In dieser wissenschaftlichen Seminararbeit werden die beiden Begriffe "arteigen" und "entartet" in Bezug auf Musik, unter Berücksichtigung des nationalsozialistischen Systems, aufgearbeitet und vor allem kompakt zusammengefasst. Die grundlegende Frage, welche Musik nun eigentlich "entartet", und welche "arteigen" ist, wird in der Arbeit beantwortet.
Hierzu wird zunächst auf die verschiedenen Musikstile, die als entartet galten, eingegangen und erklärt, was den Nationalsozialisten an ihnen missfiel. Weiter werden die arteigene Musik, und Beispiele für den Einsatz von Musik für propagandistische Zwecke näher betrachtet. Zuletzt werden die Zwölftonkomposition für Klavier, Op. 25 von Arnold Schönberg, sowie das romantische Orchesterstück „Also sprach Zarathustra!“ von Richard Strauss analysiert. Es folgt ein Vergleich.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Neue, für die Nationalsozialisten „entartete“ Musikstile
2.1 Neue Musik
2.1.1 Impressionismus
2.1.2 Expressionismus
2.1.3 Vom Expressionismus zur Zwölftonmusik
2.2 Swing
2.3 Die Ausstellung „Entartete Musik“ 1938 in Düsseldorf
3. Musik im Sinne der Nationalsozialisten
3.1 Arteigene Musik
3.2 Die Reichsmusikkammer
3.3 Musik zu Propagandazwecken
4. Werkanalyse
4.1 Schönberg - Klaviersuite Opus 25
4.2 Richard Strauss – „Also sprach Zarathustra!“
4.3 Vergleich
5. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die nationalsozialistische Unterscheidung zwischen „arteigener“ und „entarteter“ Musik und analysiert, wie das Regime diese Kategorisierung nutzte, um kulturelle Gleichschaltung zu erreichen und Propaganda zu verbreiten. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der Definition dieser Begriffe und den Kriterien, nach denen Musik im NS-Staat als legitim oder verboten eingestuft wurde.
- Ideologische Abgrenzung zwischen „arteigener“ und „entarteter“ Musik
- Die Rolle der Reichsmusikkammer bei der Kontrolle und Unterdrückung von Musik
- Einsatz von Musik zu Propagandazwecken (Kampflieder und Durchhalteschlager)
- Werkanalyse: Kontrast zwischen Arnold Schönbergs Zwölftonmusik und Richard Strauss' „Also sprach Zarathustra!“
- Auswirkungen der NS-Musikpolitik auf jüdische und progressive Komponisten
Auszug aus dem Buch
4.1 Schönberg - Klaviersuite Opus 25
Arnold Schönberg (1878 – 1951) war einer der Musiker, welche von den Nationalsozialisten gerade wegen ihrer komponierten, atonalen Musik geächtet waren und in die USA oder andere sichere Staaten emigrieren mussten. Zudem war Schönberg Jude, was ihm zur damaligen Zeit als zusätzliches Stigma anhing. Schönberg war einer der größten und bekanntesten Vorreiter der atonalen Musik und revolutionierte das bisherige Musikverständnis.
Seine Methode, alle 12 Töne beim Komponieren gleichwertig zu behandeln, ist die sogenannte Zwölftontechnik. Ihm war es sehr wichtig, keinerlei Töne gegenüber anderen zu bevorzugen. Dementsprechend wird bei Anwendung dieser Technik nach strengen Regeln und Vorgaben komponiert, um dieses oberste Ziel zu erreichen.
Grundlage dieser Technik ist immer eine sogenannte Grundreihe, von Schönberg auch Grundgestalt genannt. Diese ist eine in zufälliger Anordnung aufgestellte Tonreihe aller 12 chromatischen Töne. Sie besteht immer aus 12 Tönen, da sich kein Ton in einer Reihe wiederholen darf, aber alle verwendet werden müssen. Diese Grundreihe (G) bildet die Basis für das gesamte Stück. Aus ihr werden nun verschiedene weitere Reihen gebildet. Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten. Die bekanntesten und am häufigsten verwendeten sind:
1. Der „Krebs“ (K): Man spiegelt die Reihe vertikal, liest sie also von hinten.
2. Die „Umkehrung“ (U): Man beginnt mit dem gleichen Anfangston wie bei der Grundreihe, spiegelt allerdings die Intervalle horizontal.
3. Die „Krebsumkehrung“ (KU): Man bildet den Krebs der Umkehrung
4. Schließlich können alle Reihen auf alle 12 Stufen der chromatischen Tonleiter transponiert werden (G 1-12, K 1-12, U 1-12, sowie KU 1-12).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung der Musik im Nationalsozialismus als Propagandamittel und führt in die Fragestellung ein, wie die Unterscheidung zwischen entarteter und arteigener Musik rassistisch motiviert war.
2. Neue, für die Nationalsozialisten „entartete“ Musikstile: Hier werden die Stile Impressionismus, Expressionismus und Swing sowie die Düsseldorfer Ausstellung 1938 behandelt, die das Regime als „entartet“ und damit als Bedrohung der arischen Kultur diffamierte.
3. Musik im Sinne der Nationalsozialisten: Dieses Kapitel beschreibt das Konzept der „arteigenen“ Musik, die Organisation der Reichsmusikkammer und den strategischen Einsatz von Musik für Propagandazwecke.
4. Werkanalyse: In diesem Teil werden Schönbergs Klaviersuite Opus 25 und Richard Strauss’ „Also sprach Zarathustra!“ detailliert analysiert, um den Gegensatz zwischen Zwölftonmusik und spätromantischer Tradition aufzuzeigen.
5. Schlusswort: Das Fazit fasst zusammen, dass die Musikpolitik der Nazis keine ästhetische, sondern eine rein ideologische Entscheidung war, die zur systematischen Ausgrenzung und Verfolgung missliebiger Künstler führte.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Entartete Musik, Arteigene Musik, Zwölftonmusik, Arnold Schönberg, Richard Strauss, Reichsmusikkammer, Propaganda, Atonalität, Swing, Rassentheorie, Musikwissenschaft, NS-Kulturpolitik, Antisemitismus, Durchhalteschlager
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Musikpolitik im Nationalsozialismus und die ideologische Kategorisierung von Musik in „arteigen“ und „entartet“.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentrale Themen sind die Unterdrückung der Moderne, die Rolle der Reichsmusikkammer, der Einfluss von Rassenideologie auf die Musikbewertung und der Gebrauch von Musik zur Manipulation der Massen.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit geht der Frage nach, wie das NS-Regime Begriffe wie „entartet“ und „arteigen“ definierte und warum diese Unterscheidung für die langfristige Aufrechterhaltung des totalitären Systems von entscheidender Bedeutung war.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Es erfolgt eine historische Kontextualisierung der NS-Ideologie, kombiniert mit einer musiktheoretischen Werkanalyse zweier gegensätzlicher Kompositionen von Schönberg und Strauss.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der verfemten Musikstile, eine Darstellung der institutionellen Kontrolle durch die Reichsmusikkammer und eine detaillierte musikalische Gegenüberstellung von Schönbergs Zwölftontechnik und Strauss’ Tondichtung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt am besten charakterisieren?
Die wichtigsten Begriffe sind NS-Ideologie, Entartete Musik, Zwölftontechnik, Reichsmusikkammer, Propaganda, Antisemitismus und kulturelle Gleichschaltung.
Warum galt Arnold Schönbergs Zwölftonmusik als besonders gefährlich für die Nazis?
Für die Nationalsozialisten war Schönbergs Musik ein „reines Konstrukt“ des Verstandes, das der „Seele“ entbehrte und durch die Abkehr von der klassischen Tonalität als chaotisch und rassenfremd diffamiert wurde.
Warum diente das Werk von Richard Strauss als ideales Beispiel für die Nationalsozialisten?
Strauss’ Musik entsprach den romantischen Idealen einer euphorischen, heroischen und emotionalen Klangsprache, die sich hervorragend zur Vermittlung nationaler Größe und kriegerischer Stärke nutzen ließ.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Entartete und arteigene Musik im Nationalsozialismus. Eine Gegenüberstellung anhand zweier Kompositionen von Richard Strauss und Arnold Schönberg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1171522