Ababa war von trauriger Gestalt. Sie entstieg einem Meer aus schwarzen Nullen. Ein Freier
hatte sie einst entführt, und ein leuchtender Pfad, der ihren Namen trug, hatte sie bis an dieses
ferne Gestade geleitet.
„Geh Deinen Weg, Ababa. Der Weg bist Du selbst, er führt Dich zu Dir, und Du selbst bist es,
die ihn Dir erleuchtet.“
So oder ähnlich hatte er gesprochen, als ihre Wege sich trennten. Und noch bevor auch er in
der Dunkelheit versank, hatte sie den Sinn seiner Worte erkannt. Der Pfad, auf dem sie schritt,
bestand, wie alles in Palindromien, aus Zahlen. Sie leuchteten in ganz verschiedenen Farben,
denn in Palindromien, dem Land, in dem neben Menschen die Zahlen leben, war es üblich,
dass jede Zahl sich in eine andere Farbe kleidete: Die Null in Schwarz, die eins in Weiß, die
Zwei in Rot usw. Sie selbst bestand aus nur vier Punkten, den Zahlen a, (a – 1), (b - a – 1) und
(b – a).
König Pal I., ihr Vater, und seine Gemahlin, Königin Palina, die beide in Palindromien
regierten, hatten daraus den Namen „Ababa“ entnommen, indem sie nur die Buchstaben der
vier Zahlen zu „Aababa“ aneinander fügten und auf das allererste „A“ verzichteten, denn zwei
„A“ hintereinander klingen doch nur wie ein einziges.
Ababa war auf ihren Namen nicht minder stolz als auf ihre Herkunft. Der Name blieb immer
derselbe, gleich ob man ihn von links nach rechts oder von rechts nach links sah, las, schrieb
oder sprach; er war eben ein echtes Palindrom. Und so kündete schon allein ihr Name von
ihrer hohen Herkunft: Es bestand kein Zweifel, sie war im früheren Leben die Prinzessin von
Palindromien gewesen. [...]
Inhaltsverzeichnis
01 Prolog
02 Pal Indrom
03 Ababas Traum
04 Die Zählung der Palindrome
05 Kosta Assis
06 Signor Modussini
07 Pas de deux
208 Regula nova
09 Tuttifrutti
10 Graf I. K.
11 Numbers on Ice
12 PER und DNS
13 Strandbikinis
14 Auerbachs Keller
15 Paris
16 Amok
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die mathematischen Eigenschaften und ästhetischen Entfaltungsmöglichkeiten von Zahlenpalindromen. Im Zentrum steht dabei die Figur „Ababa“, die durch die gezielte Anwendung mathematischer Prozesse, wie Inversion und Addition, eine Transformation von einer einfachen Zahl in komplexe visuelle und tänzerische Strukturen durchläuft. Die Forschungsfrage widmet sich dabei der Verbindung zwischen numerischer Logik und ihrer künstlerischen sowie biologischen Analogie.
- Mathematische Grundlagen der Palindrombildung
- Prozesshafte Transformation durch Inversion und Addition
- Interdisziplinäre Analogien zur Molekularbiologie (DNS)
- Künstlerische Umsetzung numerischer Sequenzen im Tanz
- Strukturbildung und Fraktalgeometrie in Zahlenmustern
Auszug aus dem Buch
03 Ababas Traum
„Zahlen soll ich zählen?“, ging es ihr durch den Kopf. „Als ob es nicht interessantere und nützlichere Dinge im Leben gäbe.“
Mit dieser Frage legte sie sich schlafen. Es wurde eine unruhige, von merkwürdigen Traumbruchstücken geplagte Nacht.
Sie sah sich in einem gekachelten Badezimmer, in dem sie die Fliesen zählen sollte, die vom Boden bis zur Decke reichten. Dann wiederum ertappte sie sich, wie sie beim Spazierengehen mit angestrengter Miene ihre Schritte zählte. Irgendein Herr verlangte von ihr, sie solle die Geschwindigkeit messen, mit der ihre Fingernägel wachsen. Sie trat mit Pferden, die des Zählens kundig waren, auf dem Marktplatz einer Kleinstadt auf und erntete begeisterten Applaus des Publikums; zum ersten Mal in ihrem Leben empfand sie dabei den Rausch eines Bades in der Menge. Daselbst gab es einen gelehrten Mann, der unter der Tyrannei eines aus geistiger Lepra entsprungenen Rituals die Laternenpfähle und die Pflastersteine in den Straßen zählte.
Zusammenfassung der Kapitel
01 Prolog: Einführung in die Welt von Palindromien und die Entstehungsgeschichte der Zahl Ababa.
02 Pal Indrom: Ein Zusammentreffen von Ababa mit dem Sprachforscher und Mathematiker Pal Indrom, das den Grundstein für ihre mathematische Erforschung legt.
03 Ababas Traum: Ein reflektierender Abschnitt über Ababas Widerstreben gegen die mathematische Fixierung, verpackt in traumartige Sequenzen.
04 Die Zählung der Palindrome: Empirische Untersuchung der Dichteverteilung von Zahlenpalindromen auf der Zahlengeraden.
05 Kosta Assis: Einführung eines Kostümbildners, der Ababas numerische Identität in modische Ausdrucksformen übersetzt.
06 Signor Modussini: Ein neuer Lehrmeister tritt auf, der Ababa in den theoretischen Grundlagen des „Pas de deux“ unterweist.
07 Pas de deux: Anwendung und methodische Vertiefung der mathematischen Bewegungsabläufe.
208 Regula nova: Einführung neuer Regeln zur Komplexitätssteigerung der tänzerischen Transformationen.
09 Tuttifrutti: Experimentelle Phase der Anwendung mathematischer Kombinationen im Tanz.
10 Graf I. K.: Rolle der Dokumentation durch Fotografie und die visuelle Fixierung von Ababas Wandel.
11 Numbers on Ice: Öffentliche Aufführungen der erarbeiteten komplexen Tanzstrukturen.
12 PER und DNS: Etablierung struktureller Analogien zwischen den Tanzmustern und molekularbiologischen Prozessen.
13 Strandbikinis: Fortsetzung der tänzerischen Entwicklung in einem Urlaubsumfeld mit neuen ästhetischen Herausforderungen.
14 Auerbachs Keller: Erarbeitung eines visuellen Logos unter Anwendung pentagrammatischer Strukturen.
15 Paris: Reise zur weiteren Inspiration, die in der Auseinandersetzung mit Fraktalen mündet.
16 Amok: Spannungsabfall und Neuordnung innerhalb des Teams nach den Erfolgen in Paris.
Schlüsselwörter
Zahlenpalindrom, Ababa, Palindromierung, Inversion, Addition, Zahlengerade, Modus, Pas de deux, Fraktale, Sierpinski-Dreieck, Molekularbiologie, DNS, Repetitive Sequenzen, Symmetrie, Transformation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die mathematische Transformation einer Zahl in eine künstlerische und visuell wahrnehmbare Gestalt, wobei Zahlenpalindrome als Ausgangspunkt dienen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schnittmenge von Mathematik (Zahlentheorie), Tanzkunst, Kostümdesign und biologischen Strukturen bildet den Kern der Untersuchung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die explorative Darstellung, wie abstrakte numerische Abläufe in physische, ästhetische und visuelle Strukturen überführt werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Methodik umfasst die statistische Erhebung von Zahlenverteilungen, die Anwendung algorithmischer Prozesse (Inversion/Addition) sowie die analogiebasierte Forschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil dokumentiert die tänzerische Entwicklung Ababas unter Anleitung verschiedener Mentoren und die damit einhergehenden mathematischen sowie strukturellen Erkenntnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Palindromierung, Transformation, fraktale Geometrie und strukturelle Analogien zur DNS.
Was bedeutet der Begriff „Palindromisierung“ im Kontext der Arbeit?
Es bezeichnet den iterativen Prozess, durch Inversion und Addition von Zahlenfolgen neue, symmetrische Strukturen zu erzeugen.
Wie lässt sich die Verbindung zwischen den Tanzschritten und der Biologie erklären?
Die Arbeit zieht Analogien zwischen den repetitiven Tanzmustern und der Anordnung repetitiver Sequenzen in der DNS, was eine strukturelle Verwandtschaft nahelegt.
Welche Bedeutung haben die Figuren wie „Modussini“ für Ababa?
Diese Figuren fungieren als Katalysatoren und Mentoren, die Ababa helfen, ihre mathematische Essenz in immer komplexere Ausdrucksformen zu übersetzen.
Warum spielt das Pentagramm bei der Logogestaltung eine Rolle?
Es dient als mathematisch-ästhetisches Konstrukt, um die Komplexität der gefundenen Strukturen in einer grafischen Einheit zu repräsentieren.
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- Prof. Dr. Günter Kröber (Author), 2008, Ababa von Palindromien - Leben und Ansichten einer berühmten Zahl, in Wort und Bild aufgezeichnet von einem ihrer Verehrer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117302