In dieser Arbeit möchte ich fragen, inwiefern Solidarität im Alltag praktiziert wird. Dieser zunächst umfassend wirkenden Frage möchte ich nachgehen, indem konkreter betrachtet werden soll: Warum, mit wem und wo zeigt sich Solidarität? Welche theoretischen Grundlagen über die Wirkorte solidarischen Handelns gibt es? Und wie lässt sich ferner die Soziale Arbeit einordnen aus diesem Konglomerat aus Ideen von Solidarität?
Auf den Punkt gebracht also die Fragestellung: Inwiefern zeigt sich im Alltag praktizierte Solidarität und mit welchem theoretischen Verständnis lässt sich diese erklären?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Der Solidaritätsbegriff dieser Arbeit
Die Frage nach dem „wo“
Vorpolitisch digital – Formen der Solidarität in digitalen Kontexten
Vorpolitisch analog – Formen der Solidarität in analogen Kontexten
Politisch
Die Frage nach dem „(mit) wem“
Die Frage nach dem „warum“
Die besondere Bedeutung solidarischen Handelns im Rahmen der COVID-19 Pandemie
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ausprägung und theoretische Fundierung von Solidarität im Alltag. Dabei stehen die Fragen nach den Wirkorten (wo), den Adressaten (mit wem) und den zugrunde liegenden Motivationen (warum) im Zentrum der Analyse, um ein tieferes Verständnis für die Einordnung dieser Phänomene in den Kontext der Sozialen Arbeit zu gewinnen.
- Phänomenologie alltäglicher Solidarität in digitalen und analogen Räumen
- Differenzierung von Solidaritätsbegriffen und theoretischen Motivationsrahmen
- Analyse von Solidarität als Ausdruck sozialer Integration und Arbeitsteilung
- Einfluss von Machtverhältnissen und Ungleichheit auf solidarische Handlungsweisen
- Die Relevanz solidarischen Handelns unter den Bedingungen der COVID-19 Pandemie
Auszug aus dem Buch
Vorpolitisch digital – Formen der Solidarität in digitalen Kontexten
Auf den Tod George Flyods im Mai 2020 folgte eine Serie an Protesten – die „Black-Lives Matter Bewegung“. Neben nahezu weltweiten Demonstrationen kam es auch zu zahlreichen Solidaritätsbekundungen online. So wurde etwa das zur Schau stellen schwarzer Kacheln auf Instagram mit dem Hashtag „BLM“ als Teilnahme- und Solidaritätsbekundung verstanden. Dieses, und ähnliche Phänomene gilt es im Folgenden kritisch zu untersuchen.
Betrachtet man Solidarität als Gegenteil zu Konkurrenz, ist in solchen Formen digitalen Aktivismus durchaus zunächst ein Element des „in Verbundenheit stehen“ zu erkennen. Eine kritische Betrachtung eines solchen Post-Humanitarismus, definiert Chouliaraki in der Abhandlung zu „Post-Humanitarism: The Lifestyle Solidarity of the 21st Century“. Digitale Solidaritätsbekundungen sind demzufolge Symptom einer neoliberalen Gegenwartsgesellschaft der westlichen Welt. Eine „what’s-in-it-for-me“-Ethik und narzisstische Ästhetik sind charakteristisch für eben solche. Digitale Solidarität, wie etwa das unterzeichnen von Online Petitionen, Veröffentlichungen auf Social Media, oder der Erwerb von Online-Artikeln in „Charity-Shops“, sind hierbei historisch neue Formen, die jedoch verglichen mit revolutionären Ideen, wie der nach radikaler Gleichberechtigung, stets einen systemimmanenten Charakter haben und Bestehendes nicht zu Gunsten allumfassender Solidarität ändern wollen. Dies mag mitunter in der Natur der Sache begründet liegen; Menschen profilieren sich mit ihrer online geteilten Solidarität. Es geht hierbei um Selbstdarstellung und –Inszenierung, nicht jedoch darum, kapitalismuskritisch zu handeln.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Forschungsfrage, das methodische Vorgehen und die Relevanz des Solidaritätsbegriffs im Kontext der Sozialen Arbeit.
Der Solidaritätsbegriff dieser Arbeit: Theoretische Abgrenzung der Solidaritätsbegriffe, insbesondere die Differenzierung zwischen „Kampf-Solidarität“ und „Gemeinschaftssolidarität“ nach Bayertz.
Die Frage nach dem „wo“: Untersuchung der Wirkorte alltäglicher Solidarität unter Berücksichtigung digitaler und analoger Räume sowie politischer Aspekte.
Vorpolitisch digital – Formen der Solidarität in digitalen Kontexten: Kritische Analyse von digitalem Aktivismus, Post-Humanitarismus und der Rolle von Social Media für solidarische Bekundungen.
Vorpolitisch analog – Formen der Solidarität in analogen Kontexten: Untersuchung von Solidaritätsformen im Alltag, wie etwa Armenunterstützung durch Betteln oder kollegiales Verhalten am Arbeitsplatz.
Politisch: Darstellung des Solidaritätsprinzips in sozialen Sicherungssystemen und dessen Einordnung in moderne Gesellschaftsstrukturen.
Die Frage nach dem „(mit) wem“: Analyse der Adressatengruppen von Solidarität und der Rolle sozialer Ungleichheit bei der Zuweisung von Anteilnahme.
Die Frage nach dem „warum“: Untersuchung der Beweggründe für Solidarität, einschließlich kultureller, historischer und psychologischer Motivationsstrukturen.
Die besondere Bedeutung solidarischen Handelns im Rahmen der COVID-19 Pandemie: Analyse solidarischer Anforderungen und Konflikte unter den besonderen Bedingungen der Pandemie.
Fazit: Zusammenfassende Conclusio über die Vielschichtigkeit und die normativen Potenziale alltäglicher Solidarität sowie deren Bedeutung für das Mandat der Sozialen Arbeit.
Schlüsselwörter
Solidarität, Soziale Arbeit, Alltäglichkeit, Post-Humanitarismus, Kampfsolidarität, Gemeinschaftssolidarität, digitale Räume, soziale Ungleichheit, COVID-19 Pandemie, Motivation, Kollegialität, soziales Handeln, Wohlfahrtsstaat, soziale Integration, Arbeitsteilung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Solidarität im Alltag praktiziert wird, an welchen Orten sie auftritt, wem sie zuteilwird und welche theoretischen Motivationen dahinterstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Unterscheidung zwischen digitalen und analogen Solidaritätsformen, die theoretische Fundierung durch Autoren wie Bayertz und Durkheim sowie die Rolle der Sozialen Arbeit in prekarisierten Kontexten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: Inwiefern zeigt sich im Alltag praktizierte Solidarität und mit welchem theoretischen Verständnis lässt sich diese erklären?
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse sowie die Einbeziehung soziologischer Studien, um die theoretischen Konzepte von Solidarität zu ordnen und auf den Alltag zu übertragen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Wirkorten (digital/analog), die Analyse der Zielgruppen (mit wem) sowie eine detaillierte Erläuterung der Motivationsrahmen für solidarisches Handeln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte umfassen Solidarität, Soziale Arbeit, Kampfsolidarität, soziale Ungleichheit, soziale Integration und Motivationsstrukturen.
Welche Rolle spielt der Begriff „Kampf-Solidarität“ nach Bayertz in der Arbeit?
Er wird genutzt, um Solidarität als zweipoliges Phänomen zu beschreiben, das sich oft erst im Widerstand gegen bestehende Interessenlagen formiert, etwa bei Streiks oder in digitalen Protestbewegungen.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen mechanischer und organischer Solidarität?
In Anlehnung an Durkheim wird mechanische Solidarität mit archaischen, segmentären Gesellschaften verknüpft, während organische Solidarität das Zusammenwirken in funktional differenzierten, modernen Gesellschaften beschreibt.
Welche Kritik übt die Arbeit an „digitaler Solidarität“?
Die Arbeit kritisiert, dass digitale Solidaritätsbekundungen oft Teil einer narzisstischen Selbstdarstellung („Post-Humanitarismus“) sind und häufig eher systemimmanent als gesellschaftsverändernd wirken.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Sozialen Arbeit in der COVID-19 Pandemie?
Die Soziale Arbeit wird als eine der „letzten Fronten“ gegen die Destruktivität gesellschaftlicher Krisen gesehen, die sich trotz zunehmender Prekarisierung aktiv für Mündigkeit, Autonomie und Rechte aller Menschen einsetzen muss.
- Arbeit zitieren
- Philipp Schürmann (Autor:in), 2021, Im Alltag praktizierte Solidarität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1169799