrisiko vor. (Vgl. Tews, 1994) Über 60-Jährige gehören zur Risikogruppe für Selbstmorde. 1990 gab es 3.990 Selbstmordfälle bei über 60-Jährigen. Allerdings dürfte hier die Dunkelziffer höher angelegt werden. Die Selbstmordrate demonstriert eine altersabhängige Tendenz. Bei den Frauen ist eher erst in der Zeitspanne vom 65 bis 75 Lebensjahr die kritische Phase für die Suizidalität zu entdecken. (Vgl. Radebold, 1994) In Deutschland im Jahre 1996 gab es 12.225 Selbstmordfälle, bei denen 8728 männlich und 3497 weiblich waren. Es ist einhergehend mit wirtschaftlichen Problemen auch ein Unterschied der Selbstmordraten in den neuen und alten Bundesländern festzustellen, wobei in den neuen die Rate höher zu beziffern ist. Auch ist hier im Jahre 1996 eine steigende Tendenz im höheren Lebensalter ab den 60. Lebensjahr zu bemerken. Allerdings liegt das Motiv des Frustes, der Resignation oder der Not bei der höheren Altersgruppe nicht am gescheiterten Hilfsappell an die Mitmenschen, sondern ist Flucht vor einer hoffnungslosen Zukunft. (Vgl. Erlemeier, 2000)

3.2. Motive

In den folgenden Abschnitten werden die Motive für die Selbstmordhandlung beschrieben:

3.2.1. Soziale Desintegration - Partnerverlust

Bei extremen Belastungen kann Isolation zu Selbstmordhandlungen führen. Allerdings wird in diesem Zusammenhang nicht aus objektiver Perspektive die Vereinsamung gemeint, sondern das subjektive Empfinden der Einsamkeit. In Verbindung mit sozialer Kontrolle kann Isolation dann zudem zu einem Motiv von Selbstmordgedanken werden. (Vgl. Reimann, 1994) Auch die Verwitwung spielt eine wesentliche Rolle bei der Selbstmordrate. Männer können offenbar mit dem Verlust der Lebenspartnerin nicht so gut umgehen. In den Vereinigten Staaten wurde festgestellt, dass die Suizidrate bei weißen Männern ansteigt. Als Ursache wird angenommen, dass Frauen durch ihren erweiterten Bekanntenkreis den Partnerverlust besser im Alter kompensieren können als Männer. (Vgl. Zimbardo, 1992) Todesfälle im gleichaltrigen Bekanntenkreis und Partnerverlust können zum Gefühl des Allein-Übrig-Bleibens oder zu innerer Entfremdung untereinander führen. (Vgl. Arbeitsgruppe Alte Menschen, 2005)

[...]

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Details

Titel
Selbstmord im Alter
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Psychogerontologie)
Veranstaltung
Gerontologische Intervention - Tod und Sterben
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V116748
ISBN (eBook)
9783640185030
ISBN (Buch)
9783640185115
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Selbstmord, Alter, Gerontologische, Intervention, Sterben, Suizid, Soziale Desintegration, Suizidprävention, Präventionsstrategien, kritische Lebensphase, Tod, Partnerverlust
Arbeit zitieren
M. A. ; Dipl. (postgrad.) Isolde A. Kretzschmar (Autor), 2006, Selbstmord im Alter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116748

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