Mit dem Begriff des „Illyrismus“ werden gleichermaßen die nationale Wiedergeburt Kroatiens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und die daraus entstandene Idee der kulturellen und politischen Vereinigung aller südslawischen Völker bezeichnet. Man könnte die Vollendung daher leicht im von 1918-2003 in unterschiedlicher Ausformung bestehenden Staate Jugoslawien vermuten. So bezeichnete aber der durch seine weitreichende publizistische Tätigkeit als Initiator der Bewegung geltende Ljudevit Gaj gar ein Gebiet als „Großes Illyrien“, dessen drei von ihm genannte Eckpunkte Skutari (heute Shkodra), Varna und Villach alle außerhalb des späteren Jugoslawiens liegen; Villach im Norden im österreichischen Teil Kärntens, Shkodra im Süden in Albanien und Varna im Osten am Schwarzen Meer in Bulgarien. Alle drei Gebiete werden auch von Bogoslav Šulek in seiner Schrift „Was haben die Illyrier vor?“, in der er 1844 alle grundlegenden Fragen zur Ideologie der Illyristen beantwortete, dem illyrischen Raum zugeschlagen, auch wenn die Bewegung dort nie einen entsprechenden Resonanzraum finden konnte. Der Illyrismus blieb stark auf die Gebiete, die heute den modernen kroatischen Staat bilden, fokussiert, während beim später entstandenen Jugoslawismus die serbische Komponente dominierte.
Inhaltsverzeichnis
A. Einführung in den Illyrismus im 19. Jahrhundert
B. Die Ideologie des Illyrismus in der Broschüre „Ein Wort“ (1838) von Janko Drašković und dem Drama „Teuta“ (1844) von Dimitrija Demeter
B.1. Janko Drašković‘ „Ein Wort an Iliriens hochherzige Töchter über die ältere Geschichte und neueste literarische Regeneration ihres Vaterlands“ als Beispiel für die propagandistischen Schriften des Illyrismus
B.2. Dimitrija Demeters Drama „Teuta“ (1844) als Beispiel für die utilitaristische illyristische Literatur
C. Schlussfolgerung zur Kreierung von nationalen Identitäten
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die ideologischen Strategien und nationalen Identitätsentwürfe innerhalb der illyristischen Bewegung des 19. Jahrhunderts. Dabei wird untersucht, wie die Broschüre „Ein Wort“ von Janko Drašković und das Drama „Teuta“ von Dimitrija Demeter mittels historischer Narrative und literarischer Propaganda versuchten, eine gemeinsame südslawische Identität zu konstruieren und das Nationalgefühl zu stärken.
- Ideologie und Zielsetzung des Illyrismus
- Die Rolle von Geschichtsmythen und patriotischer Propaganda
- Sprache als Instrument der Nationsbildung
- Funktionalität von Literatur zur Identitätsstiftung
- Der Umgang mit externen Bedrohungen und internen Konflikten
Auszug aus dem Buch
B.1. Janko Drašković‘ „Ein Wort an Iliriens hochherzige Töchter über die ältere Geschichte und neueste literarische Regeneration ihres Vaterlands“ als Beispiel für die propagandistischen Schriften des Illyrismus
Wie typisch für die nationalen Wiedergeburten im 19. Jahrhundert, waren natürlich auch die Ideengeber des Illyrismus gelehrte Männer. Graf Janko Drašković, ein hochgebildeter und weitgereister Adeliger, der als einer der wenigen illyristischen Intellektuellen in seiner schöpferischen Zeit bereits ein alter Mann war, erkannte aber, wie wichtig es war, auch Frauen für die illyrische Bewegung zu begeistern und veröffentlichte deshalb 1838 in Agram (heute Zagreb), damals Hauptstadt des Kronlands Kroatien-Slawonien im Kaisertum Österreich, bei Ljudevit Gaj die programmatische Broschüre „Ein Wort an Iliriens hochherzige Töchter über die ältere Geschichte und neueste literarische Regeneration ihres Vaterlandes“.
Die Veröffentlichung in deutscher Sprache erklärt sich dadurch, dass „die bürgerlichen Frauen ebenso wie diejenigen der oberen Schichten mit der deutschen Sprache aufwuchsen“. Die gebildeten Männer kommunizierten hingegen in der Gelehrtensprache Latein, was Drašković in der Broschüre als Grund für den Verfall des Kroatischen zur Sprache der Bauern kritisiert.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einführung in den Illyrismus im 19. Jahrhundert: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen und Ambitionen der illyrischen Bewegung, die auf die kulturelle und politische Einigung der Südslawen abzielte.
B. Die Ideologie des Illyrismus in der Broschüre „Ein Wort“ (1838) von Janko Drašković und dem Drama „Teuta“ (1844) von Dimitrija Demeter: Der Hauptteil untersucht die ideologische Argumentation in Draškovićs programmatischer Schrift sowie die literarische Umsetzung politischer Ziele in Demeters Drama.
B.1. Janko Drašković‘ „Ein Wort an Iliriens hochherzige Töchter über die ältere Geschichte und neueste literarische Regeneration ihres Vaterlands“ als Beispiel für die propagandistischen Schriften des Illyrismus: Das Kapitel analysiert, wie Drašković gezielt Frauen als Trägerinnen der nationalen Sprache und Kultur ansprach, um die illyrische Ideologie zu verankern.
B.2. Dimitrija Demeters Drama „Teuta“ (1844) als Beispiel für die utilitaristische illyristische Literatur: Hier wird aufgezeigt, wie Demeter historische Ereignisse dramatisierte, um sein Publikum für nationale Einheit zu gewinnen und vor den Gefahren innerer Uneinigkeit zu warnen.
C. Schlussfolgerung zur Kreierung von nationalen Identitäten: Das Fazit fasst zusammen, wie die untersuchten Werke erfolgreich Narrative schufen, um eine positive, gemeinsame Identität für das illyrisch reklamierte Volk zu etablieren.
Schlüsselwörter
Illyrismus, Nationalismus, Südslawen, Janko Drašković, Dimitrija Demeter, Identitätskonstruktion, Kroatien, 19. Jahrhundert, Literarische Propaganda, Nationsbildung, Volksbegriff, Patriotismus, Agramer Zeitung, Sprache, Geschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit analysiert die ideologische Ausrichtung und die propagandistischen Strategien der illyristischen Bewegung in Kroatien im 19. Jahrhundert anhand von zwei zentralen Texten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die nationale Wiedergeburt, die Konstruktion historischer Mythen, die Rolle der Sprache sowie die gezielte Beeinflussung des öffentlichen Bewusstseins durch Literatur und Flugschriften.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, wie durch die Broschüre von Janko Drašković und das Drama von Dimitrija Demeter eine gemeinsame südslawische Identität unter dem Label „Illyrismus“ konstruiert wurde, um politisches Handeln und gesellschaftliche Einheit zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche und historische Quellenanalyse angewandt, die die Texte in ihren zeitgenössischen Kontext einbettet und ihre rhetorischen sowie ideologischen Muster untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der propagandistischen Mittel in Draškovićs „Ein Wort“ und der dramatischen Umsetzung politischer Lehren in Demeters „Teuta“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär mit Begriffen wie Illyrismus, Nationalismus, Identitätsstiftung, kroatische Geschichte und politische Ideologie charakterisieren.
Warum adressierte Janko Drašković speziell die Frauen seiner Zeit?
Er sah in den Frauen als Mütter die zentralen Akteurinnen, welche die „Vaterlandsliebe“ und die nationale Sprache an die nächste Generation von Söhnen und zukünftigen Intellektuellen weitergeben sollten.
Welche Rolle spielt der „Verrat“ im Drama „Teuta“?
Der Verrat dient als mahnendes Beispiel: Demeter illustriert damit, dass das Scheitern des illyrischen Reiches nicht durch die Stärke des Gegners, sondern durch interne Zwistigkeiten und den Egoismus einzelner Anführer verursacht wurde.
- Arbeit zitieren
- Ludwig Loser (Autor:in), 2020, Die Ideologie des Illyrismus in der Broschüre "Ein Wort" (1838) von Janko Draskovic und dem Drama "Teuta" (1844) von Dimitrija Demeter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1168137