„Soziologie ist die Untersuchung des gesellschaftlichen Lebens der
Menschen, von Gruppen und Gesellschaften…“ (Giddens, 1999, S. 2)
Dieses Zitat des englischen Soziologen Anthony Giddens impliziert die Komplexität der noch relativ jungen Wissenschaft Soziologie. Das Leben eines Menschen zu analysieren ist schon schwer genug, weshalb sich auch andere Wissensgegenstände (Psychologie) damit beschäftigen. Doch wie soll man umfassende Gesellschaftsanalyse betreiben? Mit welcher Thematik beziehungsweise Problemstellung soll sich nun eigentlich die Soziologie befassen?
Es gibt sicherlich keine Patentantwort auf diese Frage, da es nahezu unmöglich ist, die unterschiedlichen Themengebiete der soziologischen Forschung zusammenzufassen, doch bei genauerer Betrachtung lässt sich doch ein Schwerpunkt setzen.
In fast jeder Gruppe und in nahezu allen Gesellschaften der westlichen Welt lässt sich eine Gemeinsamkeit finden, es ist das menschliche Streben nach Anerkennung, Erfolg und Macht. All diese Komponenten sind Schlüsselstellen zur Selbstverwirklichung und der persönlichen Freiheit. Das Paradoxe hierbei ist jedoch, dass es nur einen Bruchteil von Menschen gibt, die dieses Ziel erreichen. Waren in den vergangenen Jahrhunderten noch ökonomische Ressourcen oder Nahrungsmittel Teil der knappen Güter, so hat sich dies in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Macht, die eng an politische Partizipation und Arbeitssituation gekoppelt ist, stellt nach wie vor ein spärlich verbreitetes Luxusgut dar. Hingegen sind die Probleme der Ernährung, Gesundheitsvorsorge und dergleichen nahezu verschwunden und wurden durch andere soziale Phänomene des modernen Lebens abgelöst.
Inhaltsverzeichnis
1.) Vorwort
2.) Historie der afroamerikanischen Bevölkerung in den USA
3.) Rasse und Ethnizität
3.1.) Zur Begrifflichkeit von Rasse und Ethnizität
3.2.) W.E.B. DuBois und die Sociology of Race
4.) Theorieanalyse
5.) Der 2. Weltkrieg als sozial-politischer Umbruch
5.1.) Bedeutende Forschung während des Kriege
5.2.) Historischer Umriss
5.3.) Die geschichtliche Aufarbeitung des Rassendiskurses
5.4.) The American Creed
5.5.) Assimilierung vs. Ausgrenzung
6.) Errungenschaften der Rassenforschung
7.) Resümee
8.) Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den amerikanischen Ungleichheitsdiskurs und die soziologische Auseinandersetzung mit Rasse und Ethnizität im historischen Kontext. Ziel ist es, ein Verständnis für die gesellschaftlichen Konstrukte sozialer Ungleichheit zu schaffen und die Entwicklung der "Sociology of Race" sowie deren prägende Denker kritisch zu beleuchten.
- Historische Entwicklung der afroamerikanischen Bevölkerung in den USA
- Begriffsanalyse von Rasse und Ethnizität in der Soziologie
- Bedeutung von W.E.B. DuBois für die Rassenforschung
- Der 2. Weltkrieg als Zäsur für sozial-politische Umbrüche
- Kritische Analyse zentraler Theorien wie Gunnar Myrdals "American Creed"
Auszug aus dem Buch
3.2.) W.E.B. DuBois und die Sociology of Race
Die Ungleichheitsforschung galt bereits in jungen Jahren als äußerst komplex und vielschichtig, weshalb sich schnell diverse Untergattungen gebildet haben. Die sogenannte „Sociology of Race“ befasst sich seit nunmehr über einem Jahrhundert mit dem amerikanischen Mysterium der Ungleichberechtigung zwischen Schwarzen und Weißen. Obwohl Soziologen es als höchsten Anspruch an sich selbst sehen, Objektivität zu wahren, kann die Neutralität bei solch einer explosiven Thematik, die enorme Kontroversen hervorruft, nicht gewährleistet werden.
„The study of race, no matter the intentions of the scholar, has never been neutral it concerns power, inequality, oppression, and the moral fiber of the nation…“
James McKee polarisierte bereits in seinem monumentalen Werk „Sociology and the Race Problem: The Failure of the Perspective“ (1993), indem er einigen seiner Forschungskollegen schwerwiegende Fehler in der Rassenforschung unterstellte. Seiner Meinung nach, hätten insbesondere weiße Soziologen ein Bild von ihren schwarzen Mitmenschen geschaffen, das sich zu einer Verallgemeinerung und einem Mythos entwickelte. Anderen Forschern der Sociology of Race wurde vorgeworfen, durch politisches Nichtengagement Stellung gegen die Rassengleichberechtigung bezogen zu haben. So kritisierte James McKee das Verhalten einiger seiner Kollegen, sich zu Zeiten der Bürgerrechtsbewegungen an keiner einzigen beteiligt zu haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Vorwort: Dieses Kapitel führt in die Komplexität soziologischer Gesellschaftsanalyse ein und begründet den Fokus auf moderne Probleme der sozialen Ungleichheit in westlichen Ländern.
2.) Historie der afroamerikanischen Bevölkerung in den USA: Hier werden die historischen Migrationsbewegungen und der strukturelle Ausschluss der Afroamerikaner trotz der Sklavenbefreiung nachgezeichnet.
3.) Rasse und Ethnizität: Das Kapitel widmet sich der begrifflichen Klärung von Rasse und Ethnizität sowie der Pionierrolle von W.E.B. DuBois in der frühen Rassenforschung.
4.) Theorieanalyse: Hier werden unterschiedliche soziologische Ansätze, darunter die von Stinchcombe und Tocqueville, im Hinblick auf ihre Erklärungsmodelle zur Rassenungleichheit verglichen.
5.) Der 2. Weltkrieg als sozial-politischer Umbruch: Dieser Hauptteil analysiert den Einfluss des Krieges auf die amerikanische Gesellschaft, insbesondere durch das Werk von Gunnar Myrdal und das Konzept des "American Creed".
6.) Errungenschaften der Rassenforschung: Der Autor beschreibt, wie die soziologische Forschung, insbesondere Myrdals Arbeit, zunehmend in juristische und politische Entscheidungsprozesse zur Rassengleichheit einfloss.
7.) Resümee: Das Resümee stellt fest, dass es keine universelle Definition des Rassenbegriffs gibt und der Rassenkonflikt sich kontinuierlich in neue soziale Diskursformen wandelt.
8.) Anhang: Enthält das Literaturverzeichnis und begleitende Abbildungen zur Einwanderungsthematik.
Schlüsselwörter
Soziale Ungleichheit, Sociology of Race, Rassentrennung, W.E.B. DuBois, American Creed, Gunnar Myrdal, Bürgerrechtsbewegung, Ethnizität, Diskriminierung, Soziologie, USA, Migration, Gesellschaftskonstrukt, Sozialpolitik, Rassenforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse des amerikanischen Ungleichheitsdiskurses und der soziologischen Perspektiven auf Rasse und Ethnizität im 20. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die historische Benachteiligung der afroamerikanischen Bevölkerung, die Definition von Rassebegriffen und der Einfluss soziologischer Forschung auf politische Reformen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie sich die soziologische Wahrnehmung und wissenschaftliche Bearbeitung der "Rassenfrage" in den USA im Laufe der Zeit wandelte und welche Faktoren dabei eine Rolle spielten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Literaturanalyse und setzt sich kritisch mit den Hauptwerken der Ungleichheitsforschung (u.a. von Myrdal, Wilson und Winant) auseinander.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Umstände der Rassentrennung, vergleicht soziologische Theorien und beleuchtet den 2. Weltkrieg als Wendepunkt für den amerikanischen Rassendiskurs.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind "American Creed", "Sociology of Race", soziale Konstruktion, Diskriminierung und Assimilierungsprozesse.
Welchen Stellenwert nimmt Gunnar Myrdals Werk in der Arbeit ein?
Gunnar Myrdals Studie "An American Dilemma" wird als ein zentraler Bezugspunkt analysiert, da sie die Konzepte von Vorurteil und Diskriminierung wissenschaftlich in den Fokus rückte.
Warum wird W.E.B. DuBois in der Arbeit als Pionier hervorgehoben?
DuBois wird gewürdigt, weil er bereits früh Rasse als soziale Konstruktion begriff und sich gegen die damals vorherrschende Ideologie der biologischen Minderwertigkeit der Afroamerikaner stellte.
- Citation du texte
- Daniela Fürstauer (Auteur), 2008, Der amerikanische Ungleichheitsdiskurs im Brennpunkt der Sociology of Race, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117051