Der Transportsektor, insbesondere der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV), unterlag in der Vergangenheit starken Reglementierungen. Erst in den letzten rund 20 Jahren haben sich durch den sukzessiven Abbau von Regulierungen teilweise gravierende Änderungen ergeben. Einer Beschreibung der Entstehung von De-/Regulierung und der für ihre Rechtfertigung ins Feld geführten Argumente folgt eine Darstellung der Deregulierungsmaßnahmen am Beispiel der zivilen Luftfahrt in den USA zu Beginn der 1980er. Weiterhin finden die bisherigen Maßnahmen im ÖPNV in der BRD sowie die Pläne für den ÖPNV auf europäischer Ebene Erwähnung. Schließlich wird als möglicher Lösungsansatz für mehr Wettbewerb und Effizienz der Vorschlag eines Nutzerklub-Modells nach Meyer1 dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Regulierung/Deregulierung und Privatisierung im Transportwesen
2.1 Ausgangspunkt der Deregulierungsbestrebungen
2.2 Begriffsabgrenzung
2.3 Ursachen für De-/Regulierungsmaßnahmen
2.4 Deregulierung am Beispiel der zivilen Luftfahrt in den USA
2.4.1 Zur Situation vor der Deregulierung
2.4.2 Die Deregulierungsphase ab 1978
2.5 Deregulierungsbestrebungen am Beispiel des Öffentlichen Personennahverkehrs in der BRD
2.5.1 Zur Situation des Öffentlichen Personennahverkehrs
2.5.2 Regulierung im Öffentlichen Personennahverkehr
2.5.3 Europäische Pläne für mehr Wettbewerb
2.5.4 Vorstellung eines möglichen Lösungsansatzes in Form eines Nutzerklubs
3. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von staatlicher Regulierung auf die Effizienz im Transportsektor und analysiert anhand von Fallbeispielen aus der US-Luftfahrt sowie dem deutschen ÖPNV Ansätze für mehr Wettbewerb durch Deregulierung.
- Grundlagen der Deregulierung und Privatisierung im Transportwesen
- Analyse der US-amerikanischen Deregulierungsmaßnahmen im Luftverkehr
- Strukturbetrachtung und Regulierungsinstrumente im deutschen ÖPNV
- Vorstellung des Nutzerklub-Modells als innovativer Lösungsansatz
Auszug aus dem Buch
2.4 Deregulierung am Beispiel der zivilen Luftfahrt in den USA
Bis 1978 war der Markt für zivile Luftfahrt in den USA durch einen oligopolistischen / monopolistischen Mix gekennzeichnet. Die zivile Luftfahrtbehörde CAB als Regulierungsbehörde verfolgte bei der Aufteilung des Inlandsflugmarktes eine Zwei-Säulen-Strategie. Die Versorgung der transkontinentalen Ost-West Routen wurde drei Langstreckenanbietern zugesprochen (American Airlines, TWA, United Airlines), ergänzt um die Bedienung der Nord-Süd Strecken, die an United Airlines und Eastern Airlines fielen. Hierneben teilte die CAB die Versorgung von Kurzstrecken unter weiteren kleinen Airlines auf. Ferner gab es einige wenige Anbieter in den Bundesstaaten Texas und Kalifornien, die ihre Dienste lediglich innerhalb der Grenzen der genannten Bundesstaaten anbieten durften.
Die Regulierung durch die CAB war nicht alleine auf die Aufteilung des Streckennetzes beschränkt, sondern beinhaltete auch weitere Eingriffe in das Marktgeschehen durch Preisvorgaben und Vorgaben darüber, welche Strecken zu bedienen waren.
Durch die Marktregulierung ergab sich die Situation, dass die oligopolistisch strukturierten Anbieter der Langstrecken aus ihren zugesicherten Streckennetzen mengenabhängige Produzentenrenten erzielen konnten. Die Regional-Carrier befanden sich in der Position lokaler Monopolisten und generierten aus dieser Position heraus eine höhere Rente, als dies im Wettbewerbsfall möglich gewesen wäre.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung gibt einen Überblick über die historischen Reglementierungen im Transportsektor und führt in das Konzept des Nutzerklub-Modells als Lösungsansatz für mehr Effizienz ein.
2. Regulierung/Deregulierung und Privatisierung im Transportwesen: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Deregulierung und Privatisierung und erörtert ökonomische sowie politische Gründe für staatliche Eingriffe in Märkte, insbesondere bei natürlichen Monopolen.
2.1 Ausgangspunkt der Deregulierungsbestrebungen: Dieser Abschnitt beschreibt den Ursprung der Deregulierungsdiskussion in den USA der 1970er Jahre und deren Einfluss auf die wirtschaftspolitische Debatte in der BRD.
2.2 Begriffsabgrenzung: Hier werden die Konzepte der Regulierung, Deregulierung und Privatisierung präzise voneinander abgegrenzt und die Absichten staatlicher Eingriffe diskutiert.
2.3 Ursachen für De-/Regulierungsmaßnahmen: Das Kapitel analysiert ökonomische Argumente wie die Allokationseffizienz und die Besonderheiten von natürlichen Monopolen als Rechtfertigung für Regulierungen.
2.4 Deregulierung am Beispiel der zivilen Luftfahrt in den USA: Diese Fallstudie untersucht die Auswirkungen der Liberalisierung des US-Luftverkehrs ab 1978 auf den Wettbewerb und die Preisbildung.
2.4.1 Zur Situation vor der Deregulierung: Dieser Teil beschreibt die oligopolistische Marktstruktur der US-Luftfahrt vor 1978 und die restriktive Zwei-Säulen-Strategie der Regulierungsbehörde CAB.
2.4.2 Die Deregulierungsphase ab 1978: Hier werden die strategischen Anpassungsreaktionen der Airlines auf den Wegfall der staatlichen Regulierungen und die damit verbundenen Marktveränderungen erläutert.
2.5 Deregulierungsbestrebungen am Beispiel des Öffentlichen Personennahverkehrs in der BRD: Dieser Abschnitt überträgt die Debatte auf den deutschen ÖPNV, der durch eine starke finanzielle Abhängigkeit von staatlichen Subventionen geprägt ist.
2.5.1 Zur Situation des Öffentlichen Personennahverkehrs: Hier wird der Ist-Zustand des ÖPNV in Deutschland, insbesondere hinsichtlich seiner Finanzierungsstruktur und der Mobilitätsansprüche, dargelegt.
2.5.2 Regulierung im Öffentlichen Personennahverkehr: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Regulierungsinstrumente wie Nahverkehrspläne und Linienkonzessionen, die den Wettbewerb in Deutschland begrenzen.
2.5.3 Europäische Pläne für mehr Wettbewerb: Es wird die Rolle der EU bei der Liberalisierung des Schienenpersonennahverkehrs durch die Richtlinie 91/440/EWG sowie die Herausforderungen bei der Umsetzung thematisiert.
2.5.4 Vorstellung eines möglichen Lösungsansatzes in Form eines Nutzerklubs: Dieser Abschnitt präsentiert das Modell des Nutzerklubs als alternative, nachfrageorientierte Organisationsform, um Ineffizienzen in kommunalen Strukturen zu überwinden.
3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Reduzierung von Regulierungen und die Förderung wettbewerblicher Strukturen das Potenzial haben, die gesellschaftliche Wohlfahrt und wirtschaftliche Effizienz im Transportsektor signifikant zu steigern.
Schlüsselwörter
Transportökonomie, Regulierung, Deregulierung, Privatisierung, ÖPNV, Wettbewerb, natürliche Monopole, Luftfahrt, Markteffizienz, Nutzerklub, Ressourcenallokation, Preissetzung, Liberalisierung, Verkehrsplanung, Infrastruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Einfluss staatlicher Regulierungen auf den Transportsektor und diskutiert, inwiefern eine Deregulierung zu mehr wirtschaftlicher Effizienz führen kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie der Regulierung, der Fallstudie zur US-amerikanischen Luftverkehrsliberalisierung sowie der Analyse der regulatorischen Rahmenbedingungen des deutschen ÖPNV.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch den Abbau von Marktzutrittsbeschränkungen und die Etablierung wettbewerblicher Strukturen eine effizientere Güterversorgung und Wohlfahrtssteigerung erreicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Fundierung durch mikroökonomische Ansätze und kombiniert diese mit einer deskriptiven Analyse von Fallbeispielen aus der Luftfahrt und dem Personennahverkehr.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsabgrenzung, die Untersuchung der US-Luftfahrt-Deregulierung und die kritische Beleuchtung des aktuellen deutschen ÖPNV-Systems inklusive eines Modells für einen Nutzerklub.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Deregulierung, natürliches Monopol, Allokationseffizienz, Wettbewerb, ÖPNV und das Nutzerklub-Konzept.
Wie unterscheidet sich die Regulierungssituation in der US-Luftfahrt vom deutschen ÖPNV?
Während die US-Luftfahrt nach 1978 einen radikalen Liberalisierungsprozess durchlief, ist der deutsche ÖPNV weiterhin stark durch kommunale Verflechtungen, Subventionen und ein Konzessionssystem reglementiert.
Was ist das innovative Potenzial des vorgeschlagenen Nutzerklub-Modells?
Das Nutzerklub-Modell schlägt eine Entstaatlichung des ÖPNV vor, bei der die Bedarfsplanung direkt von den Nutzern ausgeht, was zu einer höheren Nachfrageorientierung und dem Abbau politisch motivierter Ineffizienzen führen soll.
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- Jens Herbertz (Author), 2002, Transportökonomie. Regulierung, Deregulierung und Effizienz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11726