Der Wandel der Weltpolitik bezüglich außen- und sicherheitspolitischer Aspekte und die Bedeutung internationaler Institutionen

von der Bipolarität zur Multipolarität und der Einfluss sicherheitspolitischer Akteure


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Kalte Krieg und die bipolare Weltordnung
2.1 Ausgangspunkte des Ost-West- Konfliktes
2.2 Bipolarität als zentrales Merkmal

3 Neues Ausmaß kriegerischer Auseinandersetzungen und neue Merkmale weltpolitischer Aspekte

4 Untersuchung der Argumente für die Veränderung, sowie Charakterisierung sicherheitspolitischer- und weltmachtpolitischer Aspekte nach 1990

5 Sicherheit und der Wandel der weltpolitischen Institutionen

6 Chancen und Probleme neuer Welt- und Sicherheitspolitik

7 Fazit

8 Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Zunächst beinhaltet das Thema meiner Seminararbeit die Neuordnung der Weltpolitik bezüglich außen- und sicherheitspolitischer Aspekte von Beginn des kalten Krieges 1945 bis heute. Des Weiteren gehe ich auf die Veränderung der sicherheitspolitischen Akteure in der Staatenwelt ein. Mit dem Zerfall der UdSSR und dem Umbruch 1990, entstanden global betrachtet, kleinere Konflikte, die meist auf ethnischen oder religiösen Gründen beruhen. Entscheidend ist dabei, dass es eine Vielzahl kleinerer Auseinandersetzungen gibt, wobei sich die Kriegsführung von damals unterscheidet. Die sicherheitspolitischen Akteure neuster Zeit haben demnach neue, vielfältige Aufgaben zu realisieren.

Die zentralen Hypothesen, jene ich in der Seminararbeit behandele sind folgende: Die Weltordnung hat sich seit dem Zerfall der „zweiten Welt“ grundlegend geändert. Es gibt heute viele kleinere Kriege bzw. Auseinandersetzungen, die die sicherheitspolitischen Akteure, wie die UNO, NATO und die OSZE herausfordern. In Zukunft entstehen kriegerische Konflikte aus dem Trieb ethnischer Gruppenzugehörigkeit, dabei entstehen mehr Konflikte in fragilen Staaten. Auseinandersetzungen entstehen zwischen unterschiedlichen Kulturen mit unterschiedlichen Werten oder Religionen. Dabei unterscheidet sich wesentlich die Kriegsführung. Der Weltrohstoff Öl wird knapper, dies führt zu einer Interdependenz zwischen den westlich und den islamisch geprägten Staaten.

Die zentralen Fragestellungen, die ich in meiner Seminararbeit daher behandeln werde, ist, wie sich die Staatenwelt seit dem Ende des kalten Krieges bezüglich sicherheitspolitischer Aspekte änderte. Eine zweite Fragestellung, die ich näher erläutere ist, wie sich die Machtgleichgewichte in Zukunft verschieben werden und welche Gründe es dafür gibt. Die letzte wesentliche Fragestellung, die ich beantwortet, ist wie sich im Laufe der Zeit die Aufgaben der Akteure im internationalen System änderten und welche Herausforderungen in Zukunft zu bewältigen sind. Dazu muss ich sagen, dass dies ein offenes Thema – damit meine ich, dass mit der Beantwortung der Hypothesen und Fragestellungen noch viele weitere Dinge berücksichtigt werden könnten, die aber den Rahmen dieser Seminararbeit übersprengen würde. Daher gehe ich nur auf die genannten Themen ein.

Schließlich folgt zuletzt ein ausführliches Fazit sowie Aussichten, wie die Politik bezüglich des Sicherheitsaspekts auf der Welt in Zukunft aussieht.

Methodisch wählte ich Bücher, wie das von Samuel P. Huntington, Herfried Münkler und Ernst-Otto Czempiel, sowie Zeitschriften und aktuelle Literatur, die meinem Thema entsprachen.

2 Der Kalte Krieg und die bipolare Weltordnung

2.1 Ausgangspunkte des Ost-West- Konfliktes

„Der Ost-West-Konflikt war von 1945 bis 1990 das bestimmende Merkmal der Weltpolitik (…).“[1] Dieser war charakterisiert durch die machtpolitische Konkurrenz zwischen der USA und der UdSSR. Es lässt sich sagen, dass es sich bei diesem Konflikt um eine „ … Auseinandersetzung zwischen dem Kommunismus und westlicher Demokratie …“[2], handelt. Der Konflikt nahm die Form eines kalten Krieges an. Entscheidend ist dabei, dass die USA und die UdSSR als einzige Globalmächte Nuklear- sowie Fernwaffen besaßen. Somit entstand in jener Zeit eine Bipolare Weltordnung.

2.2 Bipolarität als zentrales Merkmal

Seit dem 19. Jahrhundert geht es um eine Auseinandersetzung zwischen der liberalkapitalistischen und den staatssozialistischen Ideen. Die Oktoberrevolution 1917 in Russland ist dabei signifikant für die gewaltsame Machtübernahme der Bolschewiki. Durch diese Revolution wurde der Grundstein für eine Veränderung der politischen Verhältnisse in Russland gelegt. Diese bildeten die Grundlagen für den Aufbau des sozialistischen Staates. Im Gegenzug gab es die liberalen Amerikaner. Doch genau nach dem zweiten Weltkrieg, demzufolge nach dem Sieg über die Nationalsozialisten Deutschlands war diese Auseinandersetzung offen sichtbar. Zwei größere Machtblöcke bildeten sich, ehemals aus der Anti Hitler Koalition, einmal der russisch sozialistische Machtblock und der liberale westliche Machtblock. Es standen sich Demokratie und Diktatur, sowie Marktwirtschaft und Planwirtschaft gegenüber. Die Weltpolitik war zu dieser Zeit relativ überschaubar, denn nur zwei große Staatenblöcke standen sich gegenüber.

Die Bipolarität kennzeichnet sich dadurch aus, dass zwei Großmächte handeln. Es wird bestimmt durch ein Gleichgewicht der Macht. Dabei lassen sich drei Machtdimensionen unterscheiden, die wirtschaftliche, die militärische und die politische Macht.[3] Für den Ost-West Konflikt war vor allem die militärische Macht von Bedeutung, da beide Staaten, sowie die USA und die UdSSR versucht haben, sich militärisch auszugleichen. „In der Praxis haben sowohl die USA als auch die UdSSR trotz erheblicher konzeptioneller Unterschiede den Kerngehalt nuklearer Abschreckung anerkannt: Die Vermeidung von Kriegen durch die Fähigkeit zur gegenseitigen Vernichtung.“[4] Die Bipolarität dauerte genau vier Jahrzehnte. Die gegenseitige Abschreckung erfolgte durch immer wiederkehrende Aufrüstung von Nuklearwaffen. Es wird auch von der „Balance of power“ oder „ … wechselseitigen Abschreckung ..“ [5] gesprochen, denn die Machtverhältnisse waren nahezu identisch. Als zentrale Bündnisse, die sich in jener Zeit herausbildeten gab es die North Atlantic Treaty Organization, die NATO und der Warschauer Pakt. Die Nato, im Westen, ist ein Verteidigungsbündnis der liberalen Länder unter Führung der USA. Der Warschauer Pakt im Osten, welches acht sozialistische- kommunistische Staaten beherbergte, war ein militärisches Bündnis des Ostblocks. Durch diese Bündnisse wurde das Machtgleichgewicht gestärkt. Kennzeichnend war für diesen Ost-West Konflikt, dass dieser 1962 (Kubakrise) fast bis an den Rand eines Atomkrieges, eskalierte. Die USA haben in Italien und in der Türkei Mittelstreckenraketen stationiert, welche auf die UdSSR gerichtet waren. Das Machtgleichgewicht wurde zugunsten der Vereinigten Staaten von Amerika verschoben. Unter dem Namen „Operation Anadyr“ erfolgte auf Kuba, erstmals außerhalb der Einflusszone des Warschauer Pakts eine Stationierung sowjetischer Truppen und Mittelstreckenraketen, vom Typ SS 4 und SS 5 welche mit Atomkopfsprengsätzen versehen werden konnten. Durch diese Stationierung der Raketen auf Kuba fühlten sich die USA bedroht. Dadurch wurde das verschobene Gleichgewicht, welches durch die Verlagerung der amerikanischen Raketen in die Türkei entstand, wieder hergestellt. Nur durch Diplomatie, Handlungsgeschick der Führer, vor allem Kennedys, wurde durch Kooperation ein Atomkrieg verhindert. Die USA klärten sich bereit die Jupiter und Thor Mittelstreckenraketen in der Türkei abzuziehen und die UdSSR im Gegensatz das gleiche auf Kuba zu tun. Nach dieser Krise erfolgten sämtliche Abrüstungsmaßnahmen beider Machtblöcke. Schließlich entfachte teilweise immer wieder ein erneutes Wettrüsten beider Staaten. Mit der wirtschaftlichen Stagnation des Warschauer Pakts und mit der neuen offenen Politik seitens Gorbatschow gegenüber dem Westen erfolgte eine Perestroika. Schließlich zerfiel die Sowjetunion und es entstand die Russische Föderation mit marktwirtschaftlicher Ausrichtung. Mit dem Wegfall des einstigen Gegners die UdSSR auf der Welt gab es auch einen Wechsel der Weltpolitik. Das bipolare Machtgleichgewicht zerfiel und die globale größte Bedrohung des Atomkrieges für Zivilisation wurde vorerst aus der Welt geschafft. Charakteristisch für diese Zeit war, dass nur zwei große Akteure das weltpolitische Bild bestimmten.

3 Neues Ausmaß kriegerischer Auseinandersetzungen und neue Merkmale weltpolitischer Aspekte

Mit der Veränderung und dem Umbruch 1990 wurden Kriege sowie zwischenstaatliche, ethnische Konflikte keinesfalls aus der Welt geschafft. Der große Konflikt zwischen UdSSR und der USA sind vorerst auf Eis gelegt. „Das alte Muster der Bipolarität existierte nicht mehr. Die Welt musste politisch, wirtschaftlich und militärisch … neu gestaltet werden.“[6] Schließlich war dieser „ (…) Stabilitätsmechanismus hinfällig geworden“[7] Bis 1989 herrschte ein kalter Krieg, jedoch wurden nun heiße Kriege wieder möglich. „Die wechselseitige atomare Bedrohung hatte zwar viele Konflikte zugedeckt, nicht jedoch dauerhaft ausgeräumt (…) alte religiöse und ethnische Gegensätze sowie Grenzstreitigkeiten, die längst in Vergessenheit geraten schienen, brachen wieder auf.“[8] Ein Beleg dafür sind die Konflikte auf der Balkanhalbinsel, wo vorwiegend religiöse Gründe für kriegerische Eskalationen eine Rolle spielten. Ein Beleg dafür sind die kleinen Kriege zwischen Serben und Kroaten und den Moslems in Bosnien Herzegowina sowie die Streitigkeiten zwischen den Albanern und Serben im Kosovo. Charakteristisch für die neuen Auseinandersetzungen sind nach 1990 vor allem kleinere Konflikte zwischen unterschiedlichen religiösen oder ethnischen Parteien. Verschiedene afrikanische Stämme kämpften nun gewaltsam um Macht und Territorium. Weiterhin kennzeichnend für die neuen Bedrohungen ist, dass neue Unruheherde auch oftmals privat finanziert werden, wie beispielsweise der internationale Terrorismus. Es geht bei den neuen Kriegen, aber wie bei den „alten Kriegen“ um das gleiche Bestreben - nämlich die Expansion der Macht, sowie die Einflussnahme von Staaten auf andere Staaten, sowie wirtschaftliche Stärke und Wohlstand. Allerdings haben sich nach 1990 im Wesentlichen die Akteure geändert, da es sich nicht mehr um Konflikte zwischen Staaten handelt, sondern es wird von einer „ … Entstaatlichung beziehungsweise Privatisierung kriegerischer Gewalt …“[9] gesprochen. Auseinandersetzungen werden durch private Akteure finanziert. Der Staat als wesentlicher Akteur bei der Kriegsführung verliert an Bedeutung. Viele Privatarmeen, oftmals bezahlt von reichen Ölmilliardären kämpfen gegen andere. „Im internationalen System der Gegenwart spielen die Staaten zwar noch eine herausragende Rolle, vor allem die großen, stabilen wie die USA … die Zahl der eher handlungsschwachen Staaten … erheblich vergrößert.“ [10]

Des Weiteren sind die neuen Kriege von einer „ … Asymmetrisierung kriegerischer Gewalt …“[11] gekennzeichnet. Dies bedeutet, dass oftmals sehr ungleiche Gegner miteinander kämpfen. Es kommt somit zu keinen Fronten oder Stellungskriegen, da der Gegner durch den Überlegenden relativ schnell besiegt wird. Diese Asymmetrisierung kriegerischer Gewalt hat zur Folge, dass „ ... in ihr bestimmte Formen der Gewaltanwendung, die zuvor untergeordnete taktische Elemente einer militärischen Strategie waren, selbst eine eigenständige strategische Dimension erlangt haben.“ [12] Die dritte Eigenschaft, die ein Krieg nach Münkler heutzutage hat, ist die „ … Verselbständigung oder Autonomisierung …“ [13] . Damit ist gemeint, dass das reguläre Militär die Kontrolle über den Kriegsablauf verliert und diese zu einem großen Teil in die Hände von privaten Gewaltakteuren geraten.

[...]


[1] Görtemaker, Manfred: Der Beginn der Bipolarität. In: Information zur Politischen Bildung Nr.245.2003.S.3

[2] ebenda S.3

[3] Vorlesungsskript Prof. Dr. Fuhr Einführung in die internationale Politik. SS 2008

[4] Woyke, Wichard (2000): Handwörterbuch Internationale Politik. 8. Auflage. Opladen. UTB Verlag.S.298

[5] Plate, Bernard: Außen- und Sicherheitspolitik vor neuen Herausforderungen. S.38 – 43. In: Informationen zur Politischen Bildung Nr. 270.2003.S.39.

[6] Görtemaker, Manfred: Der Beginn der Bipolarität. In: Information zur Politischen Bildung Nr.245.2003. S.57

[7] Plate, Bernard: Außen- und Sicherheitspolitik vor neuen Herausforderungen. S.38 – 43. In: Informationen zur Politischen Bildung Nr. 270.2003.S.39.

[8] Ebenda S.39

[9] Münkler, Herfried (2002): Die neuen Kriege . Rowohlt Taschenbuch Verlag.S.10

[10] Bredow, Wilfried: Neue Herausforderungen. In: Informationen zur politischen Bildung. Sicherheitspolitik im 21. Jahrhundert. BPB 291. 2. Quartal 2006.S.5

[11] Münkler, Herfried (2002): Die neuen Kriege . Rowohlt Taschenbuch Verlag.S.11

[12] Ebenda S.11

[13] Ebenda S.13

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Wandel der Weltpolitik bezüglich außen- und sicherheitspolitischer Aspekte und die Bedeutung internationaler Institutionen
Untertitel
von der Bipolarität zur Multipolarität und der Einfluss sicherheitspolitischer Akteure
Hochschule
Universität Potsdam
Veranstaltung
Seminar zur Theorie der internationalen Politik
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V117090
ISBN (eBook)
9783640194667
ISBN (Buch)
9783640194742
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wandel, Weltpolitik, Aspekte, Bedeutung, Institutionen, Seminar, Theorie, Politik, Kalter Krieg, Bipolare Weltordnung, Multipolarität, Cold War
Arbeit zitieren
Christoph Staufenbiel (Autor), 2008, Der Wandel der Weltpolitik bezüglich außen- und sicherheitspolitischer Aspekte und die Bedeutung internationaler Institutionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117090

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