In den letzten Jahrzehnten hat die fortschreitende Veränderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland weitreichende Konsequenzen mit sich gezogen. Der Strukturwandel, insbesondere verursacht durch die Globalisierung und die Liberalisierung der Märkte, führte unter anderem zu internationalen Unternehmenszusammenschlüsse. Dies brachte auch eine Erhöhung der Komplexität der Prozesse mit sich. Auf den Absatzmärkten sehen sich die Unternehmen einer immer größer werdenden Anzahl an Konkurrenzunternehmen gegenüber, das Angebot der Produkte und Dienstleistungen steigt und wird somit für den Konsumenten substituierbar und die Verkürzung der Produktlebenszyklen erfordern eine gesteigerte Innovationstätigkeit der Produzenten. Mit zunehmender Komplexität und Dynamik der Prozessketten vom Lieferanten bis zum Endkunden, steigen auch die logistischen Aktivitäten in den Unternehmen. Diese zu organisieren und zu analysieren ist das Ziel des Logistik-Controllings. Die Organisation der veränderten Unternehmensumwelt fordert eine neue strategische Ausrichtung und deren Umsetzung auf operativer Ebene der Unternehmen. Um die Strategie den Marktanforderungen anzupassen, ist es unabdingbar den steigenden Umfang der logistisch relevanten Informationen zu bewältigen. Doch nicht nur der strategiebezogene Informationsbedarf steigt, sondern auch der Bedarf an Daten für den operativen Bereich nimmt zu. Dabei werden traditionelle Kostenrechnungssysteme und -verfahren sowie Kennzahlensysteme der Anforderung, der Unternehmensführung das entsprechende Datenmaterial zur Verfügung zu stellen, nicht mehr gerecht. (...) Das System der Balanced Scorecard bietet die Möglichkeit diese Daten zu ermitteln.
Ziel dieser Seminararbeit ist es in einem ersten Schritt die Aufgaben und die Bedeutung des operativen Logistik-Controllings darzustellen. Im einem zweiten Schritt soll erläutert werden, wie das SCOR-Modell die logistische Aufgabe der Prozessbeschreibung, der Messgrößenbildung und die Ableitung einer Best Practice Anweisung bewältigt. Als Instrument zur Umsetzung dieses Modells wird das System der Balanced Scorecard erläutert und beispielhaft dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Logistik-Controlling
3. Das SCOR-Modell als Instrument des Logistik-Controllings
3.1. Grundlagen des SCOR-Modells
3.2. Die Ebenen des SCOR-Modells
3.2.1. Top-Level
3.2.2. Configuration-Level
3.2.3. Process-Element-Level
3.2.4. Implementation-Level
4. Performance-Measurement-System
5. Das Konzept der Balanced Scorecard als Performance Measurement-System
5.1. Aufbau der Balanced Scorecard
5.2. Systemebenen der Balanced Scorecard
5.2.1. Finanzperspektive
5.2.2. Kundenperspektive
5.2.3. Prozessperspektive
5.2.4. Lern- und Entwicklungsperspektive
5.2.5. Weitere Perspektiven
5.3. Ausgestaltung der Systemebenen
5.4. Balanced Scorecard-Konzepte für die Logistik
5.4.1. Balanced Scorecard für die Logistik nach Weber
5.4.2. Balanced Scorecard für die Logistik nach Miebach Logistik
5.5. Bewertung der Balanced Scorecard
6. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendung der Balanced Scorecard als strategisches Instrument innerhalb eines kennzahlenbasierten Performance-Measurement-Systems mit besonderem Fokus auf den Logistikbereich. Ziel ist es, die Möglichkeiten zur Operationalisierung von Unternehmensstrategien durch eine ganzheitliche Prozessbetrachtung aufzuzeigen und die Integration in logistische Anforderungen zu analysieren.
- Grundlagen und Aufgaben des Logistik-Controllings
- Einsatzmöglichkeiten des SCOR-Modells in Supply Chains
- Konzeptionelle Struktur der Balanced Scorecard
- Logistikspezifische Anpassungen der Balanced Scorecard
- Bewertung der Leistungsfähigkeit und Praxisrelevanz des Systems
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Top-Level
Auf der höchsten Ebene – dem Top-Level – werden die Hauptprozesse aus der Sicht eines Unternehmens kategorisiert. Diese Prozesse erstrecken sich auf die Unternehmensbereiche: Planung (Plan), Beschaffung (Source), Produktion (Make), Absatz (Deliver) und Entsorgung (Return). Ziel dieser Abgrenzung ist die Möglichkeit einer Gesamtanalyse zur Abstimmung der einzelnen Supply Chain Teilnehmer untereinander.
Die Hauptprozesse lassen sich in drei Prozesstypen einteilen. Die Prozesstypen sind: Planungsprozess, Ausführungsprozess und Unterstützungsprozess. Im Planungsprozess werden Aktivitäten bestimmt, die die aggregierte Nachfrage innerhalb eines bestimmten Planungszeitraumes mit dem aggregierten Angebot der Periode harmonisieren sollen z.B. die Festlegung des voraussichtlichen Planungshorizontes. Im Ausführungsprozess werden Prozesse zusammengefasst, die zur Transformation von den Materialien bis zum Produkt beitragen z.B. die Maschinenbelegungsplanung. Im letzten Schritt werden Aktivitäten definiert, die Informationen oder Beziehungen vorbereiten, aufrechterhalten oder verwalten, auf denen die Planungs- und Ausführungsprozesse basieren z.B. die Datenpflege.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den durch Globalisierung und Strukturwandel gestiegenen Informationsbedarf in Unternehmen und führt die Balanced Scorecard als Instrument zur Messung strategischer Ziele ein.
2. Logistik-Controlling: Dieses Kapitel definiert die Aufgaben des operativen und strategischen Logistik-Controllings und betont die Notwendigkeit, Logistikprozesse in die Unternehmensstrategie einzubinden.
3. Das SCOR-Modell als Instrument des Logistik-Controllings: Es wird erläutert, wie das SCOR-Modell durch Standardisierung der Prozessbeschreibung und Best-Practice-Methoden zur Effizienzsteigerung in der Supply Chain beiträgt.
4. Performance-Measurement-System: Hier werden die Schwächen des klassischen Controllings aufgezeigt und die Balanced Scorecard als mehrdimensionaler Ansatz zur ganzheitlichen Leistungsmessung vorgestellt.
5. Das Konzept der Balanced Scorecard als Performance Measurement-System: Dieses Hauptkapitel detailliert den Aufbau der Balanced Scorecard mit ihren vier klassischen Perspektiven und untersucht spezifische Anpassungen für die Logistik.
6. Ausblick: Der Ausblick resümiert die wachsende Praxisrelevanz und Akzeptanz der Balanced Scorecard anhand aktueller Studien in verschiedenen Branchen.
Schlüsselwörter
Balanced Scorecard, Logistik-Controlling, Supply Chain Management, SCOR-Modell, Performance Measurement, Unternehmensstrategie, Kennzahlensystem, Finanzperspektive, Kundenperspektive, Prozessperspektive, Mitarbeiterperspektive, Prozessmanagement, Wertschöpfungskette, Benchmarking, Strategieimplementierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Balanced Scorecard als einem ganzheitlichen System zur Leistungssteuerung, das insbesondere auf die Bedürfnisse von Logistikprozessen angepasst wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung zwischen operativem und strategischem Logistik-Controlling, die Funktionsweise des SCOR-Modells und der Aufbau sowie die Anwendung der Balanced Scorecard.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Nutzen der Balanced Scorecard als Instrument zur Umsetzung und Überprüfung logistischer Strategien durch ein systematisches Kennzahlensystem darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse zur Erarbeitung der theoretischen Grundlagen sowie eine Strukturierung der unterschiedlichen Balanced-Scorecard-Konzepte für die Logistik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Einführung des SCOR-Modells als Prozessreferenzmodell, die theoretische Herleitung der Balanced Scorecard und die Erläuterung spezifischer Konzepte wie der Ansätze nach Weber und Miebach Logistik.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die wichtigsten Begriffe sind Balanced Scorecard, Logistik-Controlling, Supply Chain Management, Prozessperspektive und Kennzahlensysteme.
Warum wird das SCOR-Modell als Vorbereitung für die Balanced Scorecard betrachtet?
Das SCOR-Modell liefert eine standardisierte Prozessbeschreibung und die notwendigen Messgrößen, die als Basis für die zielorientierte Ausgestaltung der Balanced Scorecard dienen.
Was sind die Unterschiede zwischen den Balanced-Scorecard-Ansätzen nach Weber und Miebach?
Während Weber für die Logistik eigene Scorecards für die Bereiche Beschaffung, Produktion und Distribution vorschlägt, integriert Miebach zusätzlich eine Lieferantenperspektive und fasst Prozess- sowie Lern- und Entwicklungsperspektive zusammen.
Welche Gefahren sieht der Autor beim Einsatz der Balanced Scorecard?
Der Autor warnt insbesondere vor einer Überlastung durch zu viele strategische Ziele sowie vor der Gefahr, bei einseitiger Optimierung auf Kennzahlen die langfristige zukunftsorientierte Ausrichtung zu verlieren.
Wie hoch ist der Verbreitungsgrad der Balanced Scorecard laut den zitierten Studien?
Die Studien zeigen eine hohe Akzeptanz, wobei beispielsweise in DAX-Unternehmen eine Verbreitung von ca. 60 % ermittelt wurde, während der Einsatz im Logistikbereich in etwa 48 % der befragten Unternehmen erfolgt.
- Quote paper
- Sandro Schulz (Author), 2008, Die Balanced Scorecard als Grundlage eines kennzahlenbasierten Performance Measurement Systems, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117325