Im Rahmen der Anthropologie gibt es viele unterschiedliche Definitionen und Erklärungsansätze für das Menschsein. Grundlegend beinhalten diese Auffassungen Aspekte wie die Leiblichkeit des Menschen, seine Verbundenheit zu Gott bzw. zu dem Übernatürlichen und Wesensmerkmale wie Selbstbewusstsein, Willensfreiheit oder Selbstverwirklichung. Der Philosoph Peter Singer differenziert im Rahmen der Ethik zwischen Angehörigen der Gattung ,,Mensch“ und ,,Person“ , welche sich durch ihren moralischen Status unterscheiden. ,,Personen“ heben sich laut Singer unter anderem durch Autonomie, Vernunft und Zeitbewusstsein vom ,,Mensch“ ab. ,,Angehörigen der Gattung“ wie z.B. Säuglingen oder manchen schwerst geistig behinderten Kindern, spricht Singer das Recht auf Leben ab. Diese äußerst fragwürdige Unterscheidung und aus christlicher Perspektive verwerfliche Ethik würden die meisten ChristenInnen sofort ablehnen. Doch wie breit sind theologisch-anthropologische Auffassungen des Menschseins gefächert? Nach gemeinsamen Schätzungen von UNICEF und der WHO werden weltweit pro Jahr ca. 2 Millionen Babys tot geboren. Es wird generell zwischen Fehlgeburten und Totgeburten unterschieden. Wiegt das Kind weniger als 500 Gramm spricht man von einer Fehlgeburt, von einer Totgeburt bei einem Tod des Kindes nach der 24. Schwangerschaftswoche und einem Gewicht über 500 Gramm. Das Gewicht des Kindes war bis 2013 auch ausschlaggebend dafür, ob die Geburt standesamtlich dokumentiert wird oder nicht. Nach einer Gesetzesänderung ist es nun möglich auch Fehlgeburten mit einem Gewicht unter 500 Gramm, Namen zu geben, sie zu bestatten und ihre Existenz dokumentieren zu lassen. In Bezug auf die theologische Anthropologie stellt sich die Frage, ob sowohl Fehl- als auch Todgeburten dem entsprechen, was als das Menschsein definiert wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Menschsein aus theologisch-anthropologischer Perspektive
2.1 Anthropologische Ansätze Langemeyer und Biser
2.2 Anthropologie in systematisch-theologischer Perspektive – Moxter
3. Totgeburten – Einordnung in die Perspektiven
3.1 Geschöpflichkeit
3.2 Sündhaftigkeit
3.3 Sozialität
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, ob Totgeburten aus theologisch-anthropologischer Sicht als "Menschsein" definiert werden können. Dabei wird analysiert, wie diese Wesen unter Berücksichtigung der theologischen Kategorien Geschöpflichkeit, Sozialität und Sündhaftigkeit einzuordnen sind, um eine begründete Einordnung in den theologischen Anthropologiediskurs vorzunehmen.
- Theologisch-anthropologische Definitionen des Menschseins
- Die Bedeutung von Geschöpflichkeit und Gottesebenbildlichkeit
- Analyse der Sündhaftigkeit in Bezug auf das Embryo
- Sozialität als Beziehungsgefüge zwischen Mutter und Kind
- Kritische Auseinandersetzung mit ethischen Grenzbereichen des Menschseins
Auszug aus dem Buch
3.1 Geschöpflichkeit
Vom Menschen kann nur unter Voraussetzung eines Bezugs zu Gott gesprochen werden. Der Mensch als Geschöpf Gottes verfügt über die Kompetenz der Sprachlichkeit bzw. der Kommunikation. Die theologische Positivität, also die Gottesebenbildlichkeit, kennzeichnet jeden Menschen, jedes Geschöpf Gottes. Eine Totgeburt existiert, stirbt und wird geboren genauso wie jedes menschliche Gottesgeschöpf. Die Reihenfolge, in diesem Fall der Tod vor der Geburt, ist aus theologisch-anthropologischer Perspektive nicht ausschlaggebend für die Bestimmung als Mensch. Folglich spiegelt sich die Gottes Ebenbildlichkeit auch schon pränatal im Embryo wider.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die anthropologischen Grundfragen des Menschseins ein und thematisiert die ethische Differenzierung zwischen Mensch und Person, bevor die Problematik von Fehl- und Todgeburten im Kontext der Theologie skizziert wird.
2. Menschsein aus theologisch-anthropologischer Perspektive: Dieses Kapitel erläutert verschiedene Ansätze, darunter die von Langemeyer, Biser und Moxter, die den Menschen primär über Kommunikation, Gottesbezug und Selbstentfaltung definieren.
3. Totgeburten – Einordnung in die Perspektiven: Hier erfolgt die Anwendung der theoretischen Konzepte auf den Status von Totgeburten anhand der drei Kriterien Geschöpflichkeit, Sündhaftigkeit und Sozialität.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Totgeburten trotz fehlender voll entfalteter Potenziale aufgrund ihrer Geschöpflichkeit und grundsätzlichen Einordnung in den theologischen Prozess des Menschseins als solche zu betrachten sind.
Schlüsselwörter
Theologische Anthropologie, Menschsein, Totgeburt, Geschöpflichkeit, Sozialität, Sündhaftigkeit, Gottesebenbildlichkeit, Ethik, Embryo, Person, Kommunikation, Selbstentfaltung, Endlichkeit, Gottesbezug
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theologisch-anthropologischen Einordnung von Totgeburten und der Frage, ob diese unter die Definition des Menschseins fallen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die christliche Anthropologie, der Status des ungeborenen Lebens, die Gottesebenbildlichkeit sowie das Verständnis von Sozialität und Sündhaftigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, durch die Anwendung theologischer Wesensmerkmale zu prüfen, ob auch totgeborene Kinder dem theologischen Verständnis vom Menschsein entsprechen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literarische Analyse theologisch-anthropologischer Ansätze (u.a. Langemeyer, Biser, Moxter) durchgeführt und diese auf die spezifische Fragestellung angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung allgemeiner anthropologischer Ansätze und die spezifische Untersuchung von Totgeburten anhand der Kriterien Geschöpflichkeit, Sündhaftigkeit und Sozialität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören theologische Anthropologie, Geschöpflichkeit, Gottesebenbildlichkeit und der Status des Embryos.
Warum spielt der Begriff der "Sündhaftigkeit" eine Rolle bei Totgeburten?
Der Begriff wird theologisch so gedeutet, dass er die Freiheit zur Selbstverfehlung beinhaltet; die Untersuchung zeigt, dass Totgeburten aufgrund mangelnder Bewusstseinsbildung nicht sündhaft sind.
Inwiefern beeinflusst die "Sozialität" die Einordnung?
Die Arbeit argumentiert, dass das ungeborene Kind durch die leibliche Bindung zur Mutter und die Beziehung zur Umwelt bereits eine Form von Sozialität besitzt, die den Status des Menschseins stützt.
- Quote paper
- Finn Salamon (Author), 2021, Totgeburten aus theologisch-anthropologischer Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1169832