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Das Un-Ding der Gabe

Die Gabe bei Jacques Derrida

Title: Das Un-Ding der Gabe

Seminar Paper , 2008 , 12 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Mathias Seeling (Author)

Sociology - Individual, Groups, Society
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Die Leitthese, die Bernhard Waldenfels in seinem Aufsatz über »Das Un-ding der Gabe« aufstellt
zeigt gleich zu Anfang einen sich selbst widersprechenden Punkt, der in das Paradox der Gabe
einführt. Er spricht von einem gleichzeitigen Erscheinen und Nichterscheinen der Gabe. Als
Voraussetzung sei hierfür ein „ungeschriebener Vertrag“ zwischen miteinander kommunizierenden
Menschen notwendig. Dies zeigt sich schon in den Ausdrücken, die man einem Referenten
gegenüber äußert: „ihm Aufmerksamkeit schenken“ oder „Sinn geben“. Das heißt also, dass
zwischen diesen Parteien in gewisser Weise unbewusst ein Vertrag konstituiert sein muss, der dem
Redner eine Vorgabe ermöglicht, die durch seine Rezipienten beantwortet wird (eben durch ihre
Aufmerksamkeit etc.). Derrida selbst schreibt dem Gabenereignis eine ternäre Struktur zu:
„»irgend›einer‹« (A) hat die Intention, B an C zu geben“. Durch diese formalistische
Ausdrucksweise droht jedoch eine stetige Mutation der gegebenen Sache zu einem Tauschobjekt.
Durch diesen formalistischen Ansatz entsteht eine Skepsis an derer Möglichkeit überhaupt einer
„Gabe“. Etwas soll also existieren, indem es seine Eigenexistenz selbst annulliert. Dieses
offensichtliche Paradox wird dadurch erklärbar, dass die Gabe sich als unmöglich erweist, „indem
sie als Tausch konzipiert und praktiziert wird“. An dieser Stelle zeigt sich gleichzeitig der Vorwurf
an Mauss, der den Widerspruch des Gabeereignisses zum Tauschakt nicht bedacht habe. Aufgrund
dessen analysiert Derrida die (vermeintliche) Gabe, in Abgrenzung zum Tausch, als klarer
Kritikpunkt zu Mauss:
„Man könnte soweit gehen zu sagen, daß selbst ein so monumentales Buch wie der Essai sur le don
von Marcel Mauss von allem möglichen spricht, nur nicht von der Gabe: der Essai handelt von der
Ökonomie, dem Tausch und dem Vertrag (do, ut des), vom Überbieten, dem Opfer, der Gabe und
der Gegengabe, kurz von allem, was aus der Sache heraus zur Gabe drängt und zugleich dazu, die
Gabe zu annullieren.“

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Allgemeines

2 Zur Gabe-Philosophie Derridas – das Paradox der Unmöglichkeit der Gabe

2.1 Dissemination des Gebens und Nehmens

2.2 Dimensionen des Gebens

2.3 Äquivalenz und Ambivalenz im Gabe-Ereignis

2.4 „es gibt“ - sprachliche Eigenarten und ihre Paradoxien

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die semantische Ebene des Gabebegriffs innerhalb der postmodernen Philosophie von Jacques Derrida und hinterfragt die Möglichkeit einer „reinen“ Gabe unter Berücksichtigung der Paradoxien, die sich durch die Abgrenzung vom ökonomischen Tauschsystem ergeben.

  • Dekonstruktion des Gabebegriffs im Vergleich zu Marcel Mauss
  • Das Paradox der Unmöglichkeit der Gabe im ökonomischen Kontext
  • Sprachphilosophische Analyse der Begriffe „Geben“, „Nehmen“ und „es gibt“
  • Untersuchung der ternären Struktur des Gabeereignisses
  • Die Rolle von Reziprozität, Schuld und ökonomischer Verpflichtung

Auszug aus dem Buch

2.1 Dissemination des Gebens und Nehmens

Bei der Dissemination, also der Ausbreitung oder Verstreuung der Gabe wird der Sprechakt als intentionaler Akt betrachtet. Dabei wird zwischen einem verbalen „Geben“ und der nominalen „Gabe“ an sich und schließlich zwischen einem Geben von etwas und dem Geben, das Bedingungen für alles Gegebene darstellt, unterschieden. Bei diesem Gabevorgang besteht wiederum eine „rückkehrlose Dissemination“ nach Derrida, die sein formalistisches Denken bestärkt. Es besagt also, dass es in diesem Zusammenhang eben kein „Geben und Nehmen“ geben kann, da es sonst in einem Tauschcharakter enden würde. Demnach muss im Akt des Gebens das Gegebene stets weitergegeben werden, jedoch nie zurück. Die Gabe muss als Gabe jede Reziprozität, die aus ihr resultieren könnte, umgehen, um sich selbst aufrecht erhalten zu können.

Durch diese Unumkehrbarkeit zeichnet sich ein „Außen des Gebens“ ab, da es weder bei sich selbst beginnen, noch bei sich enden kann. Dieses „Außen“ bedeutet also eine Art „nicht feste“ Integration, wenn man so will, ein „internes Außen“ des Gebens / der Gabe in einem ökonomischen Kreislauf. Eine „reine“ Gabe, falls es sie geben sollte, distanziert sich somit von diesem Kreislauf einer Gegen-gabe, da sie sonst nicht sein kann, was sie vor-gibt, sondern lediglich Tausch-Objekt ist: „Gabe, wenn es sie gibt, gibt es nur in dem, was das System unterbricht und das Symbol zerbricht, in einem rückkehrlosen Aufbruch, in einer Division ohne Dividende, das heißt ohne das systematische oder symbolische Mit-sich-sein eines Gabe-gegen-Gabe.“

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung führt in die dekonstruktive Fragestellung ein, ob eine Gabe ohne ökonomische Verpflichtung oder Tauschlogik überhaupt existieren kann.

1 Allgemeines: Dieses Kapitel beleuchtet den zentralen Widerspruch der Gabe als gleichzeitiges Erscheinen und Nichterscheinen sowie Derridas Kritik an Mauss’ formalistischem Ansatz.

2 Zur Gabe-Philosophie Derridas – das Paradox der Unmöglichkeit der Gabe: Das Hauptkapitel analysiert die Bedingungen, unter denen eine Gabe stattfinden müsste, ohne im Tauschprinzip zu erlöschen.

2.1 Dissemination des Gebens und Nehmens: Es wird die Notwendigkeit einer „rückkehrlosen Dissemination“ erörtert, um die Gabe vom ökonomischen Kreislauf der Reziprozität zu trennen.

2.2 Dimensionen des Gebens: Die Analyse konzentriert sich auf die sprachliche Ebene, insbesondere auf den Dativ und die verschiedenen Modalitäten des Antwortens.

2.3 Äquivalenz und Ambivalenz im Gabe-Ereignis: Hier wird diskutiert, warum ein „normales Geben“ eine Tauschlogik voraussetzt und wie die Ambivalenz des Begriffs die Gabe als moralisch riskant kennzeichnet.

2.4 „es gibt“ - sprachliche Eigenarten und ihre Paradoxien: Der Abschnitt untersucht den deutschen Ausdruck „es gibt“ als Beispiel für eine Form, die versucht, außerhalb der Tauschordnung zu operieren.

Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Gabe für Derrida zwar ein „unmögliches Un-ding“ bleibt, aber gerade durch das Wagnis und das Risiko des Gebens ihre Bedeutung gewinnt.

Schlüsselwörter

Jacques Derrida, Marcel Mauss, Gabe, Ökonomie, Paradox, Dekonstruktion, Tausch, Reziprozität, Dissemination, Vernunftprinzip, Un-ding, Gabeereignis, Schenken, Sprachphilosophie, Ethik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die philosophische Auseinandersetzung von Jacques Derrida mit dem Begriff der Gabe und der Frage, ob ein echtes Geben innerhalb menschlicher Ökonomien möglich ist.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Dekonstruktion soziologischer Gabentheorien, die sprachliche Analyse von Gabe und Tausch sowie die philosophische Reflexion über paradoxe Strukturen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Derrida den Widerspruch zwischen der notwendigen Bedingung einer Gabe und ihrer sofortigen Annullierung durch Tauschmechanismen theoretisiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine philosophisch-diskursive Methode angewandt, die sich stark an der dekonstruktiven Lektüre von Primärtexten orientiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Dissemination, sprachlichen Dimensionen des Gebens, die Rolle von Äquivalenz und Ambivalenz sowie die Analyse des deutschen Ausdrucks „es gibt“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Gabe, Tausch, Paradox, Dekonstruktion, Reziprozität und das „Un-ding“ der Gabe.

Warum kann ein Geburtstagsgeschenk nach Derrida problematisch sein?

Weil das Geschenk im Moment der Übergabe oft sofort eine Erwartung auf Gegengabe oder Dankbarkeit auslöst, was es aus der Sicht Derridas in ein Tauschobjekt verwandelt.

Was bedeutet der Begriff „Un-ding der Gabe“?

Er beschreibt die Unmöglichkeit der Gabe, im ökonomischen System als solche zu erscheinen, ohne ihren Status als reine Gabe durch ihre Sichtbarkeit sofort wieder zu verlieren.

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Details

Title
Das Un-Ding der Gabe
Subtitle
Die Gabe bei Jacques Derrida
College
University of Erfurt
Course
Marcel Mauss: Die Gabe. Form und Funktion des Austauschs in archaischen Gesellschaften
Grade
1,3
Author
Mathias Seeling (Author)
Publication Year
2008
Pages
12
Catalog Number
V117282
ISBN (eBook)
9783640197477
ISBN (Book)
9783640197729
Language
German
Tags
Marcel Mauss Form Funktion Austauschs Gesellschaften Unding Derrida archaische Gesellschaften Soziologie Philosophie Gabe
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mathias Seeling (Author), 2008, Das Un-Ding der Gabe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117282
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