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Prostitution in der DDR - „Von der ‚Gefahr für die Volksgesundheit‘ zum Werkzeug der Stasi-Spionage“

Weibliche Prostitution zu Zeiten des Arbeiter- und Bauernstaates

Title: Prostitution in der DDR - „Von der ‚Gefahr für die Volksgesundheit‘ zum Werkzeug der Stasi-Spionage“

Seminar Paper , 2008 , 20 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Benjamin Wellner (Author)

Sociology - Relationships and Family
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Summary Excerpt Details

Prostitution wird seit ewigen Zeiten als das „älteste Gewerbe der Zeit“ bezeichnet. Durch
jede Form von gesellschaftlichem Zusammenlebens zog sich das Phänomen „käufliche
Liebe“. Auch im durchgeplanten System der ehemaligen DDR gab es Bedarf an
weiblichen Prostituierten. In der Nachkriegszeit nicht vordergründig moralisch
behandelt, änderten sich für sie die Umstände grundlegend mit der Einführung des
neuen Strafgesetzbuches 1968 in DDR. Fortan galten die Freudenmädchen strafrechtlich
als arbeitsscheu und gingen ihrer eigentlichen Bestimmung - arbeitstätig und Mutter zu
sein - nicht nach. Auch das Strafmaß erhöhte sich enorm, womit sich der Staat erhoffte,
Prostitution allmählich aus dem Bild der Öffentlichkeit entrücken zu können. Die
Erwartung, das Phänomen der »leichten Mädchen« würde in der DDR bald aussterben1,
wurde jedoch nicht erfüllt. Zwar reduzierte sich die Medienberichterstattung auf ein
Minimum, jedoch gingen die meisten Prostituierten ihrer Tätigkeit in einem heimlicheren
Rahmen weiterhin nach.
Mit Beginn der 70er Jahre wurden dann zunehmend junge Frauen vom „Ministerium für
Staatssicherheit“ (MfS) angeworben. Ihre Aufgabe: Intimbeziehungen zu Personen aus
dem „Nichtsozialistischen Ausland“ herzustellen und damit in Kenntnis wichtiger
Informationen und intimer Details zu gelangen.
Bis zum Ende der DDR entwickelte sich die Prostitution weiter und es etablierten sich
„Hochburgen“ wie Leipzig, Rostock oder Ost-Berlin.
Die Arbeit beleuchtet die Entwicklung der DDR-Prostitution und den problematischen
Umstand, dass sie in der DDR 1968 zwar strafrechtlich verboten, dennoch über die
gesamte Existenz der Deutschen Demokratischen Republik hinweg vom „Ministerium für
Sicherheit“ als Mittel der Spionage eingesetzt wurde.
Auf theoretischer Grundlage August Bebels basierend, soll auch die Stellung der
Prostitution in der sozialistischen Gesellschaft zur Antwortfindung einbezogen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

1.1 Problemaufriss

1.2 Zentrale Fragestellung

2. GRUNDLAGEN

2.1 Begriffsdefinition „Prostitution“

2.2 Das Frauenbild in der DDR

3. PROSTITUTION IN DER DDR

3.1 Die weibliche Prostitution im Sozialismus (August Bebel)

3.2. Die Gesetzeslage zur Prostitution in der DDR

3.2.1 Bis 1968

3.2.2 Ab 1968

3.3 Zugänge für Frauen zur Prostitution in der DDR

3.4. Das „Lustgewerbe“ in der DDR von der Nachkriegszeit bis zum Ende der ’80er Jahre

3.4.1 Die Nachkriegszeit– Aspekt „Existenzsicherung“

3.4.2 Die 1950er – Aspekt „Arbeitsintegration“

3.4.3 Die 1960er – Aspekt „Luxus und Strafgesetz“

3.4.4 Die 1970er – Aspekt „Informationsbeschaffung“

3.4.5 Die 1980er – Aspekt „Leipziger Messe und Rostocker Storchenbar“

4. SCHLUSSFOLGERUNG

5. ZUSAMMENFASSUNG

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Entwicklung der weiblichen Prostitution in der DDR und geht der zentralen Forschungsfrage nach, inwieweit Prostitution trotz des offiziellen sozialistischen Frauenbildes und der strafrechtlichen Verbote als notwendige soziale Institution im realsozialistischen Alltag existierte und staatlich instrumentalisiert wurde.

  • Analyse des gesellschaftlichen Frauenbildes und der rechtlichen Rahmenbedingungen in der DDR.
  • Untersuchung der historischen Entwicklung der Prostitution von der Nachkriegszeit bis in die 1980er Jahre.
  • Untersuchung der Motive und Zugangswege von Frauen zur Prostitution im Kontext von wirtschaftlichen Faktoren und sozialem Status.
  • Darstellung der Funktionalisierung des „Lustgewerbes“ durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) für Spionagezwecke.

Auszug aus dem Buch

3.4.1 Die Nachkriegszeit– Aspekt „Existenzsicherung“

Die Zeit nach Kriegsende im Mai 1945 war von Chaos, Zerstörung und Ungewissheit geprägt. Der dauerhafte Ausnahmezustand führte zahlreich zur Auflösung sozialer Beziehungen und zum Niedergang von Sitten, Werten und Normen. Die Existenzangst vieler Frauen zwang sie dazu, durch Anbieten sexueller Handlungen Geld zu verdienen und damit ihr eigenes und das Leben ihrer Kinder zu erhalten. Etliche solcher Frauen waren betroffen von dem Tod ihrer Männer im Krieg, dem Verlust der Wohnung und dem Fehlen von wirtschaftlichen Mitteln.

Die Prostitution in der Nachkriegszeit gestaltete sich vorwiegend durch willige Frauen, die nachts allein auf der Straße umherliefen. Freier waren ebenfalls zu Fuß unterwegs und bezahlten die intimen Leistungen mit Geld oder Tauschware. Man vergnügte sich vorrangig in Wohnungen, Absteigen, Ruinen und Gebüschen.

Durch die hohe Zahl der von Geschlechtskrankheiten betroffenen Menschen in der sowjetischen Besatzungszone erließ die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) 1945 den Befehl Nr. 25 „Über die Maßnahmen zu Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten in der sowjetischen Besatzungszone Deutschland“. Fortan wurden geschlechtskranke Dirnen zwangsbehandelt. Der im Jahre 1946 folgenden Befehl Nr. 030 sah u.a. vor, die Behandlung geschlechtskranker Prostituierter unter polizeiliche Aufsicht zu stellen und Frauen, die wissentlich Männer mit einer Geschlechtskrankheit ansteckten stationär zwangzuweisen. Die Erweiterung durch den SMAD-Befehl Nr. 273 stellte nun auch die vorsätzliche Ansteckung mit einer Geschlechtskrankheit unter Haftstrafe. Durch Gesundheitsstreifen und –razzien mittels die Polizei in Diskotheken, Bars und Vergnügungsstätten erhoffte man sich, die Geschlechtskranken ermitteln zu können. Prostituierte und Personen mit „häufig wechselnden Geschlechtspartnern“ („HwG-Personen“) hatten zudem eine „Stellpflicht“, d.h. sie mussten sich regelmäßig auf Geschlechtskrankheiten untersuchen lassen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Dieser Abschnitt legt den Grundstein der Untersuchung, indem er die historische Wahrnehmung der Prostitution in der DDR einordnet und die Forschungsfrage nach deren Funktion und staatlicher Instrumentalisierung definiert.

2. GRUNDLAGEN: Hier werden theoretische Definitionen des Prostitutionsbegriffs geklärt und das offizielle sozialistische Frauenbild der DDR als Gegenentwurf zur Prostitution skizziert.

3. PROSTITUTION IN DER DDR: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert die gesetzliche Entwicklung, die verschiedenen Zugangswege zur Prostitution und die zeitliche Entwicklung des Lustgewerbes unter Berücksichtigung politischer und ökonomischer Faktoren.

4. SCHLUSSFOLGERUNG: Die Ergebnisse der Untersuchung werden zusammengeführt, um zu bewerten, inwiefern die Bebel’sche These von der Prostitution als notwendige Institution auf die Realität der DDR übertragbar war.

5. ZUSAMMENFASSUNG: Das Fazit fasst die Ambivalenz zwischen dem offiziellen staatlichen Anspruch und der faktischen Nutzung der Prostitution durch das MfS prägnant zusammen.

Schlüsselwörter

DDR, Prostitution, Sozialismus, Ministerium für Staatssicherheit, MfS, Lustgewerbe, Spionage, Methode Romeo, Arbeitserziehung, Geschlechtskrankheiten, DDR-Frauenbild, Inter-Hotels, Leipziger Messe, Prostituierte, Realssozialismus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Phänomen der weiblichen Prostitution in der DDR und beleuchtet die Diskrepanz zwischen dem sozialistischen Idealbild der Frau und der realen Existenz und Nutzung des Lustgewerbes durch den Staat.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen die rechtliche Entwicklung zur Prostitution, die sozioökonomischen Hintergründe der Prostituierten sowie die gezielte Instrumentalisierung durch das Ministerium für Staatssicherheit.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, zu analysieren, wie sich Prostitution in der DDR unter den Bedingungen des Realsozialismus entwickelte und warum sie trotz ideologischer Ablehnung staatlich geduldet und sogar zu Spionagezwecken genutzt wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische-analytische Arbeit, die auf der Auswertung von Fachliteratur, zeitgeschichtlichen Quellen und Interviews basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historischen Etappen von 1945 bis in die 1980er Jahre, unterteilt in Phasen wie Existenzsicherung, Arbeitsintegration und die Einbindung in die MfS-Spionagearbeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie DDR, Prostitution, MfS, Spionage, Sozialismus und staatliche Instrumentalisierung charakterisiert.

Wie hat das Ministerium für Staatssicherheit die Prostitution für sich genutzt?

Das MfS setzte Prostituierte als inoffizielle Mitarbeiterinnen ein, um durch intime Beziehungen Informationen von ausländischen Gästen und Diplomaten zu gewinnen oder diese durch kompromittierendes Material zu erpressen.

Welche Bedeutung hatten die Inter-Hotels für die Prostitution?

Die Inter-Hotels boten dem MfS eine Infrastruktur, um Prostituierte gezielt als Spionagewerkzeuge einzusetzen, da sie dort in Kontakt mit zahlungskräftiger ausländischer Klientel kamen.

Was besagt das Zitat von Uta Falck am Ende der Arbeit?

Es fasst zusammen, dass in der DDR alle Beteiligten – inklusive der Prostituierten und des Staates – von den informellen Strukturen profitierten, was die moralische Doppelmoral des Systems unterstreicht.

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Details

Title
Prostitution in der DDR - „Von der ‚Gefahr für die Volksgesundheit‘ zum Werkzeug der Stasi-Spionage“
Subtitle
Weibliche Prostitution zu Zeiten des Arbeiter- und Bauernstaates
College
Erfurt University of Applied Sciences  (Fachbereich Sozialwesen)
Course
Geschlechterverhältnisse (gender studies) im Kulturenvergleich
Grade
1,0
Author
Benjamin Wellner (Author)
Publication Year
2008
Pages
20
Catalog Number
V117093
ISBN (eBook)
9783640194797
ISBN (Book)
9783640194940
Language
German
Tags
Prostitution Geschlechterverhältnisse Sex in der DDR Prostitution in der DDR Sexualität Frauenbild Sozialismus August Bebel
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Benjamin Wellner (Author), 2008, Prostitution in der DDR - „Von der ‚Gefahr für die Volksgesundheit‘ zum Werkzeug der Stasi-Spionage“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117093
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