Die Arbeit im Schwerpunkt Kriminologie thematisiert die kriminologischen Theorien der Street Corner Society und Broken Windows Theorie.
Cornern ist ein Neologismus in der deutschen Sprache. Er bezeichnet ein Treffen von Gruppen von zumeist jungen Menschen unter freiem Himmel, bei dem Alkohol konsumiert wird. Der Begriff kommt aus den USA. In der Bronx der 80er-Jahren wurden damit Breakdance Wettkämpfe an Straßenecken bezeichnet. Heute finden zwar keine Breakdance Wettkämpfe mehr statt, aber das cornern wird gegenwärtig zunehmend populärer in Deutschland. Immer mehr Menschen sehen es als Alternative zu einer Kneipe oder trinken unter freiem Himmel schon mal bevor sie weiterziehen.
Aus kriminologischer Perspektive ist Alkohol- und Drogenkonsum ein Gefährdungsfaktor für delinquentes Verhalten. So kommt es auch nicht zu selten beim cornern, wie überall, wo viele Menschen aufeinandertreffen und Alkohol konsumieren zu Streit und Schlägereien. Mittlerweile wächst die Kritik am cornern. Es vermüllt die Innenstädte, den Gastronomen fehlen deshalb zunehmend die Kunden und es vermittelt ein Gefühl von Unsicherheit an andere Bürger. Auch die Polizei fängt an, sich für dieses Phänomen zu interessieren. In diesem Zusammenhang soll in dieser Arbeit die Frage beantwortet werden, ob es womöglich sinnvoll wäre, Street Corner Societies konsequent polizeilich zu verfolgen und aufzulösen.
Inhaltsverzeichnis
Street Corner Societies – Cornern, Alkohol- und Drogenkonsum in der Öffentlichkeit und die Wahrnehmung von Unordnung in Nachbarschaften
A. Einleitung
A. Street Corner Societies
I. Die Studie von Whyte
II. Cornerville
III. Corner boys“ und „College boys“
IV. Soziale Mobilität
V. Street Corner Societies in der Forschung der Gegenwart
VI. Die Studien im Vergleich
B. Broken Windows Theorie
I. Zimbardos Experiment
II. Wie durch Unordnung und Vernachlässigung eine idyllische Nachbarschaft zum kriminellen Brennpunkt werden kann
III. Die Furcht vor jungen Menschen und Unordnung
IV. Die Rolle der Polizei nach Kelling und Wilson
V. Praktische Auswirkungen der Broken Windows Theory
VI. Kritik an der Broken Windows Theory und ihren praktischen Auswirkungen
C. Die Broken Windows Theorie und die Street Corner Societies
D. Fazit zur Broken Windows Theorie und ihrer Anwendung gegenüber Street Corner Societies
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen des "Cornerns" (das Treffen junger Menschen im öffentlichen Raum bei Alkohol- und Drogenkonsum) aus kriminologischer Sicht. Dabei wird die Forschungsfrage beantwortet, ob eine konsequente polizeiliche Verfolgung und Auflösung solcher "Street Corner Societies" im Lichte der Broken Windows Theorie und unter Berücksichtigung sozialer Auswirkungen sinnvoll ist.
- Charakterisierung des Milieus der Street Corner Societies anhand soziologischer Studien.
- Analyse der Broken Windows Theorie und deren praktische Anwendung (z.B. "Zero Tolerance").
- Bewertung der Kriminalitätsfurcht und deren Einfluss auf informelle soziale Kontrolle.
- Diskussion der polizeilichen Rolle zwischen Ordnungshüter und Strafverfolger.
- Kritische Würdigung der Wirksamkeit und negativen Konsequenzen einer restriktiven Sicherheitspolitik.
Auszug aus dem Buch
Die Rolle der Polizei nach Kelling und Wilson
Kelling und Wilson werben in der Broken Windows Theorie mit Beobachtungen aus einer Studie für den Einsatz von Polizisten zu Fuß. Sie sehen hierin viele Vorteile gegenüber der normalen Streife im Wagen, da diese so vom Geschehen auf der Straße getrennt erscheinen. Als Beleg führen sie hierfür das Mitte der 70er Jahre in New Jersey durchgeführte „Safe and Clean Program“ an. Im Zuge dieses Programmes patrouillierten Polizist:innen zu Fuß durch ausgewählte Nachbarschaften. Bei der Auswertung des Projekts nach fünf Jahren wurde deutlich, dass die Kriminalität in den betroffenen Nachbarschaften, wie im Vorhinein erwartet, nicht gesunken war, aber sich das Sicherheitsgefühl der Bürger:innen stark verbessert hatte. Auch auf das Ansehen der Polizei als Institution hatten die Patrouillen zu Fuß einen positiven Einfluss. Die Kriminalitätsfurcht der meisten Bürger:innen nicht nur durch das Risiko befeuert wird, Opfer eines willkürlichen Angriffs zu werden, sondern vor allem durch die Anwesenheit und sogar Belästigung von unordentlichen Personen. Solche sind für Kelling und Wilson beispielsweise Drogenabhängige, Alkoholiker:innen, jugendliche Rowdys, Bettler, Prostituierte, herumlungernde Personen und geistig Gestörte.
Die Fußpatrouillen der Polizei sorgten nach ihnen dafür, dass das Maß der öffentlichen Ordnung gesteigert wurde. Die Fußpatrouillen vermitteln das Gefühl von Sicherheit. Die Polizist:innen kümmern sich darum, dass die unordentlichen Zustände umgehend in Ordnung gebracht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Definiert den Begriff "Cornern", beleuchtet die kriminologische Perspektive auf Alkohol- und Drogenkonsum im öffentlichen Raum und stellt die Forschungsfrage nach der polizeilichen Behandlung von Street Corner Societies.
A. Street Corner Societies: Vergleicht die klassische Studie von Whyte (1942) über ein italienisches Einwandererviertel mit einer modernen Feldstudie von Macdonald und Shildrick (2007) in England, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Lebensstil und der sozialen Exklusion herauszuarbeiten.
B. Broken Windows Theorie: Erläutert die theoretischen Grundlagen des Zimbardo-Experiments und die daraus abgeleitete Annahme, dass sichtbare Unordnung und Vernachlässigung langfristig zu schweren Kriminalitätsformen führen.
C. Die Broken Windows Theorie und die Street Corner Societies: Verknüpft die beiden zentralen Themen der Arbeit und stellt dar, dass "Cornern" nach der Broken Windows Theorie als ein Zeichen sozialer Unordnung gilt, welches polizeiliches Handeln provoziert.
D. Fazit zur Broken Windows Theorie und ihrer Anwendung gegenüber Street Corner Societies: Bewertet kritisch die polizeiliche Verfolgung von Street Corner Societies, warnt vor tiefgreifenden Eingriffen in Grundrechte und plädiert stattdessen für Ansätze im Sinne des Community Policing.
Schlüsselwörter
Cornern, Street Corner Societies, Broken Windows Theorie, Zero Tolerance, Kriminalitätsfurcht, Soziale Exklusion, Polizeiarbeit, Öffentliche Ordnung, Incivilities, Community Policing, Jugendkriminalität, Prävention, Lebensstil, Soziale Kontrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen des "Cornerns" junger Menschen und stellt die Frage, ob eine polizeiliche Auflösung solcher Gruppen nach der Broken Windows Theorie legitim und sinnvoll ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die soziologische Charakterisierung von "Street Corner Societies" im Wandel der Zeit sowie die kritische Analyse der Broken Windows Theorie und deren Umsetzung durch Zero-Tolerance-Strategien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu bewerten, ob Street Corner Societies konsequent polizeilich verfolgt werden sollten oder ob dies mehr sozialen Schaden als Nutzen anrichtet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt den Vergleich zweier soziologischer Feldstudien (Whyte 1942 sowie Macdonald/Shildrick 2007) und analysiert kriminologische Theorien (Broken Windows) sowie aktuelle polizeiliche Einsatzstrategien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die soziale Struktur von Street Corner Societies, die Entstehung der Broken Windows Theorie, deren praktische Anwendung in New York sowie die gesellschaftlichen Konsequenzen wie Stigmatisierung und erhöhte Inhaftierungsraten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Street Corner Societies, Broken Windows Theorie, Zero Tolerance, soziale Exklusion, öffentliche Ordnung und Community Policing.
Welche Rolle spielt die Polizei nach Kelling und Wilson in der Theorie?
Kelling und Wilson sehen die Polizei primär als "Ordnungshüter", die durch Fußpatrouillen Incivilities bekämpfen sollen, um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken und die informelle soziale Kontrolle zu stabilisieren.
Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die Coronapandemie?
Der Autor stellt fest, dass sich die Lage durch die Pandemie verschärft hat und eine konsequente Räumung durch die Polizei zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und einem weiteren Ansehensverlust der Polizei führen kann.
- Arbeit zitieren
- Finn Langenkamp (Autor:in), 2021, Street Corner Societies. Cornern, Alkohol- und Drogenkonsum in der Öffentlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1172479