Die Arbeit handelt von effizienten Märkten, d. h. von der Hypothese effizienter Märkte, wie sie Eugene Fama in einer 1970 veröffentlichten Arbeit postuliert hat. Das Ziel der Arbeit besteht darin, die empirische Evidenz, die für die Hypothese spricht, zu beurteilen. Es soll eine Einschätzung dazu formuliert werden können, ob es sich bei der Hypothese effizienter Märkte um eine Hypothese handelt, die man als bestätigt ansehen kann oder ob vielmehr der Schluss gezogen werden muss, dass die Hypothese effizienter Märkte als falsifiziert gilt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Effiziente Märkte
2. Die Hypothese effizienter Märkte
2.1. Können Preisänderungen die Hypothese effizienter Märkte nicht stützen?
2.2. Arbitrageure als Börsenpolizei
3. Belege für die Hypothese effizienter Märkte: eine abschließende Kritik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die empirische Bewährungsgrad der Hypothese effizienter Märkte, indem sie zentrale Studien zu diesem Thema kritisch hinterfragt. Das primäre Ziel ist es zu beurteilen, ob die Hypothese angesichts der empirischen Evidenz und des verhaltensökonomischen Menschenbildes als bestätigt oder falsifiziert zu betrachten ist.
- Grundlagen der Hypothese effizienter Märkte nach Eugene Fama
- Empirische Überprüfung von Kursreaktionen auf Marktinformationen
- Die Rolle von Arbitrageuren und Noise Tradern im Marktgleichgewicht
- Kritische Auseinandersetzung mit Aggregatdaten und ökologischen Fehlschlüssen
- Vergleich der rationalen Erwartungstheorie mit Ansätzen der Behavioral Finance
Auszug aus dem Buch
2.2. Arbitrageure als Börsenpolizei
Arbitrage ist definiert als „the simultaneous purchase and sale of the same, or essentially similar, security in two different markets for advantageously different prices“. Die Idee eines Arbitrageurs besteht z.B. darin, mit Aktien, die an unterschiedlichen Börsen gehandelt werden, Gewinne zu realisieren. Kurz: Arbitrageure nutzen ein mispricing, also die Über- oder Unterbewertung einer Aktie aus, um Gewinne zu realisieren. Indem Arbitrageure zum Beispiel unterbewertete Aktien kaufen, tragen sie dazu bei, dass der Kurs der entsprechenden Aktie wieder steigt und letztlich den „richtigen“ Wert erreicht. Um den Kauf einer unterbewerteten Aktie zu finanzieren, wird angenommen, dass ein Arbitrageur, so er rational ist, eine überbewertete Aktie verkauft, was wiederum dazu beiträgt, deren Kurs ins Lot zu bringen. Entsprechend sind Arbitrageure wichtig für die Hypothese der effizienten Märkte, denn sie beseitigen die Ungleichgewichte des Marktes.
Noise traders sind das Gegenstück zu den Arbitrageurs. Letztere werden im Rahmen der Hypothese der effizienten Märkte als eine Form der „Börsenpolizei“ angesehen, die da, wo Not am Mann ist, die unterbewertete Aktien aufkauft, genug Sicherheit zur Verfügung hat, um auf das Steigen der entsprechenden Aktien zu warten und letztlich auch das Steigen der Aktien und somit die richtige Bewertung der Aktie herbeiführt. Diese Tätigkeit wird jedoch von noise traders gefährdet, die durch Verkauf unterbewerteter Aktien dazu beitragen, dass die entsprechende Aktie weiter im Wert sinkt. Die Idee der noise trader stammt von DeLong, Shleifer, Summers und Waldmann, die damit umschreiben wollten, dass das Risiko, das ein Arbitrageur durch den Kauf z.B. einer unterbewerteten Aktien eingeht, sich auf kurze Frist erhöht, was dazu führen kann, dass er vorsichtiger mit dem Geld agiert, das er einsetzen kann, um unterbewertete Aktien auszunutzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Effiziente Märkte: Der Einleitungsteil stellt die Hypothese effizienter Märkte vor und definiert das Ziel der Arbeit, die empirische Evidenz mittels kritischer Auseinandersetzung zu prüfen.
2. Die Hypothese effizienter Märkte: In diesem Kapitel werden die theoretischen Postulate effizienter Märkte erläutert und die Rolle der Rationalität sowie die Problematik von Marktanomalien diskutiert.
2.1. Können Preisänderungen die Hypothese effizienter Märkte nicht stützen?: Dieser Abschnitt analysiert die Studie von Busse und Green hinsichtlich der Reaktion von Aktienkursen auf Börsenberichterstattung und hinterfragt die methodischen Annahmen.
2.2. Arbitrageure als Börsenpolizei: Hier werden die Funktionen von Arbitrageuren und deren Gegenpart, die Noise Trader, im Kontext der Marktstabilisierung und Preisbildung untersucht.
3. Belege für die Hypothese effizienter Märkte: eine abschließende Kritik: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Hypothese durch die diskutierten Studien aufgrund methodischer Schwächen und der veränderten Sichtweise auf das menschliche Handeln nicht hinreichend gestützt wird.
Schlüsselwörter
Effiziente Märkte, Hypothese effizienter Märkte, Eugene Fama, Arbitrage, Noise Trader, Behavioral Finance, Marktanomalien, Rationalität, Kursentwicklung, Ökologischer Fehlschluss, Aggregatdaten, Marktgleichgewicht, Preisbildung, Börsenpolizei, Bounded Rationality.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Validität der Hypothese effizienter Märkte und prüft, ob die gängigen empirischen Belege für diese Hypothese einer kritischen wissenschaftlichen Untersuchung standhalten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Markteffizienzhypothese, die Analyse von Börsenreaktionen auf Medienberichte, das Verhalten von Arbitrageuren sowie die theoretische Fundierung durch das Konzept der Rationalität.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, auf Basis der Diskussion empirischer Studien zu beurteilen, ob die Hypothese effizienter Märkte als wissenschaftlich bestätigt gelten kann oder ob sie als falsifiziert angesehen werden muss.
Welche wissenschaftliche Methodik wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kritische Literaturanalyse und evaluative Methodik, um bestehende empirische Studien (wie die von Busse/Green oder Chordia/Roll/Subrahmanyam) hinsichtlich ihrer Prämissen und methodischen Validität (z.B. Vermeidung ökologischer Fehlschlüsse) zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung, die Untersuchung von Kursänderungen in Reaktion auf Finanznachrichten und die Rolle der Arbitrage zur Marktbereinigung, ergänzt durch eine methodische Kritik der zugrundeliegenden Aggregatdatenanalysen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Effiziente Märkte, Arbitrage, Behavioral Finance, Marktanomalien und die kritische Reflektion von Rationalitätsannahmen in der ökonomischen Theorie.
Warum kritisieren die Autoren die Studie von Busse und Green?
Die Kritik fokussiert sich darauf, dass Busse und Green Aggregatdaten verwenden, um Rückschlüsse auf individuelles rationales Verhalten zu ziehen, ohne dabei potenzielle Störvariablen oder ein alternatives Kontrastgruppendesign zu berücksichtigen.
Was ist das Problem des sogenannten "ökologischen Fehlschlusses"?
Der ökologische Fehlschluss bezeichnet den unzulässigen Schluss von Beobachtungen auf einer kollektiven Aggregatebene auf das Verhalten einzelner Individuen, was die Autoren als Schwachstelle der analysierten Studien identifizieren.
- Quote paper
- Jonas Dorn (Author), 2013, Die empirische Bewährung der Hypothese effizienter Märkte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1172599