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Die Erzählstrategie und ihre Wirkung in E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“

Title: Die Erzählstrategie und ihre Wirkung in E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 22 Pages , Grade: 1,4

Autor:in: Michaela Benner (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Das Nachtstück „Der Sandmann“ gleicht einem verschwommenen, unscharfen Portrait. Dies ist allerdings kein Mangel in der Gestaltung, sondern wurde mit vielfältigen Mitteln und erzählerischen Kniffen von E.T.A. Hoffmann ausgearbeitet. In dieser Hausarbeit wird diese Vorgehensweise systematisch betrachtet und auf ihre Wirkung hin überprüft. Die zentrale Fragestellung der Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Problem, inwieweit die unheimliche Wirkung der Erzählung „Der Sandmann“ bereits in der Erzählweise angelegt ist.

Zuerst werden der Autor selbst und seine Motive im Mittelpunkt der Analyse stehen. Hierbei sollen grundlegende Prinzipien herausgearbeitet und in einem zweiten Schritt die wichtigsten Änderungen im Vergleich mit der ersten Fassung des Stückes aufgezählt und auf ihre Wirkung hin erklärt werden.
Der zweite Unterpunkt widmet sie dem Aufbau des „Sandmannes“, womit die verschiedenen Erzählformen und ihre Perspektiven gemeint sind. Nacheinander werden die Passagen von Nathanael, Clara und dem eigentlichen Erzähler behandelt und auf ihren Effekt hin überprüft. Dabei soll vor allem die Reihenfolge der verschiedenen Erzählstile, dass beispielsweise der Brief Nathanaels den Beginn des Stückes markiert, dargestellt und erklärt werden.
Der Tempuswechsel wird nach diesen grundlegenden Erörterungen in einem gesonderten Abschnitt aufgegriffen und gedeutet. Auch er hat eine besondere Funktion für die unheimliche Wirkung des Stückes.
Der Schwerpunkt der Betrachtung liegt allerdings in der eher verdeckten Multiperspektivität, die für das Leserverständnis einige Schwierigkeiten bereitet. In diesem Abschnitt wird einerseits geklärt, auf welche Bewertungsansätze sich der Leser im Bezug auf die einzelnen Figuren stützen kann, andererseits wird der Wechsel zwischen Realität und Wahnsinn ausführlich mit mehreren Beispielen erläutert und erklärt werden. Die Darstellung der Wahnsinnsanfälle Nathanaels stellen dabei im Stück eine besondere Herausforderung für die erzählerische Gestaltung dar. Mit der ausführlichen Betrachtung der Wahnsinnsanfälle soll detailliert auf die Vorgehensweise Hoffmanns, der das innere Erleben für den Leser greifbar machen möchte, eingegangen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Motive E.T.A. Hoffmanns

3. Aufbau der Erzählung „Der Sandmann“

3.1 Nathanael als Erzähler

3.2 Clara als Erzählerin

3.3 Der Erzähler

4. Rolle des Tempus

5. Multiperspektivität

5.1 Bewertungsansätze

5.2 Realität und Wahnsinn

5.3 Beispiel: Die Darstellung des Wahnsinns

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht systematisch die Erzählstrategien in E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ und analysiert, inwiefern die unheimliche Wirkung des Werkes bereits durch die spezifische Erzählweise strukturell angelegt ist. Dabei wird besonders der Einfluss von Perspektivwechseln, Tempuswahl und narrativen Leerstellen auf das Leserverständnis und die Konstruktion von Wahnsinn beleuchtet.

  • Analyse der erzählerischen Mittel zur Erzeugung unheimlicher Wirkungen.
  • Untersuchung des Aufbaus und der verschiedenen Perspektiven (Nathanael, Clara, Erzähler).
  • Bedeutung von Tempuswechseln für die Unmittelbarkeit des Erlebens.
  • Rolle der Multiperspektivität und die Grenze zwischen Realität und Wahnsinn.
  • Partizipation des Lesers durch narrative Leerstellen und direkte Ansprachen.

Auszug aus dem Buch

3.1 Nathanael als Erzähler

Nathanael ist der erste Erzähler, den der Leser kennenlernt und aus dessen Sicht er das Geschehen betrachtet. Bemerkenswert ist meiner Meinung nach schon der erste Satz – „Gewiss seid ihr alle voll der Unruhe [...]“ (S. 3)- da hier dem Leser das Gefühl vermittelt wird, dass es einen Grund zur Besorgnis gibt. Die beunruhigende und unheimliche Atmosphäre, in der der Leser nie ganz die Handlung versteht, wird also vom ersten Satz an bewusst kreiert.

In diesem Brief wird die Emotionalität Nathanaels sowohl in positiver wie auch in negativer Hinsicht deutlich: „Stündlich gedenke ich euer aller und in süßen Träumen geht mein holdes Clärchen freundliche Gestalt vorüber und lächelt mich mit ihren hellen Augen so anmutig an, wie sie wohl pflegte, wenn ich zu euch hineintrat“ (S.3) Gefühlvoll und liebend charakterisiert er Clara, um im selben Absatz seine Erlebnisse mit dem Sandmann sehr düster und dramatisierend zu beschreiben: „Dunkle Ahnungen eines grässlichen mir drohenden Geschicks breiten sich wie schwarze Wolkenschatten über mich aus, undurchdringlich jedem freundlichen Sonnenstrahl.“ (S.3) Mit diesem emotionalen Schreiben und der darin enthaltenen subjektiven Sichtweise Nathanaels werden er selbst und das Stück an sich beim Leser eingeführt und die phantastische Handlung doch kaum erklärt.

Nathanael greift in diesem Brief auch gleich die Reaktion der Adressaten auf, die ihn für einen „aberwitzigen Geisterseher“ (S.3) halten oder ihn auslachen könnten. (Vgl. S. 4) Durch diesen Vorgriff wertet er in gewisser Hinsicht seine Geschichte ab, unterstreicht damit aber auch, dass er sich zwar bewusst ist, Unglaubliches gesehen und erlebt zu haben, dies aber für ihn bedrohliche und lebendige Realität war.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung skizziert das Ziel der Arbeit, die erzählerischen Mittel in E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ im Hinblick auf ihre unheimliche Wirkung systematisch zu untersuchen.

2. Motive E.T.A. Hoffmanns: Dieses Kapitel arbeitet Hoffmanns Motivation heraus, das innere Erleben und die emotionalen Zustände des Protagonisten Nathanael für den Leser erfahrbar zu machen.

3. Aufbau der Erzählung „Der Sandmann“: Das Kapitel analysiert den komplexen, für das Textverständnis herausfordernden Aufbau der Erzählung durch verschiedene Perspektiven und Erzähler.

4. Rolle des Tempus: Hier wird der gezielte Einsatz des Tempuswechsels vom Präteritum zum Präsens untersucht, der dazu dient, den Leser unmittelbar in Nathanaels Erlebnisse einzubinden.

5. Multiperspektivität: Dieser Abschnitt beleuchtet, wie der Perspektivenwechsel und die unsichere Bewertung der Realität das Leserverständnis erschweren und zur beklemmenden Atmosphäre beitragen.

6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Hoffmann durch erzählerische Leerstellen, Perspektivwechsel und die bewusste Verschleierung von Zusammenhängen eine konstant unheimliche Wirkung erzeugt.

Schlüsselwörter

E.T.A. Hoffmann, Der Sandmann, Erzählstrategie, Unheimliches, Nathanael, Multiperspektivität, Wahnsinn, Perspektivwechsel, Erzählformen, Subjektivität, innere Realität, literarische Analyse, Erzählerrolle, Tempusgebrauch, Phantastik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die erzählerischen Techniken in E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“ und wie diese gezielt eingesetzt werden, um beim Leser eine unheimliche und beklemmende Atmosphäre zu erzeugen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit konzentriert sich auf die Analyse der Erzählstruktur, die Bedeutung der Multiperspektivität sowie die Darstellung von Realität und Wahnsinn durch psychologische und erzähltechnische Mittel.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, dass die unheimliche Wirkung der Erzählung kein Zufallsprodukt ist, sondern systematisch durch Hoffmanns Erzählweise, etwa den Tempusgebrauch oder die Einbindung des Lesers, angelegt wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sich auf stilanalytische Aspekte, den Vergleich verschiedener Fassungen des Werkes sowie die Einbeziehung zeitgenössischer Forschungsliteratur stützt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Hoffmanns Motiven, den Aufbau der Erzählung, die Funktion des Tempuswechsels sowie eine detaillierte Analyse der Multiperspektivität und der Darstellung von Nathanaels Wahnsinn.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Erzählstrategie, Unheimliches, Multiperspektivität, Subjektivität, Wahnsinn und innere Realität.

Warum spielt die Person des Erzählers eine so entscheidende Rolle?

Der Erzähler ist zentral, da er nicht allwissend auftritt, sondern dem Leser keine Interpretationssicherheit bietet, wodurch dieser gezwungen ist, sich aktiv und verunsichert in die fragmentarische Handlung einzubringen.

Wie verändert sich die Perspektive bei der Darstellung des Wahnsinns?

Vor den Wahnsinnsanfällen erzählt Hoffmann aus der subjektiven Sicht Nathanaels, wechselt jedoch bei Ausbruch der Psychose in eine distanzierte Außenperspektive, was die Unbegreiflichkeit des inneren Erlebens für den Leser unterstreicht.

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Details

Title
Die Erzählstrategie und ihre Wirkung in E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Germanistik)
Course
Unheimliches Sehen
Grade
1,4
Author
Michaela Benner (Author)
Publication Year
2006
Pages
22
Catalog Number
V117001
ISBN (eBook)
9783640193660
Language
German
Tags
Erzählstrategie Wirkung Hoffmanns Erzählung Sandmann“ Unheimliches Sehen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michaela Benner (Author), 2006, Die Erzählstrategie und ihre Wirkung in E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117001
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