Pannonische Trockenrasen in Österreich

Ausbreitung und Gefährdung durch den Menschen


Bachelorarbeit, 2008
113 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG
1.1 Einleitung und Zielsetzung
1.2 Begriffsdefinitionen
1.2.1 Trockenrasen
1.2.2 Steppe
1.2.3 Pannonikum – pannonisch
1.3 Methodik

2 BESCHREI BUNG DES BEARBEITUNGSGEBIETES
2.1 Die pflanzengeografische Gliederung des österreichischen Pannonikums
2.1.1 Vertikale Gliederung nach Höhenstufen
2.1.2 Horizontale Gliederung nach Florenbezirken
2.1.3. Der Einfluss der Ökofaktoren auf die Vegetation

3 UNTERSCHEIDUNG VERSCHIEDENER TROCKENRASEN
3.1 Pflanzensoziologische Gliederung
3.2 Unterscheidung nach geologischem Untergrund
3.2.1 Einteilung der Trockenrasen nach Substrattypen
3.2.2 Verbreitung der pannonischen Vegetation nach geologischem Untergrund

4 DER WECHSEL VON AUSBREITUNG UND RÜCKGANG DER TROCKENRASEN IM PANNONIKUM
4.1 Die Vegetationsgeschichte des Pannonikums im Quartär
4.1.1 Erdgeschichtlicher Überblick
4.1.1.1 Das Pleistozän
4.1.1.2 Das Holozän
4.2 Theorien zur Ausbreitung der Steppenvegetation
4.2.1 Eiszeitliche Überdauerung einzelner Arten vor Ort
4.2.2 Einwanderung von Steppenarten im Spätglazial
4.2.3 Einwanderung von Steppenarten in postglazialen Warmzeiten
4.2.3.1 Die Waldsteppentheorie nach WENDELBERGER
4.2.4 Ausbreitung von Steppenarten durch Weidewirtschaft
4.3 Die Veränderung der pannonischen Flora durch die Einwanderung neuer Arten
4.4 Schwierigkeiten bei der Rekonstruktion von Ausbreitung und Rückgang der pannonischen Steppe
4.5 Der anthropogene Einfluss auf die pannonische Vegetation im Zusammenhang mit der wechselnden Ausdehnung der Steppe
4.5.1 Erste größere Ausbreitungsphasen der sekundären Steppe
4.5.2 Der Rückgang der pannonischen Steppe bis zum Hochmittelalter
4.5.3 Die neuerliche Ausbreitung der Steppe bis zum 18. Jahrhundert
4.5.4 Entwicklung des aktuellen Trends zum Rückgang der pannonischen Steppe
4.5.4.1 Die Änderung der Wertehaltung zu den Trockenrasen als Folge der veränderten Lebens- und Wirtschaftsweise des Menschen
4.5.4.1.1 Trockenrasen als „Ödland“
4.5.4.1.2 Der Begriff der „Versteppung“

5 AKTUELLE GEFÄHRDUNGEN FÜR TROCKENRASEN
5.1 Verbrachung
5.1.1 Verfilzung und Vergrasung
5.1.2 Versaumung
5.1.3 Verbuschung und Verwaldung
5.2 Ausbreitung der Robinie
5.3 Düngung und St ickstoffimmissionen
5.4 Pestizideintrag
5.5 Aufforstung
5.6 Umbruch zur Gewinnung von Ackerland
5.7 Intensive Erholungsnutzung
5.8 Müllablagerung
5.9 Intensivierung der Landwirtschaft
5.10 Bodenabbau
5.11 Bautätigkeit

6 PANNONISCHE TROCKENRASEN AUF DER ROTEN LISTE DER GEFÄHRDETEN BIOTOPTYPEN ÖSTERREICHS

7 ABSCHLIESSENDE ÜBERLEGUNGEN
7.1 Zusammenfassung
7.2 Ausblick

8 LITERATURVERZEICHNIS

9 ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

1.1 Einleitung und Zielsetzung

Im Osten Österreichs bildeten ausgedehnte Trockenrasen bis ins 19. Jahrhun- dert hinein vielerorts eine weite, offene Steppenlandschaft, in der zahllose Viehherden weideten. Weite und Offenheit prägen auch in der heutigen Zeit die Identität dieser pannonischen Landschaft, doch sind von den Trockenra- sen, die einst ein bedeutendes Landschaftselement waren, nur mehr ver- schwindend kleine Reste erhalten. Der größte Teil dieser Steppen wurde in intensiv genutztes Ackerland umgewandelt, andere Teile wurden aufgeforstet oder bebaut. Die Reste, die noch erhalten sind, bleiben auch weiterhin vielfäl- tigen Bedrohungen ausgesetzt1. Neben den schon genannten Punkten ist es vor allem die Aufgabe der Nutzung durch Beweidung oder Mahd die viele Tro- ckenrasen in ihrer langfristigen Existenz gefährdet2. Ein großer Anteil der Tro- ckenrasen, die für den Steppencharakter der Landschaft verantwortlich waren, ist nämlich erst durch den Menschen geschaffen worden. In den inter- und postglazialen Wärmeperioden wechselte die Ausbreitung von Wald und Steppe. An extrem trocken-heißen Standorten blieb die aus dem Südosten eingewan- derte Steppenvegetation auch in Perioden, die von Wäldern dominiert waren, erhalten. Schon ab der Jungsteinzeit begann der Mensch immer mehr, die vorhandenen lichten Wälder zurückzudrängen und die weidenden Haustiere schufen große, dauerhaft gehölzfreie Flächen, auf die sich in weiterer Folge die Steppenvegetation ausbreitete3. Im weiteren Verlauf der Geschichte gab es Zeiten, in denen die Steppe durch die Ausbreitung von Äckern und Wäldern wieder auf extreme Standorte zurückgedrängt wurde, um sich später von dort wieder großflächig auszudehnen, wie etwa zu ihrer Blütezeit im 17. und 18. Jahrhundert.

Heute steht man jedoch vor dem Problem, dass viele Trockenrasen als leben- dige Zeugnisse dieser ehemaligen Steppenlandschaft, die sowohl einzigartiger Lebensraum, als auch gleichzeitig Teil der Identität Ostösterreichs ist, endgül- tig zu verschwinden drohen.

In dieser Arbeit soll zum einen geklärt werden, welche anthropogenen Einflüs- se zu den verschiedenen zeitlichen Epochen für die Ausbreitung der pannoni- schen Steppe über die Standorte primärer Trockenrasen hinaus verantwortlich waren.

Zum anderen soll der Frage nachgegangen werden, welche Einflüsse für den Rückgang und die aktuelle Gefährdung der Trockenrasen im österreichischen Teil des Pannonikums verantwortlich sind.

1.2 Begriffsdefinitionen

In dieser Arbeit werden primäre und sekundäre Trockenrasen im pannonischen Klimabereich Österreichs behandelt, die als prägende Elemente der pannoni- schen Landschaft aufgefasst werden.

1.2.1 Trockenrasen

Die Definition des Begriffes „Trockenrasen“ umfasst unterschiedliche edaphi- sche, klimatische, geschichtliche und ökologische Aspekte, die in vielfältiger Wechselwirkung zueinander stehen.

HOLZNER [1986] definiert Trockenrasen im engeren Sinn als „teilweise ur- sprüngliche, lückige Rasen auf besonders trocken-warmen Standorten“. (HOLZNER, 1986, S. 13)

Nach der Natürlichkeit der Gehölzfreiheit wird zusätzlich zwischen primären und sekundären Trockenrasen unterschieden.

Nach HOLZNER [1986] sind primäre Trockenrasen im Pannonikum „auf klein- flächige Sonderstandorte mit besonders trocken-warmem Kleinklima und flachgründigem Boden“ beschränkt, während sekundäre Trockenrasen aus ursprünglich lichten Trockenwäldern „durch den Einfluß des Menschen (Ro- dung, Beweidung, Mahd) entstanden sind“. (HOLZNER, 1986, S. 13)

Neben der Trockenheit des Bodens ist auch die Armut an pflanzenverfügbaren Nährstoffen ein wichtiges Charakteristikum vieler Trockenrasenstandorte4.

Nach ELLENBERG [1996] sind die Trockenrasen des Pannonikums als subkon- tinentale Trockenrasen mit floristischen Anklängen an die Steppen Osteuropas aufzufassen.

Außer den Trockenrasen im engeren Sinn existieren im Pannonikum auch Halbtrockenrasen, die HOLZNER [1986] als „wiesenähnliche dichte Bestände auf tiefergründigen Böden mit besserer Wasserversorgung“ beschreibt. (HOLZNER, 1986, S. 13)

1.2.2 Steppe

Das Wort „Steppe“ stammt aus der russischen Sprache und bezeichnet laut WALTER [1974] „baumlose Flächen der gemäßigten Klimagebiete mit einer Grasvegetation, also zonales Grasland“. (WALTER, 1974, S. 161)

HOLZNER [1986] beschreibt diese zonalen Steppen als „die weiten waldfreien Ebenen, die ursprünglich nicht beackert, sondern höchstens beweidet wurden und eine sehr artenreiche Gras- und Staudenvegetation über Schwarzerde trugen“. (HOLZNER, 1986, S. 13)

Der Begriff „Steppe“ wurde aber im Laufe der Zeit, wie etwa schon bei WEN- DELBERGER [1954], auf alle trockenen, waldfreien Gebiete erweitert und schließt somit im heutigen Sprachbebrauch einiger Autoren auch die primären und sekundären Trockenrasen im Osten Mitteleuropas ein, die nicht zonal und auch nicht zwingend über Schwarzerde ausgebildet sein müssen5.

Mit dieser Erweiterung der Bedeutung des Steppenbegriffes ging aber auch eine Differenzierung einher, nämlich die Unterscheidung der Worte Ursteppe und Kultursteppe6. Im Wesentlichen deckt sich diese Gegenüberstellung in der ursprünglichen Form zwar auch mit der Unterscheidung primärer und sekun- därer Trockenrasen, denn während mit Ursteppe klimatische und edaphische Steppen gemeint sind, in denen die Steppenvegetation die potentiell natürliche Vegetation darstellt, ist die Kultursteppe durch anthropo-zoogene Einflüsse bedingt.

Dieser Begriff schließt jedoch im weiteren zeitlichen Verlauf zusätzlich zu den als Weideland genutzten sekundären Trockenrasen und Halbtrockenrasen auch monotone, intensiv genutzte Agrarlandschaften, also Getreidesteppen mit ein7 und wird immer mehr im Bezug auf diese Landschaften verwendet. Dies führte zusammen mit dem Wegfall der Weidenutzung als Wirtschaftsfaktor und ande- rer Einflüsse zu einer zunehmenden Veränderung des gesamten Steppenbeg- riffs, ja zu einer Bedeutungsverschlechterung in die Richtungen wertloses Öd- land einerseits, aber auch durch Ausbeutung zerstörte Kulturlandschaft ande- rerseits. Man denke zum Beispiel an das in dieser Hinsicht oft falsch gebrauch- te Schlagwort der Versteppung8.

1.2.3 Pannonikum – pannonisch

Das Wort „pannonisch“ leitet sich von der römischen Provinz Pannonien ab, wobei die Römer das Gebiet nach dem hier lebenden Volk der Pannonier be- nannten9. Heute versteht man unter dem pannonischen Raum, oder Pannoni- kum „das Karpartenbecken einschließlich des Wiener Beckens und der randli- chen trocken-warmen Hügelländer“. (RÖTZER, 2004, S. 16)

Die pannonische Landschaft ist also geprägt von weiten Ebenen und sanften Hügelländern und hat somit auch physiognomisch viele Gemeinsamkeiten mit den weiter östlich gelegenen Steppen. Deshalb gilt der pannonische Raum landschaftlich als „größte westliche Exklave der osteuropäischen Steppenzone“ (RÖTZER, 2004, S. 16), jedoch handelt es sich bei den Trockenrasen des Pan- nonikums wie oben bereits angedeutet nicht um vor allem makroklimatisch bedingte, zonale Rasensteppen, da das aktuelle pannonische Klima abgesehen von Extremstandorten noch Waldwuchs zulassen würde10.

Das pannonische Klima ist ein bereits zunehmend kontinental beeinflußter Klimatyp im südöstlichen Mitteleuropa. Es wird von im mitteleuropäischen Vergleich geringen Niederschlägen großteils unter 600 mm, stellenweise unter 500 mm pro Jahr, einer hohen Anzahl an jährlichen Sonnenstunden insbeson- dere während der Vegetationsperiode und relativ hohen Jahresdurchschnitts- temperaturen von über 9°C charakterisiert11. Die Sommer sind vergleichswei- se lang und heiß, die Winter kurz, schneearm und nur mäßig kalt12. Ein wichti- ger Faktor ist der häufige Wind, der zusammen mit der hohen Strahlungsin- tensität für eine hohe potentielle Verdunstung sorgt. Deshalb kommt es immer wieder zu teils anhaltenden, unregelmäßig verteilten Dürreperioden während der Vegetationsperiode13.

1.3 Methodik

Basis für diese Arbeit war vor allem ein ausführliches Studium der vorhande- nen Literatur zum behandelten Themenkreis. Einerseits umfasst diese Bücher, Diplomarbeiten und Dissertationen, andererseits aber auch verschiedene In- ternetquellen, wobei die Auswahl der Zitate vor allem auf der Verwendung von Publikationen anerkannter Fachkapazitäten für die Trockenlebensräume des Pannonikums basiert. Einen Teil der verwendeten Literatur stellen Standard- werke zu verschiedenen wissenschaftlichen Teildisziplinen, insbesondere der Botanik, dar. Es wurden jedoch auch raumbezogene wissenschaftliche Arbeiten herangezogen, die sich mit einzelnen, sehr speziellen Fragestellungen beschäf- tigen, um besonders bedeutsame Aspekte dieser Arbeit angemessen abdecken zu können.

Die Literatursuche erfolgte hauptsächlich über die Online-Kataloge der Biblio- theken der Universität für Bodenkultur und der Universität Wien mit den Stichworten „Trockenrasen“, „Steppe“ und „Beweidung“.

Für die Recherche der Internetquellen wurde hauptsächlich mit den Suchbeg- riffen „Trockenrasen“, „Pannonien“, „pannonisch“, „Beweidung“ und „Steppe“, beziehungsweise mit Kombinationen der genannten Suchbegriffe gearbeitet.

Besonders hilfreich waren überdies die Literaturempfehlungen verschiedener Fachleute, die einen guten Einblick in die unterschiedlichen Teilbereiche er- möglicht haben.

Diese Arbeit ist als Literaturarbeit zu sehen, in die Überlegungen eingeflossen sind, die aus eigenständig durchgeführten Vegetationsanalysen herrühren.

Verschiedene Standorte von Trockenrasen wurden besucht, unter anderem im Marchfeld, im Neusiedlerseegebiet, an der Thermenlinie im Zuge einer univer- sitären Exkursion zu Vegetationsökologie und vor allem aber wurden über mehrere Jahre hinweg Standorte in den Hainburger Bergen beobachtet. Im Zuge dessen wurde versucht, das Gelesene im Gelände nachzuvollziehen, um so das Verständnis für die komplexen Zusammenhänge und Problemstellungen zu schärfen.

Besonderes Augenmerk galt hierbei dem Erkennen von charakteristischen Ve- getationsstrukturen, wie etwa den Mosaiken aus primären Trockenrasen über anstehendem Fels, sekundären Rasen auf tiefgründigerem Boden, Gebüschen, Saumgesellschaften und lichten Trockenwäldern. Durch das Bestimmen typi- scher Pflanzenarten der unterschiedlichen Lebensräume wurde einerseits die persönliche Artenkenntnis erweitert, andererseits konnten anhand des Auftre- tens oder Fehlens charakteristischer Pflanzen verschiedene Phänomene, wie die Verfilzung, Versaumung oder die Verbuschung von Trockenrasen, vor Ort erkannt werden.

2 BESCHREIBUNG DES BEARBEITUNGSGEBI ETES

2.1 Die pflanzengeografische Gliederung des österreichischen Pannonikums

2.1.1 Vertikale Gliederung nach Höhenstufen

Das Pannonikum umfasst die am tiefsten gelegenen Landschaftsräume Öster- reichs und somit auch nur eine einzige Höhenstufe, nämlich die planar-colline Stufe, die größtenteils von xerothermen Eichenwäldern der Ordnung Querceta- lia pubescentis dominiert wird, wobei noch teilweise Gesellschaften der Quer- cetalia robori und des Carpinion betuli lokal von Bedeutung für die zonale Ve- getation sind14.

Die planar-colline Stufe untergliedert sich wiederum in drei vertikale Teilstu- fen, von denen die unterste von der zonalen Waldsteppe, dem Acer tatarici Quercetum, eingenommen wird. Nicht alle Autoren erkennen jedoch den Beg- riff „Waldsteppe“ als für diesen Vegetationstyp legitim an, was leicht zu grund- legenden Missverständnissen führen kann. Insbesondere der deutsche Autor ELLENBERG [1996] spricht eher von Steppenwald, da er eine Gleichsetzung der pannonischen Waldsteppe sensu WENDELBERGER [1954] etwa mit den pontischen Waldsteppen für nicht zielführend hält. Dem gegenüber steht die Auffassung der österreichischen Autoren NIKLFELD15, FISCHER et al. [2005] und auch der osteuropäischen Autoren wie SOÓ und ZOLYÒMI16, die sehr wohl von pannonischer Waldsteppe als zonalem Komplex von lichten Eichenwäldern des Acer tatarici Quercion und Steppenrasen des Festucion valesiacae spre- chen. WENDELBERGER [1954] schließt unter dem Begriff der Waldsteppe auch die extrazonalen Mosaike aus primären Felsensteppen und xerothermen Flaumeichenbuschwäldern des Quercion pubescentis-sessiliflorae an edaphi- schen und klimatischen Sonderstandorten mit ein, also Gesellschaften, die vergleichbar sind mit den klassischen Steppenheiden nach GRADMANN [1898] und [1906]17, die POTT [1996] als Xerothermvegetationskomplexe bezeichnet. Man muss also, wenn man von Waldsteppe im Pannonikum spricht, bedenken, dass teilweise sehr unterschiedliche Gesellschaften mit diesem Begriff be- zeichnet werden. Überdies ist zu beachten, dass im Pannonikum, als Ausnah- mefall in Mitteleuropa, Waldsteppen auch als zonale Vegetation der klimatisch wärmsten und trockensten Gebiete ausgebildet sind.

Auf die Stufe der zonalen Waldsteppe folgt die Stufe des zonalen Zerreichen- Traubeneichen-(Stieleichen)-Waldes, des Quercetum petraeae-cerris.

Die höheren Teile des pannonischen Klimagebietes schließlich werden von der Teilstufe des zonalen Traubeneichen-Stieleichen-Hainbuchen-Waldes mit den zwei Assoziationen des Carici pilosae-Carpinetum und des Primulo veris- Carpinetum eingenommen.

Wie man aus dieser Gliederung bereits erkennen kann, fehlt die, in den restli- chen, insgesamt höher gelegenen Gebieten Österreichs die untersten, also dort meist submontanen Lagen besiedelnde Rotbuche (Fagus sylvatica) in der zonalen Vegetation des Pannonikums. Stattdessen dominieren zum Großteil Eichen die zonalen Waldgesellschaften, welche fließend ineinander überge- hen18. Zudem muss angemerkt werden, dass diese zonalen Vegetationstypen in einer engen Verbindung mit einer reichhaltig ausgeprägten und oft völlig andersartigen extrazonalen und azonalen Vegetation an edaphisch und/oder lokalklimatisch bedingten natürlichen Sonderstandorten stehen.

Als sehr bedeutsamer Faktor ist überdies noch die massive anthropogene Ü- berprägung der pannonischen Landschaft durch die jahrtausendelange Besie- delung und Nutzung durch den Menschen anzusehen19.

Alle Aussagen, die über die Vegetation bisher in diesem Kapitel getroffen wur- den und im nächsten Kapitel noch folgen werden, beziehen sich nämlich nicht auf die aktuelle Vegetation, sondern auf die heutige potentiell natürliche Vegetation20 in einer Landschaft ohne weitere menschliche Einflüsse. Eine solche Landschaft kann im Pannonikum jedoch heute nicht existieren und hat wohl auch schon spätestens ab dem Neolithikum nicht mehr existiert.21

Man muss stets bedenken, dass sich sowohl die aktuelle, als auch die histori- sche Vegetation aus verschiedenen Gründen teils erheblich von der rein hypo- thetischen Annahme der potentiell natürlichen Vegetation für den jeweiligen Zeitpunkt unterscheiden. So findet man etwa die angesprochenen wärmelie- benden Eichenwälder in Ostösterreich heute nur mehr in wenigen Gebieten, da viele ihrer potentiellen Standorte ackerbaulich oder für Siedlungs- Industrie- und Verkehrszwecke genutzt werden. Alle Angaben zur heutigen potentiell na- türlichen Vegetation sind deshalb zwar sehr hilfreiche Anhaltspunkte um das aktuelle biotische Potential eines Standortes einschätzen zu können, bieten aber stets nur eine begrenzte Aussagekraft für die tatsächliche Entwicklung einer Fläche in der Zukunft22. Gerade der Faktor Mensch bedarf in jedem Fall einer genauen Betrachtung und Berücksichtigung, die umso wichtiger wird, je mehr ein bestimmter Vegetationstyp an das Wirken des Menschen gebunden ist23. Man denke zum Beispiel an die Entwicklung eines nicht mehr als Weide genutzten sekundären Trockenrasens24.

2.1.2 Horizontale Gliederung nach Florenbezirken

NIKLFELD in MUCINA et al. [1993] macht darauf aufmerksam, dass das Pan- nonikum, das an sich schon eine Sonderstellung im Bezug auf Flora und Vege- tation in Mitteleuropa einnimmt, zusätzlich noch horizontal in landschaftlich unterschiedliche Gebiete zu differenzieren ist, um ihrer Eigenständigkeit im Bezug auf die zonale Vegetation besser gerecht zu werden.

So nehmen etwa der Rand der Böhmischen Masse mit seinen silikatischen Xe- rothermstandorten, die Thermenlinie am Alpenostrand mit ihrem hohen Anteil an submediterranen und dealpinen Elementen auf alkalischen Gesteinen und die sogenannten Inselberge, wie die Juraklippen des Weinviertels, insbesonde- re aber die Hainburger Berge mit ihrem hohen Anteil an pontisch- pannonischen Arten auf großteils alkalischen Hartgesteinen eine Sonderstel- lung innerhalb des Pannonikums ein. Sie sind aus pflanzengeografischer Sicht am besten mit dem pannonischen Florenbezirk Matricum, der das Ungarische Mittelgebirge umfasst, zu vergleichen.

Der ausgedehnte Florenbezirk Eupannonicum umfasst den Großteil des panno- nisch beeinflussten Ostösterreich mit seinen weiten Tertiärhügel- und Terras- senlandschaften und untergliedert sich weiter in die Florendistrikte Vindoboni- cum und Arrabonicum. Das Vindobonicum umfasst das Wiener Becken mitsamt dem Weinviertel, während das Arrabonicum den Neusiedlersee, den Seewin- kel, den Heideboden und die Parndorfer Platte beinhaltet. Gegenüber dem Vin- dobonicum lässt sich das Arrabonicum durch das massivere Vorkommen pon- tisch-pannonischer Arten, die teilweise reich entwickelte Salzvegetation und durch den hauptsächlichen Waldsteppencharakter seiner Terrassenflächen ab- grenzen.

Es muss jedoch angemerkt werden, dass diese prinzipiellen großräumigen Gliederungen noch einer weiteren Verfeinerung bedürfen. So heben sich etwa vor allem die Auen an Donau, March und Leitha als azonale Gesellschaften ab und die erwähnten Inselberge sowie die Gebirgsränder weisen teilweise einen vergleichsweise sehr hohen Anteil an extrazonaler Vegetation auf. Es besteht jedoch auch noch ein bedeutender Unterschied zwischen den teils grundwas- sernahen, oder sogar grundwasserbeeinflussten Niederterrassen und den grundwasserfernen Hochterrassen mit ihren charakteristischen Steilrändern, die auf die Ausprägung von Flora und Vegetation großen Einfluss haben. Be- sonders hervorzuheben sind aufgrund ihrer Eigenständigkeit noch die Kalk- schotterebene des Wiener Neustädter Steinfeldes, die große zusammenhän- gende, teils primäre Trockenrasen aufweist und als Gegensatz dazu die Feuch- te Ebene, die sich mit ihren Flachmooren im Norden anschließt.

Der pannonische Florenbezirk Praenoricum schließlich reicht in Österreich mit dem Florendistrikt Laitaicum vom Leithagebirge im Norden über die Eisenstäd- ter Bucht und die Oberpullendorfer Bucht bis in Teile des Südburgenlandes, welche dem Florendistrikt Castriferreicum angehören. Insgesamt ist das Prae- noricum sehr heterogen und beinhaltet noch ausgeprägt xerotherme Teilberei- che um Eisenstadt und Rust, aber vor allem gegen Süden zu mehr mesische Bereiche, deren zonale Vegetation teilweise mit südostalpischen Florenelemen- ten durchsetzt ist. Ausgesprochen xerotherme Arten ziehen sich hier bereits völlig auf Inseln in günstiger Hanglage zurück25.

2.1.3 Der Einfluss der Ökofaktoren auf die Vegetation

In der beschriebenen horizontalen Einteilung kommt auch die Bedeutung der extrazonalen und azonalen Vegetation in den einzelnen Gebieten gut zum Ausdruck. In Teilgebieten, die eine besonders reiche Gliederung aufweisen, ist umso mehr auf solche Standorte Rücksicht zu nehmen, um ein aussagekräfti- ges Bild der potentiell natürlichen Vegetation als Ausdruck des jeweiligen bioti- schen Standortpotentials zu erhalten26. Werden dann noch die zuvor theore- tisch entfernten Modifikationen durch den Faktor Mensch gesondert berück- sichtigt, komplettiert sich das Bild immer mehr und man kann die Entstehung der aktuellen, sowie teilweise auch der historischen Vegetation bis zu einem gewissen Grad zurückverfolgen und daraus Schlüsse auf zukünftige Entwick- lungen ziehen. Es muss jedoch betont werden, dass aufgrund einer großen Anzahl an Unbekannten eine exakte Rekonstruktion der Entwicklung der pan- nonischen Vegetation zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht möglich ist27.

Folgende Abbildung 1 aus FISCHER et al. [2005] zeigt gut den Komplex von verschiedenen Ökofaktoren, die die Vegetation an einem bestimmten Standort prägen und macht deutlich, wie vielfältig sich allein die Veränderung eines ein- zigen Ökofaktors auf das gesamte Gefüge auswirken kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Einfluss der Ökofaktoren auf die Vegetation (aus FISCHER et al. [2005], S. 131)

Gerade im Bezug auf die Trockenrasen ist dieser Komplex von naturräumli- chen Vorraussetzungen, die bestimmte Vegetationsformen an einem Standort bedingen und dem Eingreifen des Menschen, der dieses Gefüge beeinflusst, von großer Bedeutung. Nur so lässt sich erklären, warum es teilweise sogar kleinräumig so große Unterschiede bei den Trockenrasen des pannonischen Raumes gibt.

Einerseits würden primäre Trockenrasen auch ohne das Eingreifen des Men- schen hauptsächlich als extrazonale Vegetation inselartig in der sie umgeben- den Landschaft, oder als Teil der zonalen Vegetation in der pannonischen Waldsteppe existieren. Andererseits ist ein großer Teil der einst ausgedehnten, über weite Flächen waldfrei gewesenen Steppen des Pannonikums sekundären Charakters, also durch den Menschen geschaffen worden. Dieser hat die vor- handenen Wälder zurückgedrängt und durch Mahd oder Beweidung das Auf- kommen von Gehölzen verhindert, sodass sich eine Trockenrasenvegetation entwickeln konnte. Im Bezug auf diese Unterscheidung muss jedoch ange- merkt werden, dass sich die genaue räumliche Abgrenzung primärer und se- kundärer Anteile eines Trockenrasens aufgrund komplexer Verzahnungen und fließender Übergänge im Einzelfall als schwierig erweisen kann28.

An dieser Stelle erscheint es im Zusammenhang mit dem Einfluss des Men- schen auf die pannonische Vegetation wichtig, auf folgende Notwendigkeit hin- zuweisen:

Die Frage nach dem biotischen Potential eines Standortes muss stets getrennt von der Frage betrachtet werden, welche Vegetation es an diesem Standort im Verlauf der Geschichte tatsächlich gegeben hat, wenn man sich mit dem Wechsel von Ausbreitung und Rückgang bis hin zur Gefährdung der pannoni- schen Trockenrasen auseinandersetzen will.

Will man verstehen, warum sich manche Trockenrasen im Lauf der Jahre kaum in ihrer Ausdehnung und Zusammensetzung verändert haben, während andere durch eine hohe Dynamik geprägt sind, muss man all die genannten grundle- genden Fakten berücksichtigen.

Das Verständnis der großen Vielfalt innerhalb der Trockenrasen ist auch die Grundlage für die Einschätzung der aktuellen und zukünftigen Gefährdung ei- ner bestimmten Trockenrasenfläche. Diese Beurteilung ist essentiell um in weiterer Folge Entscheidungen bezüglich Erhaltung, oder eventuell notwendi- ger Pflegemaßnahmen treffen zu können.

3 UNTERSCHEIDUNG VERSCHIEDENER TROCKENRASEN

3.1 Pflanzensoziologische Gliederung

Der Überbegriff Trockenrasen beschreibt viele verschiedene Pflanzengesell- schaften, die je nach Standortverhältnissen, Floren- und Vegetationsgeschich- te, anthropo-zoogenen Einflüssen, sowie geografischer Lage in ihrer Zusam- mensetzung beträchtlich variieren und teils auch in vielfältiger Weise mitein- ander verzahnt sind. Mit ihrer systematischen Einteilung und Benennung nach bezeichnenden Arten befasst sich die Pflanzensoziologie. Für diese Arbeit wur- de die pflanzensoziologische Gliederung der in Österreich vorkommenden pan- nonischen Trockenrasen nach MUCINA et al. [1993] als Grundlage herangezo- gen.

KLASSE FESTUCO-BROMETEA

Ordnung Brometalia erecti (Halbtrockenrasen)

Verband Cirsio-Brachypodion pinnati (Subkontinentale Halbtrockenrasen)

Assoziation Polygala majoris-Brachypodietum pinnati Kreuzblumen-Fiederzwenken-Rasen der Thermenlinie Assoziation Onobrychido arenariae-Brachypodietum pinnati Weinviertler Fiederzwenken-Rasen

Ordnung Festucetalia valesiacae (Kontinentale Trockenrasen)

Verband Festucion valesiacae (Kontinentale Trockenrasen)

Assoziation Astragalo austriaci-Festucetum sulcatae Pannonische Tragant-Pfriemengrasflur

Assoziation Ranunculo illyrici-Festucetum valesiacae Hahnenfuß-Walliserschwingel-Trockenrasen

Assoziation Medicagino minimae-Festucetum valesiacae Walliserschwingel-Trockenrasen über Dolomit Assoziation Poo angustifoliae-Festucetum valesiacae Schmalblatt-Rispengras-Walliserschwingel-Rasen Assoziation Astragalo exscapi-Crambetum tatariae Hainsalbei-Furchenschwingel-Lösstrockenrasen Assoziation Stipo joannis-Avenastretum besseri Steppenhafer-Trockenrasen

Assoziation Teucrio botryos-Andropogonetum ischaemii Heißländen

Assoziation Potentillo arenariae-Festucetum pseudovinae Seewinkler Schwingel-Sandpuszta

Weitere Gesellschaften des Festucion valesiacae im pannonischen Raum aber (noch) ohne genauere syntaxonomische Einteilung: Melica transsilvanica-Festuca rupicola-Gesellschaft

Avenula pratensis-Festuca rupicola-Gesellschaft Calamagrostis epigejos-Galium verum-Gesellschaft

Verband Agropyro-Kochion29 (Halbruderale Lösskantenfluren)

Assoziation Agropyro cristati-Kochietum prostratae Kammquecke-Radmelde-Lösskantenflur

Ordnung Koelerio-Phleetalia phleoides (Herzynische Silikat-Trockenrasen)30

Verband Euphorbio-Callunion

(Herzynische Silikat-Trockenrasen und Heiden) Assoziation Carici humilis-Callunetum Heidekrautreiche Silikat-Schwingel-Trockenrasen Verbascum austriacum-Festuca rupicola-Gesellschaft

Ordnung Stipo pulcherrimae-Festucetalia pallentis (Mittel- und Südosteuropäische Felstrockenrasen)

Verband Diantho lumnitzeri-Seslerion albicantis (Dealpine Felstrockenrasen)

Assoziation Fumano-Stipetum eriocaulis Niederösterreichische Federgrasflur

Assoziation Carici humilis-Seslerietum calcariae Karpatische Dealpine Erdseggen-Blaugrashalde Assoziation Seslerietum budensis

Dichte Blaugrashalde der Hainburger Berge Assoziation Drabo lasiocarpae-Dianthemum neilreichii Felsbänder mit Mödlinger Federnelke

Assoziation Drabo aizoides-Seslerietum albicantis Felsbänder mit Beckers-Felsenblümchen

Verband Bromo pannonici-Festucion pallentis (Circumpannonische thermophile Dolomitfelsfluren)

Assoziation Poo badensis-Festucetum pallentis Praekarpatische Bleichschwingel-Felsflur Assoziation Sempervivetum soboliferi Gesellschaft der sprossenden Hauswurz Assoziation Festuco pallentis-Caricetum humilis Pannonischer Erdseggen-Trockenrasen

Verband Alysso saxatilis-Festucion pallentis (Westmitteleuropäische Silikat-Felsrasen und –Fluren31 )

Assoziation Alysso saxatilis-Festucetum pallentis Wachauer Berglauch-Felsflur

Ordnung Festucetalia vaginatae (Kontinentale Sandrasen und Sandsteppen)

Verband Festucion vaginatae (Pannonische Sandrasen)

Assoziation Festucetum vaginatae Pannonischer Sand-Schwingelrasen

KLASSE KOELERIO-CORYNEPHORETEA (=SEDO-SCLERANTHETEA)

Ordnung Corynephoretalia canescentis

(Silbergrasreiche Pionierfluren und (azidophile) Sandrasen

Verband Corynephorion canescentis (Silbergras-Sandrasen)

Assoziation Thymo angustifolii-Corynephoretum canescentis Marchtaler Silbergrasflur

Verband Koelerion arenariae (Basiphile Sandrasen)

Assoziation Brometum tectorum Pannonischer Dachtrespen-Sandrasen

Verband Thero-Airon

(Verband der Kleinschmielen-Rasen) Assoziation Filagini-Vulpietum Filzkraut-Federschwingel-Flur

Die genannten Trockenrasen sind insbesondere in felsigem, stark reliefiertem Gelände oft verzahnt mit therophytenreichen Gesellschaften aus folgenden Ordnungen der Klasse der Koelerio-Corynephoretea, in denen die Gräser aller- dings so weit zurücktreten bis sie schließlich überhaupt keine Rolle mehr spie- len:

Ordnung Sedo-Scleranthetalia (Felsgrus- und Felsbandgesellschaften)

Ordnung Alysso-Sedetalia (Thermophile Kalkfelsfluren)

Eine Sonderstellung bei den Trockenrasen nehmen noch die Salzsteppen mit

Festuca pseudovina aus der Klasse der Puccinellio-Salicornietea ein:

KLASSE PUCCINELLIO-SALICORNIETEA

Ordnung Puccinellietalia (Salzpuszta auf Solonetzböden)

Verband Festucion pseudovinae (Schwingel-Salzsteppen)

Assoziation Artemisietum santonici Wermutsteppe

Assoziation Centaureo pannonicae-Festucetum pseudovinae

Diese insgesamt sehr unterschiedlichen Trockenrasengesellschaften des pan- nonischen Ostösterreich beziehungsweise die ebenfalls mit ihnen beschriebe- nen Pionier- und Dauerpioniergesellschaften aus der Klasse der Koelerio- Corynephoretea, die neben Felsköpfen auch Lücken in Trockenrasen besie- deln32, können vielfältig miteinander verzahnt sein.

Erwähnt werden müssen aber auch die zahlreichen, mehr oder weniger engen Verbindungen mit anderen gehölzfreien, wie auch gehölzdominierten Gesell- schaften an unterschiedlichsten Standorten.

Zum einen sind dies Säume, etwa aus der Klasse der Trifolio-Geranietea san- guinei, aber insbesondere in anthropogen geprägten Bereichen auch einige Ruderal-, Segetal- und Trittgesellschaften aus den Klassen der Artemisietea vulgaris, Stellarietea mediae oder Polygono-Poetea annuae, wie man sie etwa an Feld-, Weg- oder Straßenrändern in der Nähe von Trockenrasen findet.

Je nach standörtlicher Differenzierung können sogar Gesellschaften der Asple- nietea trichomanes in nicht allzu weiter Entfernung existieren.

Gesellschaften der Klasse der Calluno-Ulicetea können sich in der Nachbar- schaft mancher silikatischer Trockenrasen befinden.

Zum Teil sind es aber auch die auf feuchteren, nährstoffreicheren Böden ge- deihenden Wiesen, Grünlandbestände und Trittrasen aus der Klasse der Moli- nio-Arrhenatheretea, die an manchen Standorten mit ausgeprägter edaphi- scher Differenzierung in der Nähe von Trocken- und Halbtrockenrasen vor- kommen können33. BIERINGER [2001] beschreibt sogar eine relativ enge räumliche Verzahnung von Feuchtgebieten mit Trockenrasen im Steinfeld. RÖTZER [2004] nennt dieses Mosaik von Trockenrasen und Feuchtstandorten als typisches Element der ungarischen Puszta und der historischen Steppen- landschaft im Marchfeld.

Einen Sonderfall bilden noch die Salzstandorte, die von der Klasse der Pucci- nellio-Salicornietea eingenommen werden. Hier stehen etwa im Seewinkel salzbeeinflusste Festuca pseudovina-Trockenrasen in Kontakt mit stark ha- lophytischer Salzlacken-Vegetation.

Zum anderen sind die Verbindungen pannonischer Trockenrasen mit gehölz- dominierten Gesellschaften zu beachten. Einerseits sind das Gebüsche aus der

Klasse der Rhamno-Prunetea und andererseits auch Trockenwälder. Dies sind zum Beispiel von Pinus nigra dominierte Gesellschaften aus der Klasse der Eri- co-Pinetea, mit denen etwa an der Thermenlinie das Fumano- Stipetum erio- caulis in Kontakt steht, aber natürlich auch die xerothermen Eichenwälder aus der Klasse der Querco-Fagetea, insbesondere der Ordnung Quercetalia pubes- centis. Sie sind zusammen mit verschiedenen Trockenrasengesellschaften der Festucetalia valesiacae und entsprechenden Saumgesellschaften am Aufbau der pannonischen Waldsteppe beteiligt34.

Die genaue räumliche Abgrenzung zwischen den einzelnen Gesellschaften fällt aufgrund dieser vielfältigen räumlichen und zeitlichen Verzahnung oft schwer. Selbst wenn sie gelingt, kann eine solche Grenzziehung aber immer nur eine Momentaufnahme sein, da sich die gesamte Vegetation ständig dynamisch verändert35. Auch die Nomenklatur der angesprochenen Gesellschaften ist re- lativ komplex, da es immer wieder zu Revisionen und Umbenennungen kommt, weshalb bei verschiedenen Autoren oft abweichende Bezeichnungen verwendet werden.

3.2. Unterscheidung nach geologischem Untergrund

Die oben genannten Gesellschaften sind jeweils mehr oder weniger stark an unterschiedliche Böden gebunden, deren Entstehung vom geologischen Unter- grund abhängt. Deshalb bietet es sich einerseits wegen des besseren Überbli- ckes über die Komplexe von Gesellschaften an einem bestimmten Standort und andererseits wegen des leichteren Erkennens der geografischen Verbrei- tung der unterschiedlichen Trockenrasen an, eine Einteilung auch nach diesem Faktor vorzunehmen36. Je nachdem in welchem Teilgebiet und auf welchem Botentyp ein Trockenrasen wächst, variiert auch seine floristische Zusammen- setzung, wobei zusätzlich noch eventuelle anthropo-zoogene Einflüsse zu be- rücksichtigen sind, denn allein aufgrund des Substrates kann nicht direkt auf einen bestimmte Pflanzengesellschaft geschlossen werden. Erst durch die ge- meinsame Betrachtung aller dieser Aspekte, die im Einzelfall jeweils von un terschiedlicher Bedeutung sind, gelangt man zu einem realistischen Bild des auf einem bestimmten Standort zu erwartenden Trockenrasens37. Auch die Einteilung der pflanzensoziologischen Einheiten von Trockenrasen in Biotopty- pen, wie sie etwa für die Rote Liste der gefährdeten Biotoptypen relevant ist, orientiert sich am geologischen Untergrund und an den Bodenverhältnissen38.

[...]


1 HOLZNER [1986]

2 PAAR [1994]

3 WILMANNS [1998]

4 ELLENBERG [1996], SCHRATT-EHRENDORFER in WIESBAUER [2008]

5 ELLENBERG [1996]

6 RÖTZER [2004]

7 WENDELBERGER [1954]

8 RÖTZER [2004]

9 http://de.wikipedia.org/wiki/Pannonien [11.12. 2007]

10 ELLENBERG [1996], RÖTZER [2004]

11 MUCINA et al. [1993]

12 www.hagel.at [11.12. 2007]

13 RÖTZER [2004], BIERINGER [2001]

14 WALLNÖFER, MUCINA, GRASS in MUCINA et al. [1993]

15 In Mucina et al. [1993]

16 Zitiert in Mucina et al. [1993]

17 Zitiert in POTT [1996]

18 NIKLFELD in MUCINA et al. [1993]

19 NIKLFELD in MUCINA et al. [1993]

20Die potentiell natürliche Vegetation eines bestimmten Zeitpunktes ist die gedank- lich festgelegte (schlagartig vorhandene), höchstentwickelte Vegetation (Schlussge- sellschaft oder Stadium der Primärsukzession), die den zu diesem Zeitpunkt gegebe- nen Standortsbedingungen entspricht, d.h. mit ihnen in einem biologischen Gleichge- wicht steht.“ (DIERSCHKE, 1994, S. 444)

21 FISCHER et al. [2005]

22 DIERSCHKE [1994]

23 FISCHER et al. [2005]

24 Siehe auch Kapitel 2.1.3

25 NIKLFELD in MUCINA et al. [1993]

26 DIERSCHKE [1994]

27 NIKLFELD in MUCINA et al. [1993]

28 HOLZNER [1986], ELLENBERG [1996]

29 MUCINA et al. [1993] stellt das halbruderale Agropyro-kochion, das eine Reliktge- sellschaft der Lösswände beinhaltet und traditionell (wie auch hier) dem Festucion valesiacae unterstellt wurde, allerdings zur Klasse der Artemisietea vulgaris und der Ordnung der Agropyretalia repentis, die zusätzlich noch die ruderalen Halbtrockenra- sen des Convolvulo-Agropyrion repentis umfasst. Auf diese Ruderalgesellschaften wird hier jedoch nicht gesondert eingegangen.

30 Allerdings strahlen einige Gesellschaften bis in den Übergangsbereich zum pannoni- schen Gebiet aus, weshalb sie hier erwähnt werden.

31 Wobei die Assoziation Alysso saxatilis-Festucetum pallentis bis in die westlichen Randbereiche des Pannonikums ausstrahlt.

32 MUCINA et al. [1993]

33 MUCINA et al. [1993]

34 NIKLFELD in MUCINA et al. [1993]

35 WILMANNS [1998]

36 HOLZNER [1986]

37 Siehe auch Abb. 1

38 Siehe auch Kapitel 6

Ende der Leseprobe aus 113 Seiten

Details

Titel
Pannonische Trockenrasen in Österreich
Untertitel
Ausbreitung und Gefährdung durch den Menschen
Hochschule
Universität für Bodenkultur Wien  (Institut für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung)
Veranstaltung
Bakkalaureatsseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
113
Katalognummer
V117179
ISBN (eBook)
9783640192991
ISBN (Buch)
9783640193066
Dateigröße
3097 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine ausführliche Darstellung der Entwicklung, Ausbreitung und Gefährdung pannonischer Trockenrasen in Österreich. Der Bogen spannt sich von botanischen und ökologischen Aspekten bis hin zu landschaftsgeschichtlichen Details. Besondere Beachtung findet der jahrtausendelange prägende Einfluss des Menschen auf die pannonische Landschaft.
Schlagworte
Pannonische, Bakkalaureatsseminar, Trockenrasen, Steppe, Pannonikum, Österreich, pannonisch, Rasen, Naturschutz, Landschaft, Geschichte, Botanik, Rote Liste, Steppenrasen, Felssteppen, Bodenkultur, Wien, Carnuntum, Beweidung, Hutweide, xerotherm
Arbeit zitieren
Bakk. techn. Karl Hillebrand (Autor), 2008, Pannonische Trockenrasen in Österreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117179

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