Die vorliegende Literaturrecherche skizziert das Umweltproblem der Fast-Fashion-Industrie. Ziel dieser Arbeit ist es, mögliche Ursachen für den Massenkonsum der Modetextilien mithilfe sozialpsychologischer Konzepte zu diskutieren, die besorgniserregenden Auswirkungen dieser Industrie zu beleuchten und einen Denkanstoß für bewussteres Konsumieren zu geben. Fast Fashion bedeutet nicht nur schnelle Mode, sondern gleichermaßen menschenunwürdig produzierte Kleidung, massenhaft ungetragenes Textil und eine gewaltige Umweltbelastung. Die Realität hinter der beliebten Schaufenstermode lautet "Live fast – die young". Die kommerzielle Modeindustrie führt zu einem beispiellosen Müllproblem, doch ein Umdenken setzt nur langsam ein. An erster Stelle steht für viele Verbraucher die Konsumbefriedigung. Das eigene Konsumverhalten zu verändern, ist oft zu mühsam und ressourcenintensiv und so werden eingeschliffene Verhaltensmuster aufrechterhalten. Dennoch geben sozialpsychologische Erkenntnisse Hoffnung. Veränderung ist möglich, wenn wir anfangen, Inhalte zu reflektieren und reflektierte Inhalte umzusetzen. Dass das gelingen kann, zeigt die folgende Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Fast Fashion
2.1 Definition
2.2 Historischer Hintergrund
3. Vom Wegwerfen
3.1 Konsum
3.2 Ökologische und soziale Auswirkungen
3.2.1 Arbeitsbedingungen.
3.2.2 Treibhausgase, Chemikalien, Wasserverbrauch.
3.2.3 Mikroplastik.
3.2.4 Gesundheit.
3.2.5 Abfall.
4. Altkleiderflut
4.1 Altkleidersammlung
4.2 Altkleidersammeln wird zum Problem
5. Vom Wiederverwenden
5.1 Attitude-Behavior-Gap
5.2 Theorie des geplanten Verhaltens
5.3 Persuasion
6. Diskussion
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht das komplexe Phänomen der Fast-Fashion-Industrie, mit dem primären Ziel, die Ursachen für den exzessiven Massenkonsum von Modetextilien mittels sozialpsychologischer Theorien zu analysieren und Möglichkeiten für ein nachhaltigeres Konsumverhalten aufzuzeigen.
- Analyse des Fast-Fashion-Geschäftsmodells und dessen historische Entwicklung
- Darstellung der ökologischen und sozialen Auswirkungen entlang der globalen Produktionskette
- Sozialpsychologische Untersuchung der Diskrepanz zwischen Einstellung und Verhalten (Attitude-Behavior-Gap)
- Diskussion der Bedeutung von bewusstem Konsum zur Entschleunigung des Modezyklus
Auszug aus dem Buch
Attitude-Behavior-Gap
Es gibt kaum einen anderen Themenbereich, der so eindrücklich zeigt, welcher Widerspruch zwischen Einstellung und tatsächlichem Konsumverhalten existiert, wie die Fast Fashion. Laut einer Umfrage an der Ernst-Moritz-Arndt Universität (2014), scheint ein grundlegendes Bewusstsein für die Problematik der konventionellen Bekleidungsindustrie bei vielen Menschen vorhanden zu sein. Dennoch entspricht ihr Konsumverhalten häufig nicht diesen Überzeugungen (Koß, 2014). Das hier beschriebene Phänomen wird als Attitude-Behavior-Gap bezeichnet – eine Diskrepanz zwischen Einstellungen, Werten sowie Bewusstsein und dem tatsächlichen Verhalten. Die Balance zwischen dem, was man tun möchte und dem wie man tatsächlich handelt zu halten ist eine herausfordernde Aufgabe, denn die Vermeidung sozial unverträglicher Konsummuster ist ausgesprochen ressourcenintensiv (Kollmuss & Agyeman, 2002). Bisher bekannte Gründe für solche Diskrepanzen sind finanzielle, psychologische und zeitliche Mehrkosten, eine geringe Wirksamkeitsüberzeugung, interne oder externe Anreize sowie eine Skepsis gegenüber der Informationswahrheit und Funktionalität nachhaltiger Produkte (Kollmuss & Agyeman, 2002).
Mit dem Aspekt der Mehrkosten ist eine Kosten-Nutzen-Analyse (Gesamtnutzen minus Gesamtkosten) gemeint, welche bei der Produktwahl aufgestellt wird. Der Gesamtnutzen summiert sich aus dem funktionalen, sozialen und psychologischen Nutzen eines Produkts. Beim Kauf nachhaltiger Artikel appelliert moderne Öffentlichkeitsarbeit zunehmend auf den sozialen Nutzen. Werbeanzeigen versprechen den Kunden „etwas Gutes [zu] tun“.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Phänomen Fast Fashion und Darstellung der damit verbundenen massiven ökologischen sowie sozialen Abfallproblematik.
Die Fast Fashion: Definition des Geschäftsmodells als schnelles, günstiges Vertriebssystem und Erläuterung der historischen Entwicklung durch die Quick-Response-Strategie.
Vom Wegwerfen: Analyse des modernen Konsumverhaltens und der schwerwiegenden ökologischen und gesundheitlichen Folgen der Textilindustrie.
Altkleiderflut: Untersuchung der Überlastung von Altkleidersammlungen und der Problematik durch illegale Sammlungen sowie minderwertige Textilqualitäten.
Vom Wiederverwenden: Sozialpsychologische Betrachtung der Einstellungs-Verhaltens-Lücke, der Theorie des geplanten Verhaltens und Möglichkeiten der Verhaltensbeeinflussung durch Persuasion.
Diskussion: Synthese der Ergebnisse und Appell für einen bewussteren Umgang mit Ressourcen im Spannungsfeld zwischen Digitalisierung und Nachhaltigkeit.
Schlüsselwörter
Fast Fashion, Konsumgesellschaft, Umweltpsychologie, Altkleiderflut, Attitude-Behavior-Gap, Theorie des geplanten Verhaltens, Persuasion, Nachhaltigkeit, Textilabfall, Mikroplastik, Konsumverhalten, soziale Auswirkungen, Greenwashing, Umwelthandeln, Ressourceneffizienz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Umweltproblem der Fast-Fashion-Industrie und beleuchtet die Diskrepanz zwischen dem Wissen der Konsumenten über die negativen Auswirkungen und ihrem tatsächlichen Kaufverhalten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind ökologische und soziale Folgen der Modeindustrie, das Entstehen von Textilabfällen, psychologische Barrieren beim nachhaltigen Konsum sowie Möglichkeiten zur Verhaltensänderung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, einen Überblick über das Thema zu geben und mit sozialpsychologischen Erklärungsansätzen zu diskutieren, wie nachhaltigeres Umwelthandeln im Umgang mit Textilien gefördert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturrecherche, die verschiedene wissenschaftliche Quellen, Studien und Theorien aus dem Bereich der Umweltpsychologie zusammenführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Industrie (Definition, Historie), die ökologischen und sozialen Konsequenzen, das Problem der Altkleiderflut sowie psychologische Theorien zur Verhaltenssteuerung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Fast Fashion, Konsumgesellschaft, Attitude-Behavior-Gap, Nachhaltigkeit, Textilabfall und umweltbewusstes Handeln charakterisiert.
Warum landet trotz Altkleidersammlungen ein Großteil der Kleidung im Müll?
Ein Großteil der heutigen Fast-Fashion-Kleidung besteht aus minderwertigen Kunstfasern, die sich weder für den Secondhand-Markt eignen noch gut recycelt werden können.
Welche Rolle spielt die "wahrgenommene Verhaltenskontrolle" laut der Theorie des geplanten Verhaltens?
Sie fungiert als entscheidender Faktor, der bestimmt, ob ein Individuum seine Absicht, nachhaltig zu handeln, unter Berücksichtigung der eigenen Ressourcen und Möglichkeiten tatsächlich in die Tat umsetzt.
Wie beeinflusst die Persuasion das Kaufverhalten?
Persuasion versucht durch gezielte Botschaften Einstellungen zu ändern, wobei die Wirksamkeit davon abhängt, ob Informationen systematisch oder auf einer peripheren Ebene (z.B. durch Heuristiken) verarbeitet werden.
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- Saskia Alexandra Fiedler (Author), 2021, Altkleiderflut. Schattenseiten der Fast Fashion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1167679