„Plotin hatte also unmerklich von dem Geist des jungen Rhetors Besitz ergriffen und ihn zu
einer völlig vergeistigten Auffassung der Schönheit und des göttlichen Wesens geführt.“
Mit dem Zitat des französischen Jesuiten Paul Henry sei zusammenfassend zu Beginn dieser
Arbeit das vorhergeschickt, was die nachfolgenden Seiten erst aufzuzeigen versuchen werden:
Augustins Rezeption des neuplatonischen Denkens. Entsprechend philosophische Denkmuster
verteilen sich über das ganze Denken und Werk des großen Bischofs und Kirchenvaters. Daher
sei der Umfang dieser Arbeit exemplarisch beschränkt auf das neunte Buch der Confessiones,
näherhin: auf die Vision von Ostia.
Die Hausarbeit folgt in ihrem Aufbau einem inhaltlichen Dreischritt. Sie referiert zu Beginn den
einschlägigen Passus der „Bekenntnisse“, ehe im Anschluss der relevante Gedankengang Plotins
ausgeführt wird. Abschließend gilt es, die neuplatonischen Einflüsse zu sezieren und eventuelle
Nuancen, die Augustin einpflegt, vorzustellen. Es soll gezeigt werden, ob es gelingt, die
Kategorien von Neuplatonismus und Christentum miteinander vereinbar wirken zu lassen.
Wenn Augustin auch stark mit Plotins Gedanken sympathisiert, so lässt er jedoch nicht zu, die
wesentliche Distanz abzubauen. Und doch sagt er an anderer Stelle, weshalb es gerade die
Platoniker sind, mit denen er sich auseinandersetzt: Sie seien diejenigen, ,„die den wahren Gott als
den Urheber der Dinge, als die Lichtquelle der Wahrheit und als den Spender der Glückseligkeit
bezeichnet haben, sondern auch andere Philosophen haben zurücktreten vor diesen großen
Männern, den Erkennern des großen Gottes, (…)“. In gesteigerter Form gesteht er ihnen sogar
zu, dass sie nach Änderung nur weniger Worte und Sätze als Christen gelten könnten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Vision von Ostia
3 Neuplatonische Spuren im Werk eines Christen?
4 Zum abschließenden Vergleich – Augustinus Verhältnis zum Neuplatonismus
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rezeption neuplatonischer Denkmuster bei Augustinus von Hippo, wobei der Fokus exemplarisch auf der berühmten „Vision von Ostia“ aus dem neunten Buch der Confessiones liegt. Ziel ist es, die philosophischen Einflüsse Plotins zu identifizieren, die Verschränkung von neuplatonischem Denken und christlicher Theologie zu analysieren und dabei die fundamentalen Unterschiede hinsichtlich des Gottesverständnisses herauszuarbeiten.
- Analyse der Vision von Ostia als mystisch-kontemplatives Erlebnis.
- Darstellung der plotinischen Emanationslehre und ihrer Bedeutung.
- Untersuchung der Verbindung von Philosophie und Bekenntnis bei Augustinus.
- Gegenüberstellung von neuplatonischer Transzendenz und christlicher Inkarnation.
Auszug aus dem Buch
Die Vision von Ostia
„Die Wahrheit selbst, die du bist, war anwesend, und wir fragten uns, wie das künftige Leben der Heiligen sei, das kein Auge je gesehen, kein Ohr je gehört hat und das in keines Menschen Herz gedrungen ist.“
Ausgehend von dieser Feststellung, nimmt die augustinische Meditation ihren Gang. Vielfach ist sie Gegenstand literarischer Aufarbeitung geworden. Dabei lässt bereits die unterschiedliche Benennung dessen, was Augustin und Monica während ihrer abendlichen Unterhaltung erleben, deutlich die Schwierigkeit erkennen, die mit einer eindeutigen Bestimmung dieses Erlebnisses verbunden ist. Dieter Hattrup schlägt unter Berücksichtigung gleich gestalteter Passagen der „Confessiones“ vor, von der „Berührung von Ostia“ zu sprechen. Die rhetorische Stärke Augustins zeigt sich an der Wahl des Ortes, an dem der Aufstieg stattfindet, ohne jeden Zweifel: Ostia als Hafenstadt verweist auf Augustinus’ symbolischen Übergang in sein neues Leben nach der Bekehrung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Rezeption neuplatonischer Denkmuster bei Augustinus ein und legt den methodischen Dreischritt der Arbeit fest.
2 Die Vision von Ostia: Das Kapitel analysiert die mystische Erfahrung in Ostia als Aufstieg zum Göttlichen und beleuchtet die Schwierigkeiten der begrifflichen Einordnung dieses Ereignisses.
3 Neuplatonische Spuren im Werk eines Christen?: Hier werden die philosophischen Grundlagen der plotinischen Emanationslehre dargelegt, um deren Einfluss auf das Denken des Kirchenvaters besser verständlich zu machen.
4 Zum abschließenden Vergleich – Augustinus Verhältnis zum Neuplatonismus: In diesem Kapitel werden beide Denksysteme kritisch gegenübergestellt, wobei insbesondere der Kontrast zwischen der unpersönlichen Transzendenz Plotins und dem personalen Gottesverständnis des Christentums hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Augustinus, Confessiones, Vision von Ostia, Neuplatonismus, Plotin, Emanationslehre, Christentum, Mystik, Transzendenz, Gottesfurcht, Religio, Theologie, Antike Philosophie, Gottesschau, Inkarnation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie Augustinus von Hippo neuplatonische Denkstrukturen, insbesondere die Philosophie Plotins, in seinem Werk rezipiert und mit christlichen Inhalten verbindet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die „Vision von Ostia“, die Konzepte der Emanationslehre und das Spannungsfeld zwischen antiker Philosophie und christlicher Offenbarungslehre.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Augustinus den Aufstieg zum Göttlichen beschreibt und ob es ihm gelingt, die Kategorien des Neuplatonismus mit dem Christentum in Einklang zu bringen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Die Arbeit verfolgt einen inhaltlichen Dreischritt: die Referierung der Textpassagen, die Erläuterung der zugrunde liegenden philosophischen Konzepte und eine abschließende vergleichende Analyse der theologischen Differenzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Interpretation der Vision von Ostia, eine Einführung in die plotinische Emanationslehre sowie einen systematischen Vergleich der beiden Weltbilder.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Augustinus, Neuplatonismus, Plotin, Emanationslehre, Mystik, Transzendenz, Gottesbegriff und Confessiones.
Wie interpretiert der Autor das „Schweigen“ in der Vision von Ostia?
Augustinus wird als jemand verstanden, der das Schweigen als eine Art „technische Anweisung“ zur Transzendenz nutzt, um durch das Schweigen der geschaffenen Dinge hindurch Gott selbst zu Wort kommen zu lassen.
Worin liegt laut der Arbeit der fundamentale Unterschied zwischen Plotin und Augustinus?
Der Hauptunterschied besteht darin, dass das Christentum Gott als ein personales Gegenüber versteht, während Plotins Modell einer unpersönlichen, absolut transzendenten Ur-Einheit (dem „Einen“) entspricht.
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- Marc Sprungmann (Author), 2008, Die Vision zu Ostia - Augustins Rezeption des Neuplatonismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117123