Bibliotheken im Wandel

Von der Volkserziehung zum Freizeitmanagement


Hausarbeit, 2007
24 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Worum es geht

2. Wozu Bibliotheken? Entwicklung und Wandel
2.1. Selbstverständnis früher und heute
2.2. Verwaltung und Wettbewerb
2.3. Kulturmanagement in der Erlebnisgesellschaft

3. Fallbeispiel: Die Stadtbibliothek Verden / Aller
3.1. Lage, Räumlichkeiten und Angebot
3.2. Benutzerservice und Ambiente
3.3. Anwendung marktwirtschaftlicher Strategien
3.4. Besucherorientierter Marketing-Mix

4. Schluß

Literaturverzeichnis

1. Einleitung: Worum es geht

Wozu braucht man eigentlich Öffentliche Bibliotheken? Welche Funktion erfüllen sie in der Gesellschaft? Welche Leistungen werden von ihnen erwartet und haben sich diese Erwartungen im Laufe der Zeit geändert? Diese Fragen verlieren ihre Naivität, wenn man bedenkt, daß der flächendeckende Ausbau von Öffentlichen Freihandbibliotheken bis in die kleinsten Ortschaften hinein ein typisch europäisch-sowjetisch-nordamerikanischer Standart ist. Im asiatischen und afrikanischen Raum und auch in weiten Teilen Südamerikas findet sich kein Bibliotheksnetz, das dem europäischen vergleichbar wäre, auch nicht in Ländern mit bedeutenden Bibliothekstraditionen wie Indien, China oder dem Vorderen Orient. Zwar ist die Notwendigkeit Wissenschaftlicher Bibliotheken in den Universitätsstädten überall auf der Welt unumstritten. Inwieweit jedoch der „Durchschnittsbürger“ Zugang zu Öffentlichen Bibliotheken mit ihrem von Wissenschaftlichen Bibliotheken sehr verschiedenen Medienbestand haben muß, darf oder soll, darüber herrscht international keine Einigkeit.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich ausschließlich mit der Entwicklung des Öffentlichen Bibliothekswesens in Deutschland seit seinem Wiederaufleben nach 1949 bis heute. Sie soll aufzeigen, unter welchen Vorzeichen das Bibliothekssystem nach dem Krieg wieder aufgebaut wurde und inwiefern und warum sich das Selbstverständnis der Öffentlichen Bibliotheken seitdem gewandelt hat, welche Erwartungen auch unter dem Gesichtspunkt des ergebnisorientierten Leistungsvergleichs zwischen öffentlichen Einrichtungen heute an eine „gute“ Öffentliche Bibliothek herangetragen werden und warum deren Leitung „Kulturmanagement“ erfordert. Gleichzeitig werden die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen beleuchtet, die zu dieser Veränderung geführt haben.

Am Beispiel der Stadtbibliothek in Verden / Aller wird schließlich gezeigt, wie in einer kleinen niedersächsischen Kreisstadt mit Hilfe eines gelungenen Managements so erfolgreich um Bibliotheksbenutzer und -besucher geworben werden kann, daß diese selbst aus der 30 km entfernten Großstadt Bremen zur Medienentleihe anreisen, um – neben ihrem Informationsinteresse – ihr Bedürfnis nach „Erlebniskonsum“ und „Service“, nach „Unterhaltung“ und „Freizeitmanagement“ zu befriedigen.

2. Wozu Bibliotheken? Entwicklung und Wandel

2.1 Selbstverständnis früher und heute

In der aktuellen Satzung der Stadtbibliothek Verden / Aller vom 01. 07. 2006 heißt es:

„(1) Aufgabe der Stadtbibliothek ist es, der Bevölkerung Verdens ein aktuelles Medienangebot zur Verfügung zu stellen. Die Stadtbibliothek dient allgemeinen kulturellen Zwecken und dem allgemeinen Bildungsinteresse, der Information, der Aus-, Weiter- und Fortbildung sowie der Freizeitgestaltung. […] (Stadtbibliotheks-Satzung § 2)“

Noch 1973 äußerte sich der Nordrhein-Westfälische Städtebund dahingehend, Bibliotheken seien „notwendige Bildungseinrichtungen“ die der „berufliche[n] Aus-, Fort- und Weiterbildung“ dienten[1]. Und die deutsche UNESCO-Kommission hatte 1952 gar die Ansicht vertreten, Bibliotheken böten unverzichtbare „Lebenshilfe“[2] an und seien notwendig für den Aufbau einer funktionierenden Demokratie. Wenn auch in jedem Fall das Bildungsinteresse der Bevölkerung an erster Stelle genannt wird, so ist doch ein deutlicher Wandel zu verzeichnen: Von der Auffassung, Bibliotheken dienten vorrangig der politischen Bildung hin zur Vordergründigkeit der beruflichen Bildung und schließlich zur Erfüllung „allgemeiner kultureller Zwecke“ und „allgemeinem Bildungsinteresse“ (s.o.). Schon anhand dieser wenigen Beispiele läßt sich erkennen, daß sich im Selbstverständnis der Bibliotheken in den letzten fünfzig Jahren etwas geändert haben muß. Es hat eine Verschiebung der Bibliotheksaufgaben von der allgemeinen Volksbildung zur Freizeitgestaltung hin stattgefunden.

Welcher Stellenwert in der jungen Bundesrepublik Deutschland der Literatur im allgemeinen und dem Wiederaufbau des Bibliothekssystems im besonderen zugewiesen wurde, wird deutlich in zwei Reden, die der Hessische Minister für Erziehung und Volksbildung, Erwin Stein, am 20. 09. 1950 anläßlich der Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse und am 31. 05. 1950 auf dem Bibliothekartag in Marburg hielt. Nicht allein, daß er den Aufbau der Bibliotheken als Bedingung des „geistigen Fortschritts“ des Volkes an Wichtigkeit mit dem allgemeinen Wohnungsbau[3] gleichsetzte, er ging so weit, die Schrecken des Nationalsozialismus und des Marxismus-Leninismus (unter anderem) auf das Lesen falscher Literatur zurückzuführen.[4] Im Umkehrschluß forderte er ein Bibliothekswesen, welches bei aller demokratischen Meinungsfreiheit dem Leser eben nicht zu lesen gibt, was immer er möchte, sondern ihn im Gegenteil zum „wertvollen“ und „guten Buch“[5] erzieht. Auch die Deutsche UNESCO-Kommission sah 1952 die Bibliothek als einen Ort der Erwachsenenbildung und Jugenderziehung an[6], der für die Vermittlung von politischer Mündigkeit und der Entwicklung einer Demokratie unverzichtbar sei.

Für eine solch pragmatische Art von Bildungsvermittlung waren keine Freihandbibliotheken mit großen Ausstellflächen nötig. Vielmehr herrschte denn auch um 1950 die Form der Thekenbibliothek vor, in der der Benutzer vom Bibliothekar die gewünschten Bücher ausgehändigt bekam. Die Bibliothek war also ein Ort der Wissensvermittlung, in der überwiegend der Bibliothekar darüber entschied, welche Bücher dem Leserinteresse dienen konnten und welche nicht.

Dieses Bild änderte sich in den nächsten Jahrzehnten. Bereits in den 60ern herrschten Freihandbibliotheken vor, in denen sich die Benutzer ihre Lektüre selbst aussuchen konnten. Der Anteil an belletristischer Lektüre stieg auf etwa ein Drittel des Gesamtbestandes. Non-Print-Medien kamen hinzu: War bereits in den 50ern die Ausleihe von Musiknoten üblich gewesen, kam in den 60ern der Schallplattenverleih hinzu, und bereits 1988 sah man sich genötigt, den Verleih von Videokassetten mit dem Erhalt von „Filmkultur“[7] zu rechtfertigen.

Heute kann sich jeder selbst leicht überzeugen, daß es auch mit dem „Erhalt der Filmkultur“ nicht sehr weit her ist. Zwar bieten die meisten Bibliotheken neben einem Sortiment an Sach- und Lehrfilmen auch Klassiker der Filmgeschichte an, doch stehen diese gleichberechtigt neben neueren Spielfilmen, wie man sie auch in Videotheken vorfindet. Hinzugekommen sind vielmehr weitere Mediengruppen: CDs haben die Schallplatten abgelöst, Hörbücher und Hörspiele bieten eine Alternative zum herkömmlichen Buch, Computerspiele dienen durchaus nicht ausschließlich Erziehungs- und Lehrzwecken. Bibliotheksbenutzer können mithilfe der Bibliothekscomputer im Internet surfen oder sich über Kopfhörer CDs anhören, im Bibliothekscafé etwas trinken, in der Spieleecke Gesellschaftsspiele spielen. Neben Literaturlesungen finden Vorträge anderer Einrichtungen, Puppenspiele, Kindertheater und –schminken, Kunstausstellungen, Bücherflohmärkte und Themenabende statt, und wenn schließlich ein eigens engagiertes Zaubererteam Tricks vorführt, ist der Zusammenhang mit Literatur über die „Harry Potter“-Bücher bestenfalls konstruiert. Tatsächlich ist es möglich, Stunden in der Bibliothek zu verbringen, ohne dabei ein Buch in die Hand zu nehmen. Und wie die NWZ[8] am 07. 06. 2007 meldete, soll es demnächst in Hamburg, Köln, Würzburg und München möglich sein, sich Hörbücher, E-Books, Videos und Musik via Internet von zu Hause herunterzuladen, so daß selbst das Betreten der Bibliothek zur „Ausleihe“ entfällt. Weit davon entfernt, dem Nutzer seine Medienwahl vorzuschreiben, wird im Gegenteil versucht, seinen Neigungen möglichst weit entgegenzukommen. Obwohl die Bibliothek noch immer Kultur- und Bildungsvermittlung für ihre Hauptaufgaben ausgibt, bietet sie immer mehr Zusatzveranstaltungen, die mit Bildung gar nichts mehr und mit Kultur nur noch im weitesten Sinne (Stichwort: „Massenkultur“) etwas zu tun haben. Ganz offensichtlich geht es dabei um die Erhöhung der Benutzer- und Besucherzahlen. Warum aber dieses intensive Werben um den Benutzer?

2.2 Verwaltung und Wettbewerb

Die naheliegendste Erklärung scheint die Konkurrenz durch andere „Wissensvermittler“, an erster Stelle das Internet, zu sein. In den Schulen werden die Kinder nicht länger aufgefordert, in der Bibliothek nach Literatur zu suchen; vielmehr ist das Internet inzwischen auch im Unterricht zum vorrangigen Werkzeug der Informationssuche avanciert. Diese Deutung läßt aber außer acht, daß Öffentliche im Gegensatz zu Wissenschaftlichen Bibliotheken auch Unterhaltungsliteratur anbieten und sich nicht nur auf dem Informations- sondern auch auf dem Freizeitsektor durchsetzen müssen. Hier ist das Buch durchaus nicht auf dem Rückzug. Obwohl das Fernsehen als dominierende Freizeitbeschäftigung der Deutschen gilt, obwohl 1999 98,6% aller Haushalte mit Fernsehern ausgestattet waren[9] und sich die Zahl seither eher noch vergrößert hat, werden Bücher sogar immer beliebter: Waren 1970 noch 47.000 Neuauflagen erschienen, so hatte sich diese Zahl 1998 auf 78.000 Neuauflagen gesteigert, davon 75 bis 80 Prozent Erstauflagen. Die Deutschen gaben 1998 rund 18 Milliarden DM für Bücher aus[10]. Allen Unkenrufen zum Trotz ist das Buch ganz offensichtlich nicht dem Untergang geweiht; Phänomene wie die „Pottermania“[11] beweisen es.

Untersuchungen zufolge liest der überwiegende Teil der Bevölkerung entweder regelmäßig und viel oder so gut wie gar nicht[12]. Diejenigen, die regelmäßig lesen, würden vermutlich schon aus Kostengründen auch dann Bibliotheken aufsuchen, wenn diese ausschließlich Bücher verleihen und auf einen Großteil ihrer Zusatzangebote verzichten würden. Warum also wird um den Benutzerservice ein solcher Aufwand getrieben?

Wie alle staatliche Verwaltung war auch das Bibliothekswesen ursprünglich keinerlei Wettbewerb ausgesetzt gewesen. Dies änderte sich in den 80er Jahren mit der allgemeinen Forderung nach (mehr) Leistungskontrolle in öffentlichen Einrichtungen. Zu Recht[13] wurde beanstandet, die öffentliche Verwaltung habe keinen Anreiz zu wirtschaftlicher Arbeitsweise. Mithilfe des Public Management, später New Public Management (NPM) wurde versucht, marktähnliche Situationen in möglichst allen Bereichen der öffentlichen Verwaltung zu schaffen. Als Hauptinstrument zur Schaffung von mehr Effizienz, Produktivität und Flexibilität dient dem NPM der Wettbewerb.[14] Nun läßt sich die öffentliche Verwaltung nicht in den freien Markt überführen, wohl aber können künstliche Marktmechanismen in die öffentliche Verwaltung übertragen werden. „Durch die Marktmechanismen schafft die Verwaltung Marktstrukturen für Güter und Dienstleistungen, für die kein privatwirtschaftlicher Markt existiert“.[15]

Die „Produkte“ der Verwaltung bestehen meist nicht in Gütern, sondern in Dienstleistungen. Diese können erst dann zur Steuerung über Zielvorgaben herangezogen werden, sobald sie meßbar gemacht worden sind. Im Falle der Öffentlichen Bibliotheken liegt hier die Schwierigkeit: Wie soll man Bildungs- und Kulturvermittlung messen? Die Qualität eines Medienbestandes ist nicht objektiv meßbar, noch sind es seine Wirkungen. Tatsächlich besteht die einzige unmittelbar meßbare „Leistung“ einer Bibliothek darin, möglichst viele Benutzer bzw. Besucher zu haben. Dies stellt den Bibliothekar vor eine Art Paradox, denn in der Praxis ist mit „Schundliteratur“ größerer „Umsatz“ zu machen als mit möglicherweise literarisch „wertvollen“ Büchern, für die Beschaffung der „wertvollen“ Bücher ist jedoch ein Budget notwendig, das nur mit hohen Benutzerzahlen gerechtfertigt werden kann.

[...]


[1] „In den Empfehlungen des Nordrhein-Westfälischen Städte- und Gemeindebundes zum Ausbau des Bibliothekswesens in Nordrhein-Westfalen von 1973 heißt es: „Bibliotheken sind notwendige Bildungseinrichtungen. […] Die Bürger haben Anspruch auf umfassenden Literatur- und Informationsdienst für die berufliche Aus- Fort- und Weiterbildung, die politische Bildung und die Jugendarbeit sowie für die Gestaltung der Freizeit.““ (Heinrichs 1988: 134)

[2] „Die Aufgabe der Bücherei […] [ist es], „Lebenshilfe“ darzubieten. Dieser Begriff ist auf den politischen, den gesellschaftlichen und den persönlichen Bereich des menschlichen Daseins bezogen. Sofern man dem Menschen als einem politischen Wesen Hilfe reichen will, stellt man sich die Aufgabe, sein Verantwortungsbewußtsein und sein Urteilsvermögen zu fördern. Insofern muß sich die öffentliche Bücherei als eine demokratische Institution verstehen. […]

[Sie ist] ein Kind des technischen Zeitalters, in welchem […] die täglichen Aufgaben nicht mehr ohne Lektüre gelöst werden können. […] Sobald man schließlich den Menschen als eine Persönlichkeit betrachtet […], so vermittelt man Bücher, welche helfen können, das in jedem einzelnen ruhende Bild der eigenen Persönlichkeit zu verwirklichen. Damit stellt sich die Bücherei in die Tradition der vom Humanismus herkommenden Bildungsidee.“ (Deutsche UNESCO-Kommission 1952: 19)

[3] „Ich betrachte es als meine Aufgabe, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, daß dem Wiederaufbau der Bibliotheken auf geistigem Gebiet die gleiche Schlüsselstellung zukommt, wie dem Wohnungsbau im wirtschaftlichen Bereich.“ (Stein 1950: 35)

[4] „Das gedruckte Wort kann Träger des Geistes oder Ungeistes, Segen oder Fluch, Freiheit oder Fessel sein. […] Haben nicht erst in jüngster Zeit Bücher Menschen so gefesselt, daß sie die Fähigkeit, selbst zu denken, verloren haben und ihr Geist gelähmt und nahezu erstickt ward? Können Bücher nicht ganze Völker um ihre geistige Freiheit betrügen, Kriege veranlassen und Schranken der Trennung aufrichten, wenn der Geist in Fesseln liegt? Wir sollten nie vergessen, daß die gute und die böse Fee in der gleichen Geisterwelt zu Hause sind. Mächtige, Welt und Völker zerstörende Bewegungen, Stürme und Erdbeben haben die Bücher nicht minder entfacht wie Welt und Menschen erhaltende und beglückende Kräfte des Guten, der Zusammenarbeit und des Friedens entwickelt.“ (Stein 1950: 7)

„Unsere Mission also wird es sein, die Büchereien mit jenen Werken zu füllen, die Geist von unserem Geiste, Zeugen der Wahrheit, der Freiheit und der Menschlichkeit sind. Längst ist aus den Büchereien entfernt worden, was für den Nationalsozialismus Zeugnis ablegte. Heute aber müssen die Tore geschlossen werden vor dem, was gleichen Ursprungs ist und nur umgekehrte Vorzeichen hat, was ich den sowjetrussischen Nationalsozialismus nennen möchte.“ (Stein 1950: 31 ff)

[5] „Denn wenn wir unsere Bibliotheken nicht schleunigst wieder auf einen hohen Stand bringen, gefährden wir nicht nur unser wissenschaftliches Leben, sondern berauben uns gerade jenes wirksamen Mittels, der Krise des wertvollen deutschen Buches Einhalt zu gebieten. Der sichere Absatz an ein paar hundert öffentliche Büchereien bildete das verlegerische Rückgrat für alle jene unentbehrlichen Werke, die nie auf Massenabsatz rechnen konnten, auf denen jedoch zu einem erheblichen Teil der geistige Fortschritt unsere Volkes beruht. Gerade diese Bücher waren und sind es, mit denen wir an dem geistigen Wettbewerb der Völker teilnahmen. […]

Ich habe in diesem Zusammenhang immer vom wertvollen Buch gesprochen. Platte Unterhaltungslektüre mag sehen, wo sie bleibt. […] Die Vergangenheit hat uns gelehrt, welch furchtbare Macht von verwerflichen Büchern ausgehen kann. Aber wie eine Krankheit nicht dadurch geheilt werden kann, daß man das Fieber herabdrückt, so wird auch ein Volk nicht dadurch geheilt, daß man seine schlechten Bücher konfisziert. Gelingt es uns nicht, den Leser zum guten Buch zu erziehen, so werden wir des Unrats nicht Herr werden, der zum Teil vom Ausland her über unsere Grenzen gebracht wird. […] Das kann wiederum nur dadurch geschehen, daß wir der Mission des guten Buches in der öffentlichen Bibliothek die Wege ebnen.“ (Stein 1950: 35 ff) (Hervorhebungen im Original)

[6] „Nur langsam gewinnt die Vorstellung von Wesen und Notwendigkeit öffentlicher Büchereien im deutschen Volke deutliche Züge. Während die wissenschaftliche Bibliothek seit Jahrhunderten ihre feste Gestalt und Geltung in der Öffentlichkeit hat, herrscht noch vielfach große Unkenntnis von der Aufgabe und Bedeutung der öffentlichen Bücherei. Diese ist […] ein Instrument freien Kulturlebens. […] In Ruhe, ohne der Suggestivkraft des gesprochenen Wortes und der einseitig bewegten Masse ausgesetzt zu sein, kann er [der Staatsbürger] sich hier seine Meinung bilden. […] Auch für das Wirtschaftsleben eines Ortes kann eine voll entwickelte Bücherei großen Wert gewinnen. Hier findet der Kaufmann Jahresberichte der Handelskammern […], der Gewerbetreibende Förderung durch Darstellungen und Berichte über Fortschritte in der Technik […], der Werkarbeiter […] Material zu seiner Fortbildung.

Es gehört zu den großen Diensten, die die öffentliche Bücherei zu leisten vermag, daß sie dem Jugendlichen, der sich von jeder Aufsicht gerne losreißt, gute, saubere und spannende Lektüre bietet und ihn so vor dem Schund und Schmutz bewahrt, der gerade dieses Alter bedroht […], er [kann] hier fördernde Literatur finden, fürs Basteln, ob es sich um Radio, Photographieren oder Elektrotechnik handelt, Reiseführer fürs Wandern und Bootfahren, für Heimabende Puppen- oder Laienspiele […]. Er wird lernen, das Buch als Werkzeug im Beruf zu benutzen. Vor allen Dingen aber hält die Bücherei Werke der verschiedensten Art für den erwachsenen Leser bereit. Eltern können sich hier über Erziehungsfragen unterrichten […], andere werden sich Werke für ihre Gartenarbeit holen oder über Kleintierzucht […] Kunst, Musik und Literatur.“ (Deutsche UNESCO-Kommission 1952: 9 ff)

[7] „Nun wird sich vielleicht mancher fragen, warum die Öffentliche Bibliothek Videocassetten anbieten soll, wo doch heute an jeder dritten Ecke eine private Videothek besteht. Leider ist es so, daß diese privaten Videotheken nur einen kleinen Ausschnitt dessen anbieten, was heute auf dem Videomarkt erhältlich ist. Das Sortiment privater Videotheken besteht zum überwiegenden Teil aus sogenannten „Sex and Crime-Filmen“ und nur zu einem sehr kleinen Teil aus guten und auch im Sinne der Filmkunst wertvollen Filmen. Darüber hinaus ist der Bereich der Sach-Videos überhaupt nicht abgedeckt. […] Hier muß mit einem kulturell wertvollen und anspruchsvollen Angebot öffentlicher Mediotheken eine Gegenbewegung in Gang gesetzt werden, um auch in privaten Haushalten ein Stück Filmkultur zu erhalten.“ (Heinrichs 1988: 138)

[8] Nordwest-Zeitung. Zeitung für Oldenburg. Nr. 134, S. 14

[9] Prahl 2002: 197

[10] ebd.

[11] In zehn Jahren wurden von der Jugendbuchreihe „Harry Potter“ weltweit 325 Millionen Exemplare verkauft (vgl. Nordwest-Zeitung vom 20. 06. 2007)

[12] Meldung in „Die Zeit“. Datum leider verlorengegangen.

[13] „Die traditionelle öffentliche Verwaltung wird über Inputgrössen [!] gesteuert und geführt. Die dahinterstehende Logik unterstellt folgenden Mechanismus: durch die Zuteilung verschiedener Inputs wie finanzieller Mittel, Personal, Ausstattung usw. kann erreicht werden, dass die Verwaltung in bestimmten Aufgabenfeldern tätig wird. […] Gelingt es […] einem Amt durch effiziente und effektive Arbeitsweise seinen Ressourcenverbrauch in einem Jahr zu verringern, führt dies im traditionellen Haushaltswesen zu einer entsprechend geringeren Mittelzuweisung im nächsten Haushaltsjahr. Ein wirtschaftliches Arbeiten wird also sozusagen durch Budgetkürzungen bestraft. […] Zentrales Element im NPM [New Public Management] ist daher eine Verschiebung von der Inputorientierung hin zur Ergebnisorientierung […]. Nicht mehr die zur Verfügung stehenden Produktionsmittel, sondern die erbrachten Leistungen (Produkte) oder auch die durch Leistungen erbrachten Wirkungen sollen Diskussionspunkte und Ausrichtungsmassstab [!] des Verwaltungshandelns werden. Das bedeutet, dass auch die politische Steuerung über Leistungs- und Wirkungsvorgaben zu erfolgen hat.“ (Schedler / Proeller 2000: 71 f.)

[14] vgl. Schwarz / Purtschert / Giroud (1996): 32 ff.

[15] Schedler / Proeller 2006: 192

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Bibliotheken im Wandel
Untertitel
Von der Volkserziehung zum Freizeitmanagement
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
24
Katalognummer
V116967
ISBN (eBook)
9783640187645
ISBN (Buch)
9783640188956
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bibliotheken, Wandel
Arbeit zitieren
Lore Eder (Autor), 2007, Bibliotheken im Wandel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116967

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