Seit einigen Jahrzehnten rückt die Weltbevölkerung immer näher zusammen. Telefone,
Mobiltelefone, Internet und Flugverkehr ermöglichen internationale Beziehungen
und eine schnelle, weltweite Kommunikation. Dieser Trend zeigt sich auch in
der Entwicklung der einzelnen Sprachen: Einerseits strebt man sowohl in den Wissenschaften
als auch in Wirtschaft und Technik nach einem fachspezifischen, internationalen
Wortschatz, andererseits werden durch den engen Kontakt der Sprachen
fremdsprachliche Wörter übernommen oder entlehnt. Entgegen dieser Entwicklung
gibt es bestimmte Lexeme, die man als ‚nationalen Wortschatz’ bezeichnen könnte,
einen kultur- und landesspezifischen Wortschatz, der von Geschichte und Tradition
eines Landes bestimmt ist. Dieser kulturspezifische Wortschatz bereitet Übersetzern
große Schwierigkeiten und Mühen. Das Ziel dieser Arbeit ist es daher, die
Kulturspezifika zu definieren und für diese verschiedene
Übersetzungsmöglichkeiten darzustellen und ihre Funktionen und
Verwendungsmöglichkeiten zu diskutieren.
Ausgehend vom Titel dieser Arbeit Kultureme: Deutsches in italienischen Medientexten
werden zunächst der Pressetext, seine Merkmale und sein
Kommunikationsmodell genauer analysiert. Anschließend ist dargestellt, was in der
Übersetzungswissenschaft unter den Begriffen Kulturspezifik und kulturellen
Unterschieden verstanden wird. Darüber hinaus wird untersucht, wie sich diese auf
Text- und lexikalischer Ebene wiederfindet. Auf lexikalischer Ebene ist der Begriff
des Kulturems Gegenstand der Analyse und die durch Kulturspezifik entstehenden
Übersetzungsprobleme werden aufgezeigt.
Dieser Arbeit liegt eine mehrmonatige Untersuchung verschiedener italienischer
Printmedien zugrunde. Bei der Zusammenstellung des Korpusmaterials war es von
besonderer Bedeutung, ein möglichst breites und repräsentatives Spektrum an
Printmedien auf Kultureme zu untersuchen. Daher waren vier verschiedene Tageszeitungen,
il Messaggero, la Repubblica, la Stampa und der Corriere della Sera,
neben der Wochenzeitung l’ Espresso, der wöchentlich erscheinenden Frauenzeitschrift
Donna, dem Monatsreisejournal Meridiani und der monatlich erscheinenden
militärischen Fachzeitschrift Rivista Italiana Difesa Gegenstand der Korpusanalyse.
Auch die untersuchten Artikel sollten möglichst über verschiedene landesspezifische,
geographische, institutionelle, politische oder soziale Sachverhalte oder
Ereignisse der Bundesrepublik Deutschland berichten. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DER PRESSETEXT
2.1 ALLGEMEINE MERKMALE
2.2 BEDEUTUNG FÜR DIE ÜBERSETZUNGSWISSENSCHAFT
2.3 DAS KOMMUNIKATIONSMODELL EINES ÜBER AUSLÄNDISCHE THEMEN BERICHTENDEN PRESSEARTIKELS
3 KULTURSPEZIFIK UND KULTURELLE UNTERSCHIEDE
3.1.1 Unterscheidung der Kulturspezifika
3.2 KULTURABHÄNGIGKEIT VON TEXTEN
3.3 KULTURABHÄNGIGKEIT AUF LEXIKALISCHER EBENE
3.3.1 Definition und Abgrenzung des Begriffs Kulturem
3.3.2 Übersetzungsschwierigkeiten durch Kultureme
3.3.3 Übersetzungsverfahren für Kultureme
4 KORPUSANALYSE
5 FAZIT
6 LITERATURVERZEICHNIS
6.1 QUELLEN UND IM KORPUS VERZEICHNETE SIGLEN
6.2 INTERNETADRESSEN
6.3 LEXIKA
6.4 FACHLITERATUR
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie deutsche kulturspezifische Elemente (Kultureme) in italienischen Pressetexten dargestellt werden und welche Übersetzungsmöglichkeiten und -probleme dabei für Journalisten und Übersetzer entstehen.
- Analyse des Kommunikationsmodells von Presseartikeln mit Auslandsbezug
- Theoretische Definition und Abgrenzung von Kulturspezifika und Kulturemen
- Untersuchung der Kulturabhängigkeit von Texten auf lexikalischer Ebene
- Korpusbasierte Analyse der Verwendung deutscher Kultureme in italienischen Printmedien
- Evaluation von Übersetzungsverfahren wie Lehnübersetzung und Explikation
Auszug aus dem Buch
3.3.3 Übersetzungsverfahren für Kultureme
Um die Übersetzungsschwierigkeiten zu überwinden, stellt Koller (1997:232,233) fünf verschiedene Übersetzungsverfahren vor:
1) Die Übernahme des AS-Ausdrucks
a) In Form eines Fremdwortes:
bspw. engl. public relations → dt. Public Relations
b) in Form eines Lehnwortes:
bspw. engl. to layout → dt. layouten
2) Lehnübersetzung:
bspw. engl. fast breeder reactor → dt. Schneller Brüter
3) Wahl der am nächsten liegenden Entsprechung
bspw. engl. public relations → dt. Öffentlichkeitsarbeit
4) Explikation/ definitorische Umschreibung
bspw. engl. non foods → dt. Produkte, die keine Lebensmittel sind
5) Adaptation bspw. engl. fish and ships → dt. Currywurst und Pommes
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Problematik kulturspezifischer Lexeme und Zielsetzung der Arbeit zur Analyse von Kulturemen in italienischen Medientexten.
2 DER PRESSETEXT: Untersuchung der Merkmale, Funktionen und des Kommunikationsmodells von Presseartikeln im Kontext der Übersetzungswissenschaft.
3 KULTURSPEZIFIK UND KULTURELLE UNTERSCHIEDE: Theoretische Auseinandersetzung mit den Begriffen Kultur, Kulturem und den daraus resultierenden Übersetzungsschwierigkeiten sowie Verfahren.
4 KORPUSANALYSE: Empirische Untersuchung der identifizierten Kultureme in ausgewählten italienischen Tageszeitungen und Fachzeitschriften.
5 FAZIT: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Beantwortung der Frage nach dem journalistischen Umgang mit deutschen Kulturemen.
6 LITERATURVERZEICHNIS: Auflistung der verwendeten Quellen, Internetadressen, Lexika und der herangezogenen Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Kultureme, Kulturspezifika, Übersetzungswissenschaft, Pressetext, Kommunikationsmodell, Lehnübersetzung, Explikation, Sprachvergleich, italienische Medien, deutsche Kultur, Korpusanalyse, Kulturtransfer, Journalismus, Translation, Interkulturalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen von kulturspezifischen Elementen, sogenannten Kulturemen, und wie diese in italienischen Zeitungsberichten über Deutschland behandelt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Übersetzungswissenschaft, die kontrastive Sprachanalyse zwischen Deutsch und Italienisch sowie die Analyse von journalistischen Texten und deren Kommunikationsstrukturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Kultureme zu definieren, die Übersetzungsprobleme aufzuzeigen und die tatsächliche Verwendung dieser Elemente in einem Korpus italienischer Printmedien zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine korpusbasierte Analyse durchgeführt, bei der Pressetexte verschiedener italienischer Medien auf deutsche Kulturbegriffe hin untersucht und auf Basis theoretischer Modelle (u.a. nach Koller und Hansen) ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Analyse des Pressetextes, eine Definition von Kulturemen, die Darstellung von Übersetzungsschwierigkeiten und deren Verfahren sowie eine praktische Korpusanalyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kulturem, Kulturspezifik, Übersetzung, Presseartikel, Kontrastive Linguistik und Kulturtransfer.
Warum spielt das "Organonmodell" von Bühler eine Rolle?
Es dient als theoretische Basis für das erstellte Kommunikationsmodell, das um die Ebene der Kulturzugehörigkeit erweitert wurde, um den speziellen Fall von Pressetexten über fremde Länder zu modellieren.
Welche Rolle spielen "Eins-zu-Null-Entsprechungen" in der Analyse?
Diese beschreiben den Fall, in dem es für einen Begriff der Ausgangssprache in der Zielsprache keine direkte Entsprechung gibt, was eine der Kernschwierigkeiten bei der Übersetzung von Kulturemen darstellt.
- Citation du texte
- Dr. phil. Kristina Bonn (Auteur), 2002, Kultureme: Deutsches in italienischen Medientexten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116981