Phonologie und Phonetik des Spanischen in Peru


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Zum Spanischen als Sprache der Kolonialherren

2 Linguistische Einflüsse auf das Spanische in Peru
2.1 Indigene Sprachen
2.1.1 Quechua
2.1.2 Aymara

3 Dialektverteilung in Peru

4 Zusammenfassung der phonetisch-phonologischen Merkmale des Spanischen in Peru
4.1 „Castellano andino“ – Andengebiet
4.1.1 Konsonantismus
4.1.2 Vokalismus
4.2 „Castellano ribereño“ – Lima/Zentralküste
4.3 Nordküste
4.4 Südküste/südwestliches Andengebiet
4.5 Amazonas-Tiefland

5 Tendenzen in der aktuellen Sprachentwicklung

6 Quellenverzeichnis:

Einleitung

Als zentraler Gegenstand soll in dieser Hausarbeit die Phonetik und Phonologie des Spanischen in Peru betrachtet werden.

Die Phonetik ist neben der Phonologie, Morphosyntax und der Lexikologie einer der wichtigsten Forschungsbereiche und ein wichtiges Instrument bei der Untersuchung der hervorstechendsten Merkmale des lateinamerikanischen Spanisch (Kubarth 1987: 23). Zudem gehört sie mit zu den am tiefsten durchdrungenen Disziplinen der iberoame-rikanischen Linguistik. Als Wissenschaft von den Sprachlauten hat die Phonetik bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit wichtigen Arbeiten dazu beigetragen, dass allge-meine Überlegungen zum Lateinamerikanischen angestellt wurden (Kubarth 1987: 23).

Mit der Phonetik eng verbunden ist die Phonologie, welche in der Linguistik Lateinamerikas ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Dabei handelt es sich um eine sprachwissenschaftliche Disziplin, die sich mit der Erforschung der bedeutungsunter-scheidenden Funktion der Sprachlaute, also mit dem Sprachsystem, befasst. Sie ist daher auf die Phonetik angewiesen. Dies zeigt sich besonders gut am Beispiel der Linguistik Lateinamerikas, wo alle phonologischen Untersuchungen (u.a. zur Laut-struktur oder zur Erstellung des Phoneminventars und Varianten) auf älteren Studien der Phonetik fuβen. Durch diese gegenseitige Abhängigkeit lassen sich beide Disziplinen auch nur schwer voneinander abgrenzen (Kubarth 1987: 23). Dies gilt auch für die Pho-nologie und Phonetik Perus. Desweiteren gibt es zu Perus Sprachsystem und Lautstand nur sehr wenig Fachliteratur, die zudem 20-30 Jahre alt ist und sich auf noch ältere Erhebungen aus den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts stützt. Es ist mir in dieser Arbeit darum in Anbetracht der Quellenlage nicht möglich, einen aktuellen Sprachstand zur Lautung und zum Sprachsystem darzustellen. Ich kann lediglich auf die Problematik der Aktualität hinweisen und versuchen, einen möglichst genauen Überblick zur Entwicklung des Spanischen in Peru zu geben und alle Informa-tionen zur Phonetik und Phonologie in einer mir angemessen erscheinenden Gliederung neu zusammenzufassen.

Um bei der Darstellung eine zeitliche Verfälschung zu vermeiden, habe ich mich dazu entschieden, wenn möglich auf die ältere Originalquelle Bezug zu nehmen und nicht die jüngere Referenzquelle anzugeben. Damit soll dem Leser zugleich der groβe zeitliche Abstand zur Gegenward vor Augen geführt werden.

1 Zum Spanischen als Sprache der Kolonialherren

Das heutige Peru bildete im 15. Jahrhundert das Zentrum des Inkareiches, welches von Cuzco aus verwaltet wurde und eine Ausdehnung von Südkolumbien bis Zentralchile und Nordwest-Argentinien hatte (Lipski 1994: 316). Bald darauf, 1531-1533, eroberte Francisco Pizarro dieses Inkareich (Noll 2001: 7) und gründete 1542 das Vizekönig-reich Peru, das bis 1717 alle spanischen Territorien Südamerikas mit Ausnahme von Venezuela umfasste (Noll 2001: 8). Nachdem die Spanier die Ausmaβe an Perus Rohstoffen entdeckt hatten, trieben sie Tausende der indigenen Bevölkerung in die Sklave-rei, um diese Schätze in die spanischen Galeonen zu füllen (Lipski 1987: 316). Über ein Jahrhundert lang verschifften die Spanier Gold und Silber von Peru nach Spanien. Dies hatte zwei extreme Folgen für die weitere Entwicklung Perus: Einmal stieg das anfangs abgelegene peruanische Territorium rasch zum reichsten Vizekönigreich der der spanischen Kolonien auf und lockte mit seiner privilegierten Stellung immer mehr spanische Siedler aus „less favoured colonies“ (Lipski 1994: 315) an. Auf der anderen Seite führte der Abtransport der Rohstoffe und der einseitige Gewinn auf spanischer Seite zu einer sehr unausgeglichenen sozioökonomischen Situation in Peru. Noch verschärft wurde dieser Kontrast zwischen der armen indigenen Bevölkerung und den reichen spanischen Verwaltern durch eine räumliche Abgrenzung: Letztere hatten sich nämlich in das neue kulturelle und ökonomische Zentrum des Vizekönigreiches zurückgezogen und lebten dort ein opulentes Leben im europäischen Stile. Der restlichen Bevölkerung in den um-liegenden Gebieten blieb nur die Landwirtschaft. Ihre Entwicklung stagnierte aber sozial und ökonomisch (Lipski 1994: 316). Auch die Menschen an den Küstengebieten, an denen tropische Landwirtschaft mit afrikanischen Sklaven betrieben wurde, hatten nur wenig Kontakt mit Lima. So kam es also dazu, dass weite Gebiete von Peru sprach-lich von Anfang an marginalisiert waren und Lima bald eine moderne Enklave mit einer spanischen Oberklassen-Sprache darstellte (Lipski 1994: 316).

2 Linguistische Einflüsse auf das Spanische in Peru

Das Spanische in Peru hat in seiner Geschichte viele Veränderungen erfahren und ist auch immer noch – wie jede Sprache – im Wandel begriffen. Doch durch seine spezielle koloniale Situation, unter dem starken Einfluss von Spaniens Kultur und Sprache, nimmt es eine Sonderstellung auf dem iberoamerikanischen Kontinent ein (Kubarth 1987: 143): Auf der einen Seite ist das Spanische in Peru nach wie vor stark von den noch fortlebenden Indianersprachen der Ureinwohner – dem Quechua und dem Aymara – geprägt. Auf der anderen Seite haben die spanischen Eroberer in Peru bereits seit Beginn der Kolonialisierung – also über einen längeren Zeitraum als im restlichen Ame-rika (Lipski 1994: 315) - damit begonnen, die indigene Urbevölkerung zu hispanisieren, d.h. die spanische Kultur und Muttersprache auf sie zu übertragen. Aus diesem Grund weicht auch das peruanische Spanisch weniger vom Standardkastilischen ab als das Spanisch in anderen Ländern Hispanoamerikas (Kubarth 1987: 143). Welche sprachli-chen Einflüsse sich nun konkret in der Sprache der Kolonialherren seit der Eroberung verfestigt haben, soll nun im Folgenden beleuchtet werden.

2.1 Indigene Sprachen

Wie bereits erwähnt, ist das Spanische in Peru nach wie vor stark von den noch lebendigen Indianersprachen geprägt. Ihre Bedeutung hat zwar in den letzten 500 Jahren seit der Eroberung abgenommen, sie sind aber dennoch für einige – vor allem quali-tative - sprachliche Veränderungen im Spanischen Perus verantwortlich (Kubarth 1987: 143). A. Tovar (1961: 452-474) fasst alle Indianersprachen, die bereits im Inkareich existierten, unter den Sammelbegriff „tipo andino“ zusammen, da sie vorwiegend in der Vergangenheit im Andengebiet angesiedelt waren und bis heute vorherrschend dort gesprochen werden.

Im Folgenden werde ich speziell auf die zwei wichtigsten dieser andinischen Indianersprachen eingehen, die bis heute fortleben: auf das Quechua und das Aymara.

2.1.1 Quechua

„Quechua“ ist zunächst einmal eine Bezeichnung für eine Sprache und nicht für ein Volk (Noll 2001: 64). Im Imperium der Inka, in welchem unterschiedliche Indio-sprachen nebeneinander existierten, war das Quechua oder runa simi (= die Sprache des Menschen) die offizielle Verständigungs- bzw. Verwaltungssprache (Kubarth 1987: 143). Es wurde vor allem im zentralen Andengebiet als dominante Sprache gesprochen, aber auch darüber hinaus als weitläufige Handelssprache genutzt (Noll 2001: 64). Eine schriftliche Form des Quechua existierte zu Zeiten des Inkareiches jedoch noch nicht. Zur Nachrichtenübermittlung gebrauchten die Inka Knotenschnüre („khipu“), mit denen sie lediglich kurze Botschaften wie Wörter und Zahlen durch verschiedenfarbige Knüpfungen darstellen konnten (Noll 2001: 64). Trotz fehlender Schriftsprache verbrei-tete sich das Quechua stetig weiter, und zwar über ein weiteres Gebiet hinweg als zu Zeiten der Inkas. Seine Ausdehnung reicht heute noch von Südkolumbien bis Bolivien und Argentinien. Angeregt wurde diese weite Verbreitung nach 1600 paradoxerweise durch die Spanier, als ihre Missionare die Sprache der Inkas als „lengua general“ (Noll 2001: 64) zur Verständigung annahmen (Kubarth 1987: 143).

Bis heute ist Quechua die „zahlenmäβig bedeutendste autochthone Indianer-sprache“ (Noll 2001: 64) des Kontinents und mittlerweile zum Teil stark dialektalisiert. Voegelin (1977: 21-22) ermittelte 1977 in einer Erhebung sechs Millionen monolingu-ale Quechua-Sprecher von insgesamt 25 Millionen Einwohnern[1] Perus (Noll 2001: 7). Bis 1998 stieg diese Zahl sogar um 1,8 Millonen[2] an. Seine Sprachgemeinschaft ist vor-wiegend im Andenraum – zwischen Argentinien und Ecuador – angesiedelt. Peru bildet dabei mit 4,4 Millionen Sprechern (Noll 2001: 64) das Kerngebiet. Neuerdings sind aber auch in den Groβstädten Quechua-Sprecher zu finden (à mehr dazu in 5. Kapitel).

1975 wurde das Quechua in Peru als kooffizielle bzw. Amtssprache dem Spani-schen gleichgestellt, eine nach Kubarth (1987: 143) bisher „einmalige Tatsache“ in Lateinamerika. Hieran erkenne man das Bekenntnis des Landes zu seiner althergebrach-ten Kultur, so Kubarth (1987: 143). Aber dies bedeutet noch keineswegs das Ende der Diglossie, d.h. der Sprachsituation, in der Spanisch im öffentlichen Bereich und Quechua nur im Privatbereich gesprochen wird (Escobar 1972: 31). Nach wie vor ist das Verhältnis von Quechua und Spanisch asymmetrisch mit Spanisch als dominanter Sprache (Bollée 2003: 142). Noch verstärkt wird dieses ungleiche Verhältnis durch die Abhängigkeit des Sprachstatus von der Regierung, die Quechua seit 1975 einmal einen offiziellen, dann wieder nur einen privaten Status einräumt (Kubarth 1987: 143). Trotzdem scheint das Überleben der Sprache gesichert zu sein. Bis heute wird in den peruanischen Provinzen Apurímas und Cuzco überwiegend Quechua gesprochen. Die soziale Barriere, die zwischen den Sprechern der Indianersprache und denen des Spani-schen während mehr als fünf Jahrhunderten Kontakt entstanden ist, besteht jedoch noch heute (Kubarth 1987: 144).

[...]


[1] Angabe von 1999.

[2] (Dietrich 1998) in: Noll 2001:64.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Phonologie und Phonetik des Spanischen in Peru
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Areallinguistik des Spanischen
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V116760
ISBN (eBook)
9783640190393
ISBN (Buch)
9783640196265
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Phonologie, Phonetik, Spanischen, Peru, Areallinguistik
Arbeit zitieren
Stefanie Müller (Autor), 2008, Phonologie und Phonetik des Spanischen in Peru, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116760

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