Das Thema meiner Hausarbeit heißt: „Der hermeneutische Religionsunterricht –
seine theologische Begründung in der biblischen Hermeneutik“.
Der hermeneutische Religionsunterricht ist eine von mehreren Möglichkeiten, den
Religionsunterricht in der Schule didaktisch zu konzipieren. Das Konzept wurde
von dem Theologen Martin Stallmann 1958 als Folge auf die religionsdidaktische
evangelische Unterweisung, die nach dem 2. Weltkrieg in den Schulen
vorwiegend unterricht wurde, entworfen. Heute gilt die Form des
hermeneutischen Religionsunterrichts überwiegend als veraltet und nicht mehr
zeitgemäß.
Ich habe mich entschieden über dieses Thema meine Hausarbeit zu schreiben,
da durch die Seminare an der Hochschule mein Interesse für die verschiedenen
historisch-didaktischen Modelle des Religionsunterrichts geweckt wurde. Ferner
interessiere ich mich nicht nur durch mein Studium bedingt, sondern auch privat
für die biblische Hermeneutik.
Auf den folgenden Seiten werde ich, um Unklarheiten zu vermeiden, zuerst die
zwei wichtigen Begriffe `Hermeneutik` und `biblische Hermeneutik` erläutern. Den
Hauptteil bildet der historische Zusammenhang, die Inhalte, die theologische
Begründung sowie die Ursachen für das Scheitern des hermeneutischen
Religionsunterrichts.
Das Ziel dieser Hausarbeit soll sein, dass der Leser eine umfangreiche und
objektive Einsicht in den hermeneutischen Religionsunterricht erhält. Meine zum
Schluss anstehende persönliche und subjektive Reflexion soll zum Nachdenken
über das Konzept anregen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hermeneutik
2.1. Wortverständnis Hermeneutik
2.2. Wortverständnis Biblische Hermeneutik
3. Von der evangelischen Unterweisung zum hermeneutischen Religionsunterricht
4. Der hermeneutische Religionsunterricht
4.1. Entstehung
4.2. Inhalte
4.3. Theologische Begründung in der biblischen Hermeneutik
4.4. Ursachen für das Scheitern
5. Reflexion
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit analysiert das didaktische Konzept des hermeneutischen Religionsunterrichts, wie es von Martin Stallmann entwickelt wurde. Das primäre Ziel besteht darin, eine objektive Einsicht in die historische Genese, die theoretische Begründung sowie die Gründe für das spätere Scheitern dieses religionspädagogischen Modells zu gewinnen.
- Historische Entwicklung des Religionsunterrichts nach 1945
- Grundlagen der Hermeneutik und biblischen Hermeneutik
- Übergang von der evangelischen Unterweisung zum hermeneutischen Ansatz
- Theologische Begründung durch Martin Stallmann
- Ursachen für die Ablösung durch den problemorientierten Religionsunterricht
Auszug aus dem Buch
4.1. Entstehung
Zu dieser Zeit (ca. 1960) war die Wirtschaft im Aufschwung und es kam zu dem bekannten Wirtschaftswunder. Die Bevölkerung schaute nicht mehr zurück, sondern man beschäftigte sich mit der Gestaltung der Zukunft. In der Schule trat zu dieser Zeit die geisteswissenschaftliche Pädagogik in den Vordergrund. Ebenfalls ein Grund dafür, dass die Schulen eine neue Religionspädagogik benötigten, war der Anlass, dass Religion sich als Fach immer mehr isolierte. Damit verbunden wurde die Hermeneutik die Grundmethode des Umgangs mit der kulturellen Überlieferung. Dies kennzeichnete u.a. den Übergang von der evangelischen Unterweisung zum hermeneutischen Religionsunterricht. Eine Fragestellung war: „Wie konnten schultheoretische, gesellschaftliche, wissenschaftliche Bedingungen aufgenommen werden, ohne dass dabei die Zentralstellung der biblischen Tradition aus dem Blick geriet?“ (Vgl. Kunstmann, S. 53)
Im Jahre 1958 veröffentlichte der Theologe Martin Stallmann sein Buch `Christentum`. Seine These war: „Religionsunterricht muss auslegend verfahren und verstehende Erschließung der christlichen Tradition sein, die als Bedingung des eigenen Selbst-Verstehens gesehen wird. Damit steht nicht mehr der Glaube, sondern existentielles Fragen im Mittelpunkt des Interesses.“ (Vgl. Kunstmann, S. 54)
Der Hauptunterschied zwischen dem hermeneutischen Religionsunterricht und der evangelischen Unterweisung war, dass der Religionsunterricht nicht zum Glauben, sondern zum Verstehen der biblischen Überlieferung führen soll.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, begründet die Wahl des Forschungsgegenstandes und skizziert das methodische Vorgehen der Arbeit.
2. Hermeneutik: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundbegriffe der allgemeinen Hermeneutik sowie der spezifischen biblischen Hermeneutik definiert.
3. Von der evangelischen Unterweisung zum hermeneutischen Religionsunterricht: Das Kapitel beleuchtet den historischen Kontext und den Übergang von der unmittelbaren Verkündigung hin zum auslegenden Unterricht.
4. Der hermeneutische Religionsunterricht: Dieses Hauptkapitel untersucht detailliert Entstehung, inhaltliche Schwerpunkte, theologische Argumentationslinien und die Gründe für das Scheitern des Konzepts.
5. Reflexion: Der Autor resümiert die Ergebnisse und verknüpft diese mit seiner eigenen Haltung als angehender Religionslehrer.
Schlüsselwörter
Religionsunterricht, Hermeneutik, Martin Stallmann, Evangelische Unterweisung, Biblische Hermeneutik, Religionspädagogik, Exegese, Didaktik, Christentum, Schultheorie, Traditionsorientierung, Glaubensvermittlung, Existentielles Fragen, Religionslehrer, Didaktische Grundform.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das religionspädagogische Konzept des „hermeneutischen Religionsunterrichts“, welches Ende der 1950er Jahre als Antwort auf veränderte gesellschaftliche Bedingungen und die Kritik an der „evangelischen Unterweisung“ entstand.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die historische Einordnung didaktischer Modelle des Religionsunterrichts, die theoretische Fundierung durch den Theologen Martin Stallmann und die Auseinandersetzung mit der Rolle biblischer Texte im schulischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist eine objektive Analyse des hermeneutischen Religionsunterrichts, insbesondere seiner theologischen Begründung in der biblischen Hermeneutik und der Identifikation der Ursachen, die zu seinem späteren Scheitern führten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der verschiedene religionspädagogische Fachpublikationen und historische Quellen herangezogen werden, um das Konzept systematisch zu erarbeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert den Wandel von der evangelischen Unterweisung zur Hermeneutik, beschreibt die Entstehung und Inhalte von Stallmanns Modell und analysiert kritisch, warum der Ansatz den Anforderungen an einen modernen Religionsunterricht nicht dauerhaft standhielt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Hermeneutik“, „biblische Überlieferung“, „Religionspädagogik“ und „Stallmann“ charakterisiert.
Was unterscheidet den hermeneutischen Religionsunterricht von der evangelischen Unterweisung?
Während die evangelische Unterweisung primär auf das Hören und Annehmen der Verkündigung ausgerichtet war, fokussiert der hermeneutische Ansatz auf das Verstehen der biblischen Texte und deren Bezug zum existentiellen Selbstverständnis der Lernenden.
Warum wird der hermeneutische Religionsunterricht heute als veraltet betrachtet?
Laut der Arbeit scheiterte das Modell vor allem an der zu starken Traditionsorientierung und der fehlenden Berücksichtigung der persönlichen Erfahrungen, Alltagsprobleme und Subjektivität der Schülerinnen und Schüler.
Welche Bedeutung misst der Autor der Rolle des Religionslehrers bei?
Der Autor betont, dass dem Religionslehrer eine Schlüsselrolle zukommt, da er die Inhalte den Schülern positiv vermitteln muss; er plädiert daher für ein persönliches, überzeugtes christliches Bekenntnis der Lehrkraft.
- Citation du texte
- Simeon Handte (Auteur), 2008, Der hermeneutische Religionsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117340