Resultierte aus der Kriegspolitik von Kaiserreich und NS-Staat zwischen 1914 und 1945 eine „Sippenhaft“ für die Deutsch-Amerikaner in den USA? Wurden die Deutschstämmigen von der amerikanischen Öffentlichkeit mit dem aggressiven Nationalismus und später mörderischen Antisemitismus im Deutschen Reich in Verbindung gebracht? Hat ein verändertes Deutschlandbild die Assimilation der deutsch-amerikanischen Minderheit beschleunigt? Führte ein negatives Stereotyp dazu, daß sie ihre deutsche Identität zunehmend ablegten?
Aufgezeigt werden in der Hausarbeit die Initiativen der „Vereinsdeutschen“ (im Dachverband „National German-American Alliance“), die US-Regierung während des Ersten Weltkrieges zu einer neutralen außenpolitischen Rolle zu bewegen. Hatte dieses Engagement eine kontraproduktive Wirkung? Wurde die Loyalität der Deutsch-Amerikaner in Frage gestellt? Ließen die Vereinsdeutschen an ihrer Parteinahme für die USA im Falle des Kriegseintritts Zweifel?
Thematisiert wird zudem die Propaganda des nationalsozialistischen „German-American Bund“ im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs. Inwiefern hat sich die Angst der amerikanischen Gesellschaft vor dem Faschismus angesichts der Nazi-Aktivitäten in den USA verstärkt? Wurden die Bemühungen der Mehrheit der Deutsch-Amerikaner, sich von der NS-Ideologie zu distanzieren und Loyalität zu den USA zu demonstrieren, von der amerikanischen Gesellschaft registriert? Oder wurden die Deutsch-Amerikaner – ähnlich wie die japanischen Einwanderer – generalisierend als Feinde im eigenen Land betrachtet?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sachanalyse
2.1 Die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auf die deutsch-amerikanische Minderheit
2.2 Die nationalsozialistische Propaganda in den USA im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges und deren Auswirkungen auf die deutsch-amerikanische Minderheit
2.3 Der Zusammenhang zwischen negativem Deutschlandbild und beschleunigter Assimilation der Deutsch-Amerikaner
3. Fazit
4. Literatur & Quellensammlungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das in den USA herrschende Deutschlandbild, welches durch die Weltkriege und die nationalsozialistische Propaganda geprägt war, den Assimilationsdruck auf die deutsch-amerikanische Minderheit im Zeitraum von 1914 bis 1945 beeinflusste und ob dies zu einer bewussten Abkehr von der eigenen Ethnizität führte.
- Wahrnehmung der deutsch-amerikanischen Minderheit in den USA
- Einfluss der Weltkriege auf den Loyalitätskonflikt der Deutsch-Amerikaner
- Wirkungsweise nationalsozialistischer Propaganda in Nordamerika
- Zusammenhang zwischen Außenpolitik und Assimilationsprozessen
Auszug aus dem Buch
Die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auf die deutsch-amerikanische Minderheit
Die Deutsch-Amerikaner in den Vereinigten Staaten waren vor Kriegsbeginn eine respektierte, wirtschaftliche erfolgreiche und zahlenmäßig starke ethnische Gruppe: 1910 listete der US Census den Anteil der in Deutschland geborenen Personen mit etwa 2,5 Millionen auf und den Anteil der nachfolgenden Generation mit deutschen Elternteilen mit 5 780 000, was bei einer Gesamtbevölkerungszahl von 92 Millionen Einwohnern einen Anteil von rund zehn Prozent ausmachte. Die zweite Generation war hierbei bereits deutlich stärker assimiliert als die Elterngeneration.
Eine Studie aus dem Jahr 1910 dokumentiert einen weit fortgeschrittenen Integrationsprozeß: Bei einer Index-Skala von 0 (für völlige Integration) bis 100 (völlige Segregation) wurde den Deutschstämmigen bereits ein Index von 20,9 bescheinigt; in einigen Städten lag er bis zu drei Punkten tiefer. Der Vergleich mit dem Jahr 1880, in dem der Index vielerorts noch bei 30 lag, verdeutlicht die fortschreitende Assimilation der Volksgruppe.
Die Rolle der Deutsch-Amerikaner im Wirtschafts- und gesellschaftlichen Leben liest sich durchaus als eine Erfolgsgeschichte. Teilweise war man ökonomisch erfolgreicher als die „native borns”: auf dem Land als Farmer, in den Städten oft als – in der Regel gewerkschaftlich organisierte – Facharbeiter. In manchen Wirtschaftszweigen, insbesondere im Brauereiwesen, genossen die Deutsch-Amerikaner eine Monopolstellung. Eine führende Rolle spielten sie im Bildungswesen, in der Arbeiterbewegung und in Bankkreisen, wo insbesondere deutschstämmige Juden Einfluß gewinnen konnten. Überproportional stark vertreten waren die Deutschen in den Berufsgruppen der Händler, Chemiker, Künstler und Architekten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung formuliert die Forschungsfrage nach der Identifikation der Deutsch-Amerikaner mit ihrer Herkunft unter dem Eindruck von Kriegen und Propaganda sowie der Rolle ethnischer Gruppierungen.
2. Sachanalyse: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs, die nationalsozialistische Propagandatätigkeit in den USA und deren direkten Zusammenhang mit der beschleunigten Assimilation der Minderheit.
3. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass das durch die Weltkriege negativ geprägte Bild Deutschlands die Assimilation der Deutsch-Amerikaner forcierte und eine Abkehr von der eigenen Identität zur Folge hatte.
4. Literatur & Quellensammlungen: Dieses Kapitel listet die wissenschaftliche Basis der Arbeit auf, bestehend aus Monographien, Essays und Quellensammlungen.
Schlüsselwörter
Deutsch-Amerikaner, Assimilation, Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg, Nationalsozialismus, Propaganda, Loyalitätskonflikt, Ethnizität, Deutschlandbild, USA, National German-American Alliance, Deutschtum, Identität, Integration, Vereinswesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie sich das amerikanische Deutschlandbild zwischen 1914 und 1945 auf die Identität und Assimilation der Deutsch-Amerikaner auswirkte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die soziokulturelle Integration der deutschen Minderheit, der Druck durch Kriegspropaganda und die Einflussnahme nationalsozialistischer Organisationen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, ob das durch Weltkriege und NS-Propaganda geprägte negative Deutschlandbild die Deutsch-Amerikaner dazu brachte, ihre ethnische Identität aufgrund des gesellschaftlichen Drucks aufzugeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Sachanalyse, die sich auf ein breites Spektrum an Sekundärliteratur, Monographien und Quellensammlungen stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Auswirkungen des Ersten Weltkriegs, die Untersuchung nationalsozialistischer Propagandabestrebungen und den kausalen Zusammenhang zwischen dem Bild Deutschlands und der Assimilationsgeschwindigkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Assimilation, Loyalitätskonflikt, ethnische Identität und deutsch-amerikanische Vereinsgeschichte.
Wie reagierten die Deutsch-Amerikaner auf den Vorwurf der Illoyalität?
Die Mehrheit distanzierte sich öffentlich von radikalen pro-deutschen Strömungen und betonte ihre Loyalität durch den Kriegsdienst und den Erwerb von Kriegsanleihen.
Scheiterte die nationalsozialistische Propaganda in den USA?
Ja, die Mehrheit der Deutsch-Amerikaner blieb für die Ideologie des Nationalsozialismus unempfänglich, da diese mit den amerikanischen Wertvorstellungen und der Lebensrealität der Minderheit unvereinbar war.
- Quote paper
- Christian Chmel (Author), 1999, Die beschleunigte Assimilation der deutsch-amerikanischen Minderheit als Folge des von Weltkriegen, Nationalsozialismus und Propaganda geprägten Deutschlandbildes in den USA (1914-1945), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116844