Aus Anlass ihres Todestages, der sich am 16. Dezember 2009 zum hundertsten Male jährt, will ich mit meinem Buch dazu beitragen, dass man sie fürderhin nicht so leicht wieder vergisst, wie dies schon des Öfteren, vor allem und bewusst in der NS-Zeit, geschehen ist.
Das ihr gewidmete Büchlein von Heinz Knobloch liegt schon zwölf Jahre zurück, in Schriften von Uta Günther, Maja Fassmann und Annette Kuhn wird sie kurz erwähnt. Ansonsten bleibt sie zumeist lexikalischen Einträgen überlassen, wenn man davon absieht, dass in Berlin eine Schule ihren Namen trägt.
Ich habe mich bemüht, auf die Vielseitigkeit und Vielfalt ihres Wirkens einzugehen und ihr Leben als Ganzes zu erfassen, dabei Schwierigkeiten, Probleme und Rückschläge aber auch Erfolge nicht auszuklammern.
Von Lina Morgensterns Erfahrungen kann man meines Erachtens auch heute noch manche Anregung zur Gestaltung gesellschaftlichen Lebens gewinnen.
Inhaltsverzeichnis
Früh übt sich
Lebenseinstieg in Breslau
Als „junges Glück“ in Berlin
„Kommt lasst uns unseren Kindern leben!“
„Den jungen Keim zu pflegen…“
Im Banne Fröbelscher Ideen
Bei „Vater Fröbel“ zu Besuch
An Fröbel orientierte Praxis
Volksküchen gegen kriegsbedingten Notstand
Nach- und Vorkriegszeit 1866
Hilfe ja – Almosen nur bedingt
„Bürger Berlins!“
Gut’ Ding will Weile haben
Was für Kriegszeiten taugt,
Wenn Profit winkt -
Berliner Volksküchen - „Muster moderner Volksernährung“ ?
Hochherrschaftlicher Besuch
Was Volksküchen vermögen
„Männern fehlt der Blick in’s Kleine“
Wieder Zeit für Kinder ?
Volksküchen als Dauerbrenner
Soldatenspeisung 1870/71
Hilfe den Verwundeten – Gnade dem „Feind“
Der Stammkundschaft stets zu Diensten
Freibier und Spenden
Berliner Hausfrauen – vereint gegen Not und Missstände
Ein Ruf aus Kassel
Preiswerter Einkauf für Mitglieder
Zum Umgang mit Dienstboten
Wider betrügerischen Handel
In die große Bewegung
Bekenntnis zum Allgemeinen Deutschen Hausfrauen-Verein
Zwei Anläufe
Sorge um „leichte Mädchen“
Für „Minorenne“ eine straffe Bleibe
Gut Kochen will gelernt sein
Kochen als Kunst und Wissenschaft
Ein Kochbuch als Lehrwerk und Kassenschlager
Theoretische Praxisuntersetzung
Ernährungslehre unter sozialer Sicht
Gegen Alkoholmissbrauch
Krise im Berliner Hausfrauen-Verein
Im Abwärtsgang
Nun erst recht – in Leipzig und Berlin
In der Talsohle
Wider falschen Leumund
Zur Frauenfrage
Frauen – nicht nur „Beiwerk des Haushalts“?
Um den Kern der Frauenfrage
Gegen konservative Attacken
Bildung als Königsweg?
Auf großer Fahrt
Gen Süden
Frühling in San Remo
Abschied von Italien und Heimkehr
Normales Vereinsleben?
Wenn das Schicksal zuschlägt
Die Kochschule in der Klemme
Um das Medizinstudium der Frau
Die „Deutsche Hausfrauenzeitung“ – Organ der Frauenwelt?
Für alle Fraueninteressen
Guter Rat und ernsthaft Belehrendes
Heiter Besinnliches
Der Frauenbewegung – ein „Jahrhundertwerk“?
Ein Buch für Frauen
Woraus sich Ziele herleiten
Wofür zu streiten wäre
Welch eine Dimension!
Deftiges von einer Andersdenkenden
Internationaler Frauenkongress – 1889 in Paris
Die Weltstadt lädt ein
Auf dem Kongress
Ausstellungen und Eiffelturm
Zwischen Hochgefühl und Trotz
Im sechzigsten Lebensjahr
Stiftungsfeste
Für Chicago
Zerwürfnisse bei höherem Zusammenschluss
An der Seite Bertha von Suttners
Noch ein internationaler Frauenkongress
1896 in Berlin
„Wer zählt die Völker – nennt die Namen?“
Der Kongress tagt
Nur keinen Streit vermeiden!
Gewogen und (nicht) zu leicht befunden?
Umsichtig und besinnlich bis zum Ende
Vorsitzende kamen und gingen
Rückzug und Vergessen?
Bilanz eines schaffensreichen Lebens
Über den Tod hinaus
Nachwort
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit zeichnet das Leben und Wirken von Lina Morgenstern im Berlin des 19. Jahrhunderts nach, einer bedeutenden, doch heute oft vergessenen Vorkämpferin der Frauenbewegung. Der Fokus liegt dabei auf ihrem unermüdlichen sozialen Engagement, insbesondere in der Organisation von Volksküchen, der Förderung von Kindergärten nach Fröbelschen Prinzipien sowie ihrem Einsatz für Frauenbildung und professionelle Haushaltsführung.
- Das Leben Lina Morgensterns als Ehefrau, Mutter, Publizistin und soziale Vorreiterin
- Die Etablierung und Organisation der Berliner Volksküchen als Antwort auf Notstände
- Die Förderung der Kindergartenbewegung und frühkindlicher Erziehung
- Die Rolle Lina Morgensterns innerhalb der Frauenbewegung und ihre publizistischen Tätigkeiten
- Das Ringen um Anerkennung, Bildung und Mitsprache für Frauen in der Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
Lebenseinstieg in Breslau
Wie viele Berlinerinnen und Berliner ihrer Zeit war Lina Morgenstern eine Zugereiste, und wie für das 19. Jahrhundert typisch, kam sie aus Schlesien. Die meisten davon fühlten sich zu Zeiten der Industrialisierung durch die aufstrebende preußische Hauptstadt angezogen. Dort hofften sie auf Arbeit, Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben – sie wollten „dabei sein“ und sich beweisen.
Für Lina sollten sich in der Großstadt viele ihrer Hoffnungen erfüllen. Denn im Unterschied zu Hunderten anderer Zugezogener hatte sie es nicht nötig gehabt, auf Stellungsuche zu gehen, um fremden „Herrschaften“ zu dienen. Denn sie entstammte einer jüdischen Familie, die als fleißig und wohlhabend galt und die es sich leisten konnte, ihren Töchtern jeweils eine ihrem Stande gemäße Mitgift zu gewähren. Und sie war, als sie nach Berlin kam, bereits verheiratet.
Linas Geburtsstunde hatte am 25. November 1830 in Breslau geschlagen, und in dieser Stadt durchlebte sie gemeinsam mit mehreren Geschwistern eine sorgenfreie Kindheit. Dieser Aussage steht aber nicht entgegen, dass ihr eine recht strenge Erziehung zuteil wurde. Denn in ihrem Vaterhaus haben – wie sie später schrieb - „sittlicher Ernst, das strengste Pflichtgefühl und die reinste Menschlichkeit geherrscht“. Sie und ihre Geschwister seien zu „Sittlichkeit, Selbstbestimmung und Berufstreue angehalten worden“.
Zusammenfassung der Kapitel
Früh übt sich: Betrachtung der Herkunft Lina Morgensterns in Breslau und ihr späterer Umzug nach Berlin.
„Kommt lasst uns unseren Kindern leben!“: Detaillierte Auseinandersetzung mit Linas pädagogischen Ansätzen und ihrem Engagement für die Verbreitung der Fröbelschen Kindergarten-Ideen.
Volksküchen gegen kriegsbedingten Notstand: Analyse der Herausforderungen und sozialen Missstände während der Kriege 1866 und 1870/71 sowie der Etablierung der Volksküchen als Überlebenshilfe.
Berliner Volksküchen - „Muster moderner Volksernährung“ ?: Untersuchung der operativen Leitung, der sozialen Bedeutung und der öffentlichen Resonanz der Berliner Volksküchen.
Volksküchen als Dauerbrenner: Darstellung der Entwicklung und logistischen Meisterleistungen bei der Versorgung von Soldaten und Bedürftigen in Krisenzeiten.
Berliner Hausfrauen – vereint gegen Not und Missstände: Einblick in die Organisation des Hausfrauenvereins als Gegenmaßnahme zur allgemeinen Preissteigerung und zur Förderung wirtschaftlicher Haushaltsführung.
In die große Bewegung: Dokumentation von Linas politischer Entwicklung und ihr Beitritt zum Allgemeinen Deutschen Frauen-Verein sowie zum Kinderschutzverein.
Gut Kochen will gelernt sein: Beschreibung der Gründung und didaktischen Ausrichtung von Linas Kochschule zur Qualifizierung von Frauen für den häuslichen und beruflichen Alltag.
Krise im Berliner Hausfrauen-Verein: Aufarbeitung interner und externer Konflikte sowie wirtschaftlicher Rückschläge des Vereins.
Zur Frauenfrage: Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Rollenbildern und Linas Einsatz für die akademische und berufliche Anerkennung von Frauen.
Auf großer Fahrt: Schilderung privater Erholungsreisen, die Lina zur Weiterentwicklung ihrer sozialen Konzepte nutzte.
Normales Vereinsleben?: Rückblick auf die Herausforderungen bei der Aufrechterhaltung der Vereinsstrukturen nach persönlichen Schicksalsschlägen.
Die „Deutsche Hausfrauenzeitung“ – Organ der Frauenwelt?: Analyse des redaktionellen Anspruchs und der Bedeutung dieses Sprachrohrs für Fraueninteressen.
Der Frauenbewegung – ein „Jahrhundertwerk“?: Würdigung des umfangreichen Lebenswerkes durch Lina Morgenstern selbst.
Internationaler Frauenkongress – 1889 in Paris: Einblick in die Vernetzung der internationalen Frauenbewegung und Linas Teilnahme als Delegierte.
Zwischen Hochgefühl und Trotz: Reflexion über Alter, Jubiläen und das Ringen um Anerkennung innerhalb einer sich wandelnden Bewegung.
Noch ein internationaler Frauenkongress: Darstellung der Vorbereitungen und Durchführung des Berliner Kongresses 1896.
Umsichtig und besinnlich bis zum Ende: Abschlussbetrachtung von Lina Morgensterns Lebensabend und ihrem bleibenden Erbe.
Schlüsselwörter
Lina Morgenstern, Berliner Volksküchen, Frauenbewegung, Friedrich Fröbel, Hausfrauenverein, Soziales Engagement, Deutsche Hausfrauenzeitung, Frauenbildung, Sozialgeschichte 19. Jahrhundert, Kindergärten, Philanthropie, Armenpflege, Emanzipation, Berlin-Geschichte, Lebenswerk.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Publikation porträtiert das vielseitige Wirken von Lina Morgenstern, die als soziale Aktivistin, Autorin und Vorkämpferin der Frauenbewegung das soziale Leben Berlins im 19. Jahrhundert maßgeblich mitgestaltete.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentral sind die Etablierung von Volksküchen zur Linderung sozialer Not, die Förderung der Kindergartenpädagogik nach Friedrich Fröbel, der Kampf für Frauenbildung sowie die Organisation von Hausfrauenvereinen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, das Lebenswerk Lina Morgensterns umfassend zu würdigen und aufzuzeigen, wie sie durch Bildung, soziale Organisation und publizistische Arbeit an der Verbesserung der Lebensverhältnisse sowie an der Emanzipation der Frau mitgewirkt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine detaillierte Auswertung zeitgenössischer Dokumente, Fachliteratur, Berichte der „Deutschen Hausfrauenzeitung“ sowie zahlreiche Archivbelege und persönliche Aufzeichnungen von Lina Morgenstern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Phasen ihres Lebens, angefangen bei ihrer Kindheit über die Gründung der Volksküchen und Hausfrauenvereine bis hin zu ihrer aktiven Rolle in nationalen und internationalen Netzwerken der Frauenbewegung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Lina Morgenstern, Volksküchen, Frauenbewegung, Fröbel-Pädagogik, soziale Wohltätigkeit, Frauenbildung und das soziale Berlin des 19. Jahrhunderts.
Wie ging Lina Morgenstern mit Widerständen in der Männerwelt um?
Sie agierte strategisch, indem sie einflussreiche Männer (wie Ärzte oder Politiker) als offizielle Repräsentanten für ihre Anliegen gewann, während sie selbst im Hintergrund die Fäden zog und die praktische Umsetzung leitete.
Wie reagierte Lina Morgenstern auf persönliche Schicksalsschläge?
Trotz schwerer Rückschläge, wie dem Verlust von Familienmitgliedern und dem Brand auf der Hygiene-Ausstellung, suchte sie stets Ablenkung und Erfüllung in ihrer rastlosen Arbeit für ihre sozialen Projekte.
Welche Haltung nahm sie gegenüber der Arbeiterinnenfrage ein?
Sie versuchte, auch sozialdemokratische Frauenvereine in die breite Bewegung zu integrieren, auch wenn sie selbst einen eher bürgerlich-liberalen Kurs verfolgte, und sah in der wirtschaftlichen Selbstständigkeit der Frau ein Mittel gegen soziale Not.
- Citation du texte
- Reinhold Kruppa (Auteur), 2008, Lina Morgenstern. "Social couragiert und frauenbewegt", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116918