Im Zeitalter der Globalisierung sind viele Unternehmen zunehmend international tätig, d. h. sie konzentrieren sich nicht mehr ausschließlich auf den deutschen oder europäischen Binnenmarkt, sondern weiten ihren Absatzmarkt weltweit aus. Durch ihre zunehmende internationale Ausrichtung sind sie mit einer großen Anzahl von differenzierten Märkten, geographischen Entfernungen und nationalen Eigenheiten konfrontiert. Vor allem die Kundenbedürfnisse können regional sehr unterschiedlich sein. Dadurch, daß die Distanz zwischen der Führungsspitze und den internationalen Unternehmensbereichen immer größer wird, können sich größere Unternehmen im allgemeinen nicht mehr so schnell an veränderte Bedürfnisse der Kunden anpassen wie kleinere. Die Gefahr von Fehlentscheidungen wächst dadurch. Global ausgerichtete Unternehmen benötigen daher Strategien, die regional und lokal geprägt sind, um die individuellen und kulturellen Kundenwünsche zu berücksichtigen.
Eine dieser Strategien ist das Profit-Center-Konzept. Nach diesem Konzept ist ein Unternehmen in kleine dezentrale Einheiten eingeteilt. Es soll damit überschaubarer und insgesamt besser steuerbar gestaltet werden. Das Ziel besteht darin, daß sich das Unternehmen leichter und schneller an neue Produktions- und Dienstleistungsbedingungen anpassen kann, um besser und effektiver auf die unterschiedlichen Interessen der Kunden eingehen zu können.
In meiner Ausarbeitung werde ich die unterschiedlichen Formen von Profit Centern be-schreiben und untersuchen, welche grundsätzlichen Vorteile dieses Konzept tatsächlich gegenüber der traditionellen funktionalen Organisation besitzt. Ich werde mich kritisch mit dem Profit-Center-Gedanken auseinandersetzen und auch die Probleme und Schwierigkeiten diskutieren, die bei der Einrichtung solcher strategischen Geschäftseinheiten entstehen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition des Begriffes „Profit Center“
3. Die geschichtliche Entwicklung des Profit-Center-Konzeptes
4. Die Divisionalisierung im Vergleich zur funktionalen Organisation
4.1. Die funktionale Organisation
4.2. Die divisionale Organisation
4.2.1. Die Organisation der Führungsspitze
4.2.2. Die Organisation der einzelnen strategischen Geschäftseinheiten
5. Das Profit Center im Vergleich zu anderen Typen der Divisionalisierung
5.1. Holding
5.2. Investment Center
5.3. Cost Center
5.4. Service Center
5.5. Revenue Center
6. Vor- und Nachteile der Divisionalisierung gegenüber der funktionalen Organisation
6.1. Grundsätzliche Vorteile der Divisionalisierung
6.2. Mögliche Nachteile bzw. Probleme der Divisionalisierung
7. Ergebnis
Zielsetzung und Themenbereiche
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, das Profit-Center-Konzept als Strategie zur dezentralen Unternehmensführung vorzustellen, seine Vorteile gegenüber der funktionalen Organisation aufzuzeigen sowie kritisch die Schwierigkeiten bei dessen Implementierung zu analysieren.
- Grundlagen und Definition von Profit Centern als strategische Geschäftseinheiten
- Vergleichende Analyse zwischen divisionaler und funktionaler Organisationsstruktur
- Unterscheidung verschiedener Typen der Divisionalisierung (Holding, Investment/Cost/Service/Revenue Center)
- Diskussion der Vor- und Nachteile sowie der Herausforderungen bei der organisatorischen Umstellung
Auszug aus dem Buch
2. Definition des Begriffes „Profit Center“
Profit Center sind einzelne kleine Betriebseinheiten innerhalb eines Unternehmens, die organisatorisch verselbständigt worden sind und über eigene Strukturen, Planungs- und Controllinginstrumente verfügen. Sie besitzen eine eigene Verantwortung für den betriebswirtschaftlichen Erfolg und erstellen eigene Kosten- und Erlösrechnungen. An der Spitze steht jeweils ein Verantwortlicher, der wie ein Subunternehmer handelt und dessen Erfolg am Gewinn oder am Deckungsbeitrag gemessen wird. Jedes Profit Center nimmt als eigenständige Einheit am Wettbewerb teil, bietet selbständig Produkte und Dienstleistungen am Markt an und stellt sich den externen Konkurrenten. Lieferungen aus anderen Bereichen des Unternehmens werden wie Lieferungen von fremden Firmen in der Betriebsergebnisrechnung berücksichtigt. D. h. die einzelnen Betriebseinheiten stehen in einer Kundenbeziehung zueinander. Bietet ein Fremdunternehmen die gleichen Produkte oder Dienstleistungen zu einem geringeren Preis oder zu einer besseren Qualität an, so kann der Verantwortliche des Profit Centers den entsprechenden Auftrag auch nach außen vergeben. Durch diesen internen Konkurrenzkampf soll die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Unternehmens verbessert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die zunehmende Globalisierung zwingt Unternehmen zu schnellerer Anpassung an regionale Bedürfnisse, was den Übergang von funktionalen zu dezentralen Strukturen wie dem Profit-Center-Konzept notwendig macht.
2. Definition des Begriffes „Profit Center“: Es werden kleine, organisatorisch verselbständigte Einheiten beschrieben, die eigenverantwortlich über Kosten und Erlöse verfügen und wie Subunternehmer am Markt agieren.
3. Die geschichtliche Entwicklung des Profit-Center-Konzeptes: Der Ursprung liegt in den 1920er Jahren in den USA bei Unternehmen wie Du Pont und General Motors, um der Überlastung der funktionalen Führung entgegenzuwirken.
4. Die Divisionalisierung im Vergleich zur funktionalen Organisation: Hier wird der fundamentale Unterschied zwischen funktionalen, aufgabenorientierten Strukturen und der echten divisionalen Organisation sowie der Organisation der Führungsspitze erörtert.
5. Das Profit Center im Vergleich zu anderen Typen der Divisionalisierung: Das Kapitel differenziert weitere Organisationsformen wie Holding, Investment, Cost, Service und Revenue Center anhand ihres jeweiligen Autonomiegrades.
6. Vor- und Nachteile der Divisionalisierung gegenüber der funktionalen Organisation: Eine kritische Betrachtung zeigt Vorteile wie höhere Flexibilität und Transparenz auf, stellt diese jedoch Problemen wie Spartenegoismus und hohen Koordinationskosten gegenüber.
7. Ergebnis: Das Konzept ist für international agierende Unternehmen mit heterogenem Produktprogramm hochgradig sinnvoll, erfordert jedoch eine sorgfältige Gestaltung der Unternehmenskultur.
Schlüsselwörter
Profit Center, Divisionalisierung, funktionale Organisation, Dezentralisierung, strategische Geschäftseinheiten, Holding, Deckungsbeitragsrechnung, Unternehmensführung, Marktorientierung, Wettbewerbsfähigkeit, Organisationsstruktur, Erfolgsverantwortung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Profit-Center-Konzept als organisatorischem Ansatz, um Unternehmen dezentraler, übersichtlicher und marktnaher zu führen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Definition von Profit Centern, die Abgrenzung zu anderen divisionalen Organisationsformen sowie die Analyse der Chancen und Risiken bei der praktischen Umsetzung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Eignung des Profit-Center-Konzepts im Vergleich zur klassischen funktionalen Organisation zu untersuchen und die Probleme bei der Umstrukturierung kritisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer literaturgestützten, theoretischen Analyse von betriebswirtschaftlichen Organisationskonzepten unter Einbeziehung von Praxisbeispielen wie General Motors oder Siemens.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition, die geschichtliche Entwicklung, den Vergleich mit anderen divisionalen Typen (z.B. Holding, Cost Center) sowie die detaillierte Gegenüberstellung von Vor- und Nachteilen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Profit Center, Divisionalisierung, Dezentralisierung, Erfolgsverantwortung und strategische Geschäftseinheiten charakterisiert.
Was unterscheidet ein Profit Center von einem Investment Center?
Das Investment Center besitzt zusätzlich zur Produktions- und Absatzhoheit auch eine weitgehende Verantwortung für Investitionsentscheidungen und Kapazitätsplanung, was ihm einen höheren Autonomiegrad verleiht.
Warum kann das Profit-Center-Konzept zu „Spartenegoismus“ führen?
Da einzelne Geschäftseinheiten stark am eigenen, kurzfristigen Ergebnis gemessen werden, vernachlässigen sie möglicherweise die langfristigen Gesamtinteressen des Konzerns zugunsten ihres eigenen Erfolgs.
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- Diplom-Betriebswirt (FH) Sven Siemers (Author), 2002, Das Profit-Center-Konzept, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11732