„Fremdbetreuung“ ist heutzutage noch für viele ein Unwort und wird nicht bei allen gleichermaßen respektiert. Es gibt bereits viele Untersuchungen über die Auswirkungen der außerhäuslichen Betreuung auf das Kind, jedoch mangelt es an Forschungsprojekten über die Haltungen derer, die mit der Fremdbetreuung direkt in Berührung kommen. Die vorliegende Studie geht der Frage nach, ob Eltern von Säuglingen und pädagogische Fachkräfte für oder gegen eine Fremdbetreuung von Kindern unter zwölf Monaten sind. Dabei wird auf die Bereiche des Arbeitsplatzes, der Fremdbetreuung in einer Krippe und auf die Auswirkungen der
Fremdbetreuung auf das Kind eingegangen. Die Ergebnisse von 60 untersuchten Eltern und pädagogischen Fachkräften zeigen, dass es keine signifikanten Unterschiede in den Auffassungen und keine Tendenzen für oder gegen die frühe Fremdbetreuung der beiden Stichprobengruppen gibt. Es ist zu schlussfolgern, dass der Beruf der pädagogischen Fachkräfte keine Auswirkungen auf deren Haltungen und Einstellungen zur außerhäuslichen Betreuung hat. Gleichzeitig könnte der Ausbau der Krippenplätze ein Grund für die Eltern sein, Fremdbetreuung in Anspruch zu nehmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Zusammenfassung
2. Methode
3. Ergebnisse
4. Diskussion
5. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Einstellungen und Haltungen von Eltern von Säuglingen sowie pädagogischen Fachkräften gegenüber der Fremdbetreuung von Kindern unter zwölf Monaten, um zu klären, ob eine tendenzielle Befürwortung oder Ablehnung besteht.
- Analyse der Haltungen gegenüber außerhäuslicher Kinderbetreuung.
- Unterschiede in der Bewertung zwischen Eltern und pädagogischen Fachkräften.
- Einfluss des Arbeitsplatzes und der Betreuungsqualität auf die Einstellung.
- Bedeutung der Bindung zwischen Kind und Eltern.
- Auswirkungen der aktuellen Krippenplatz-Ausbaupolitik auf die Fremdbetreuung.
Auszug aus dem Buch
Die Diskussion um die Fremdbetreuung
Fremdbetreuung ist in Deutschland selbst im 21. Jahrhundert immer noch ein heikles und viel diskutiertes Thema. Für eine große Anzahl der Menschen ist es unakzeptabel, wenn Eltern ihre kleinen Kinder viel zu früh in fremde Hände abgeben. „Fremdbetreuung“ wird oftmals als Unwort betitelt und Mütter, die dies in Anspruch nehmen, als kaltherzige Rabenmütter beschimpft (vgl. Schonhöft, 2013). Selbst die Entwicklungspsychologen und Experten sind sich in diesem Bereich nicht einig, denn auch hier herrschen unterschiedliche Auffassungen und Widersprüche. Einerseits sind die Forscher davon überzeugt, dass Säuglinge und Kleinkinder „sensible Erwachsene brauchen, die sich feinfühlig um sie kümmern“ (Schonhöft, 2013) und das können in dem Fall die eigenen Eltern, bzw. die Erziehungsberechtigten am besten. Andererseits weisen die Experten jedoch darauf hin, dass Kinder auch schon im frühen Alter eine anregende Umgebung brauchen um ihre intellektuelle Entwicklung zu fördern (vgl. Schonhöft, 2013). Dies würde wiederum für eine Fremdbetreuung sprechen.
Eine der bekanntesten Forschungsuntersuchungen zu Auswirkungen früher Fremdbetreuung auf das Kind ist die NICHD-Studie (Early Child Care Research Network) aus den USA. Diese wurde vor mehr als vierzehn Jahren gestartet und dauert bis zum heutigen Zeitpunkt noch an. Mehr als tausend Kinder wurden mittlerweile untersucht und die Ergebnisse weisen darauf hin, dass frühe Fremdbetreuung negative Auswirkungen auf die Kinder hat. 17 Prozent der teilnehmenden Kleinkinder zeigten, laut der NICHD-Studie, vermehrte Verhaltensprobleme auf. Diese befanden sich jedoch mindestens dreißig Stunden pro Woche in einer außerhäuslichen Betreuung. Bei den untersuchten Kindern, die sich weniger oft (ein paar Stunden die Woche) in der Gruppenfremdbetreuung aufhielten, waren es immer noch sechs Prozent, die unter anderem aggressives und ungehorsames Verhalten ihren Eltern und anderen Erwachsenen gegenüber aufzeigten (vgl. Herman & Steuer, 2010).
Zusammenfassung der Kapitel
Zusammenfassung: Die Studie untersucht die Haltungen von Eltern und Fachkräften zur frühen Fremdbetreuung, wobei keine signifikanten Unterschiede in den Auffassungen der beiden Gruppen festgestellt werden konnten.
Methode: Die Datenerhebung erfolgte durch eine quantitative Querschnittsstudie an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen mittels eines standardisierten Fragebogens.
Ergebnisse: Die statistische Auswertung zeigt keinen signifikanten Effekt, was bedeutet, dass weder Eltern noch Fachkräfte eine klare Tendenz für oder gegen eine Fremdbetreuung unter zwölf Monaten äußern.
Diskussion: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Beruf der Fachkräfte keinen Einfluss auf deren Einstellung hat und die „vorherrschende Mutterideologie“ weiterhin die Debatte prägt.
Ausblick: Zukünftige Forschungen könnten durch größere Stichproben aus ländlichen Regionen sowie internationale Vergleiche und Längsschnittstudien wertvolle neue Erkenntnisse liefern.
Schlüsselwörter
Fremdbetreuung, Säuglinge, pädagogische Fachkräfte, Eltern, Kinderbetreuung, Krippe, Bindung, Entwicklung, Kleinkindpädagogik, Arbeitsplatz, Elternzeit, Umfrage, quantitative Forschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der aktuellen Einstellung von Eltern und pädagogischen Fachkräften zur Fremdbetreuung von Kleinkindern unter einem Jahr.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Studie behandelt?
Die Untersuchung beleuchtet die Bereiche Arbeitsplatz und Wiedereinstieg, die Betreuungssituation in Krippen sowie die allgemeine Einschätzung der Auswirkungen von Fremdbetreuung auf die kindliche Entwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, ob es signifikante Unterschiede in der Haltung zwischen den beiden Gruppen – Eltern und pädagogisches Fachpersonal – bezüglich der frühen Fremdbetreuung gibt.
Welche wissenschaftliche Methode kam zum Einsatz?
Die Studie nutzte einen schriftlichen Fragebogen (Querschnittsstudie) mit 21 Items, die auf einer fünfstufigen Ratingskala bewertet wurden.
Was sind die zentralen Befunde im Hauptteil?
Die Ergebnisse zeigen erstaunlicherweise, dass weder Eltern noch pädagogische Fachkräfte eine eindeutige Tendenz pro oder contra Fremdbetreuung unter zwölf Monaten aufweisen.
Welche Begriffe charakterisieren die Forschungsarbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Fremdbetreuung, Säuglinge, pädagogische Fachkräfte, Eltern sowie die Debatte um die frühe Betreuung in Krippen.
Welche Rolle spielt die „Mutterideologie“ bei der Interpretation der Ergebnisse?
Die Autorin weist darauf hin, dass eine gesellschaftlich tief verwurzelte Erwartungshaltung an die Mutterrolle die Einstellungen zur frühen Fremdbetreuung maßgeblich beeinflusst.
Wie beeinflusst der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz die Ergebnisse?
Der gesetzliche Anspruch könnte dazu beigetragen haben, dass eine nicht unerhebliche Zahl der befragten Eltern eine Fremdbetreuung für ihr unter zwölf Monate altes Kind in Anspruch nimmt und diese auch befürwortet.
- Arbeit zitieren
- Christina Stein (Autor:in), 2016, Kinder unter 12 Monaten in der Krippe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1170447