Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem 9.Kapitel aus Gottfried Kellers „Sinngedicht“.
Die Novelle „Die Arme Baronin“ wird eingehend interpretiert und an möglichen Textstellen
mit der Figur der Regine aus dem 8. Kapitel verglichen.
Die Fragestellung hierbei ist, inwieweit Keller die beiden oberflächlich betrachtet ähnlichen
Novellen dem Leser differenziert darlegt. Die Novelle beginnt mit einem einleitenden Satz des neutralen Erzählers, der alle
Informationen beinhaltet, die der Leser benötigt, um sich von der Situation ein Bild machen
zu können. Es wird „Brandolf, ein junger Rechtsgelehrter“ (Keller, S.121) vorgestellt, ebenso
die auf der Treppe kauernde Baronin und die Handlung, die beide zum ersten Mal
zusammengeführt. Der Leser wird in die Szene hineingestoßen und hat durch diesen
unmittelbaren Handlungseinstieg sofort die Bilderfolge vor Augen, wie Brandolf mit
errötetem Gesicht die Treppe hinaufjagt und dabei unabsichtlich eine weibliche Person,
welche Messer an der Treppe blank scheuert (vgl.), umstößt. Ähnlich dem Reginekapitel
lernen sich die beiden Hauptcharaktere auf einer Treppe kennen, somit gewinnt das Wort
Treppenheirat einen doppeldeutigen Sinn. Spannung wird aufgebaut, denn der Leser fragt
sich, welche Reaktion nun folgen wird. Das vermeintliche Dienstmädchen sticht Brandolf mit
dem Messer in die Ferse, woraufhin dieser sich noch einmal umblickt und das zornrote,
jugendliche Gesicht einer Frau erblickt (vgl.).
Über Ort und Zeit werden nur vage Angaben gemacht, die Lokalität ist das Haus einer
befreundeten Familie Brandolfs (vgl.) , die Zeit ist in den Sommermonaten einzuordnen, da
im Folgenden die Familie im September nach Italien reist (Keller, S.124). Konkrete Angaben
bezüglich der Stadt oder des Jahres werden nicht angegeben. Ebenso ist der Wohnsitz des
später auftretenden Vaters im realistischen Sinne klassisch enthoben, die Rede ist nur von der
„Provinz“ (Keller, S. 149) oder dem „Gut“ (Keller, S. 155).
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Interpretation
- Beginn der Novelle
- Brandolfs Reaktion
- Die Freunde Brandolfs
- Brandolfs Zielsetzung
- Die Zimmer der Baronin
- Brandolfs Krieg der Menschlichkeit
- Brandolfs Versuche, die Baronin zu testen
- Brandolfs Beobachtungen
- Annäherung und Gespräch
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit analysiert das 9. Kapitel aus Gottfried Kellers „Sinngedicht“, die Novelle „Die Arme Baronin“, und vergleicht sie mit der Figur der Regine aus dem 8. Kapitel. Die Arbeit untersucht, wie Keller die beiden Novellen differenziert darstellt, obwohl sie oberflächlich betrachtet Ähnlichkeiten aufweisen.
- Differenzierung der beiden Novellen
- Charakterisierung der Baronin
- Brandolfs Rolle als „Retter“
- Das Motiv des Formens und Umgestaltens
- Die Rolle des Erzählers
Zusammenfassung der Kapitel
Die Novelle „Die Arme Baronin“ beginnt mit der Begegnung von Brandolf, einem jungen Rechtsgelehrten, mit der Baronin, die in einem Haus der Familie Brandolfs wohnt. Brandolf zeigt Mitgefühl für die Baronin, trotz der negativen Aussagen seiner Freunde, die sie als „wilde Katze“ und „Teufel“ bezeichnen. Brandolf will die Baronin „zurechtsetzen“ und ihr „den Kopf zurechtsetzen“. Er beobachtet sie und versucht, ihr Geheimnis zu lüften. Brandolf glaubt, dass die Baronin Hunger leidet, und versucht, sie zu „füttern“. Schließlich kommt es zu einer Annäherung und einem kurzen Gespräch zwischen den beiden.
Schlüsselwörter
Die Hausarbeit befasst sich mit den Themen „Sinngedicht“, „Die Arme Baronin“, „Regine“, „Keller“, „Differenzierung“, „Charakterisierung“, „Motiv des Formens“, „Erzähler“, „Humanität“, „Verdruss“, „Hunger“, „Wilde Katze“, „Teufel“, „Zurechtsetzen“, „Beobachtung“, „Annäherung“ und „Gespräch“.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Gottfried Kellers Novelle „Die Arme Baronin“?
Die Novelle ist Teil des „Sinngedichts“ und schildert die Begegnung zwischen dem Rechtsgelehrten Brandolf und einer verarmten Baronin, die er aus ihrer prekären Lage retten möchte.
Wie lernen sich Brandolf und die Baronin kennen?
Sie begegnen sich auf einer Treppe, wo Brandolf die Baronin versehentlich umstößt. Diese Szene wird als „Treppenheirat“ bezeichnet und bildet den Ausgangspunkt ihrer Beziehung.
Was ist Brandolfs Motiv für seine Hilfe?
Brandolf führt einen „Krieg der Menschlichkeit“. Er möchte der Baronin „den Kopf zurechtsetzen“ und sie durch Beobachtung und gezielte Annäherung umgestalten.
Wie wird die Baronin von Brandolfs Freunden beschrieben?
Sie bezeichnen sie als „wilde Katze“ oder „Teufel“, was Brandolfs Neugier und seinen Wunsch, ihr wahres Wesen zu ergründen, nur noch verstärkt.
Welche Rolle spielt der Erzähler in der Novelle?
Es handelt sich um einen neutralen Erzähler, der dem Leser alle notwendigen Informationen gibt, um sich ein Bild der Situation zu machen, während er gleichzeitig die Spannung über die Identität der Baronin aufrechterhält.
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- marie john (Author), 2006, Zum "Sinngedicht" von Gottfried Keller, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116777