Portfolio zum Unterrichtspraktikum im Fach Englisch in der Grundschule


Praktikumsbericht / -arbeit, 2008
59 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I. Praktikumsbericht
A. Einleitung
1. Allgemeiner Hinweis zu geschlechtsneutralen Bezeichnungen
2. Die Praktikumsschule
a. Schultyp, Schulorganisation und Informationen aus dem Schulprofil
b. Anzahl der Schüler und der Lehrkräfte
c. Informationen zur Schulleitung
d. Schulgründung
e. Einzugsgebiet der Schule
f. Englisch als erste Fremdsprache
g. Meine Mentorin
B. Tabellarische Übersichten über die Praktikumsaktivitäten
1. Semesterbegleitende Hospitationen (vor Praktikumsbeginn)
2. Hospitationen und eigener Unterricht während des Praktikums
C. Zu den Hospitationen
1. Beobachtungsschwerpunkt: „Wie gestaltet der Lehrer Unterrichtseinstiege?“
2. Ein Kurzer Blick auf die Theorie: (Allgemein)didaktische Funktionen von Unterrichtseinstiegen (nach Meyer)
3. Meine Beobachtungen – tabellarischer Überblick
4. Auswertung
D. Bedingungsfeldanalyse für meinen eigenen Unterricht
1. Die Klasse 3b
a. Klassenzusammensetzung und Klassenatmosphäre
b. „Besondere“ Kinder
c. Lernvoraussetzungen
d. Übliche Rituale
2. Technische Voraussetzungen
3. Der Klassenraum
4. Das Lehrwerk
E. Zur Arbeit an der Unit „Family“
1. Begründung der Themenwahl: Bedeutung für die Schüler
2. Bezug zum Berliner Rahmenlehrplan
a. Das Thema
b. Die zu vermittelnden Kompetenzen
3. Ergebnisse der Sachanalyse
a. „Family“: Mögliche Themenbereiche
b. Redemittel zum Thema „Family“
c. Mögliche Schwierigkeiten, die das Thema inhaltlich mit sich bringt
d. Zum wichtigen neuen Wortschatz
e. Picture Cards und Word Cards
f. Mögliche sprachliche Schwierigkeiten
g. Zur Grammatik
h. Lieder als motivierende Textsorte
i. Der Einsatz von Handpuppen
4. Einige didaktische Grundsätze für den Englischunterricht der Grundschule
a. Einsprachigkeit der Unterrichtssprache
b. Mimik, Gestik, Körpersprache als Semantisierungshilfe
c. Zu den „four Skills“
d. Rollenspiele im Fremdsprachenunterricht als „soziales Sprach-Probehandeln“.19 e. Zur Wichtigkeit der häufigen Wiederholungen
f. Positives Feedback und Fehlerkorrektur
g. „Narratives Prinzip“
5. Ergebnisse der didaktischen Analyse – tabellarische Übersicht über die Unit
6. Grobziel der Unit
F. Darstellung der 1. Unterrichtsstunde
1. Tabelle zum geplanten Unterrichtsverlauf
2. Lernziele der Stunde
3. Organisatorische Angaben
4. Auswertung
G. Darstellung der 2. Unterrichtsstunde
1. Tabelle zum geplanten Unterrichtsverlauf
5. Lernziele der Stunde
6. Organisatorische Angaben
7. Auswertung
H. Schlussgedanken zum Praktikum

II. Zu einem fachdidaktischen Thema: Einsatz der Muttersprache im Fremdsprachen- unterricht
A. Einleitung: Schwerpunktsetzung und Begründung der Themenwahl
B. Theoretische Positionen zum Einsatz von Fremdsprache und Muttersprache im Fremdsprachenunterricht
1. Gemäßigtes Prinzip der Einsprachigkeit
2. Bilinguale Methode („aufgeklärte Einsprachigkeit“)
C. Zur Praxis: Eigene Wahrnehmungen im Englischunterricht
D. Reflexion und Schlussfolgerungen für meine eigene zukünftige Lehrtätigkeit

III. Anhang
A. Literatur- und Medienangaben
B. Auflistung des bisherigen und des neu zu erarbeitenden Unterrichtswortschatzes
C. Tafelbilder, Arbeitsblätter und sonstige Arbeitsmittel zu den zwei dargestellten Unterrichtsstunden

I. PRAKTIKUMSBERICHT

A. Einleitung

1. Allgemeiner Hinweis zu geschlechtsneutralen Bezeichnungen

Wenn im folgenden Text die weibliche Form nicht der männlichen Form beigestellt ist, so ist der Grund dafür allein die bessere Lesbarkeit. Wo sinnvoll, ist selbstverständlich immer auch die weibliche Form gemeint.

2. Die Praktikumsschule

a. Schultyp, Schulorganisation und Informationen aus dem Schulprofil

Die Praktikumsschule, die sich im Berliner Bezirk Mitte befindet, ist eine musikbetonte Grundschule mit einem breiten, über den regulären Musikunterricht hinausgehenden musikalischen Angebot für die Schüler, dies unter anderem um dem eigenen zentralen Anspruch der Förderung des sozialen Miteinanders gerecht zu werden. Im Sinne dieses Anspruchs spielt auch die Zusammenarbeit von den pädagogischen Mitarbeitern, den Kindern und den Eltern für die Schule eine große Rolle.

Über den regulären Unterricht hinaus gibt es in Form eines offenen Ganztagsbetriebes mit Hortanschluss noch weitere Angebote und Projekte als ergänzendes Betreuungsangebot (z.B. Theater-, Näh- und Bastelkurse, Programme zur Förderung der Kreativität, Entspannungsmöglichkeiten, Koch- und Backkurse, sportliche und ökologische Projekte und unterschiedliche Spielangebote).

Die Schule bezeichnet sich selbst als eine „Kiezschule“, die offen und transparent sein möchte. Neben der Förderung des sozialen Miteinanders und der Wissensvermittlung sind Integration, Chancengleichheit für alle Kinder, Individualisierung, Angebots- differenzierung und die Entwicklung von Methodenkompetenz, Ich-Kompetenz sowie sozialer Kompetenz bei ihren Schülern weitere wichtige Anliegen der Schule.

b. Anzahl der Schüler und der Lehrkräfte

Im aktuellen Schuljahr 2007/08 befinden sich lt. Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Sport (www.berlin.de/sen/bildung/index.html) insgesamt 419 Schüler an der Schule. Diese Zahl setzt sich ungefähr zur Hälfte aus weiblichen Schülern und zur anderen Hälfte aus männlichen Schülern zusammen. Zum altersmäßig gut gemischten Lehrpersonal gehören 28 Lehrer, 15 Erzieher und eine Referendarin.

c. Informationen zur Schulleitung

Die Schulleitung besteht aus einer Schulleiterin und einer stellvertretenden Schulleiterin.

d. Schulgründung

Im Schulgebäude befanden sich seit der Erbauung gegen Ende des 19. Jahrhunderts und auch nach Zerstörung und Wiederaufbau Mitte des 20. Jahrhunderts unterschiedliche Schultypen, bis 1990 die betreffende Praktikumsschule als Grundschule in das Gebäude einzog. Ihren heutigen Namen gab sie sich allerdings erst 1993 mit ihrer Umstellung auf eine musikbetonte Grundschule.

e. Einzugsgebiet der Schule

Die Schüler kommen hauptsächlich aus der direkt um die Schule herum liegenden Wohngegend – ein von der Schule selbst als „sozial schwach“ bezeichnetes Gebiet. 4 Schüler kommen aus dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, 15 kommen aus Pankow, 3 kommen aus Steglitz-Zehlendorf und ein Kind kommt aus dem „übrigen Brandenburg“ (Bezeichnung der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Sport).

Der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund ist mit 5,5 % im Vergleich zu anderen Berliner Schulen recht gering.

f.. Englisch als erste Fremdsprache

Englisch steht bei den Schülern dieser Schule ab Klasse 3 auf dem Stundenplan (mit zwei Stunden pro Woche, wovon eine in Form von Teilungsunterricht stattfindet). In den Klassenstufen 3 und 4 handelt es sich zunächst um eine Art „vorfachlichen“ Englischunterricht, bei dem es speziell darum geht, auf den Fachunterricht ab Klasse 5 vorzubereiten, d.h. angstfreies Interesse für die Sprache zu wecken und die Kinder langsam an den Unterricht in englischer Sprache zu gewöhnen. Der Unterricht beinhaltet keine gezieltes Vokabel- oder Grammatiklernen. Im Vordergrund steht der imitative Umgang mit der Sprache sowie Lernen mit allen Sinnen. Das Mündliche spielt die wesentliche Rolle, jedoch finden auch schon in Klasse 3 erste Kontakte mit der Schriftsprache statt. Das Schriftbild wird dabei erst eingeführt, wenn das Wort durch Verstehen und Sprechen gefestigt ist. Ziffernnoten gibt es für Englisch erst im zweiten Halbjahr von Klasse 4. Für die 5. und 6. Klassen wird neben dem Regelunterricht zusätzlich „Creative English“ als verbindlicher Wahlunterricht angeboten.

g. Meine Mentorin

Bei meiner Mentorin handelt es sich um eine von zwei angestellten Englischlehrerinnen der Praktikumsschule. Sie arbeitet seit ca. zwei Jahren an dieser Schule und unterrichtet in den Klassenstufen 3, 4 und 5.

B. Tabellarische Übersichten über die Praktikumsaktivitäten

1. Semesterbegleitende Hospitationen (vor Praktikumsbeginn)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[1]

2. Hospitationen und eigener Unterricht während des Praktikums (18.02. bis 16.03.2008)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[2],[3]

C. Zu den Hospitationen

1. Beobachtungsschwerpunkt: „Wie gestaltet der Lehrer Unterrichtseinstiege?“

Wenn man als Lehrer seine Unterrichtsstunde genau plant, dann kommt man nicht drum herum, sich zu überlegen, wie man diese Stunde überhaupt beginnen will. Denn ein guter Stundenbeginn kann den Ton der ganzen Stunde bestimmen, d.h. er kann die Schüler (und auch den Lehrer) positiv oder negativ auf die Stunde einstimmen. Im Englischunterricht bezeichnet man Unterrichtseinstige als Warmer, die die Schüler dazu bringen sollen, von ihrer Muttersprache gedanklich in die Fremdsprache zu wechseln, und die dabei gleichzeitig eine Lernatmosphäre aufbauen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, in eine Unterrichtsstunde einzusteigen. Wie Unterrichtseinstiege in der Praxis aussehen, hängt meist von der didaktischen Funktion ab, die sie erfüllen sollen, auch diese kann in verschiedenen Stunden unterschiedlich sein (vgl. www.guterunterricht.de und www.onestepenglish.com). Da ich mich gerade mit der Wahl von Unterrichtseinstiegen, die in der Regel nicht länger als fünf bis zehn Minuten sein sollten, schwer tue, interessierte ich mich bei meinen Hospitationen unter anderem sehr stark für die Unterrichtseinstiege meiner Mentorin. Ich versuchte, der Frage nachzugehen, wie genau sie in ihre Unterrichtstunden einsteigt und welche Funktion der Einstieg dabei jeweils erfüllen könnte.

2. Ein Kurzer Blick auf die Theorie: (Allgemein)didaktische Funktionen von Unterrichts- einstiegen (nach Meyer)

„Der Unterrichtseinstieg soll das neue Thema für die Schüler auf- und erschließen“ (Meyer: 122). Er dient dabei dazu (vgl. Meyer: 122-150),...

... bei den Schülern Erstaunen, Interesse und Aufmerksamkeit zu wecken (z.B. durch stummen Impuls, Lehrererzählung, Spiel, Experiment, Film, Zeitzeugen etc.).

... die Schüler neugierig zu machen.

... in zentrale Aspekte des neuen Themas einzuführen.

... Vorkenntnisse der Schüler zu aktivieren sowie ihre Vorerfahrungen in Erinnerung zu rufen (z.B. Brainstorming, Wiederholung, Kartenabfrage, Mindmap etc.).

... Selbstverständliches und Vertrautes in Frage zustellen und Denkanstöße zu geben (z.B. durch Provokation, Verrätseln, Widerspruch, Kontroverse Materialien etc.)

... über den geplanten Unterrichtsablauf zu informieren und damit einen Orientierungsrahmen zu geben.

... die Lerngruppe zu disziplinieren (z.B. durch Eröffnungsrituale wie Fantasiereise, Singen, Musik, Entspannungsübung, Erzählkreis etc.).

Laut Hilbert Meyer (122) hat der Unterrichtseinstieg oftmals auch die Funktion, das Bekannte mit dem Neuen, was man erarbeiten möchte, zu verknüpfen – als Vernetzung von Ergebnissicherung und Neuanfang (z.B. durch die übende Wiederholung oder die Hausaufgabenkontrolle zu Stundenbeginn).

3. Meine Beobachtungen – tabellarischer Überblick

Ich hatte während des Praktikums die Möglichkeit, in den Klassenstufen 3, 4 und 5 zu hospitieren, jeweils im Unterricht meiner Mentorin. Im Folgenden stelle ich meine Beobachtungen bezüglich des gewählten Beobachtungsschwerpunktes dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4. Auswertung

Ich konnte insgesamt kaum Unterrichtseinstiege beobachten, die über die Funktion der Disziplinierung und Vorwissensaktivierung hinausgehen. Am häufigsten begann die Lehrerin ihre Unterrichtsstunden mit einem Lied oder einem Spiel, um die Schüler zu disziplinieren und gleichzeitig auf die englische Sprache einzustimmen. Gleich im Anschluss folgte meistens eine Wiederholung des in der vorangegangen Stunde Gelernten, um an dieses Wissen in der besagten Stunde anknüpfen zu können. Interessant ist für mich in diesem Zusammenhang, dass ich immer das einstimmende Lied sowie die Wiederholung gemeinsam als Unterrichtseinstieg wahrnahm, bei genauer Überlegung jedoch nicht sagen kann, ob die Wiederholung, die dem Lied meist folgte, überhaupt noch mit zum Unterrichtseinstieg gehört, oder ob sie bereits eine neue Phase der Unterrichtsstunde darstellt. Einmal erlebte ich, wie die Lehrerin ihren Unterrichtseinstieg direkt nach den Ferien dazu nutzte, die Kinder über ihre Ferien erzählen zu lassen. Kinder erzählen im Allgemeinen gerne über ihre Ferien, so dass sich dies anbot, sie zum Sprechen zu motivieren und damit wieder an das Englischsprechen und –hören zu gewöhnen, nachdem sie aufgrund der Ferien längere Zeit keinen Englischunterricht mehr hatten. Einmal gab es gar keinen Unterrichtseinstieg während meiner Hospitationen, hier sollten die Kinder gleich an einer Sache weiterarbeiten, mit der sie in der vorigen Stunde angefangen haben.

Sicher hätte man die Unterrichtseinstiege noch variieren können, aber ansonsten fand ich die gewählten Unterrichtseinstiege jeweils durchaus passend für die Stunde. Lieder und Spiele machen den Kindern meistens Spaß, so dass sie im Grunde als Selbstläufer für positive Lernstimmung gesehen werden können, und Wiederholungen sind gerade beim Frühbeginn des Englischunterrichts besonders wichtig. Ich habe festgestellt, dass es neben der gewählten Einstiegsform sehr förderlich ist für den Unterrichtseinstieg allgemein, wenn der Lehrer vor Stundenbeginn schon im Klassenzimmer ist, mit den bereits anwesenden Schülern ein paar freundliche Sätze spricht und allgemein Ruhe ausstrahlt. Kritisch anmerken möchte ich, dass mir in den beobachteten Unterrichtsstunden insgesamt die Information über den geplanten Unterrichtsablauf fehlte. Ich möchte als Konsequenz daraus ziehen, dass ich den Schülern zu Beginn meines eigenen Unterrichts immer an die Tafel schreibe, was die zentralen Stundenpunkte sind, und diese dann kurz vorstelle. Eine solche Vorgehensweise habe ich in einem früheren Praktikum als sehr positiv wahrgenommen.

D. Bedingungsfeldanalyse für meinen eigenen Unterricht

1. Die Klasse 3b

a. Klassenzusammensetzung und Klassenatmosphäre

Die Klasse 3b setzt sich aus 26 Schülern (50 % Jungen, 50 % Mädchen) im Alter von acht bis neun Jahren zusammen. Die Klasse insgesamt ist sehr offen und nett, und das Klassenklima erscheint sehr positiv, das Verhältnis der Schüler untereinander scheint mir ganz normal zu sein. Dies wurde auch von den Lehrerinnen bestätigt. Der Unterricht verläuft im Allgemeinen recht lebhaft: In der Klasse befinden sich einige „temperamentvolle“ Kinder, die hin und wieder Mitten im Unterricht aufstehen und herumlaufen, andere melden sich hin und wieder im Unterricht, um Fragen zu stellen oder Geschichten zu erzählen, die nichts eigentlich mit dem Unterrichtsthema zu tun haben, andere Kinder unterhalten sich offensichtlich gerade im Unterricht gerne miteinander über ihre Freizeitaktivitäten. Grobe Disziplinschwierigkeiten fielen mir jedoch in meinen Hospitationsstunden nie auf, weshalb ich nicht davon ausgehe, dass ich während meiner eigenen Unterrichtsversuche damit rechnen muss. Die Englischlehrerin selbst lässt ein gutes Verhältnis zu ihren Schülern erkennen.

b. „Besondere“ Kinder

Es befinden sich fünf Kinder in der Klasse, die mir bei meinen Hospitationen besonders auffielen. Ein Junge fiel mir aufgrund seiner motorischen Unruhe und seinen häufigen Zwischenrufen im Unterricht auf. Er hat offensichtlich einen starken Bewegungsdrang, was man im Unterricht berücksichtigen sollte. Ein weiterer Junge und ein Mädchen stören besonders häufig den Unterricht mit Dazwischenreden bzw. -rufen. Ein anderer Junge bekommt laut Aussagen der Englischlehrerin wohl sehr viel Lern- und Leistungsdruck von zu Hause, was sich auf sein Verhalten im Unterricht in der Form ausübt, dass er sich hin und wieder weigert, mitzuarbeiten und dass er manchmal sehr in sich gekehrt ist und besondere Zuwendung braucht. Beim Test der Klasse, der mit seinen Aufgaben die bisherigen drei Units umfasste, war er der einzige, der mit dem Test offensichtlich gar nicht zurecht kam. Ihn sollte man im Unterricht besonders beobachten und sich evtl. gerade bei Stillarbeitsphasen intensiver mit ihm beschäftigen. Außerdem gibt es einen Jungen in der Klasse, der mit seiner Familie ein paar Jahre im englischsprachigen Südafrika lebte, so dass er einen sehr viel größeren Wortschatz als die anderen Kinder als Voraussetzung für den Unterricht mitbringt. Dieser Junge ist zudem allgemein recht leistungsstark und auch begierig darauf, seine Fähigkeiten im Unterricht zum Ausdruck zu bringen. Das macht sich daran bemerkbar, dass er schnell im Unterricht stört, wenn er keine Möglichkeit bekommt, sein Wissen im Unterricht zu zeigen. Dies sollte man als Lehrer im Unterricht auf jeden Fall berücksichtigen und ihm ggf. besondere Aufgaben übertragen oder sich gerade sein Vorwissen für den Unterricht zunutze machen.

c. Lernvoraussetzungen

Seit knapp einem halben Jahr hat die Klasse Unterricht in Englisch als erste Fremdsprache bei meiner Mentorin, und in dieser Zeit behandelten sie die Themenbereiche „Hello“, „School“ und „Body“ aus dem Lehrwerk „Playway 3“. Ich beginne in meiner zu planenden Unterrichtseinheit mit dem neuen Thema „Family“, nachdem gerade das Thema „Body“ mit einem inhaltlich alle bisherigen Units umfassenden Test abgeschlossen wurde. Beim Test haben fast alle Kinder gute Ergebnisse geliefert. Drei Kinder hatten nicht so gute Ergebnisse. Insgesamt ist die Klasse relativ leistungsstark[4], es sind jedoch durchaus Unterschiede zwischen den Schülern da. Allgemein kann ich für meine Unterrichtseinheit davon ausgehen, dass die Kinder bis 10 – manche sogar weiter – zählen können, dass sie die Schulsachen, mit denen sie täglich umgehen (z.B. scissors, schoolbag, glue, pencil case usw.) und auch Körperteile wie arm, legs, toes, nose etc. benennen können. Außerdem sind ihnen einige englische Lehreranweisungen wie Open your book!, Sit down!, Close your book! oder auch Stand up! bekannt, auch wenn manche Kinder offensichtlich immer erst mal bei ihren Mitschülern gucken müssen, ob sie auch wirklich richtig verstanden haben. Sie können außerdem jemanden begrüßen und nach seinem Namen fragen, sich entschuldigen und sich verabschieden. Zum bisher gelernten Wortschatz kennen die Kinder auch die Schriftform. Neben dem produktiven Wortschatz der Kinder gehören zu dem rezeptiven Wortschatz, der im Unterricht bisher auftauchte, Wörter wie banana, draw, match, speak, story, painting, listen und andere[5]. Diese Wörter wurden nicht konkret eingeführt, aber regelmäßig vom Lehrer im passenden Zusammenhang verwendet, so dass die Kinder vermutlich wissen, was damit gemeint ist.

Bisher lag der Schwerpunkt des Englischunterrichts auf der Förderung des Bereichs Hörverstehen und Sprechen, wie das auch allgemein für den Frühbeginn vorgesehen ist. Die Kinder sind dadurch auch daran gewöhnt, sich unbekannte Wörter und Satzstrukturen durch Mimik und Gestik vom Lehrer zu erschließen, oft auch zusätzlich unterstützt durch visuelle oder auditive Medien. Neue Wörter werden bisher von den Schülern zum Teil auch noch mal (im Auftrag des Lehrers) ins Deutsche übersetzt, um sicherzugehen, dass alle sie verstanden haben. Allgemein sind die Schüler daran gewöhnt, dass die Lehrerin im Sinne des Immersionsprinzips zwar hauptsächlich Englisch spricht, jedoch auf dieser Klassenstufe noch regelmäßig Schwieriges (z.B. komplexe Aufgabenstellungen) und Neues auch auf Deutsch erklärt. Beim Sprechen fällt auf, dass die Kinder immer wieder dazu neigen, „Ein-Wort-Antworten“ zu geben, hier muss man als Lehrer versuchen, die Kinder dazu zu bringen, möglichst in ganzen Sätzen zu sprechen. Bei längeren Sprechphasen (z.B. Beschreibungen selbst gemalter Bilder) muss die Lehrerin bei den meisten Kindern starke Hilfestellung geben und mit Fragen unterstützen. Die Lehrerin schreibt meistens die Satzstrukturen, die für die Stunde gebraucht werden, noch mal als Hilfestellung für die Schüler beim Sprechen an die Tafel.

Fast alle Kinder der Klasse stehen der englischen Sprache aufgeschlossen und motiviert gegenüber. Dies haben meine Gespräche mit den Schülern ergeben, und dies merkt man auch im Unterricht. Bei der Einführung neuer Wörter und Satzstrukturen zeigen die meisten Schüler großes Interesse und sie verfolgen aufmerksam den Unterricht. Die Sprechbereitschaft ist unterschiedlich ausgeprägt, im Allgemeinen arbeiten die meisten Kinder aber sehr aktiv mit im Unterricht.

Zwar findet der Unterricht aufgrund des noch zu geringen Wortschatzes der Kinder hauptsächlich als Frontalunterricht mit dem Lehrer als Inputprovider statt. Jedoch wird hier auch sehr viel gesungen und mit viel Bewegung, sprich dem ganzen Körper, und allen Sinnen handlungsorientiert gearbeitet. Die Schüler hören neben der Stimme des Lehrers regelmäßig von CD auch Texte von anderen Sprechern. Wiederholung spielt im Unterricht eine große Rolle, so müssen die Kinder immer wieder neue Wörter nachsprechen und der bisherige Wortschatz immer wieder aufgegriffen werden, um ihn zu festigen. Auch kommt die Handpuppe „Max“ oft zum Einsatz – im Dialog mit dem Lehrer, was die Kinder immer wieder erfreut und motiviert. Die Kinder sind neben dem Frontalunterricht auch gewöhnt an Gruppen- und Partnerarbeit sowie an Stillarbeit und regelmäßige englische Rollenspiele, für die sie meist zu zweit oder zu dritt kurze Dialoge einüben und vortragen. Gerade Rollenspiele mögen die meisten Kinder laut eigenen Aussagen besonders gern.

d. Übliche Rituale

Einige Sequenzen des Englischunterricht folgen meist einem festen Muster, so werden z.B. neue Wörter nach bestimmtem Muster eingeführt (erst Bildkarten mit wiederholtem Hören und Sprechen der neuen Wörter, dann dazugehörige Wortkarten mit wiederholtem Hören und Sprechen der Wörter usw.), um den Kindern nicht immer wieder neu auf komplizierte Weise erklären zu müssen, was sie machen sollen, sondern ihnen das Verständnis des Unterrichtsablaufs zu erleichtern und ihnen auch die Orientierung im für sie neuen Unterricht in einer anderen Sprache zu erleichtern.

2. Technische Voraussetzungen

Auf jeder Etage des Schulgebäudes befinden sich ein Overheadprojektor sowie ein Fernsehgerät mit dazugehörigem DVD-Player. Diese Geräte müssen sich jeweils ca. sechs Klassen miteinander teilen. Man trägt sich als Lehrer bei Bedarf in eine Liste ein mit dem entsprechenden Datum, wann und wie lange man das jeweilige Gerät braucht. Den Einsatz der Geräte sollte man also am besten schon einige Zeit vorher planen.

Jeder Lehrer hat, sofern er diesen regelmäßig benötigt, einen eigenen CD-Player. Meine Mentorin bot mir an, ihren benutzen zu können, wenn ich einen brauche.

3. Der Klassenraum

Der Klassenraum ist relativ klein, bietet jedoch auch in diesem kleinen Rahmen Möglichkeiten, sich zum Spielen, Singen usw. ausreichend bewegen zu können. Es gibt auch Möglichkeiten, die von den Kindern produzierten Arbeiten aufzuhängen, jedoch muss das mit der Klassenlehrerin möglichst vorher abgesprochen werden.

4. Das Lehrwerk

In Klasse 3 wird allgemein mit dem Lehrwerk „Playway 3“ von Klett gearbeitet. Da die entsprechenden Lehrwerkteile von den Eltern finanziert werden, ist es ihnen auch ein wichtiges Anliegen, dass man diese im Unterricht auch tatsächlich verwendet. Für die Schüler gibt es ein Pupil’s Book und ein Activity Book. Darin sind zahlreiche Stories, Sketches, Songs, Chants, Rhymes, Poems sowie Illustrationen und Aufgaben enthalten, die die Entwicklung des Hörverstehens und des Sprechens der Kinder unterstützen sollen, dies eingebunden in 12 Units, die sich thematisch an den für die Klassenstufen drei und vier verbindlichen Inhalten des Rahmenlehrplans orientieren (z.B. School, Body, Family, Animals, Clothes, Food, Weather, Time, Holidays als Themenbereiche). Das Lehrwerk enthält außerdem für den Lehrer ein Teacher’s Book mit Informationen und Kommentaren zu den einzelnen Units, Audio-CDs für den Lehrer und für die Schüler mit allen Liedern und Texten, eine DVD, Bildkarten, Wortkarten, Story Cards sowie die Handpuppe „Max“.

E. Zur Arbeit an der Unit „Family“

1. Begründung der Themenwahl: Bedeutung für die Schüler

Wortschatz und Grammatik, die im Englischunterricht der Grundschule gelernt werden, – genauso wie alle kommunikativen Situationen – hängen weitgehend von den Themen ab, die im Unterricht behandelt und versprachlicht werden. Im hauptsächlich englischsprachigen Unterricht hilft unter anderem gerade der thematische Kontext bzw. die Situation den Kindern, Bedeutungen zu entschlüsseln. Verbindliche und fakultative Inhalte des Unterrichts legt der Rahmenlehrplan Berlin fest (siehe hierzu Kapitel 2. a.). Die Themenbereiche kreisen dabei um die Alltagswelt der Kinder und um die Fantasiewelt von Geschichten (vgl. Klippel: 24-26). Gerade die Familie ist ein wichtiges Element der Alltagswelt von Kindern, denn sie ist in der Regel (neben der Schule) primäre Umgebung der Kinder.

2. Bezug zum Berliner Rahmenlehrplan

a. Das Thema

Das Thema „Familie“ gehört im Berliner Rahmenlehrplan zum Themenbereich „Ich und die anderen“. Verbindliche Inhalte sind dabei im Anfangsunterricht Familienmitglieder, Tagesablauf, häusliche Tätigkeiten, Haustiere und Taschengeld, fakultativer Inhalt ist die Bedeutung der Familie im Land bzw. in den Ländern der Zielsprache (vgl. Rahmenlehrplan: 47).

b. Die zu vermittelnden Kompetenzen

Zu den einfachen und mittleren[6] Standards für die Jahrgangsstufe 3/4 gehören:

- Bereich Hör- und Hör-/Seh-Verstehen (vgl. Rahmenlehrplan: 14):
- Die englische Sprache von anderen Sprachen unterscheiden zu können
- Einzelne Elemente der Sprache zu identifizieren und Äußerungen in einfachen Gesprächen mit vertrauten Personenkreisen, Orten und Umgebungen zu verstehen, wenn deutlich und langsam in ganz einfacher Standardsprache gesprochen wird
- Auf das Thema in didaktisierten Hörtexten schließen können, wenn deutlich und langsam in ganz einfacher Standardsprache über vertraute Inhalte gesprochen wird

- Im Bereich Sprechen (vgl. Rahmenlehrplan: 15):
- Bekanntes Wortmaterial imitierend und spielerisch nachsprechen können
- Auf einfache, vertraute Fragen zu Alltagssituationen kurz und standardisiert antworten können (mit Hilfe von Mimik, Gestik, Soufflieren des Adressaten)
- In vertrauten Kommunikationssituationen bekanntes Wortmaterial nach eigenen Vorstellungen variieren können

- In den Bereichen Lesen und lautes Lesen (vgl. Rahmenlehrplan: 16):
- Einzelne englische Wörter aus Alltag/Unterricht am Schriftbild erkennen können
- Zuvor gehörte und erarbeitete Begriffe auch lesend verstehen können
- Englische Laut-Buchstaben-Zuordnung von der deutschen unterscheiden lernen
- Lesend ganz kurze Texte verstehen können, wenn diese zuvor gehört und inhaltlich erschlossen wurden
- Mit dem englischen Schriftbild so vertraut sein, dass Wörter, Sätze, kurze und einfache Texte verständlich und zunehmend lautrichtig vorgelesen werden können, wenn diese zuvor in Verbindung mit dem Schriftbild gehört wurden

- Im Bereich Schreiben (vgl. Rahmenlehrplan: 17):
- Vertraute Wörter, Sätze und kleine Texte abschreiben können
- Eine Reihe von oft gehörten, gesprochenen und gesehenen Wörtern und kurzen Sätzen auswendig schreiben können.

3. Ergebnisse der Sachanalyse

a. „Family“: Mögliche Themenbereiche

- Familienmitglieder, Geschwister, family tree
- Wer gehört eigentlich alles zu einer „Familie“?
- Personenbeschreibung, Charaktereigenschaften, Alter, Herkunft, Nationalität
- Familienverhältnisse, „Patchwork“-Familie, Rollen in der Familie: Kind, Tochter,...
- Adresse, Wohnverhältnisse, Tagesabläufe
- Haustiere, Tierfamilien

b. Redemittel zum Thema „Family“

- sich begrüßen und vorstellen: z.B. Hello. My name is...
- Namen erfragen: z.B. What’s your name?
- Verwandtschaftsbeziehungen angeben: z.B. This is my/his/her brother/sister/...; I have got three sisters.
- Verwandtschaftsbeziehungen erfragen: z.B. How many brothers do you have?
- Über Herkunft berichten: z.B. I/My family come(s) from South Africa (originally).
- Sich bedanken: Thank you,...
- Personenbeschreibung: z.B. My sister is nine years old and she’s very clever.
- Haustierbeschreibung: z.B . I have got a black cat.
- Family tree vorstellen: z.B. This is me and my family. This is my mum...

c. Mögliche Schwierigkeiten, die das Thema inhaltlich mit sich bringt

Das Familienleben in der heutigen Zeit kann sehr unterschiedliche Formen haben: Allein erziehende Mütter und Väter, Stieffamilien, Folgefamilien, „Patchwork“-Familien sind neben der traditionellen Kernfamilie (die es immer seltener gibt) gelebte Familienformen. Auch die Rolle von Mutter und Vater kann in diesem Zusammenhang in den verschiedenen Familien der Kinder sehr unterschiedlich sein. Dies sollte man bei der Behandlung des Themas und auch bei der Erstellung der Stammbäume berücksichtigen. Die Kinder sollten die Freiheit bekommen, ihren persönlichen Stammbaum frei zu gestalten, d.h. ohne Vorgabe eines festgelegten Musters, das sich an einem traditionellen Kernfamilien-Schema orientiert. Gleichzeitig müssen sie jedoch auch lernen, dass ein Stammbaum letztlich doch nach einem bestimmten Schema anzufertigen ist.

[...]


[1] In den dritten und vierten Klassen findet eine Stunde Englisch pro Woche in Form von Teilungsunterricht statt, so dass „TEIL I“ oder „TEIL II“ in der Tabelle immer für eine Klassenhälfte steht.

[2] Die Stunden in grüner Schrift stellen meine eigenen Unterrichtsversuche dar.

[3] Die grau hinterlegten Unterrichtsversuche werden unter den Punkten F. und G. dieses Berichtes näher beschrieben.

[4] Ziffernnoten gibt es in Klasse 3 noch nicht. Die Englischlehrerin benutzt zur Bewertung von Tests eine dreistufige Smiley -Variante.

[5] Im Anhang befindet sich eine Auflistung des gesamten bisherigen (produktiven und rezeptiven) Unterrichtswortschatzes der Kinder.

[6] Im Rahmenlehrplan formulierte mittlere Standards sind auf dieser Seite grau schattiert.

Ende der Leseprobe aus 59 Seiten

Details

Titel
Portfolio zum Unterrichtspraktikum im Fach Englisch in der Grundschule
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Anglistik und Amerikanistik)
Veranstaltung
Schulpraktische Studien
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
59
Katalognummer
V117339
ISBN (eBook)
9783640196647
ISBN (Buch)
9783640196777
Dateigröße
877 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Portfolio, Unterrichtspraktikum, Fach, Englisch, Grundschule, Schulpraktische, Studien
Arbeit zitieren
Anne-Kathrin Busè (Autor), 2008, Portfolio zum Unterrichtspraktikum im Fach Englisch in der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117339

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