Philosophieren mit Schülern über "Das Zeichen in meiner Hand" von Kevin Henkes


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

29 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zuordnung zu Schulart, Jahrgangsstufe und Lehrplan

3 Fachwissenschaftliche Analyse
3.1 Darstellungsebene
3.1.1 Aufbau und Inhalt
3.1.2 Erzählsituation
3.1.3 Distanz zum Erzählten
3.1.3.1 Erzählweise
3.1.3.2 Erzählperspektive
3.1.3.3 Zeitstruktur
3.2 Handlungsebene
3.2.1 Figuration
3.2.2 Raumstruktur
3.2.2.1 Raumorganisation der dargestellten Welt

4 Pädagogisch-psychologische Überlegungen
4.1 Vorstellung vom Tod bei Kindern
4.1.1 Kinder bis drei Jahren (sensomotorische Phase)
4.1.2 Kinder zwischen drei und fünf Jahren (prä-operationelle Phase)
4.1.3 Kinder zwischen fünf und neun Jahren (konkret-operationelle Phase)
4.1.4 Kinder von zehn bis vierzehn Jahren (formal-operationale Phase)
4.2 Umgang mit dem Thema in den verschiedenen Altersstufen
4.3 Lesemotivation und Leseinteresse

5 Didaktische Analyse
5.1 Inhaltliche und formale Schwerpunkte (didaktische Reduktion)
5.1.1 Der Protagonist Spoon und die anderen Figuren
5.1.2 Aufbau und Entwicklung der Handlung
5.1.3 Raumorganisation
5.2 Mögliche Schwierigkeiten beim Lesen
5.3 Leseverfahren
5.4 Lernziele
5.5 Philosophisches Potential

6 Methodische Überlegungen
6.1 Praktische Umsetzungsmöglichkeiten im Unterricht
6.1.1 Der Protagonist Spoon und die anderen Figuren
6.1.2 Das Motiv der Sonne
6.1.3 Entwicklung und Aufbau der Handlung
6.1.4 Raumorganisation
6.1.5 Texte und Gedichte
6.1.6 Philosophische Aspekte
6.2 Ziele der skizzierten Unterrichtseinheiten

7 Schlussbemerkung

8 Anhang
8.1 Schema zur Raumorganisation
8.2 Das Figureninventar
8.3 Texte und Gedichte

9 Literaturverzeichnis
9.1 Primärliteratur
9.2 Sekundärliteratur
9.3 Internetquellen

1 Einleitung

Kevin Henkes Das Zeichen in meiner Hand befasst sich mit einem Thema, mit dem jeder Schüler früher oder später einmal konfrontiert wird: mit dem Tod eines geliebten Menschen und wie man damit am besten umgeht.

Die folgende Arbeit stellt einen Vorschlag für Das Zeichen in meiner Hand als Lektüre für den Deutschunterricht dar. In einer Sachanalyse werden zunächst die beiden Ebenen des Erzähltextes, also die Ebene der Darstellungsweise sowie die Ebene der dargestellten Welt untersucht. Auf diese Weise lassen sich epische Texte analysieren und interpretieren. Pädagogisch-psychologische Aspekte werden bei der Rechtfertigung des Jugendromans als Unterrichtsgegenstand miteinbezogen. Dabei spielen die Entwicklungsphase und das Leseinteresse Jugendlicher sowie soziales Lernen eine Rolle. Anschließend werden, reduziert auf die für den Unterricht relevanten Aspekte der Sachanalyse, didaktisch-methodische Überlegungen zum Umgang mit Kevin Henkes Das Zeichen in meiner Hand im Unterricht dargestellt. Ein Augenmerk liegt auf dem im Text vorhandenen philosophischen Potential. Hier soll festgestellt werden, welche im Text verborgenen Sinnfragen aufgeworfen werden, die Jugendlichen die Möglichkeit geben können über sich und die Welt nachzudenken.

Zunächst erfolgt jedoch eine knappe Zuordnung von Kevin Henkes Das Zeichen in meiner Hand im Hinblick auf Schulart, Jahrgangsstufe und Lehrplan.

2 Zuordnung zu Schulart, Jahrgangsstufe und Lehrplan

Kevin Henkes Roman Das Zeichen in meiner Hand ist für Schülerinnen und Schüler im Alter von 10-12 Jahren und somit für die 5. bis 6. Jahrgangstufe der Hauptschule geeignet. Er beschäftigt sich mit dem Thema Abschied bzw. Tod eines geliebten Menschen, welche für diese Alterstufe von entscheidender Bedeutung sind. Was macht ein Mensch durch, wenn jemand anderer stirbt? Was behalte ich von dem Verstorbenen/Verlassenen? Das Buch fordert auf, sich mit diesen Fragen auseinander zusetzen. Gerade in der 5. und 6. Jahrgangsstufe machen Kinder die ersten Erfahrungen damit, einen Menschen zu verlieren, oder verlassen zu werden. Das beginnt schon mit dem Verlassen der Freunde, wenn sie nach der Grundschule auf eine andere Schule übertreten. Es kann aber auch damit zu tun haben, dass die Kinder jemanden verlieren, der gestorben ist, z.B. die Großeltern. Auch erleben sie den Tod jetzt anders. Piaget hat dazu Thesen aufgestellt, die im Weiteren noch einmal aufgegriffen werden.

3 Fachwissenschaftliche Analyse

Orientiert an dem Kapitel „Textanalytischer Umgang mit Kinder und Jugendliteratur“ in Günter Langes Erwachsen werden. Jugendliterarische Adoleszenzromane im Deutschunterricht[1] und an den gängigen literaturwissenschaftlichen Methoden zur Untersuchung der narrativen Struktur von Texten auf Ebene der histoire und des discours[2], soll die folgende Basisanalyse zum besseren Verständnis des Textes beitragen und weiterführende Interpretationen im Unterricht ermöglichen.

3.1 Darstellungsebene

Kevin Henkes Das Zeichen in meiner Hand gehört, im Hinblick auf die Gattungen der Kinder- und Jugendliteratur, der Großgattung Epik an. Er kann unter mehreren Genres zusammengefasst werden, da verschiedenen Leseweisen berücksichtigt werden können und es darauf ankommt, welche, im Text thematisierten Gesichtspunkte, eine Rolle spielen sollen.

Zum Einen stehen, wie im Entwicklungsroman, „Ziel und Entwicklung des Protagonisten“[3] im Vordergrund. Jedoch beschränkt sich der Entwicklungsroman nicht nur auf einen Lebensabschnitt, sondern kann auch das gesamte Leben einer Figur darstellen. Anders verhält sich dies bei der problemorientierten Jugendliteratur und beim Adoleszenzroman. Hier betrachtet man einzig die Entwicklungsphase der Adoleszenz. Stellt man bei Das Zeichen in meiner Hand nun den Aspekt des Auseinandersetzens mit dem Tod in den Vordergrund, so wäre ein Merkmal der problemorientierten Jugendliteratur erfüllt, die sich mit konkreten sozialen Problemen von Jugendlichen beschäftigt. Da sich der Text jedoch nicht nur auf einen Aspekt der Welt Jugendlicher begrenzt, gestaltet sich ebenso der Begriff des Adoleszenzromans als passend: „ Thematisch handelt der Adoleszenzroman von den Problemen des Erwachsenwerdens; dabei ist er aber nicht auf einige wenige Aspekte wie die problemorientierte Jugendliteratur begrenzt, sondern hat den Anspruch, die Zeit der Adoleszenz möglichst umfassend darzustellen. […] Beschrieben wird […] die tiefgreifende

Identitätskrise des Jugendlichen, der auf der Suche nach einem eigenen Weg in der Gesellschaft und zu sich selbst ist.“[4]

3.1.1 Aufbau und Inhalt

Kevin Henkes Jugendroman besteht aus 4 Kapiteln (Die Suche, Die Sonne, Der Sturm und Das Zeichen), die jeweils noch einmal untergliedert werden. Die vier Kapitel geben den inneren Gemütszustand des Protagonisten wieder. Insgesamt sind es 15 Segmente, die passend zum Inhalt bebildert sind.

Kevin Henkes erzählt aus der Sicht des 10jährigen Spoon den Umgang eines Kindes mit dem Thema Trauer und Tod. Spoon, das mittlere Geschwister von drei Kindern einer im Großen und Ganzen glücklichen Familie verkraftet den Verlust seiner geliebten, vor kurzem verstorbenen Großmutter „Granny“ nur schwer. Weil er immer seltener von ihr träumt und aus Angst sie möglicherweise ganz zu vergessen, beschließt er sich auf die Suche nach einem Andenken zu machen. Mit seiner kleinen und anhänglichen Schwester Joanie besucht er den Großvater, in der Hoffnung bei ihm ein passendes Erinnerungsstück zu finden. Im Haus seines Großvaters denkt er an die vielen gemeinsamen Kartenspiele mit Granny und seinem Opa und ist zugleich traurig darüber, dass dieser seit dem Tod seiner Großmutter nicht mehr mit ihm spielen will. Plötzlich kommt ihm die Idee für das perfekte Andenken: Es ist Grannys Kartenspiel, das mit den Sonnen auf der Rückseite. Die Sonnen hatten für die Großmutter scheinbar eine besondere Bedeutung, denn sie hat sie in jeglicher Form gesammelt.

Heimlich nimmt er die Karten und sie werden fortan zu einer Art Glücks- und Sinnbringer für ihn. Sie bringen ihn auf die Idee, ein Notizbuch zu schreiben, das den Titel „Die Sonne“ trägt, zum Zweck alle Erinnerungen und Eigenschaften von Granny darin festzuhalten. Jedoch stellt sich heraus, dass die Karten auch für seinen Großvater eine besondere Bedeutung hatten, denn auch er hat gerne damit gespielt, wenn er traurig über den Tod seiner Frau war. Spoon weiß nicht, wie er handeln soll. Sein schlechtes Gewissen bewegt ihn jedoch dazu, die Karten unauffällig auf ihren alten Platz zurück zu legen und auf sein Andenken zu verzichten. Überglücklich erzählt ihm sein Großvater, er hätte ein Zeichen von seiner verstorbenen Frau erhalten, denn ihre Spielkarten seinen auf unerklärliche Weise verschwunden und wieder aufgetaucht. Als Spoon gesteht, die Karten genommen zu haben, ist sein Großvater zwar traurig, dass es sein Zeichen nicht gab, begreift jedoch, dass sein Enkelkind unbedingt eine Erinnerung an seine Großmutter braucht. Deshalb schenkt er ihm ein Foto von seiner Frau, als diese in etwa in Spoons Alter war und zeigt ihm außerdem eine ausgeschnittene Papierhand, die damals als Strickmuster für Kinderhandschuhe diente. In der Hand steht ein Zeichen, ein großes M für Martha, dem Namen seiner Großmutter. Zunächst weiß er nur wenig mit seinem Andenken anzufangen, wollte er doch ursprünglich kein Foto und auch damit, dass ihm sein Großvater die ausgeschnittene Hand gezeigt hat. Doch schließlich bekommt Spoon sein Zeichen: In der ausgestreckten Hand seiner jüngeren Schwester entdeckt er Linien, die zu einem großen M geformt sind. Und nicht nur seine Schwester besitzt diese Handlinien, sondern auch Spoon selbst, sowie seine Eltern und der Rest der Familie. Zufrieden und glücklich darüber, endlich etwas zu besitzen, das seine Großmutter lebendig hält, nimmt Spoon sich vor, seinem Großvater von dem Zeichen zu erzählen: beim nächsten Kartenspiel.

3.1.2 Erzählsituation

In Kevin Henkes Das Zeichen in meiner Hand liegt die Er-Erzählsituation vor, die dadurch gekennzeichnet ist, dass der Erzähler eindeutig nicht der dargestellten Welt der Figuren angehört. Er ist ein Erzähler, der alles weiß, sowohl die Gefühle, als auch die Gedanken der Personen. Auch blickt er auf früher Erlebtes zurück, betrachtet es aber objektiv.

3.1.3 Distanz zum Erzählten

3.1.3.1 Erzählweise

Oftmals scheint der Leser direkt am dargestellten Geschehen beteiligt zu sein. Denn häufig findet die direkte Wiedergabe der Figurenrede statt, auch in Form der zahlreichen Dialoge, welche eine geringe Distanz zum erzählten Geschehen und einen Eindruck der unmittelbaren Nähe bewirken.

Durch Verwendung der inneren Figurenrede, in dem Fall der indirekten Darstellung von Gedanken, Wahrnehmungen und Gefühlen Spoons, wird die Distanz zum Denken und Fühlen der Hauptfigur ebenso geringer: „Spoon Gilmores Großmutter war schon zwei Monate tot, als ihm klar wurde, dass er irgendetwas Besonderes von ihren Sachen als Erinnerung wollte. Dieser Gedanke kam ihm mitten in einer heißen, schwülen Julinacht und quälte ihn bis zum Morgen.“(S.7).

Mittels innerer Monologe wird erreicht, dass der Leser einen Einblick in Spoons subjektive Bewusstseinsvorgänge gewinnt: „Er konnte nicht genau sagen, was er sich vorstellte, aber er wusste, was er keinesfalls haben wollte: ein Foto.“ (S.8)

3.1.3.2 Erzählperspektive

Die Darstellung des Geschehens erfolgt aus einem Blickwinkel von außen. Die Erzählperspektive ist somit die Außenperspektive, auch wenn der Erzähler einen zeitlich und räumlich geringen Abstand zum Erzählten hat. Der Text informiert über innere Prozesse, Wahrnehmungen und Gefühle des sensiblen Jungen, obwohl der Erzähler nicht Teil der dargestellten Welt ist: „Er wollte auch nicht, dass dieses `Etwas` ein Mädchenschnickschnack war wie eine Kette oder eine Anstecknadel oder ein Ohrring. Was könnte es nur sein?“ (S.8). Auch über das weitere Geschehen erfährt der Leser zunächst nicht mehr, als Spoon zum damaligen Zeitpunkt weiß. Auf diese Weise wird Spannung aufgebaut.

Da das Geschehen jedoch rückblickend erzählt wird, stellt sich die Frage, in welchen Passagen der Erzähler mehr weiß, als die Figur Spoon. Dass er auch die Übersicht am dargestellten Geschehen einnimmt und der Erzählen dann auktorial ist, wird gleich zu Beginn des Romans deutlich, als er die indirekte Rede der Personen einführt und auch den Konjunktiv verwendet: „Er wollte auch nicht, dass dieses `Etwas`ein Mädchenschnickschnack war wie eine Kette oder eine Anstecknadel oder ein Ohrring. Was könnte es nur sein?“ (S.8).

3.1.3.3 Zeitstruktur

Insgesamt liegt zeitraffendes Erzählen vor, denn das erzählte Geschehen umfasst einen Zeitraum von mehreren Tagen bis Wochen. Die Erzählzeit ist demnach kürzer als erzählte Zeit. Szenisches Erzählen ist in den Textstellen zu finden, in denen der Leser Einblick in die Wahrnehmungen und Gedanken des Protagonisten bekommt, zum Beispiel, als er sich bei Grandpa auf die Suche nach einem Andenken macht (S.41): „Kniend zog Spoon die unterste mittlere Schublade des Büffets auf. Da lagen die drei Kartenspiele, wie immer; ganz genau, wie drei Vögelchen in ihrem Nest, passten sie in die voll gestopfte Schublade. Spoon war sicher, dass niemand mit den Karten gespielt – ja, nicht mal einen Blick darauf geworfen hatte -, seit Grannys Tod. Daher zögerte er, ehe er Grannys Spiel herausnahm.“(S.41) So wird unter Anderem gekennzeichnet, dass diese Stellen von entscheidender Bedeutung für den weiteren Handlungsverlauf sind.

Das dargestellte Geschehen ist in den Rahmen eingebettet, dass das Erzählte immer wieder mit Rückblicken versehen wird. Die chronologische Ordnung wird so aufgrund nachgetragener Handlungselemente, umgestellt. So werden mittels Rückwendungen Geschehen, die sich zu einem früheren Zeitpunkt ereignet haben, nachträglich dargestellt, wie zum Beispiel die Erklärung, wie Spoon zu seinem Namen gekommen ist (S.26-27) oder die Erzählung über Grannys Sammelleidenschaft (S.37-38). Gleich zu Beginn des Buches, im ersten Kapitel, wird in der Zukunft liegendes vorausgedeutet, als erzählt wird, dass Spoon auf der Suche nach einem Andenken an seine Oma ist (S.7-13).

3.2 Handlungsebene

3.2.1 Figuration

Das Figureninventar in Das Zeichen in meiner Hand lässt sich in Neben- und Hauptfiguren einteilen. Zu den Nebenfiguren zählen diejenigen, von denen in der Geschichte nur erzählt wird, die aber nicht persönlich auftreten, so zum Bespiel Evie (die Großmutter mütterlicherseits)und ihr Mann Henry (S.10), der große Bruder charlie (der im Urlaub bei seiner Oma ist), Don und Douglas Frost (die besten Freunde von Spoon, die ebenfalls im urlaub sind) und Alex Norman und Nate Dempster (Klassenkameraden von Spoon)

Spoons Eltern, nehmen eine wichtige Rolle in seinem Leben und bisheriger Entwicklung ein, denn die angebliche Bevorzugung seiner Eltern von Joanie macht ihm schwer zu schaffen. Zu den weiteren Hauptpersonen zählt natürlich seine kleine Schwester Joanie, die ihm am Anfang des Romans ziemlich auf die Nerven geht und er sie zum Schluss aber nicht mehr missen möchte. Sehr wichtig ist natürlich auch noch seine Großmutter, von der man zwar nur indirekt erfährt, die aber für Spoon eine sehr wichtige Bezugsperson war. Damit verbunden ist natürlich auch Spoons Großvater, der ihm am Ende sein Andenken bringt und zu dem er ein sehr gutes Verhältnis hat.

Die wichtigste Hauptperson ist jedoch Spoon selbst, der die ganze Zeit auf der Suche nach einem Andenken ist und durch den man die Zusammenhänge erst richtig erkennt.

3.2.2 Raumstruktur

3.2.2.1 Raumorganisation der dargestellten Welt

Der topographische Innenraum der dargestellten Welt unterteilt sich eigentlich nur in zwei Räume: Spoons zu Hause und das Haus seiner Großeltern. Zu seinem Zuhause zählt natürlich auch der Garten, in dem sich die Familie viel aufhält und in dem Spoon seinen Namen erhalten hat. Die Verbindung der beiden Räume ist der Weg (fünf Straßen) zu seinem Großvater. Allerdings kann man auch noch den Hillington Park dazurechnen, denn wenn Spoon einen Umweg macht, geht er kreuz und quer durch diesen. Der Raum „Zuhause“ trägt die Merkmale der Familie und der Unruhe (denn Spoon kann nie wirklich alleine sein). Wohingegen das Haus des Großvaters mit Wohlbefinden und Ruhe charakterisiert wird. Der Hillington Park scheint eine Art Versteck für Spoon zu sein, denn dadurch, dass er den Umweg macht versucht er indirekt seine kleine Schwester abzuschütteln. Der Raum „Grandpas Haus“ lässt sich unterteilen in die Garage, in der ausgemistet werden soll und das Esszimmer, in dem alle möglichen Erinnerungsstücke an Granny vorhanden sind.[5]

4 Pädagogisch-psychologische Überlegungen

4.1 Vorstellung vom Tod bei Kindern

Anders als bei den Erwachsenen, haben viele Kinder noch keine Erfahrungen mit dem Tod geliebter Menschen gemacht. Trotzdem haben sie Vorstellungen davon. Manche mussten bereits Haustiere verlieren. Die Trauerreaktion ist oft dieselbe, als wenn ein Mensch stirbt. Oder sie haben die Großeltern, die Eltern, Freunde oder Verwandte verloren. Doch wie gehen Kinder damit um? Sie weisen noch kein reifes Todeskonzept auf. Die Dimension, die ein erwachsener Mensch hat, eignen sie sich nacheinander in ihrer Entwicklung an. Piaget hat dazu eine These aufgestellt und die einzelnen Entwicklungsstufen bestimmten Altersklassen zugeordnet. Natürlich sind diese nicht allgemeingültig und können sich bei den einzelnen Kindern verschieben.

4.1.1 Kinder bis drei Jahren (sensomotorische Phase)

Kinder in diesem Alter haben keine Todesvorstellung, sehrwohl aber Verlustängste. Schon vorübergehende Trennungen werden als bedrohlich empfunden, da sie mit dem Tod gleichgestellt werden. Sie sprechen von Toten, als wären sie noch am Leben.

4.1.2 Kinder zwischen drei und fünf Jahren (prä-operationelle Phase)

In dieser Phase sprechen Kinder erstmals über den Tod. Sie begreifen ihn jedoch nicht als endgültig, sondern stellen ihn sich als vorübergehende Phase vor. Für sie ist der Tod etwas, das ein „nicht da sein“ darstellt und nur anderen passiert. Das heißt, sie haben noch keinen Gedanken daran, dass sie auch irgendwann sterben müssen. Kinder in diesem Alter haben ein animistisches Weltbild, sie gehen also von der Allbeseelung der Welt aus, das heißt, sie schreiben leblosen Gegenständen Bewusstsein zu.

4.1.3 Kinder zwischen fünf und neun Jahren (konkret-operationelle Phase)

Hier fangen die Kinder an, den Tod als realistisch und irreversibel zu sehen. Sie verstehen also, dass niemand der tot ist, wieder zurückkommt. Aber sie personifizieren den Tod, sehen ihn als den `schwarzen Mann` der kommt und die Menschen holt. Darum haben sie erstmals das Gefühl der Trennung und des Schmerzes, denn sie erkennen, dass man durch äußere Einwirkungen stirbt (Kausalität) und dass jeder sterben muss, auch sie selbst (Universalität). In dieser Phase findet also bereits eine Annäherung an das reife Todeskonzept statt.

4.1.4 Kinder von zehn bis vierzehn Jahren (formal-operationale Phase)

Die Kinder in diesem Alter sehen den Tod als unausweichliches und abschließendes Ereignis. Nun assoziieren die Kinder bzw. Jugendlichen den Tod mit Trennung, Liebesverlust und Endgültigkeit. Das heißt, sie nähern sich dem reifen Todeskonzept immer weiter an. Das sich entwickelnden Todesverständnis zieht die Todesangst nach sich, die ganz natürlich ist und der Trennungs- und Kastrationsangst folgt.

4.2 Umgang mit dem Thema in den verschiedenen Altersstufen

Nachdem man weiß, dass die Kinder verschieden Stufen durchlaufen, ist es natürlich auch sinnvoll, mit ihnen unterschiedlich damit umzugehen. Dazu hat Thiede Regeln aufgestellt, die man befolgen sollte:

(1) Kindergarten:

Im Kindergarten sollte man auf kindliche Art und Weise über die Auferstehungshandlung Gottes reden. Erst mit steigender kognitiver Entwicklung sollte man höhere Stufen des Verständnisses der Auferstehung erreichen.

(2) Frühe Grundschule:

Hier sollte man den Kindern auf die Frage nach dem Verbleib der Toten erklären, dass sie nach dem Zerfall der Hülle in Gottes Hände schlafen, bis sie wieder auferweckt werden.

(3) Späte Kindheit:

Jetzt kann man mit den Kindern darüber reden, dass es Alternativen zur christlichen Auferstehungshoffnung gibt. Man sollte ihnen die spiritualistische Auffassung nahe bringen und auch die materialistische Auffassung realistisch darstellen. Hier setzt man also die christliche Hoffnung als ganzheitliche Hoffnung ein.

(4) Pubertät:

In dieser Phase sollte man das Streben der Individualität unterstützen und mit ihnen über die Sinnfrage diskutieren. Die „Antwort auf die Sinnfrage ist endgültiger Sieg Jesu über den Tod“[6].

(5) Jugendliche:

Die Jugendlichen beschäftigen sich mit verschiedenen Ideologien, wie der religiösen, der materialistisch-positivistischen oder der spiritualistisch-esoterischen. Deshalb sollte man den christlichen Glauben unter der Betonung seiner weltanschaulichen Konturen darstellen, um ihn anschaulicher wirken zu lassen.

[...]


[1] vgl. Lange (2000), S.52

[2] vgl. dazu Scheffel/Martinez (2003)

[3] nach Lange (2000), S.3

[4] vgl. Lange (2000), S.3-6

[5] siehe Anhang: Abbildung 8-1 Raumorganisation

[6] http://www.sonderpaed-online.de/wiss/tol/tol.htm

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Philosophieren mit Schülern über "Das Zeichen in meiner Hand" von Kevin Henkes
Hochschule
Universität Passau
Veranstaltung
Philosophieren mit Kindern im Deutschunerricht
Note
2,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
29
Katalognummer
V116961
ISBN (eBook)
9783640187614
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Philosophieren, Schülern, Zeichen, Hand, Kevin, Henkes, Philosophieren, Kindern, Deutschunerricht
Arbeit zitieren
Simone Hedtke (Autor:in), 2007, Philosophieren mit Schülern über "Das Zeichen in meiner Hand" von Kevin Henkes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116961

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