Im Osten Österreichs bildeten ausgedehnte Trockenrasen bis ins 19. Jahrhundert
hinein vielerorts eine weite, offene Steppenlandschaft, in der zahllose
Viehherden weideten. Weite und Offenheit prägen auch in der heutigen Zeit
die Identität dieser pannonischen Landschaft, doch sind von den Trockenrasen,
die einst ein bedeutendes Landschaftselement waren, nur mehr verschwindend
kleine Reste erhalten. Der größte Teil dieser Steppen wurde in
intensiv genutztes Ackerland umgewandelt, andere Teile wurden aufgeforstet
oder bebaut. Die Reste, die noch erhalten sind, bleiben auch weiterhin vielfältigen Bedrohungen ausgesetzt1. Neben den schon genannten Punkten ist es
vor allem die Aufgabe der Nutzung durch Beweidung oder Mahd die viele Trockenrasen in ihrer langfristigen Existenz gefährdet2. Ein großer Anteil der Trockenrasen, die für den Steppencharakter der Landschaft verantwortlich waren,
ist nämlich erst durch den Menschen geschaffen worden. In den inter- und
postglazialen Wärmeperioden wechselte die Ausbreitung von Wald und Steppe.
An extrem trocken-heißen Standorten blieb die aus dem Südosten eingewanderte
Steppenvegetation auch in Perioden, die von Wäldern dominiert waren,
erhalten. Schon ab der Jungsteinzeit begann der Mensch immer mehr, die
vorhandenen lichten Wälder zurückzudrängen und die weidenden Haustiere
schufen große, dauerhaft gehölzfreie Flächen, auf die sich in weiterer Folge die
Steppenvegetation ausbreitete3. Im weiteren Verlauf der Geschichte gab es
Zeiten, in denen die Steppe durch die Ausbreitung von Äckern und Wäldern
wieder auf extreme Standorte zurückgedrängt wurde, um sich später von dort
wieder großflächig auszudehnen, wie etwa zu ihrer Blütezeit im 17. und 18.
Jahrhundert. Heute steht man jedoch vor dem Problem, dass viele Trockenrasen als lebendige Zeugnisse dieser ehemaligen Steppenlandschaft, die sowohl einzigartiger Lebensraum, als auch gleichzeitig Teil der Identität Ostösterreichs ist, endgültig zu verschwinden drohen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 Einleitung und Zielsetzung
1.2 Begriffsdefinitionen
1.2.1 Trockenrasen
1.2.2 Steppe
1.2.3 Pannonikum – pannonisch
1.3 Methodik
2 BESCHREIBUNG DES BEARBEITUNGSGEBIETES
2.1 Die pflanzengeografische Gliederung des österreichischen Pannonikums
2.1.1 Vertikale Gliederung nach Höhenstufen
2.1.2 Horizontale Gliederung nach Florenbezirken
2.1.3 Der Einfluss der Ökofaktoren auf die Vegetation
3 UNTERSCHEIDUNG VERSCHIEDENER TROCKENRASEN
3.1 Pflanzensoziologische Gliederung
3.2 Unterscheidung nach geologischem Untergrund
3.2.1 Einteilung der Trockenrasen nach Substrattypen
3.2.2 Verbreitung der pannonischen Vegetation nach geologischem Untergrund
4 DER WECHSEL VON AUSBREITUNG UND RÜCKGANG DER TROCKENRASEN IM PANNONIKUM
4.1 Die Vegetationsgeschichte des Pannonikums im Quartär
4.1.1 Erdgeschichtlicher Überblick
4.1.1.1 Das Pleistozän
4.1.1.2 Das Holozän
4.2 Theorien zur Ausbreitung der Steppenvegetation
4.2.1 Eiszeitliche Überdauerung einzelner Arten vor Ort
4.2.2 Einwanderung von Steppenarten im Spätglazial
4.2.3 Einwanderung von Steppenarten in postglazialen Warmzeiten
4.2.3.1 Die Waldsteppentheorie nach WENDELBERGER
4.2.4 Ausbreitung von Steppenarten durch Weidewirtschaft
4.3 Die Veränderung der pannonischen Flora durch die Einwanderung neuer Arten
4.4 Schwierigkeiten bei der Rekonstruktion von Ausbreitung und Rückgang der pannonischen Steppe
4.5 Der anthropogene Einfluss auf die pannonische Vegetation im Zusammenhang mit der wechselnden Ausdehnung der Steppe
4.5.1 Erste größere Ausbreitungsphasen der sekundären Steppe
4.5.2 Der Rückgang der pannonischen Steppe bis zum Hochmittelalter
4.5.3 Die neuerliche Ausbreitung der Steppe bis zum 18. Jahrhundert
4.5.4 Entwicklung des aktuellen Trends zum Rückgang der pannonischen Steppe
4.5.4.1 Die Änderung der Wertehaltung zu den Trockenrasen als Folge der veränderten Lebens- und Wirtschaftsweise des Menschen
4.5.4.1.1 Trockenrasen als „Ödland“
4.5.4.1.2 Der Begriff der „Versteppung“
5 AKTUELLE GEFÄHRDUNGEN FÜR TROCKENRASEN
5.1 Verbrachung
5.1.1 Verfilzung und Vergrasung
5.1.2 Versaumung
5.1.3 Verbuschung und Verwaldung
5.2 Ausbreitung der Robinie
5.3 Düngung und Stickstoffimmissionen
5.4 Pestizideintrag
5.5 Aufforstung
5.6 Umbruch zur Gewinnung von Ackerland
5.7 Intensive Erholungsnutzung
5.8 Müllablagerung
5.9 Intensivierung der Landwirtschaft
5.10 Bodenabbau
5.11 Bautätigkeit
6 PANNONISCHE TROCKENRASEN AUF DER ROTEN LISTE DER GEFÄHRDETEN BIOTOPTYPEN ÖSTERREICHS
7 ABSCHLIESSENDE ÜBERLEGUNGEN
7.1 Zusammenfassung
7.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung der pannonischen Trockenrasen in Österreich unter Berücksichtigung menschlicher Einflüsse sowie die daraus resultierenden aktuellen Gefährdungsursachen für diese Biotoptypen.
- Vegetationsgeschichte und natürliche Grundlagen der pannonischen Steppe
- Anthropogene Einflüsse auf die Ausbreitung und den Rückgang der Trockenrasen
- Pflanzensoziologische Einteilung und standörtliche Differenzierung
- Analyse aktueller Gefährdungsfaktoren wie Verbrachung, Aufforstung und Stickstoffeintrag
- Rolle der Trockenrasen in der Roten Liste der gefährdeten Biotoptypen Österreichs
Auszug aus dem Buch
4.5 Der anthropogene Einfluss auf die pannonische Vegetation im Zusammenhang mit der wechselnden Ausdehnung der Steppe
Im weiteren geschichtlichen Verlauf geht man davon aus, dass der Mensch im Zuge des Landgewinns für Siedlungs-, Weide- und später auch Ackerbauzwecke langsam immer größere gehölzfreie Flächen schuf. Diese boten der Steppenvegetation die Möglichkeit zur weiteren Ausbreitung auf sekundäre Standorte, ohne von Gehölzen verdrängt zu werden. Im Laufe der Zeit wurde durch die Ausweitung der Freiflächen auch der Landschaftscharakter mancher Gegenden in Richtung offene Steppe verändert. Allerdings verlief diese Entwicklung in den unterschiedlichen Gebieten des Pannonikums nicht kontinuierlich, nicht zeitgleich und nicht mit derselben Intensität.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Definiert das Untersuchungsgebiet und die Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Ausbreitung und Gefährdung pannonischer Trockenrasen.
2 BESCHREIBUNG DES BEARBEITUNGSGEBIETES: Erläutert die pflanzengeografische Gliederung und den Einfluss klimatischer sowie ökologischer Faktoren auf die Vegetation.
3 UNTERSCHEIDUNG VERSCHIEDENER TROCKENRASEN: Behandelt die pflanzensoziologische Klassifizierung und die Bindung an spezifische geologische Untergründe.
4 DER WECHSEL VON AUSBREITUNG UND RÜCKGANG DER TROCKENRASEN IM PANNONIKUM: Analysiert die Vegetationsgeschichte seit dem Pleistozän und die Rolle des Menschen bei der Schaffung sekundärer Trockenrasen.
5 AKTUELLE GEFÄHRDUNGEN FÜR TROCKENRASEN: Detaillierte Darstellung der modernen Bedrohungsfaktoren wie Sukzession, Nährstoffeinträge und Landnutzungsänderungen.
6 PANNONISCHE TROCKENRASEN AUF DER ROTEN LISTE DER GEFÄHRDETEN BIOTOPTYPEN ÖSTERREICHS: Ordnet die verschiedenen Trockenrasentypen in die offizielle Rote Liste der gefährdeten Biotoptypen ein.
7 ABSCHLIESSENDE ÜBERLEGUNGEN: Fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf notwendige Schutzmaßnahmen.
Schlüsselwörter
Pannonische Trockenrasen, Österreich, Steppenvegetation, Anthropogene Einflüsse, Gefährdung, Biotoptypen, Rote Liste, Sukzession, Weidewirtschaft, Vegetation, Biodiversität, Pannonikum, Naturschutz, Landnutzung, Stickstoffimmissionen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die historische Ausbreitung und den aktuellen Gefährdungsstatus von Trockenrasen im pannonischen Raum Ostösterreichs unter besonderer Berücksichtigung menschlicher Einflüsse.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Neben der Vegetationsgeschichte und ökologischen Grundlagen liegt der Fokus auf der Rolle des Menschen, der pflanzensoziologischen Gliederung sowie den vielfältigen modernen Gefährdungsursachen dieser Lebensräume.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die historischen Dynamiken zwischen Ausbreitung und Rückgang der Trockenrasen zu klären und die Ursachen für deren aktuelle Bedrohungssituation wissenschaftlich fundiert aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit gewählt?
Es handelt sich primär um eine Literaturarbeit, die durch eigenständig durchgeführte Vegetationsanalysen und Beobachtungen vor Ort, insbesondere in den Hainburger Bergen, ergänzt wurde.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Vordergrund?
Der Hauptteil behandelt die Vegetationsgeschichte, verschiedene Ausbreitungstheorien der Steppenvegetation sowie eine detaillierte Auflistung der Faktoren, die heute zum Rückgang der Trockenrasen führen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Pannonisches Pannonikum, Trockenrasen, Kultursteppe, anthropogene Überprägung, Gefährdung, Biotopschutz, Vegetationsgeschichte und Sukzession.
Warum ist die Unterscheidung zwischen primären und sekundären Trockenrasen so bedeutsam?
Sie ist essentiell, da sekundäre Trockenrasen maßgeblich durch menschliche Bewirtschaftung entstanden sind und ohne diese traditionelle Nutzung – anders als die primären Gesellschaften – der Verbrachung und Verwaldung unterliegen.
Welche spezifische Rolle spielt der Mensch bei der Gefährdung der Trockenrasen?
Der Mensch ist heute der zentrale Faktor: Durch das Aufgeben extensiver Bewirtschaftungsformen (Weide/Mahd), Aufforstungen mit nicht standortgerechten Arten und indirekte Einflüsse wie Stickstoffimmissionen wird die Existenz dieser artenreichen Lebensräume gefährdet.
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- Bakk. techn. Karl Hillebrand (Autor), 2008, Pannonische Trockenrasen in Österreich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117179