Diese Arbeit befasst sich mit der Zweckmobilität in Unternehmen, die exemplarisch am Beispiel der Rügenwalder Mühle analysiert wird. Die Rügenwalder Mühle ist ein bekannter Fleischkonzern, welcher inzwischen einen Großteil des Umsatzes mit pflanzlichen Alternativprodukten generiert. Das Ziel ist zu erkennen, warum ein etabliertes Unternehmen eine Sortimentsumstellung durchführt und ob dies einen Zweckwandel darstellt. Dafür werden neo-institutionalistische und systemtheoretische Ansätze verwendet.
Zunächst wird erläutert, um welchen Organisationstypen sich handelt und wie sich dieser auf den Organisationszweck auswirkt. Um die Bedeutung des Zweckes und die Zweckmobilität zu erläutern, wird eine neo-institutionalistische Perspektive eingenommen. Zuletzt wird sowohl auf die technischen als auch auf die institutionellen Umwelten Bezug genommen und betrachtet, inwieweit Zweckmobilität beziehungsweise -pluralität kritisch betrachtet wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Rügenwalder Mühle als Organisation
3. Zwecke innerhalb von Organisationen
3.1 Tradition – Der Organisationszweck der Rügenwalder Mühle
3.2 Innovation – Tendenzen der Zweckverschiebung
4. Zur Notwendigkeit der Zweckverschiebung
4.1 Technische und institutionelle Umwelten
4.2 Isomorphismus
5. Kritik am Zweckwandel
6. Fazit und Ausblick
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Zweckmobilität in Unternehmen am Beispiel der Rügenwalder Mühle und analysiert, inwieweit eine Zweckverschiebung zur Aufrechterhaltung des Unternehmens bei sich wandelnden gesellschaftlichen Anforderungen beiträgt.
- Organisationssoziologische Betrachtung der Rügenwalder Mühle
- Die Bedeutung von Unternehmenszwecken als Scheuklappen und Entscheidungsbasis
- Notwendigkeit der Anpassung an technische und institutionelle Umwelten
- Phänomene des Isomorphismus im Fleischproduktionssektor
- Kritische Analyse von Legitimation und Zweckwandel
Auszug aus dem Buch
3. Zwecke innerhalb von Organisationen
Da sich besonders Unternehmen durch ihre Profitorientierung auszeichnen, liegt es, wie in einer neo-klassischen Perspektive angenommen nahe, anzunehmen, dass der Profit als Unternehmenszweck dient. Interne Differenzierungen sorgen allerdings dafür, dass verschiedene Abteilungen unterschiedliche Ziele verfolgen, sodass das Erwirtschaften von Profit nicht als reiner Organisationszweck, sondern als ein kontinuierliches Bestandsproblem für die gesamte Organisation anzunehmen ist (vgl. Kette 2018: 12). Eine Überfinanzierung ist dabei notwendig, da die Unternehmen Geld für die Produktion ihrer Dienstleistungen sicherstellen müssen, bevor weiteres erwirtschaftet werden kann (vgl. ebd.: 26). Die Profiterwirtschaftung kann somit als ein Unternehmensziel angesehen werden, welches als eine Zweck-Nutzen-Konzeption fungiert, also einen dauerhaften Leitfaden für die Beteiligten darstellt und die gewünschten Umstände repräsentiert (vgl. Scott 1986: 40). Der primär gewünschte Zustand stellt dabei stets den Fortbestand der Organisation und der weiterlaufenden Produktion der Leistungen dar.
In Unternehmen ist die Produktion eines spezifischen Produkts das Charakteristika des Unternehmens, welche als Abgrenzung zu anderen Organisationen fungiert (vgl. Kette 2018: 14) und somit als Organisationszweck behandelt werden soll. In rationalen Systemen hat die Zwecksetzung eine kognitive Funktion und bietet Kriterien für die Entscheidungsfindung (vgl. Scott 1986: 348). Die Zwecksetzung dient demnach der Absorption von Komplexität aus der Umwelt (vgl. Luhmann 2016: 179), da sie fokussierend wirkt. Organisationen bestehen aus Entscheidungen, weshalb auch die Zwecke stets entscheidungsbasiert sind und sich erst im Modus des Entscheidens vollziehen (vgl. Kette 2018: 4). Dies geschieht innerhalb eines normativ-kognitiven Rahmens, der besonders durch eine regulative Umwelt in Form von Gesetzen bestimmt wird (vgl. Edelman/Suchman 1997: 482f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung der Zweckmobilität ein und skizziert das Ziel, die Sortimentsumstellung der Rügenwalder Mühle theoretisch zu beleuchten.
2. Die Rügenwalder Mühle als Organisation: Das Kapitel stellt die Rügenwalder Mühle als rational-offenes System dar, das in ein komplexes Umfeld eingebettet ist und Erwartungen aktiv filtert.
3. Zwecke innerhalb von Organisationen: Es wird die Bedeutung von Zwecken für die Komplexitätsreduktion und Entscheidungsfindung analysiert, wobei zwischen Tradition und Innovation differenziert wird.
4. Zur Notwendigkeit der Zweckverschiebung: Dieses Kapitel erläutert, warum die Anpassung an technische und institutionelle Umwelten für den Bestand des Unternehmens zwingend erforderlich ist.
5. Kritik am Zweckwandel: Hier werden interne und externe Spannungsfelder sowie die Diskrepanz zwischen Außendarstellung und tatsächlichen Produktionsweisen diskutiert.
6. Fazit und Ausblick: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Rügenwalder Mühle erfolgreich auf einen gesellschaftlichen Wertewandel reagiert hat und durch isomorphe Anpassung ihre Marktmacht sichert.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Zweckmobilität, Zweckpluralität, Rügenwalder Mühle, Organisationssoziologie, Neo-Institutionalismus, Systemtheorie, Legitimation, Isomorphismus, Unternehmenszweck, Wertewandel, Fleischersatz, Nachhaltigkeit, Bestandserhaltung, Organisation, Umweltdifferenzierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht organisationssoziologisch, wie die Rügenwalder Mühle auf einen sich verändernden gesellschaftlichen Kontext reagiert, indem sie ihren Unternehmenszweck durch die Einführung fleischfreier Produkte erweitert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Zweckpluralität in Organisationen, die Interaktion von Unternehmen mit ihrer technischen und institutionellen Umwelt sowie Strategien der Legitimation und Anpassung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu ergründen, warum ein traditionsreiches Fleischunternehmen eine Sortimentsumstellung vornimmt und ob dies als ein fundamentaler Zweckwandel oder als notwendige Strategie zur Bestandserhaltung zu interpretieren ist.
Welche wissenschaftlichen Methoden und Theorien werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die vorwiegend neo-institutionalistische und systemtheoretische Ansätze (u.a. von Luhmann, Scott, Kette) nutzt, um die Dynamiken der Organisation zu erklären.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert den ursprünglichen Organisationszweck (Tradition), die innovative Zweckverschiebung (Fleischersatz), die Notwendigkeit der Anpassung an Umweltanforderungen sowie auftretende Kritik am Zweckwandel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Zweckmobilität, Legitimation, institutionelle Umwelten, Isomorphismus, Nachhaltigkeit und organisationssoziologische Systemtheorie.
Warum ist das Thema der Zweckpluralität für die Rügenwalder Mühle so relevant?
Da sich gesellschaftliche Werte bezüglich Ernährung und Nachhaltigkeit wandeln, muss die Rügenwalder Mühle ihren Status als Traditionsunternehmen mit neuen, nachhaltigen Angeboten in Einklang bringen, um ihre Legitimität bei den Kunden zu wahren.
Inwiefern spielt der Begriff „Isomorphismus“ eine Rolle für das Unternehmen?
Der Isomorphismus beschreibt den Prozess, bei dem sich Organisationen in einem Feld angleichen. Auch andere Fleischproduzenten führen fleischfreie Produkte ein, um den gleichen institutionellen Anforderungen zu entsprechen und Wettbewerbsvorteile zu sichern.
- Arbeit zitieren
- Caroline Fehlauer (Autor:in), 2021, Zweckverschiebung in Unternehmen. Eine organisationssoziologische Betrachtung des Fleischkonzerns Rügenwalder Mühle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1168966