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Körper als Gegenstand in den Werken aktueller Künstlerinnen

Title: Körper als Gegenstand in den Werken aktueller Künstlerinnen

Examination Thesis , 2008 , 98 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Isabel Weinrich (Author)

Art - Overall Considerations
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Unserer bewussten und unbewussten Wahrnehmung und Beobachtung ist von allen Dingen am stärksten der menschliche Körper ausgesetzt. Die Beschaffenheit unserer Haut, unser Gewicht oder auch unsere Kondition und Leistungsfähigkeit stehen täglich auf dem Prüfstand und unterliegen regelmäßigen Korrekturen, Neu- und Umgestaltungen. Es sind vor allem die kollektiven Ängste vor der biologischen Begrenztheit des Lebens bzw. vor der Verwundbarkeit und Vergänglichkeit des Körpers, welche im Menschen jenen Drang des sich ständigen Wandelns hervorrufen. Seit in den 1960er und 1970er Jahren neue künstlerische Energien freigesetzt wurden , ist der menschliche Körper in der Kunst weltweit in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung gerückt, und dies nicht mehr nur als abgebildete Reproduktion in Form von Zeichnungen, Gemälden und plastischen Darstellungen. Erstmals in der Kunstgeschichte übernimmt er die Funktion von „Leinwand, Pinsel, Rahmen und Plattform“ zur Umsetzung ästhetischer Strategien und ist zum favorisierten Gegenstand in den Werken zahlreicher Künstlerinnen und Künstler geworden.

In ihren Ausführungen zum Begriff der zeitgenössischen Kunst stellt die Kunstkritikerin und Redakteurin Millet fest: „Kunst ist zeitgenössisch geworden, indem sie uns von unserem alltäglichen Leben erzählt“ . Koshalek geht bei dem Begriff `Zeitgenössische Kunst´ grob von der Kunst von 1940 bis „heute“ (1998) aus . In der vorliegenden Arbeit soll jedoch, in Anlehnung an Millet, die Summe der verschiedenen Strömungen der 1960er Jahre als eine Kontinuität der avantgardistischen Intentionen des beginnenden 20. Jahrhunderts und somit als Auftakt der zeitgenössischen Kunst begriffen werden .
Die zunehmende Auseinandersetzung mit dem Körper in der Kunstproduktion stellt eine Reaktion auf gesellschaftliche und anthropologische Diskurse dar. Solche Ansätze sollen im ersten Teil dieser Arbeit aufgegriffen werden, um die zentralen Anliegen innerhalb der Körperkunst seit den 1960er Jahren nachzuzeichnen und zu begründen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Körper als soziokulturelle Zeichensysteme

3. Subjekt, Identität und Körper im interdisziplinären Diskurs

3.1 Zum Wandel der Subjektauffassung seit der `Moderne´ bis heute

3.2 Körperlichkeit und Identität in sozialen Interaktionsprozessen

4. Manipulation des Körpers im Kontext von Medialisierungsprozessen und neuen Technologien

4.1 Subjekt, Identität und Körper im Zeitalter der Medien- und Informationstechnologien

4.1.1 Zwischen Körperkult und Körperlosigkeit

4.2 Veränderte Körperwahrnehmung durch Körper- und Biotechnologie

5. Ästhetische Zugänge zum Körper in der zeitgenössischen Kunst

5.1 Kunstgeschichtliche Hintergründe zur Herausbildung der zeitgenössischen Körperkunst

5.1.1 Zur Verrückung der semantischen Dimension von Kunst im 20. Jahrhundert

5.1.2 Aktionsmalerei und frühe Körperaktionen

5.1.3 Performances von Künstlerinnen

5.2 Befreiungsakte des Körpers als Bedeutungsträger kollektiver Codes und sozialer Zwänge

5.2.1 Der `fremde´ Körper

5.3 Visionen zur Erschaffung von Körpern im Zeitalter neuer Technologien

5.3.1 Digitale Körpereingriffe

5.3.2 Der maßgeschneiderte, reproduzierbare Körper

5.3.3 Der fleischliche Körper

5.4 Körperspuren als Stellvertreter physischer Anwesenheit und körperlicher Befindlichkeiten

5.4.1 Abject Art

5.4.2 Reise in den Körper

6. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Körper, Subjekt und Identität in der zeitgenössischen Kunst, wobei sie insbesondere die performativen Strategien von Künstlerinnen in den Fokus rückt. Dabei wird analysiert, wie gesellschaftliche Normen sowie mediale und biotechnologische Entwicklungen die zeitgenössischen Körperkonzepte prägen und wie diese durch künstlerische Prozesse kritisch hinterfragt oder transformiert werden.

  • Körper als soziokulturelle Zeichensysteme
  • Subjektbegriff im interdisziplinären Diskurs
  • Medialisierung und neue Technologien als Einflussfaktoren auf Körperbilder
  • Ästhetische Strategien der zeitgenössischen Körperkunst
  • Performative Selbsterfahrung und Identitätskonstruktion durch Künstlerinnen

Auszug aus dem Buch

5.3.2 Der maßgeschneiderte, reproduzierbare Körper

Seit 1994 arbeitet die in New York lebende Künstlerin Vanessa Beecroft mit Gruppen von jungen Frauen, welchen sie in ihren, mittels Video und Fotografie dokumentierten, Performanceserien ihrer Identitäten beraubt. Dieses erreicht die Künstlerin durch gleichartiges Aussehen der Frauen (z. B. gleichartige Perücken, gleiches Make-up, gleichartige Dessous und Schuhe) und streng geplante schematisierte Abläufe der Performances. Standardisierten Klischees folgend, lässt sie ihre Modelle zu fetischisierten und zugleich unnahbaren Objekten avancieren. Was die Kleidung und Accessoires der Mädchen anbelangt, welche die Künstlerin als ihr eigenes `Ebenbild´ bezeichnet, pflegt Beecroft, wie eine Modeschöpferin, zwischen unterschiedlichen Bekleidungsformen zu experimentieren.

Ihre Performances nähern sich der zweidimensionalen Fläche eines Bildes an. Dadurch werden die jungen Frauen zu tableaux vivants. Die Künstlerin knüpft damit an die europäische Tradition des 18. und 19. Jahrhunderts an, als solche `Lebenden Bilder´, zur höfischen Unterhaltung dienten. Es handelt sich um „Inszenierungen auf Zeit“, die uns i. d. R. nur von Videos und Fotografien vertraut sind. 1994 sagt Beecroft über ihre Performances:

„Niemand führt etwas vor, nichts geschieht; sie fangen weder etwas an, noch beenden sie etwas. Sie sind nur `markiert´ und kurz davor, zu verschwinden, wie beim `Quit´ auf dem Computerbildschirm“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung des Körpers als Gegenstand der Kunst seit den 1960er Jahren und legt den Fokus auf die performative Auseinandersetzung von Künstlerinnen mit Subjektivität und Identität.

2. Körper als soziokulturelle Zeichensysteme: Dieses Kapitel beschreibt den Körper als Medium kultureller Identitätsstiftung und als Projektionsfläche für soziale Normen und gesellschaftliche Anforderungen.

3. Subjekt, Identität und Körper im interdisziplinären Diskurs: Die philosophischen und psychologischen Grundlagen des modernen Subjektbegriffs und dessen Wandel hin zu spätmodernen Theorien stehen hier im Zentrum.

4. Manipulation des Körpers im Kontext von Medialisierungsprozessen und neuen Technologien: Hier wird der Einfluss von Medien, Biotechnologie und Digitalisierung auf die Wahrnehmung und Manipulation des menschlichen Körpers kritisch analysiert.

5. Ästhetische Zugänge zum Körper in der zeitgenössischen Kunst: Dieses Hauptkapitel analysiert die kunstgeschichtlichen Hintergründe, die Bedeutung performativer Akte sowie spezifische ästhetische Strategien von Künstlerinnen wie Abramović, Export, Pane, Sherman, Beecroft, Orlan, Smith und Hatoum.

6. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert die Auflösung des modernen Subjektbegriffs durch die zeitgenössische Körperkunst und diskutiert die Ambivalenz des Körpers in einer zunehmend technisierten Welt.

Schlüsselwörter

Körperkunst, Performance, Identität, Subjekt, Feminismus, Medialisierung, Biotechnologie, Körperbild, Selbstdarstellung, Körpermanipulation, Geschlechterkonstruktion, Körperinszenierung, Identitätsbildung, Abject Art, Körpertechnologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht den Wandel der Körperwahrnehmung und -darstellung in der zeitgenössischen Kunst und analysiert, wie Künstlerinnen den Körper als Medium nutzen, um Identität und gesellschaftliche Normen kritisch zu reflektieren.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf soziokulturellen Körperkonzepten, der Dekonstruktion des Subjektbegriffs, dem Einfluss moderner Medien- und Biotechnologien sowie der Rolle der Performancekunst als Mittel zur Emanzipation.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Künstlerinnen performative Strategien einsetzen, um die Fremdbestimmung des weiblichen Körpers aufzuheben und neue, selbstbestimmte Identitätsentwürfe im Kontext aktueller Diskurse zu entwickeln.

Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?

Die Arbeit stützt sich auf eine kunstgeschichtliche und kulturwissenschaftliche Analyse sowie auf soziologische und psychologische Theorien, um die künstlerischen Werke in ihren gesellschaftlichen Kontext einzuordnen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über Subjektdiskurse und Medialisierung sowie eine tiefgehende Analyse ästhetischer Strategien in der zeitgenössischen Körperkunst, illustriert durch zahlreiche Fallbeispiele von Künstlerinnen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Zu den zentralen Begriffen gehören Körperkunst, Performance, Identität, Medialisierung, Geschlechterkonstruktion, Biotechnologie und das Spannungsfeld zwischen Subjektivität und Objektivität.

Welche Rolle spielt der Wiener Aktionismus für die Autorin?

Der Wiener Aktionismus dient der Autorin als historischer Bezugspunkt, um die radikalen Ansätze der frühen Körperkunst und den bewussten Bruch mit gesellschaftlichen Tabus durch die Verwendung des eigenen Körpers als Arbeitsmaterial zu erläutern.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Medien bei der Körperinszenierung?

Die Arbeit kritisiert, dass Medien einerseits Ideale und Normen transportieren, die zu einer Objektivierung und Entfremdung des Körpers führen, während Künstlerinnen diese Strukturen durch bewusste Inszenierung und Dekonstruktion offenlegen.

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Details

Title
Körper als Gegenstand in den Werken aktueller Künstlerinnen
College
University of Paderborn  (Kunst/Musik/Textil)
Grade
1,0
Author
Isabel Weinrich (Author)
Publication Year
2008
Pages
98
Catalog Number
V117207
ISBN (eBook)
9783640191840
ISBN (Book)
9783640191970
Language
German
Tags
Körper Gegenstand Werken Künstlerinnen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Isabel Weinrich (Author), 2008, Körper als Gegenstand in den Werken aktueller Künstlerinnen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117207
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