„Der Vortrag, den ich auf Ihren Wunsch zu halten habe, wird Sie nach verschiedenen
Richtungen notwendig enttäuschen. In einer Rede über Politik als Beruf werden Sie
unwillkürlich eine Stellungnahme zu aktuellen Tagesfragen erwarten. Das wird aber
nur in einer rein formalen Art [...] geschehen[...]“ (Weber 1926/ 1992: 5). Mit diesen
Worten beginnt Max Weber seinen 1919 gehalten Vortrag über Politik als Beruf.
Auch diese Arbeit wird Sie, die Leser notwendig enttäuschen. Zunächst
werden wir Webers Gedankengang durch seinen Vortrag hindurch folgen. Wir
werden dabei nahe an der zweiten Auflage des Textes von 1926 bleiben.
Anschließend werden wir versuchen diese Gedanken auf aktuelle Tagesfragen zu
beziehen. Dazu werden wir, mit Weber die Debatte um die Stammzellenforschung
beleuchten. Im Rahmen dieser Arbeit wird es jedoch nicht möglich sein (weit) über
das von den Medien vermittelte Alltagswissen zu diesem Thema hinauszugehen.
Ebenso wenig werden wir die Argumentationen der verschiedenen Positionen in
Gänze nachvollziehen können. Da es sich bei dieser Ausarbeitung aber um eine
soziologische Perspektive handelt, soll uns dieser Umstand nicht allzu sehr stören.
„- Damit zur Sache!“ (Weber 1926/ 1992: 5)
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Politik als Beruf
2.1 Politik als Beruf. Definitionen
2.2 Politik als Beruf. Stabilität des Staates
2.3 Politik als Beruf. Politiker
2.4 Politik als Beruf. Die Entwicklung
2.5 Politik als Beruf. Ethische Fragen
III Stammzellenforschung
3.1 Stammzellenforschung. Einleitung
3.2 Stammzellenforschung. Abriss: Naturwissenschaftliche Grundlagen
3.3 Stammzellenforschung. Abriss: Juristische Grundlagen
3.4 Stammzellenforschung. Grundlegendes ethisches Problem
3.5 Stammzellenforschung. Gesinnungsethik vs. Verantwortungsethik beim Problem der Stammzellenforschung
IV Fazit
V Anhang
5.1 Anhang. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss von Max Webers theoretischem Werk "Politik als Beruf" auf aktuelle politische Debatten, mit einem spezifischen Fokus auf die Gesetzgebung zur Stammzellenforschung. Ziel ist es, die Komplexität politischer Entscheidungsfindung unter Anwendung der weberschen Kategorien von Gesinnungs- und Verantwortungsethik zu analysieren.
- Max Webers Theorie der Politik als Beruf
- Grundlagen legitimer Herrschaft
- Ethische Maximen in der Politik
- Naturwissenschaftliche und juristische Aspekte der Stammzellenforschung
- Analyse der Stammzellen-Debatte aus soziologischer Perspektive
Auszug aus dem Buch
2.5 Politik als Beruf. Ethische Fragen
Nun erreicht Weber einen interessanten Punkt seiner Rede. Er betritt „das Gebiet ethischer Fragen; denn dahin gehört die Frage: was für ein Mensch man sein muß, um seine Hand an die Speichen des Rades der Geschichte legen zu dürfen.“ (Weber 1926/ 1992: 61) Weber fragt hier nach den Eigenschaften, die man mitbringen sollte um dem Beruf der Politik gerecht zu werden. Er findet „drei Qualitäten[, die] vornehmlich entscheidend sind“ (Weber 1926/ 1992: 62). Diese sind: Leidenschaft, Verantwortungsgefühl und Augenmaß.
Unter Leidenschaft versteht Weber hier „Sachlichkeit: [die] leidenschaftliche Hingabe an eine Sache“ (Weber 1926/ 1992: 62). Um ein guter Politiker zu sein gehört aber auch die Verantwortung gegenüber dieser Sache zu den benötigten Eigenschaften. Verantwortlichkeit kann aber nur entstehen, wenn ein Politiker das richtige Augenmaß besitzt. Er muss dazu fähig sein „die Realität mit innerer Sammlung und Ruhe auf sich wirken zu lassen“ und die „Distanz zu den Dingen und Menschen“ (Weber 1926/ 1992: 62) wahren. Weber verweist bereits an dieser Stelle auf das Problem der Unvereinbarkeit zwischen leidenschaftlicher Hingabe und Distanz.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Diese Einleitung führt in Max Webers Vortrag ein und skizziert das Ziel der Arbeit, Webers Gedankengang auf die aktuelle Stammzellendebatte zu beziehen.
II Politik als Beruf: Dieses Kapitel erläutert Webers Definitionen von Politik, Herrschaftstypen und die Rolle des Berufspolitikers.
III Stammzellenforschung: Dieses Kapitel gibt einen Abriss über die naturwissenschaftlichen und juristischen Grundlagen der Stammzellenforschung und analysiert die ethische Debatte durch die Brille von Gesinnungs- und Verantwortungsethik.
IV Fazit: Das Fazit resümiert die Anwendbarkeit von Webers Idealtypen auf moderne politische Entscheidungsprozesse.
V Anhang: Dieses Kapitel listet das verwendete Literaturverzeichnis auf.
Schlüsselwörter
Max Weber, Politik als Beruf, Stammzellenforschung, Gesinnungsethik, Verantwortungsethik, Idealtypen, Legitimität, Politische Entscheidung, Ethische Fragen, Forschungsfreiheit, Menschenwürde, Staatsordnung, Berufspolitiker, Sachlichkeit, Augenmaß.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Zusammenspiel zwischen Max Webers theoretischen Ausführungen in "Politik als Beruf" und den komplexen ethischen Herausforderungen bei aktuellen Gesetzgebungsverfahren, exemplarisch gezeigt an der Debatte um die Stammzellenforschung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Definition von Politik als Beruf, die Differenzierung zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik sowie die rechtlichen und naturwissenschaftlichen Rahmenbedingungen der Stammzellenforschung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Einfluss von Webers Konzepten auf das Verständnis moderner politischer Prozesse aufzuzeigen und zu untersuchen, wie Politiker ethische Dilemmata auflösen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine soziologische Perspektive und wendet Webers Idealtypen sowie die Konzepte der Gesinnungs- und Verantwortungsethik auf die aktuelle empirische Debatte an.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst Webers theoretische Konzepte (Stabilität des Staates, Typen des Berufspolitikers, Ethik) dargelegt und anschließend auf die Stammzellenforschung übertragen, inklusive der Darstellung politischer Positionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Politik als Beruf, Stammzellenforschung, Gesinnungsethik, Verantwortungsethik, Legitimität und Politische Entscheidung.
Wie unterscheidet Weber zwischen den Ethik-Typen?
Der Gesinnungsethiker handelt nach festen Prinzipien ohne Rücksicht auf Folgen, während der Verantwortungsethiker die Folgen seines Handelns in das Zentrum stellt und Ziele gegen Mittel abwägt.
Warum ist die Stammzellenforschung für die ethische Analyse relevant?
Sie stellt ein klassisches Dilemma dar, bei dem "gute Zwecke" (Heilung von Krankheiten) gegen "bedenkliche Mittel" (Embryonen-Zerstörung) abgewogen werden müssen, was die politische Entscheidungsfindung massiv erschwert.
- Arbeit zitieren
- Daniel Klein (Autor:in), 2008, Max Weber und die Stammzellenforschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116768