In der vorliegenden Arbeit soll es mit Paestum um eine Stadt gehen, welche von griechischen Siedlern aus Sybaris gegründet wurde und welche eher für ihre überragenden Tempelbauten, wie der sogenannten Basilika, des sogenannten Neptuntempels und des sogenannten Cerestempels sowie der hervorragenden Tomba del Tuffatore, als für ihre Stadtmauer bekannt ist. Dabei ist die Stadtmauer, welche die ursprünglich Poseidonia genannte Kolonie umschloss, ebenso sehr hervorzuheben. Denn sie vereint in sich alles, was eine wehrhafte Befestigung ausmacht. Diese Arbeit soll zumindest einen kleinen Überblick über die Wehrhaftigkeit Paestums liefern. Seitdem es Menschenansammlungen gibt, aus denen im Laufe der Zeit Dörfer, Städte oder Kolonien hervorgingen, seitdem gibt es auch Stadtmauern.
Dabei konnten sie verschiedenste Funktionen haben. Sie konnten sowohl fortifikatorische als auch repräsentative oder kontrollbehaftete Zwecke haben. Dabei wurden Stadtmauern als Bewehrung zur Abgrenzung und zum Schutz nach außen hin angelegt, entweder als Abschnittsbefestigung, wenn es zum Beispiel die Umgebung zuließ oder als Ringmauer. Auch als Abgrenzung dienend, konnten so bestimmte städtische Bereiche wie Heiligtümer von anderen Sektoren abgegrenzt werden. Weiterhin konnten Stadtmauern zu Kontrollzwecken konstruiert worden sein, wie zum Beispiel an belebten Handelsverbindungen oder ebenfalls an Heiligtümern. Zu guter Letzt gab es auch Stadtmauern, die aufgrund architektonischer Ausgestaltung schlichtweg einen repräsentativen Nutzen mit sich brachten.
Da es der technologische Fortschritt bereits in der Antike schnell voranschritt, bedingte die stetige Weiterentwicklung der Angriffswaffen und -methodiken stets eine Umgestaltung in der Defensive. Dies konnte in der Verdickung der Mauer geschehen, wie auch der nachträglichen Errichtung von Türmen und Bastionen, sowie dem Ausbau der Tore. So konnten stets größere, technologisch fortgeschrittenere Artilleriewaffen stationiert werden. Auch eine Hinzufügung zahlreicher Ausfallpforten zur Unterstützung der Belagerten ist immer schon ein wehrhaftes Mittel gegen die Belagerer gewesen. Neben dieser Art der Umbau- und Ausbaumaßnahmen gab es aber auch gegenläufige Maßnahmen. So wurden Stadtmauern situationsbedingt auch zurückgebaut bei rückläufiger Gefahr oder eventuellem Niedergang einer Stadt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Stadtmauer
2.1 Äußere Form
2.2 Innere Struktur
3 Die Bauphasen
4 Die Tore
4.1 Porta Sirena
4.2 Porta Marina
5 Die Türme
5.1 Turm 4
5.2 Turm 19
6 Die Pforten
7 Die Mauer
8 Der Graben
9 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit bietet einen umfassenden Überblick über die Wehrhaftigkeit von Paestum, indem sie die historische Entwicklung der Stadtbefestigung von der archaischen Zeit bis zur hellenistischen Epoche analysiert und die verschiedenen architektonischen Komponenten in ihren jeweiligen Bauphasen untersucht.
- Historische Entwicklung der Stadtmauer von Poseidonia-Paestum
- Strukturelle Analyse der Toranlagen und Türme
- Bedeutung der wehrtechnischen Komponenten wie Ausfallpforten und Wassergräben
- Vergleich der Bauphasen unter griechischem, lukanischem und römischem Einfluss
- Untersuchung der architektonischen Ausgestaltung und Rekonstruktionsmöglichkeiten
Auszug aus dem Buch
4.1 Porta Sirena
Der angesprochene, für Paestum typische Keilsteinbogen, ist das, was von dem einst eindrucksvollen östlichen Zugangstor zur Stadt, der sogenannten Porta Sirena [Abb. 11], noch erhalten geblieben ist. Dabei besitzt der Bogen beidseitig je einen, mit einem figürlichen Motiv verziert, reliefierten Schlussstein im Archivolt. Bei den Reliefs handelt es sich stadtseitig um einen Delfin [Abb. 12] und landseitig um eine sogenannte Scylla [Abb. 13], welche in der Forschung gemeinhin als Meerjungfrau interpretiert wird und dementsprechend namengebend für das Osttor als Porta Sirena war. Die Überreste des Tores stammen in ihrer Form aus der Zeit der radikalen Neugestaltung der Stadt in republikanischer Zeit, also aus dem dritten Jahrhundert.
Durch mehrere Umbaumaßnahmen in den verschiedenen Bauphasen hat sich das Aussehen der Porta Sirena im Laufe der Zeit stark gewandelt. Entsprechend des Kammertortypus verfügte die Toranlage über einen zentralen Torhof und einen land- und stadtseitig verschließbaren Zugang. Ursprünglich befand sich über dem Bogengewölbe des Tores wohl noch ein rechteckiger Aufbau, welcher das Obergeschoss fasste. Hier sollen nach neueren Untersuchungen Artilleriewaffen aufgestellt worden sein. Vom Obergeschoss gab es keinen direkten Zugang zum zentral gelegenen Innenhof, jedoch sehr wohl seitliche Gänge die es ermöglichten auch im Falle eines verschlossenen Tores in den Torraum zu gelangen [Abb. 14]. Ebenfalls zum Torverbund zu zählen sind die beiden seitlich anschließenden Treppen, die jederzeit den Zugang zur Wehrmauer gewährleisteten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die allgemeine Bedeutung von Stadtmauern als fortifikatorische und repräsentative Elemente ein und umreißt die spezifische Relevanz der Befestigungsanlagen von Paestum.
2 Die Stadtmauer: Dieses Kapitel beschreibt die äußere Form, das Ausmaß und die topographische Einbindung der Stadtmauer sowie die innere orthogonale Struktur der Stadt.
3 Die Bauphasen: Hier werden die verschiedenen chronologischen Bauabschnitte der Stadtmauer von der archaischen Zeit bis zur römischen Kolonie detailliert nachgezeichnet.
4 Die Tore: Dieser Abschnitt analysiert die Konstruktion und die Wandlungsprozesse der beiden wichtigsten Toranlagen, der Porta Sirena und der Porta Marina.
5 Die Türme: Das Kapitel behandelt die Typologie, Verteilung und architektonische Ausstattung der verschiedenen Turmformen, insbesondere am Beispiel von Turm 4 und Turm 19.
6 Die Pforten: Hier wird die Funktion und das Variantenspektrum der zahlreichen Ausfallpforten entlang des Mauerrings erläutert.
7 Die Mauer: Dieses Kapitel fokussiert sich auf die bautechnische Struktur der Mauer anhand des Beispiels des südöstlichen Abschnitts zwischen Turm 27 und 28.
8 Der Graben: Die Rolle des ehemaligen Wassergrabens als fortifikatorische Schutzmaßnahme wird hier untersucht.
9 Fazit: Das Fazit fasst die Wandlung der Mauer vom wehrhaften Befestigungssystem hin zu einem repräsentativen Bauwerk zusammen und unterstreicht die Bedeutung von Paestum als antiken Handelsplatz.
Schlüsselwörter
Paestum, Stadtmauer, Befestigungsanlage, Magna Graecia, Bauphasen, Porta Sirena, Porta Marina, Kammertor, Wehrtürme, Ausfallpforten, Architekturgeschoss, antike Stadtentwicklung, Lukaner, römische Kolonie, antike Bautechnik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die fortifikatorischen Aspekte der Stadtmauer von Paestum (Poseidonia) von der archaischen Zeit bis zur römischen Ära.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die bauliche Struktur der Mauer, die Entwicklung der verschiedenen Bauphasen, die Typologie der Tore und Türme sowie die Verteidigungsstrategien der Stadt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, einen Überblick über die Wehrhaftigkeit Paestums zu liefern und zu verdeutlichen, wie sich die Anlage im Laufe der Zeit in Funktion und Aussehen gewandelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse archäologischer Untersuchungen, der Auswertung stratigraphischer Befunde und dem Abgleich mit bisheriger Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen der Stadtmauer, der spezifischen Bauphasen, der einzelnen Tore, der Türme, der Pforten und der begleitenden Grabenanlagen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Stadtmauer, Paestum, Magna Graecia, Bauphasen, Toranlagen, Türme und antike Befestigungskunst.
Was unterscheidet die Porta Sirena und die Porta Marina in ihrer Bauweise?
Beide Tore folgen dem Kammertortypus, jedoch zeigt die Porta Marina Besonderheiten durch ihre Lage in einem Knick im Mauerverlauf und die Überbauung eines ehemaligen Rundturms.
Welche Rolle spielten die Türme und ihre Ausstattung?
Die Türme dienten der Verteidigung, wobei einige durch Architekturgeschosse und dekorative Elemente wie korinthische Säulen auch einen repräsentativen Charakter annahmen.
Was belegen die neuesten Forschungen über die archaische Mauer?
Jüngere Grabungen konnten die Existenz einer archaischen Mauer verifizieren, deren Überreste sich teilweise unter den späteren lukanischen und römischen Strukturen befinden.
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- Carsten Szuma (Autor), 2019, Die Stadtmauer von Paestum. Bau und Funktion, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1168630