Welchen gesundheitlichen Belastungen ist das Rettungsdienstpersonal im Arbeitsalltag ausgesetzt? Diese Arbeit basiert auf einer eigenen qualitativen Erhebung, welche in Form von Interviews durchgeführt wurde, die anhand eines eigens entwickelten und auf Hintergrundwissen basierendem Fragebogens mit Mitarbeitern einer Rettungsdienstfirma in NRW durchgeführt wurde. Befragt wurden, dem Umfang der Arbeit entsprechend, vier Rettungsdienstmitarbeiter.
Die qualitative Erhebung soll einen tieferen Einblick in den Arbeitsalltag Rettungsdienst und die damit verbundenen gesundheitlichen Belastungen bieten. Die gesundheitlichen Belastungen wurden in drei Kategorien unterteilt: Die psychischen, die physischen und die umwelt- und sozialbedingten Belastungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hintergrundinformationen zu gesundheitlichen Belastungen im Rettungsdienst
2.1. Arbeitsalltag Rettungsdienst
2.2. Gesundheitliche Belastungen im Rettungsdienst
2.2.1. Psychische Belastungen
2.2.2. Physische Belastungen
2.2.3. Umwelt- und sozialbedingte Belastungen
3. Methodik
4. Auswertung der Interviews im Bezug zu gesundheitlichen Belastungen
4.1. Kurze Vorstellung der Interviewpartner
4.2. Fragen zu psychischen Belastungen
4.3. Fragen zu physischen Belastungen
4.4. Fragen zu umwelt- und sozialbedingten Belastungen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welchen gesundheitlichen Belastungen das Rettungsdienstpersonal in seinem Arbeitsalltag ausgesetzt ist. Ziel ist es, durch eine qualitative Erhebung und Analyse der Arbeitsbedingungen ein tieferes Verständnis für die Ursprünge dieser Belastungen zu gewinnen und Handlungsbedarfe zur gesundheitlichen Entlastung der Einsatzkräfte aufzuzeigen.
- Analyse psychischer Belastungsfaktoren durch Stress und Schichtdienst.
- Untersuchung physischer Belastungen durch körperliche Schwerstarbeit und Ergonomie.
- Bewertung umwelt- und sozialbedingter Einflüsse wie Vergütung, Anerkennung und Gewalt.
- Erfassung der subjektiven Wahrnehmung von Rettungsdienstmitarbeitern in NRW.
- Ableitung präventiver Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
Auszug aus dem Buch
Gewalt gegenüber Rettungsdienstpersonal
Die Übergriffe auf Rettungsdienstpersonal sind in den letzten Jahren enorm angestiegen. Nicht nur die verbale Gewalt, sondern auch die körperliche Gewalt gegenüber dem Rettungsdienstpersonal hat zugenommen. Immer wieder wird von Einsätzen berichtet, bei denen Rettungsdienstmitarbeiter angegriffen und verletzt werden. Eine hohe Gewaltbereitschaft geht von Menschen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss aus. Dressler deutet in ihrer Arbeit „Gewalt gegen Rettungskräfte“ darauf hin, dass viel zu wenig in diesem Bereich geforscht wurde. Sie vergleicht verschiedene Erhebungen, von denen die meisten aber nicht aussagekräftig waren aufgrund mangelnder Teilnehmerzahlen. In den von ihr zusammengefassten Studien, die in einem Zeitraum von 2012 bis 2015 in Deutschland durchgeführt wurden, zeigen die Ergebnisse, dass in jeder Befragung über die Hälfte der befragten Rettungsdienstmitarbeiter bereits Gewalt während der Einsätze erfahren haben (vgl. Dressler, 2017, S.21-32.). Ein Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 01.01.2018 beschreibt Angriffe auf Einsatzkräfte in der Silvesternacht in verschiedenen Städten. Allein in Berlin habe es zahlreiche Angriffe gegeben. So wurden Einsatzkräfte mit einer Schusswaffe bedroht, geschlagen oder mit Feuerwerkskörpern verletzt. Zitiert wird Bundesminister de Maizière, der sich bei den Rettungskräften bedankt und deklariert, es sei „besonders verwerflich, dass sich Gewalt ausgerechnet gegen jene richtet, die als Polizisten, Sanitäter oder Feuerwehrleute helfen und schützen wollen“ (vgl. Süddeutsche Zeitung, 01.01.2018). Der Focus berichtet von 459 Fällen alleine in NRW im Jahr 2016, in denen Gewalt gegen Rettungsdienstpersonal erfolgte. In knapp 30% der Fälle wurden Rettungsdienstmitarbeiter geschlagen, getreten oder mit Messern angegriffen (vgl. Splicker, 20.08.2017).
Neben den gewalttätigen Übergriffen auf das Rettungsdienstpersonal stellen auch Schaulustige eine Belastung dar. Das Benehmen Schaulustiger wird immer dreister. Im Zeitalter der Smartphones werden vermehrt Videos und Fotos von Opfern und auch Einsatzkräften gemacht. Zudem behindern Schaulustige die Arbeit der Einsatzkräfte sowohl auf der Straße als auch im Verkehr. Das Fehlverhalten Schaulustiger wird immer schwerer geahndet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das steigende Einsatzaufkommen im Rettungsdienst und den damit verbundenen Personalmangel, die als Ursachen für gesundheitliche Belastungen des Personals identifiziert werden.
2. Hintergrundinformationen zu gesundheitlichen Belastungen im Rettungsdienst: Dieses Kapitel beschreibt den Arbeitsalltag und kategorisiert die Belastungen in psychische, physische sowie umwelt- und sozialbedingte Faktoren.
3. Methodik: Hier wird das Vorgehen der qualitativen Forschung erläutert, die auf Interviews mit Mitarbeitern eines privaten Rettungsdienstunternehmens basiert.
4. Auswertung der Interviews im Bezug zu gesundheitlichen Belastungen: Das Hauptkapitel analysiert die Interviewergebnisse hinsichtlich Stress, Arbeitsbelastung, physischer Beanspruchung, Gewalt, Anerkennung und Präventionsmöglichkeiten.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Belastungen individuell unterschiedlich wahrgenommen werden, jedoch Stress, physische Arbeit, Schichtdienst und unzureichende Vergütung als zentrale, kritische Bereiche hervorstechen.
Schlüsselwörter
Rettungsdienst, Psychische Belastung, Physische Belastung, Stress, Burnout, Schichtarbeit, Gewalt gegen Rettungskräfte, Infektionsgefahr, Vergütung, Arbeitsaufkommen, Betriebliche Prävention, Rettungssanitäter, Notfallsanitäter, Arbeitsbedingungen, Rückenschmerzen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den gesundheitlichen Belastungen, denen das Personal im Rettungsdienst während seines Arbeitsalltags ausgesetzt ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung deckt die drei Hauptkategorien psychische Belastungen, physische Belastungen sowie umwelt- und sozialbedingte Einflüsse ab.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, durch eine qualitative Erhebung einen tieferen Einblick in die Belastungssituation zu gewinnen und aufzuzeigen, wo Handlungsbedarf für präventive Maßnahmen besteht.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine qualitative Methode durch Interviews mit vier Rettungsdienstmitarbeitern eines privaten Unternehmens in Nordrhein-Westfalen.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil wertet die geführten Interviews zu Themen wie Stresslevel, Schichtdienst, Körperliche Beschwerden, Gewalt, Anerkennung und Arbeitsmittel aus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Rettungsdienst, Arbeitsbelastung, psychische/physische Gesundheit, Stress, Schichtdienst und Prävention.
Wie bewerten die Befragten das Stresslevel im Rettungsdienst?
Die Befragten schätzen das Stresslevel als sehr hoch ein, mit einem errechneten Durchschnittswert von 6,25 auf einer Skala bis 10, wobei der Arbeitsbereich die individuelle Belastung stark beeinflusst.
Inwiefern ist Gewalt gegen Rettungskräfte ein Thema?
Gewalt durch Patienten, Angehörige und Schaulustige wird als deutlich zunehmend und als ernsthafte, wenngleich oft als "zum Alltag gehörend" hingenommene Belastung beschrieben.
Welche Rolle spielt die Vergütung für das Wohlbefinden?
Die Vergütung wird von den Befragten als unzureichend im Vergleich zur hohen Verantwortung und Arbeitsbelastung empfunden, was für viele einen Grund darstellt, andere Arbeitsplätze in Erwägung zu ziehen.
Wie ist die allgemeine Stimmung bezüglich der betrieblichen Prävention?
Obwohl es Angebote gibt, werden diese aufgrund von Zeitmangel, Schichtdienst und organisatorischen Hürden selten von dem Personal genutzt, das sie am meisten bräuchte.
- Arbeit zitieren
- Vera Jasper (Autor:in), 2018, Gesundheitliche Belastungen im Rettungsdienst. Eine qualitative Erhebung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1170836