Diese Forschungsarbeit beschäftigt sich mit folgender Forschungsfrage: Wie viel Gewalt sind Kinder und Jugendliche in der Erziehung ausgesetzt und wie wirkt sich diese Gewalt auf die Sozialisation aus?
Seit dem 8.11.2000 haben Kinder per Gesetz das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Das Bürgerliche Gesetzbuch formuliert klare Worte: "Kinder haben ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig". Und doch ist Gewalt in der Erziehung, noch immer Alltag für viele Kinder. Im Jahr 2019 kam es insgesamt zu 58322 Fällen von Kindeswohlgefährdung durch Gewalt. Gewalt äußert sich in verschiedenen Formen und hinterlässt in vielen Fällen keine sichtbaren Spuren. In zu vielen Fällen führt die ausgeführte Gewalt zum Tod des Kindes, beispielsweise durch ein Schütteltrauma. Das Bundeskriminalamt veröffentlicht im Mai 2021 die Bundeskriminalstatistik des Jahres 2020. Aus ihr geht hervor, dass im Jahr 2020 152 Kinder gewaltsam ums Leben gekommen sind. 115 davon waren unter sechs Jahren. In 134 Fällen kam es zu einem versuchten Tötungsdelikt. Gewalt wird in unterschiedliche Kategorien eingeteilt. Dabei werden Unterschiede zwischen psychischer, physischer und sexueller Gewalt gemacht, ebenso wie Vernachlässigung. Die sexuelle Gewalt soll nicht Gegenstand dieser Untersuchung sein.
Gewalt äußert sich auf vielerlei Arten. Die Bandbreite reicht vom Klaps auf den Po, den immer noch 52,4 % der Erwachsenen als akzeptables Erziehungsmittel ansehen, über das Schlagen mit Gegenständen, das verbale Erniedrigen, Beschimpfen, Erpressen, aber auch das Vernachlässigen der Bedürfnisse des Kindes oder die fehlende Versorgung mit Nahrung und passender Kleidung. Gewalt geschieht sehr oft hinter verschlossenen Türen und wird von Menschen verübt, die für das Wohlbefinden des Kindes verantwortlich sind. Diese erlebte Gewalt verinnerlichen Kinder durch die familiäre Sozialisation und beeinflusst ihre Einstellung zu Gewalt und ihre Gewalthandlungen. Ebenso die Auswahl der Clique, der sie sich anschließen, da diese die gleichen Normen vertritt, wie sie sie bereits aus dem Elternhaus kennengelernt haben.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
1.1. Darstellung und Begründung des Themas mit Forschungsfrage und forschungsleitenden Fragen
1.2. Begriffserklärung
1.2.1. Gewalt
1.2.2. Erziehung
1.2.3. Sozialisation
2. Darstellung des Forschungsstandes und ausgewählter Studien
2.1. Studie „Innerfamiliäre Gewalt gegen Kinder und Jugendliche und ihre Auswirkungen“ Zielsetzung, Forschungsvorgehen und Ergebnisse
2.2. Studie für die Möwe „Gewalt an Kindern“
2.3. „Studie des Generalsekretärs der Vereinten Nationen über Gewalt gegen Kinder.
Für Kinder und Jugendliche bearbeitet“
2.4. Studie „Bestrafungsverhalten von Eltern in der Schweiz“
2.5. Studie „Aktuelle Einstellung zu Körperstrafen und elterliches Erziehungsverhalten in Deutschland“
2.6. Ergänzende Studie der Bepanthen Kinderforschung „Gewalt- und Missbrauchserfahrung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“
3. Diskussion des Forschungsstandes und Forschungsdesiderate
4. Forschungsfrage und Forschungsskizze
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Ausmaß an Gewalt, dem Kinder und Jugendliche in der Erziehung ausgesetzt sind, und analysiert die daraus resultierenden Auswirkungen auf ihre Sozialisation sowie ihre Entwicklung von Konfliktlösungskompetenzen.
- Phänomenologie und Arten von Gewalt gegen Kinder
- Elterliche Erziehungsstile und deren Einfluss auf die Gewaltanwendung
- Analyse aktueller empirischer Studien zur Gewalterfahrung in Familien
- Zusammenhang zwischen elterlicher Gewaltausübung und kindlicher Konfliktfähigkeit
- Entwicklung einer Forschungsskizze zur Untersuchung von Sozialisationsprozessen bei Jugendlichen
Auszug aus dem Buch
1.2.1. Gewalt
"Kindesmisshandlung ist eine nicht zufällige (bewusste oder unbewusste) gewaltsame körperliche und/oder seelische Schädigung, die in Familien oder Institutionen (z. B. Kindergärten, Schulen, Heimen) geschieht, und die zu Verletzungen, Entwicklungsverzögerungen oder sogar zum Tode führt, und die somit das Wohl und die Rechte eines Kindes beeinträchtigt oder bedroht" (Bast, 1978).
Es werden vier verschiedene Arten von Gewalt unterschieden. Unter psychische Gewalt fallen alle elterlichen Verhaltensweisen, die beim Kind ein Gefühl der Ablehnung, der Angst, der eigenen Wertlosigkeit oder des Kontrollverlusts führen (Amelang & Krüger, 1995, S. 17). Im Handbuch für Kindeswohlgefährdung, zitiert Heinz Kindler die APSAC für eine Definition von psychischer Gewalt. Hier wird psychische Gewalt definiert als „wiederholte Verhaltensmuster der Betreuungsperson oder Muster extremer Vorfälle, die Kinder zu verstehen geben, sie seien wertlos, voller Fehler, ungeliebt, ungewollt, sehr in Gefahr oder nur dazu da, um die Bedürfnisse eines anderen Menschen zu erfüllen“ (APSAC 1995, zitiert nach Heinz Kindler 2006). Leidet ein Kind unter psychischer oder emotionaler Gewalt, hinterlässt diese im ersten Moment keine sichtbaren Spuren auf dem Körper. Die Folgen, die psychische Gewalt auf der kindlichen Seele hinterlässt sind trotzdem gravierend. Sie reichen von Minderwertigkeitsgefühlen, über Ängste bis hin zu Bindungsstörungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Das Kapitel führt in die Thematik der Gewalt in der Erziehung ein, erläutert die gesetzliche Ausgangslage und definiert die zentralen Begriffe.
2. Darstellung des Forschungsstandes und ausgewählter Studien: Hier werden zentrale Studien zu Gewalterfahrungen und Erziehungseinstellungen präsentiert, um das Ausmaß und die Gründe für Gewalt in Familien zu beleuchten.
3. Diskussion des Forschungsstandes und Forschungsdesiderate: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse der vorgestellten Studien kritisch zusammen und leitet daraus notwendige weiterführende Forschungsfragen ab.
4. Forschungsfrage und Forschungsskizze: Hier wird die Forschungsfrage präzisiert und ein konkretes methodisches Vorgehen mittels Leitfadeninterviews entworfen.
Schlüsselwörter
Gewalt in der Erziehung, Kindeswohlgefährdung, Sozialisation, Körperstrafe, psychische Gewalt, Kindesmisshandlung, Erziehungsstile, Konfliktfähigkeit, Familiäre Sozialisation, Vulnerabilität, Jugendgewalt, Bindungstheorie, Gewaltprävention, BGB, UN-Kinderrechtskonvention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Verbreitung von Gewalt in der Erziehung und deren Auswirkungen auf die Sozialisation und das Konfliktverhalten von Kindern und Jugendlichen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Definitionen von Gewalt, die Rolle von Erziehungsstilen, empirische Ergebnisse aus internationalen und nationalen Studien sowie die Bedingungen für ein gewaltfreies Aufwachsen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Forschungsstand zur häuslichen Gewalt aufzuarbeiten und eine methodische Skizze zu entwickeln, um speziell die Auswirkungen erfahrener Gewalt auf die Konfliktfähigkeit von Jugendlichen zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Studien und entwirft für das Forschungsvorhaben einen qualitativen Ansatz mittels Leitfadeninterviews und Dilemmageschichten, ausgewertet durch die Grounded Theory und qualitative Inhaltsanalyse.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil analysiert den aktuellen Forschungsstand anhand ausgewählter Studien, wie etwa der Studie von Pfeiffer et al. oder der UNICEF-Untersuchungen, und diskutiert die elterliche Einstellung zur Gewalt.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselworte sind Gewalt in der Erziehung, Kindeswohlgefährdung, Sozialisation, Konfliktfähigkeit und elterliches Erziehungsverhalten.
Was besagt die Arbeit über die Rolle der "Kernfamilie"?
Die Studien kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass die Kernfamilie entgegen ihrer Aufgabe als Schutzraum der Ort ist, an dem Kinder und Jugendliche die häufigste Gewalt erfahren.
Warum ist das Thema der "psychischen Gewalt" besonders relevant?
Die Arbeit hebt hervor, dass psychische Gewalt wie Demütigungen oft im Verborgenen bleibt und von der Gesellschaft weniger als Gewalt wahrgenommen wird, obwohl sie schwerwiegende negative Auswirkungen auf die kindliche Vulnerabilität hat.
Was ist das Ergebnis bezüglich des "Cycle of Violence"?
Die Autorin stellt fest, dass Erwachsene, die Gewalt befürworten, oft selbst in der Kindheit Gewalt erfahren haben, wodurch sich verinnerlichte Muster von Generation zu Generation reproduzieren.
- Arbeit zitieren
- Stefanie Elsing (Autor:in), 2020, Wie viel Gewalt sind Kinder in der Erziehung ausgesetzt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1167743