Warum versucht Russland sein Machtinteresse im Nahen-Osten und in Lateinamerika auszubauen?


Hausarbeit, 2021

19 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Methodisches Vorgehen

3. Analyse der Trends
3.1 Analyse geopolitischer Trends Russlands anhand der Militärintervention in Syrien
3.1.1 „The vision of Great Russia in a multipolar world order”
3.1.2 „Neo-Eurasianism“
3.1.3 „The insular theory“
3.1.4 „Military geopolitics“
3.1.5 „Political Geographers“
3.1.6 „The ,RussianWorld‘ Concept“
3.1.7 „The Geoeconomists“
3.2 Analyse geopolitischer Trends Russlands anhand der Militärintervention in Venezuela
3.2.1 „The vision of Great Russia in a multipolar world order”
3.2.2 „Neo-Eurasianism“
3.2.3 „The insular theory“
3.2.4 „Military geopolitics“
3.2.5 „Political Geographers“
3.2.6 „The ,RussianWorld‘ Concept“
3.2.7 „The Geoeconomists“

4. Ergebnis

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

TABELLE 1: ERGEBNISSE DERANALYSE

1. Einleitung

In Syrien begann 2011 ein Volksaufstand gegen die Herrschaft des al-Assad-Regimes. Der daraus entstandene syrische Krieg ist seitdem durch mehrere Phasen gegangen (vgl. Pott 2018). Durch den entstandenen Krieg verwickelten sich kontinuierlich auch ausländische Mächte in die Geschehnisse im Land - so auch Russland mit seiner offiziellen Intervention in2015.

Auch in Venezuela spitzt sich die politische, wirtschaftliche und soziale Krise seit Beginn des Jahres 2019 zu (vgl. Kurtenbach 2019). Seitdem bröckelt die Unterstützung für das Maduro-Regime. Sowohl der Präsident Syriens Baschar Al-Assad als auch der venezolanische Außenminister Jorge Arreaza machten in einer Pressekonferenz die Ähnlichkeiten der Ereignisse der zwei eigentlich so unterschiedlichen Länder aufmerksam: Der venezolanische Konflikt entwickelt sich gleich wie der Syrische zu einer Internationalen Auseinandersetzung: Während sich die USA klar auf den Seiten der Opposition positioniert haben, unterstützt Russland die Regierung Venezuelas. 2020 erklärte der russische Außenminister Sergej Lawrow in einer Pressekonferenz, dass Russland und Venezuela eine engere militär-technische Zusammenarbeit vereinbart hätten (zdf).

In der vorliegenden Arbeit wird der militärische Einsatz Russlands in Syrien und in Venezuela als vergleichende Fallstudien für die geopolitischen Trends Russlands untersucht. Es werden zwei Forschungsfragen behandelt: Erstens: Warum versucht Russland sein Machtinteresse im Nahen-Osten und in Lateinamerika auszubauen? Zweitens: Ob und inwieweit repräsentiert Russlands Vorgehen ein breites Muster der russischen Außenpolitik weit entfernt von seinen Grenzen? Bereits Joachim Diec (2019) ging in seiner Studie dieser Frage anhand des Krim-Beispiels nach. In diesem Beitrag sollen die sieben Trends Diecs (2019) als unabhängige Variablen übernommen werden, um vor allem die erste Frage beantworten zu können. Die Machtinteressen Russlands werden durch die folgenden sieben Trends erklärt: Erstens: „The vision of Great Russia in a multipolar world order“, Zweitens: „Neo-Eurasianism“, Drittens: „The insular theory“, Viertens: „military geopolitics“, Fünftens: „Political Geographers“, Sechstens: “The 'Russian World' Concept“ und Siebtens: „The Geoeconomists“. Die Forschungsfrage für diese Arbeit lautet demnach: Hatten die sieben Merkmale Einfluss auf das militärische Eingreifen Russlands in Syrien und Venezuela? Kann der Trends­Frame von Diec (2019) den militärischen Eingriff Russlands in Syrien und Venezuela erklären?

Durch die vergleichende Methode können relativ kleine Fallgruppen systematisch untersucht werden (vgl. Jahn 2011: 47f.) und stellen somit ein effizientes Analyseverfahren dar, da Motive und Prozesse von Ursachen direkt erfasst werden können (vgl. ebd.: 75, Pickel 2015: 10). Ein Vergleich von Fallstudien sind nach Yin (2013) vor allem dann geeignet, wenn ein gegenwärtiges Phänomen in seinem Kontext untersucht werden soll und in der Forschung vor allem „Warum?“ und „Wie?“ Fragen beantwortet werden sollen. Auch in Hinblick auf kausale Inferenz können vergleichende Fallstudiendesigns nach Rohlfmg (2009) sowohl zur Theorieentwicklung als auch zum Theorietest und zur Theoriemodifizierung herangezogen werden. Somit kann letztlich auch der Frage nachgegangen werden, wie gut der analytische Rahmen Diecs (2019) auf andere Fallstudien anwendbar ist. Es werden unterschiedliche Strategien für die Auswahl der zu vergleichenden Ländern vorgeschlagen (vgl. Braun 2006). Eines dieser Strategien ist das „most-different systems“- Design (MDSD). Hierbei werden unterschiedliche Fälle auf Gemeinsamkeiten untersucht, die zu einem identischen Ergebnis führen. Unähnliche Kontextbedingungen sind nach Braun (ebd.) beim MDSD ein Vorzug, wenn es darauf ankommt, die Generalisierbarkeit von Zusammenhängen aufzuzeigen. Braun (2006) schreibt: „Sinnvoll kann in jedem Fall nur dann verglichen werden, wenn in den unterschiedlichen Ländern dieselbe zugrunde liegende Dimension erfasst wird“ (ebd.: 17). Somit ermöglicht die Analyse geopolitischer Trends in zwei verschiedenen Fallstudien die Herausbildung von Ähnlichkeiten und Unterschieden (vgl. Yenidünya & Atalay 2016) in der Vorgehensweise Russlands, wenn es um den Machtausbau im Ausland geht. Nach Dinicu (2017) beginnt die Geopolitik, ihre Autorität als Werkzeug zur Entschlüsselung und Erklärung gegenwärtiger und vergangener Ereignisse wiederzuerlangen. Sie ist eine Methode, um internationale Beziehungen in ihrer Dynamik zu analysieren.

Die vorliegende Arbeit ist in fünf Teile gegliedert: Der erste Teil stellt das methodische Vorgehen vor: Hierbei soll vor allem erläutert werden, warum in dieser Ausarbeitung mit Fallstudien gearbeitet wird. Im zweiten Teil folgt die Analyse der Trends anhand der Case-Studies, um im dritten Teil die Ergebnisse vorstellen und abschließend ein Fazit ziehen zu können. Zu Beginn der Analyse soll vorerst ein kurzer Überblick über die Beziehung Russlands zu Syrien und Venezuela gegeben werden.

2. Methodisches Vorgehen

Bei der Analyse der geopolitischen Trends Russlands nach Diec (2019) sollen im Folgenden die Länder Syrien und Venezuela in Bezug auf Russlands Einfluss verglichen werden. Beide Länder sind Einzelfälle und müssen auch als Einzelfälle betrachtet werden. Eine Verallgemeinerung dieser Einzelfälle ist nur bedingt möglich. Eine häufige Fragestellung in der Politikwissenschaft ist, inwieweit sich diese Fallstudien als vergleichende Studie bezeichnen dürfen. Diesen Standpunkt vertrat Giovanni Sartori (1994). Er äußerte generelle Kritik daran, Fallstudien als vergleichende Studien zu bezeichnen. Nach ihm ist der Zweck die Kontrolle von Aussagen.

Andererseits gibt es auch Gegenmeinungen, die einer Fallstudie einen vergleichenden Charakter zusprechen, weil sie den Vergleich des Falls mit der Theorie für entscheidend halten (George & Bennett 2005). Bei der genaueren Analyse der zwei Fälle Syrien und Venezuela im weiteren Verlauf stellt man doch verschiedene Gemeinsamkeiten in Bezug auf die Theorie fest, so dass auch diese Einzelfälle im Vergleich mit der Theorie nach Diec (2019) und auch im Vergleich gegeneinander Dimensionen der Verallgemeinerung besitzen.

Eine Herausforderung der Fallstudie nach Bernhard Ebbinghaus (2009: 206f.) ist die selektive Auswahl. Nach seiner Ansicht sind die Einheiten der Untersuchung nicht zufällig ausgewählt und besitzen nicht die suggerierte statistische Aussagekraft. Vielmehr beruhen diese auf den vorhergegangen historischen Prozessen und sind somit sehr subjektiv.

Auch die gezielte Fallauswahl an sich ist wichtig. Denn eine Fallstudie kann bei gezielter Fallauswahl einen wichtigen theoretischen Beitrag liefern, indem sie die zugrunde liegenden Prozesse in den Mittelpunkt stellt (vgl. George & Bennett 2005). Der Vergleich kann auch dazu dienen Ethnozentrismus zu vermeiden und Regeln zu finden (vgl. Dogan & Pelassy 1990).

3. Analyse der Trends

3.1 Analyse geopolitischer Trends Russlands anhand der Militärintervention in Syrien

Die russische Militärkampagne in Syrien wurde am 30. September 2015 gestartet und besteht seitdem größtenteils aus Luftanschlägen gegen Gruppen, gegen die die offizielle syrische Armee kämpft.

3.1.1 „The vision of Great Russia in a multipolar world order”

Die Außenpolitik von Russland muss nach Ende des Kalten Krieges im besonderen Maßstab in Hinblick auf die Außenpolitik der USA und die des Westens gesehen werden. Die Gefahr einer direkten Konfrontation und eines Krieges zwischen den zwei Ländern Russland und USA scheint zwar seit 1990 eher gering, dennoch stehen sie sich als Rivalen gegenüber. In den letzten Jahren bekommt China immer mehr Einfluss auf die Weltpolitik, in Bereichen der Wirtschaft, wie auch des Militärs. Nach Diec (2019) gibt es in Russland die Vision von einer mulitpolaren Weltordnung, in welcher die Machtverhältnisse auf der Erde ausgeglichen sind. Die Machtverhältnisse haben sich in der Tat seit Ende des Kalten Krieges verändert, Chinas aufstrebende Rolle ist bemerkenswert und auch die EU hat nicht unbedeutenden Einfluss. Ob daraus wirklich eine multipolare Weltordnung in Zukunft entsteht bleibt abzuwarten. Zum jetzigen Zeitpunkt ist festzustellen, dass sich weiterhin eine kleine Anzahl von Staaten gegenüber und es kommt immer mehr zu Staatenbündnissen, wie z.B. die EU, als zu Weltordnung bestehend aus Einzelstaaten. Des Weiteren werden auch die Armeen überstaatlich organisiert, wie z.B. die NATO. In der NATO zeigt sich die militärische Zusammenarbeit der USA mit der EU.

Stellt man nun die Frage nach russischer und US-amerikanischer Außenpolitik, so ist der Nahe Osten eines der Gebiete, in dem sich das Gegenüberstehen der zwei Mächte besonders deutlich manifestiert. Die Gründe dafür sind vielschichtig, historisch bedingt und haben sowohl geostrategische wie auch wirtschaftliche Bedeutung. Der Irak-Krieg 2003 steht sinnbildlich dafür, wie die USA einen Krieg führt, um in dem Land einen Machtwechsel durchzusetzen. Den Irak-Krieg hat die USA ohne UN-Mandat geführt. Der Anlass des Krieges, die Behauptung, es hätte im Irak Massenvemichtungswaffen gegeben, konnte nicht bewiesen werden. Der Irak-Krieg wird an dieser Stelle angeführt, weil die USA im Nachbarland Syrien die Kurden unterstützt, die Gegner des Assad- Regimes. Die USA haben folglich auch in Syrien das Interesse eines Machtwechsels zugunsten des Westens. Von Seiten des Westens wird oft angeführt, man wolle den Menschen Demokratie bringen. Das sich bei einem, von den USA präferierten „Regime­Change“ die gesellschaftliche Lage der Menschen verbessert ist allerdings mindestens fraglich. Folgen des Irak-Kriegs und des dortigen Machtwechsels waren zum einen die Entstehung des Terrorstaates IS, welche Entstehung kaum Ziel der „War on Terror“ Politik von George W. Bush sein konnte.

Russland ist im Nahen Osten ein zentraler Akteur, unterstützt die syrische Regierung. Es möchte die Einheit Syriens bewahren unter Herrschaft des Präsidenten Baschar al-Assad. Außerdem verhandelt Putin mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Auch laufen Verhandlungen über Syrien zwischen dem Kreml und Teheran.

Mit der seit 2015 laufenden Militärintervention in Syrien hat Russland demonstriert, dass es im östlichen Mittelmeerraum über militärische Handlungsfähigkeit verfügt (Bino & Krause 2017: 68). Das Assad-Regime konnte aufrechterhalten werden und somit wird eine Stabilität in Syrien gewährleistet, die auch eine Stabilität der seit Sowjet-Zeiten guten Russisch-Syrischen Beziehungen bedeutet. Bürgerkrieg und der Terrorstaat IS haben für eine Instabilität der gesamten Region gesorgt. Eine Tendenz zur multipolaren Weltordnung ist durch die Schwächung derUSA zu bemerken.

3.1.2 „Neo-Eurasianism“

Nicht nur aus russischer Perspektive ist der Nahe Osten die Verbindung zwischen Europa und Asien. Geografisch kann man Syrien als Verbindung zwischen den Kontinenten Europa, Asien und Afrika begreifen. Syrien besitzt eine lange Geschichte, auch relevant für die europäische oder asiatische Kultur. Die Hauptstadt Damaskus ist die älteste Stadt der Welt. Durch diese geografische Lage, wodurch Syrien wie ein Bindeglied zwischen Asien und Europa funktioniert, kann aus russischer Sicht wirtschaftlich und auch militärische genutzt werden. Diese zwei Aspekte werden im weiteren Verlauf unter den Themen military geopolitics und the Geoeconomists näher betrachtet. Ein Krieg in Syrien belastet folglich das Verständnis zwischen Europa und Asien, erstmal unabhängig von Interessenkonflikten.

Des Weiteren ist der Verlust des kulturellen Erbes in Syrien schwerwiegend. Irina Bokowa, Generaldirektorin der UNESCO, sagte, die Zerstörung dieses kulturellen Erbes sei „Teil der humanitären Katastrophe in Syrien“, außerdem das es nicht bedeute, dass man über die humanitäre Tragödie hinwegsehe, nur weil man auch dem kulturellen Aspekt des Konfliktes Bedeutung beimisst. Der bewaffnete Konflikt beschädigt antike Städte und Anlagen, Gebäude werden zerstört, z.B. in Städten wie Aleppo und Homs.

Am Beispiel Syrien kann man sehen, dass ein Eurasien oder auch ein imperiales Eurasien in Zukunft nicht absehbar ist, Europa steht auf der Seite des Westens und in Militärbündnissen wie der NATO diametral der Position aus Moskau gegenüber.

3.1.3 „The insular theory“

Ausgehend von Tsymbursky (zit. in Diec 2019: 147), der den Begriff the insular theory prägte, soll Russland defensiv sicher und zuverlässig die eigenen Staatsinteressen vertreten. Das militärische Eingreifen Russlands in einen Bürgerkrieg würde nicht unter diese Formulierung passen. Zwar könnte angebracht werden, dass Russland die Macht in Syrien nur verteidigt und stabilisiert, allerdings stellt sich dann die Frage, inwieweit das Fliegen von Luftangriffen von defensiver Natur ist. Außerdem spricht dagegen, dass die Militärpräsenz in Syrien weiter erhöht wurde. Ein Besinnen auf Staatsinteressen würde eher den Rückzug der Truppen bedeuten.

3.1.4 „Military geopolitics“

Um die Rolle Syriens im Bereich der militärischen Geostrategie zu verstehen, ist besonders die geographische Lage der entscheidende Aspekt aus russischer Sicht. Syrien liegt am Mittelmeer, dies ist ein wichtiger Punkt für die russische Marine. Einen Mittelmeerzugang für russische Schiffe ist sonst nur mit Passieren des Bosporus möglich, also in Abhängigkeit der Türkei. Die Wichtigkeit Syriens wird besonders dadurch deutlich, dass die Marinebasis Tartus der einzige Stützpunkt ist, den die russische Marine im Mittelmeer unterhält. Sie ist nach dem Zerfall der Sowjetunion erhalten geblieben und von Russland weiter betrieben worden.

Ein weiterer Punkt ist, dass Syrien ein wichtiger Abnehmer für russische Waffentechnik ist. Dies war schon seit sowjet-Zeit so und setzt sich fort. Zusammenfassend ist im militärischen Bereich Syrien wichtig für Russland, wie auch andersherum.

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Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Warum versucht Russland sein Machtinteresse im Nahen-Osten und in Lateinamerika auszubauen?
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
3,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
19
Katalognummer
V1169536
ISBN (Buch)
9783346586315
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Russland, Syrien, vergleichende Politik, geopolitik, machtinteresse
Arbeit zitieren
Deni Yücel (Autor:in), 2021, Warum versucht Russland sein Machtinteresse im Nahen-Osten und in Lateinamerika auszubauen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1169536

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