Der Demographische Wandel in Deutschland


Hausarbeit, 2007
25 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die natürliche Bevölkerungsbewegung
2.1 Mortalität und Fertilität
2.1.1 Maße zur Kennzeichnung der Mortalität
2.1.2 Maße zur Kennzeichnung der Fertilität
2.1.3 Kombinierte Maße zur Kennzeichnung von Mortalität und Fertilität
2.2 Dynamik der natürlichen Bevölkerungsbewegung
2.2.1 Der Mortalitätsrückgang
2.2.2 Die Fertilitätstransformation
2.2.3 Das Modell des Demographischen Übergangs

3. Die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland
3.1. Der Fertilitätsrückgang in der BRD
3.2. Die Alterung in der BRD
3.3 Die Konsequenzen aus Fertilitätsrückgang und Alterung

4. Ausblick

5. Anhang

6. Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Das Modell des demographischen Übergangs

Abb. 2 Zusammengefasste Geburtenziffer nach Kalenderjahren, 1960 – 2004

Abb. 3 Durchschnittliche Kinderzahl pro Frau 2003 in Deutschland

Abb. 4 Lebenserwartung bei der Geburt und erreichbares Alter* 65-Jähriger, Deutschland 1963 bis 2003

Abb. 5 Alterstruktur in Deutschland; Vergleich 1910 und 2003

Abb. 6 Trends der Raumentwicklung in Deutschland

Abb. 7 Entwicklung der Bevölkerung Deutschlands bis 2050

Abb. 8 Durchschnittliches Alter der Mütter bei Geburt ihrer Kinder (alle Kinder), 1960 bis 2004 (in Jahren)

Abb. 9 Partnerschaftliche Lebensformen der 35- bis unter 40-Jährigen in West- und Ostdeutschland, 1996 und 2004

Abb. 10 Natürliche Bevölkerungsbewegung in Deutschland

1. Einleitung

„Deutschland auf Schrumpfkurs“ so lautet die Überschrift auf der ersten Seite einer Studie zur demographischen Lage der Nation (Köhnert, 2006) und schon auf dieser ersten Seite lässt sich diese Aussage finden: „Betrachtet man die Zahlen der Geburten je 1.000 Einwohner, so liegt Deutschland, wie schon vor 30 Jahren auf dem letzten Platz. Dieser Messwert ist besonders wichtig, denn er beschreibt die Kopfstärke der nachwachsenden Generation, die für die Lösung der Zukunftsaufgaben zur Verfügung steht. “ (Köhnert, 2006)

Diese Aussage bewog mich bei der gegebenen Fragestellung für die Hausarbeit, die wie folgt lautet: „In den Medien und in der Wissenschaft wird seit langem über die ‚alternde Gesellschaft’ den ‚demographischen Wandel’ oder ‚Schrumpfung’ diskutiert. Erläutern Sie diese Begriffe und ordnen Sie sie in den Gesamtkontext der Bevölkerungsgeografie ein.“, mich auf die Themen des Fertilitätsrückgangs und der zunehmenden Alterung zu beschränken, um den Rahmen dieser Hausarbeit wahren zu können. Darüber hinaus hätte es noch vielfältige Erweiterungsmöglichkeiten dieses Themas gegeben hätte und so wichtige Teilbereiche, wie den Bereich der räumlichen Bevölkerungsbewegung mussten außer acht gelassen werden.

Im Folgenden werde ich mich zunächst mit der natürlichen Bevölkerungsbewegung und ihren Maßzahlen beschäftigen, um im daran anschließenden Teil auf die Dynamik der Bevölkerungsbewegung in ihrer historischen Entwicklung und ihre wichtigsten Modellvorstellungen eingehen. Damit soll die Grundlage gelegt werden für die Betrachtung der natürlichen Bevölkerungsbewegung in Deutschland, die sich vorwiegend mit dem Fertilitätsrückgang, der zunehmenden Alterung der Gesellschaft und den sich daraus ergebenden Konsequenzen beschäftigt. Zum Abschluss dieser Arbeit soll ein Ausblick auf die mögliche zukünftige natürliche Bevölkerungsbewegung in Deutschland gegeben werden.

2. Die natürliche Bevölkerungsbewegung

Die theoretischen Betrachtungen der natürlichen Bevölkerungsgeographie sollen helfen die Begriffe „alternde Gesellschaft“, „demographischer Wandel“ und „Schrumpfung“ in ihrem Kontext besser zu verstehen und das zur Bewertung dieser Prozesse nötige theoretische Grundgerüst zu vermitteln.

Zur Beschreibung der Bevölkerungsentwicklung in einem Raum, die von einer Veränderung der Bevölkerung durch Geburten- und Sterbefälle und durch Zu- und Abwanderung bestimmt wird, dient die demographische Grundgleichung (Bähr, 2004, S. 151).

Die Demographische Grundgleichung lautet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Worten heißt dies, dass sich die Bevölkerungszahl für einen beliebigen Zeitpunkt t + n bei einem gegebenen Bevölkerungsstand zum Zeitpunkt t aus der Zunahme durch Geburten und Zuwanderung sowie der Abnahme durch Sterbefälle und Abwanderung zusammensetzt (Bähr, 200, S. 151f).

Für die zu bearbeitende Fragestellung dieser Arbeit werden in besonderem Maße die Fertilität und die Mortalität betrachtet, während die Wanderungen die ebenso die demographische Grundgleichung mitbestimmen nur am Rande behandelt werden sollen.

2.1 Mortalität und Fertilität

Die natürliche Bevölkerungsbewegung ist gekennzeichnet durch die beiden Begriffe der Mortalität und der Fertilität. Für diese beiden Prozesse gibt es unterschiedliche

Möglichkeiten der Messung. Sie können voneinander unabhängig erfasst werden, aber auch in Kombination.

Im Folgenden werden zunächst die Mortalität und die Fertilität einzeln betrachtet. Dabei soll mit der Mortalität begonnen werden, da sich laut Bähr Fruchtbarkeit und Sterblichkeit in statistischer Hinsicht grundlegend unterscheiden. Denn „ Bezogen auf die Mortalität beschäftigt den Bevölkerungsstatistiker nicht das ‚ob’ […] Mortalität statistisch gesehen einfacher zu untersuchen als die Fertilität und stand auch historisch am Anfang der demographischen Analyse“ (Bähr, 2004, S. 153). In einen abschließenden Punkt 2.1.3 sollen die kombinierten Erfassungsmöglichkeiten von Mortalität und Fertilität dargestellt werden.

2.1.1 Maße zur Kennzeichnung der Mortalität

Die Erfassung der Mortalität kann mit Hilfe der rohen Todes- oder Sterberate (CDR1) statistisch erfasst werden. Die rohe Todes- oder Sterberate stellt die Zahl der Gestorbenen innerhalb eines festgesetzten Zeitraumes, meist eines Jahres, je 1000 Einwohner der mittleren Bevölkerung dar (Kuls, 1993, S. 127). Rechnerisch wir die CDR folgendermaßen ermittelt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die rohe Todesrate beträgt heute weltweit rund 9‰. Dabei unterscheiden sich die Industrieländer mit 10‰ kaum von den Entwicklungsländern die durchschnittlich eine CDR von 8‰ aufweisen. Wobei man jedoch auch noch zwischen den einzelnen Entwicklungsländern noch differenziert werden sollte (Heineberg, 2003, S. 72). So findet man in Mittelafrika z.B. eine Sterberate von 21‰ vor, während sie in Westafrika durchschnittlich bei 7‰ liegt (Bähr, 2004, S. 163). Die Unterschiede zwischen den Industrieländern sind dagegen nicht so bedeutend (Bähr, 2004, S. 164).

Eine weitere und aussagekräftigere Möglichkeit zur Erfassung der Mortalität stellt die altersspezifische Sterberate – oder Ziffer dar, die die Sterblichkeit (MR2) unabhängig vom Altersaufbau eines Raumes darstellt (Bolte, 1980, S.19) und mathematisch folgendermaßen dargestellt wird:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

MRi = Sterberate der Alterklasse i

Di = Sterbefälle der Altersklasse i

Pi = Personen der Altersklasse i (Heineberg, 2003, S.72)

Eine Ausnahme bei der Berechnung der alterspezifischen Sterberate bildet die Säuglingssterblichkeit, die gesondert berechnet wird. Wobei die Zahl der im ersten Lebensjahr Gestorbenen auf die Zahl der Lebendgeborenen bezogen wird (Bolte, 1980, S. 19) und wie folgt berechnet werden kann:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei der Säuglingsmortalität fällt auf, dass sich diesem Bereich noch große Unterschiede zwischen Industrie – und Entwicklungsländern feststellen lassen. Denn werden die Säuglingssterblichkeit im Jahr 2000, in den Industrieländern, bei 8‰ lag, so lag sie in den Entwicklungsländern durchschnittlich bei 63‰, wobei Afrika mit 88‰ auch für die Entwicklungsländer einen sehr hohen Wert aufzuweisen hat (Heinberg, 2003, S. 72).

Die berechnete alterspezifische Sterbewahrscheinlichkeit dient als Grundlage für die Berechnung einer Sterbetafel. Eine solche will zeigen, „wie eine Ausgangsmasse gleichzeitig Geborener ‚absterben’ würde, wenn sie im Verlauf ihres Lebens in den einzelnen Altersjahren unter Sterbeverhältnissen stehen würde, die in einem bestimmten Sterbeverhältnis stehen würde […]” (Bolte, 1980, S. 21). Dabei lässt sich aus der Sterbetafel u.a. die durchschnittliche Lebenserwartung im betrachten Alter und insbesondere auch die mittlere Lebenserwartung bei der Geburt, sowie die wahrscheinliche Lebenserwartung entnehmen. Die Darstellung der durchschnittlichen Lebenserwartung hat dabei den Vorteil der immediaten Anschaulichkeit (Bähr, 2004, S. 155). So stehen sich Länder mit einer extrem niedrigen Lebenserwartung, wie z.B. Mali mit 49 Jahren Lebenszeit im Durchschnitt und Länder mit einer sehr hohen Lebenserwartung, z.B. Großbritannien mit 78 Jahren, gegenüber und können direkt verglichen werden (Bähr, 2004, S.166).

2.1.2 Maße zur Kennzeichnung der Fertilität

Die Fertilität kann analog zu der Mortalität mit Hilfe einer rohen Geburtenrate – oder Ziffer (CBR3) dargestellt werden. Ebenso wie die rohe Sterbeziffer berücksichtigt die rohe Geburtenrate nicht die Altersstruktur eines Raumes (Heineberg, 2003, S. 70) und lässt sich mathematisch, wie folgt darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Betont werden muss jedoch, dass die rohe Geburtenrate nicht zur Beurteilung und Kennzeichnung des natürlichen Bevölkerungswachstums ausreicht. Wolfgang Kuls fasst diese Problematik wie folgt zusammen: „ Eine niedrige Geburtenrate braucht z.B. nicht zu bedeuten, dass die Zahl der tatsächlichen Geburten weit hinter den biologischen Geburten zurück bleibt, […] die Zahl der Frauen, die überhaupt Kinder bekommen können, im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung klein ist “ (Kuls, 1993, 107).

Diese Problematik lässt sich dadurch umgehen, dass die Zahl der Lebendgeborenen nicht auf die Gesamtbevölkerung bezogen wird, wie dies die CBR tut, sondern, auf die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter, wie dies die allgemeine Fruchtbarkeitsrate (GFR4) darstellt, die sich folgendermaßen berechnen lässt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine weitere Möglichkeit zur Umgehung der Ungenauigkeit durch die CBR besteht in der Ermittlung der alterspezifischen Fruchtbarkeitsraten (FR5) die sich mit folgender mathematischen Gleichung ermitteln lassen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Wenn die altersspezifischen Fruchtbarkeitsziffern addiert werden und dann die Summe durch 1000 geteilt wird, so ergibt sich ein Wert, der erkennen lässt, wie viele Kinder eine Frau im Durchschnitt zur Welt bringen würde, falls alle in das gebärfähige Alter eintretende Frauen auch das Ende des gebärfähigen Alters erleben […]“ (Bolte, 1980, S.18). Mathematisch wird die totale Fruchtbarkeitsrate (TFR6) mit nachstehender Formel berechnet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die sich daraus ergebenden Werte der TFR sind unabhängig vom Altersaufbau eines Raumes und schwanken erheblich zwischen einzelnen Ländern. So betrug die TFR 2002 in Deutschland 1,3, in Afrika südlich der Sahara im Gegensatz dazu 5,6. Zur Bestandeserhaltung einer Bevölkerung ist eine TFR zwischen 2,1 und 2,5 notwendig (Heineberg, 2003, S. 71).

2.1.3 Kombinierte Maße zur Kennzeichnung von Mortalität und Fertilität

Um die biosoziale Bevölkerungsbewegung besser statistisch erfassen zu können kommt der Verbindung der Mortalität und der Fertilität eine besondere Bedeutung zu (Bolte, 1980, S. 21).

Eine Möglichkeit die Bevölkerungsentwicklung zu erfassen besteht in der Berechnung der Geburtenüberschussziffer. Zu deren Berechnung wird die die rohe Sterberate von der Geburtenrate subtrahiert (Heineberg, 2003, S.74), wie folgende Rechnung zeigt: Geburtenüberschussziffer = CBR – CDR

Um die Dynamik des natürlichen Bevölkerungswachstums zu erfassen reicht die Geburtenüberschussziffer jedoch nicht aus und so schreibt Bähr „ Es empfiehlt sich daher die ‚demographische Umsatzziffer’ als Addition von Geburten- und Sterbeziffern zu berechnen (Tab. 17) oder in einem Diagramm mehrere Ziffern miteinander zum kombinieren.“ (Bähr, 2004, S. 162).

Die Dynamik der Bevölkerungsentwicklung lässt sich auch mit Hilfe der Nettoreproduktionsrate (NNR) darstellen, die die Zahl der Töchter angibt, die eine Generation von 100000 von Frauen gebären würde, wenn sich weder die alterspezifischen Geburten- noch Sterbeziffern ändern würden. Ist die Nettoreproduktionsrate > 1 wächst, die Bevölkerung während sie bei einer Nettoreproduktionsrate < 1 schrumpfen wurde (Bähr 2004, S.164).

[...]


1 CDR = eng. Crude death rate (Heineberg, 2003, S.72).

2 MR = eng. Mortality rate (Heineberg, 2003, S.72).

3 CBR= eng. crude birth rate (Heineberg, 2003, S.70).

4 GFR = eng. general fertility rate (Heineberg, 2003, S. 69).

5 FR = eng. fertility rate (Heineberg, 2003, S. 69).

6 TFR = eng. total fertility rate (Heineberg, 2003, S. 69).

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Der Demographische Wandel in Deutschland
Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V117071
ISBN (eBook)
9783640193417
Dateigröße
1395 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demographische, Wandel, Deutschland
Arbeit zitieren
B.A. Katja Wüllner (Autor), 2007, Der Demographische Wandel in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117071

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