Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Politics - Political Systems - Germany

Medien als vierte Gewalt ohne staatliche Legitimation?

Title: Medien als vierte Gewalt ohne staatliche Legitimation?

Seminar Paper , 2008 , 17 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sandra Rodwell (Author)

Politics - Political Systems - Germany
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Münster, 20.04.1995 (dpa): Für jedes dritte Kind, selbst aus ländlichen Gebieten Deutschlands, sind Kühe lila. Das berichtete jetzt das in Münster erscheinende Landwirtschaftliche Wochenblatt unter Berufung auf eine Malaktion in Bayern.
Dort waren 40 000 Bauernhof-Poster an Kindergärten verteilt worden. Auf einem Drittel der eingeschickten Bilder waren die Kühe lila ausgemalt.. Der Bauernverband sieht darin ein Indiz, dass die Realität sogar auf dem Land in der Kindergartenphantasie von Medien „überlagert“ wird. Informationsfluss findet heutzutage zu großen Teilen durch Massenmedien statt. Auf der ganzen Welt ist der Mensch täglich mit ihnen konfrontiert, nicht einmal zu Hause bleibt er unbeeinflusst. Die täglichen Nachrichten, Polit-Talkshows und andere Medien fungieren als Meinungsbildner jeglicher sozialen Schicht, sie spalten, führen zusammen und können auch zerstören.
In Demokratien stehen Medien und Politik in gegenseitiger Abhängigkeit, sodass die Massenmedien als gemeinsame Schnittstelle zwischen politischen Akteuren und Bürgern gesehen werden können. Das Bundesverfassungsgericht sagt, dass eine freie, nicht von der öffentlichen Gewalt gelenkte, regelmäßig erscheinende, keiner Zensur unterworfene Presse ein Wesenselement des freiheitlichen Staates und für die moderne Demokratie unentbehrlich ist. Das Bundesverfassungsgericht sagt weiter, dass sich in ihr auch die öffentliche Meinung artikuliert, indem die Argumente sich in Rede und Gegenrede klären, deutliche Konturen gewinnen und den Bürgern Urteil und Entscheidung erleichtern. Die Presse wird als Verbindungs- und Kontrollorgan zwischen dem Volk und den Volksvertretern im Parlament gesehen, das Meinungen und Forderungen zusammenfasst und verständlich für alle macht, sowohl aus der Richtung des Parlaments als auch aus der des Volkes. Die Medien tauchen häufig in Verbindung mit dem Begriff 4. Gewalt auf. Medien sind aber keine verfassungsrechtlichen Organe und sind, im Gegensatz zu den anderen drei Gewalten, nicht mit einer Aufgabe betraut, die ihnen die Öffentlichkeit aufgetragen hat. Das Volk hat sie nicht dazu legitimiert, aktiv und mit Rechten der drei Gewalten ausgestattet, in politische Abläufe einzugreifen. Woher kommt dann also diese Kompetenzzuweisung als vierte Gewalt?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Stellung der Medien im politischen System

3. Funktionen der Medien im politischen Prozess

4. Die vierte Gewalt?

5. Gefahren durch Medien

5.1 Gefahr der Abhängigkeit auf wirtschaftlichem Sektor

5.2 Gefahr der Wirklichkeitsverzerrung

5.3 Möglichkeiten der Medienkontrolle

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Rolle der Massenmedien als sogenannte "vierte Gewalt" in einer Demokratie und hinterfragt kritisch, ob diese Bezeichnung ohne eine formale staatliche Legitimation gerechtfertigt ist. Dabei wird analysiert, inwieweit Medien als Kontrollinstanz fungieren oder ob sie selbst durch wirtschaftliche und politische Interessen manipuliert werden.

  • Die theoretische Einordnung der Medien im politischen System
  • Die Analyse der zentralen Funktionen von Medien im politischen Prozess
  • Die kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff der "vierten Gewalt"
  • Untersuchung von Gefahren wie wirtschaftliche Abhängigkeit und Wirklichkeitsverzerrung
  • Die Problematik staatlicher Medienkontrolle versus Pressefreiheit

Auszug aus dem Buch

4. Die vierte Gewalt?

Wir wissen, dass es in der BRD und in anderen Staaten die drei Gewalten der Legislative, Judikative und Exekutive gibt. Diese drei Gewalten sollen nicht nur dazu dienen, die organisatorische Aufteilung der Gewalten auf verschiedene Organe zu erreichen. Ihr eigentlicher Sinn liegt darin, die Willkürherrschaft zu erschweren bzw. vorrangig zu verhindern, d.h., die verschiedenen Mächte in ein System gegenseitiger Abhängigkeit und Hemmung zu bringen. (…) „Damit die Gewalt nicht missbraucht wird, müssen Maßnahmen getroffen werden, dass die eine Gewalt die andere im Zaum hält (…)6, so Montesquieu im „Geist der Gesetze“ von 1748.

Ist es denn dann nötig, von einer vierten Gewalt zu sprechen, d.h. bedarf es tatsächlich noch einer vierten Gewalt?

Möglicherweise liegt der Wunsch nach einer vierten Gewalt darin begründet, dass das Prinzip der Gewaltenteilung, so wie sie in Deutschland existiert, zu einer Vermischung der drei Gewalten und gewisse Durchbrechungen erlaubt. So verstößt es herkömmlicherweise nicht gegen den Grundsatz der Inkompatibilität, wenn ein Abgeordneter gleichzeitig ein Ministeramt innehat. Auch kann die Exekutive Rechtssatze, nämlich Rechtsverordnungen, erlassen, wenn sie durch ein formelles Gesetz dazu ermächtigt wird, obwohl der Erlass von Rechtsverordnungen reell eine Gesetzgebungstätigkeit darstellt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Massenmedien als Meinungsbildner und deren Rolle zwischen Bürgern und Politik ein.

2. Die Stellung der Medien im politischen System: Das Kapitel beschreibt Medien als Sprachrohr der Öffentlichkeit und beleuchtet ihre verfassungsrechtlich geschützte Rolle in der Meinungsbildung.

3. Funktionen der Medien im politischen Prozess: Hier werden die zentralen Aufgaben der Medien – Informationsfunktion, Artikulationsfunktion sowie Kritik- und Kontrollfunktion – erläutert.

4. Die vierte Gewalt?: Dieses Kapitel hinterfragt die Legitimation der Medien als vierte Gewalt vor dem Hintergrund der klassischen Gewaltenteilung.

5. Gefahren durch Medien: Die verschiedenen Risiken, wie wirtschaftliche Abhängigkeiten, eine verzerrte Wirklichkeitsdarstellung und die schwierige Frage der Medienkontrolle, werden hier analysiert.

6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Medien zwar eine wichtige Funktion erfüllen, aber mangels staatlicher Legitimation nicht als vierte Gewalt im klassischen Sinne bezeichnet werden können.

Schlüsselwörter

Medien, vierte Gewalt, Demokratie, Öffentlichkeit, politische Willensbildung, Kontrollfunktion, Pressefreiheit, Manipulation, Infotainment, Wirklichkeitsverzerrung, Medienkontrolle, Staatsgewalt, Massenmedien, Information, Politik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die gesellschaftspolitische Rolle der Massenmedien und deren Funktion als Verbindungsglied zwischen Volk und Politik in einer demokratischen Staatsordnung.

Welche zentralen Themenfelder werden in der Publikation behandelt?

Die zentralen Themen sind die Funktionen der Medien im politischen Prozess, die Macht der Medien, wirtschaftliche Abhängigkeiten und die Frage nach ihrer demokratischen Legitimation.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Hauptziel ist zu klären, ob die Bezeichnung "vierte Gewalt" für Medien gerechtfertigt ist, obwohl ihnen eine formale staatliche Legitimation durch das Volk fehlt.

Welche wissenschaftlichen Perspektiven werden eingenommen?

Die Arbeit stützt sich auf medienwissenschaftliche Konzepte sowie rechtswissenschaftliche Aspekte zur Gewaltenteilung und verfassungsrechtlichen Grundlage der Pressefreiheit.

Was steht im Hauptteil der Untersuchung im Fokus?

Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Wechselbeziehung zwischen Medien und Politik, der Gefahr der Beeinflussung durch ökonomische Interessen und der Problematik einer verzerrten Wirklichkeitswahrnehmung.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Begriffe wie politische Kommunikation, Gewaltenteilung, Medienkritik, gesellschaftliche Verantwortung der Presse und der Wandel zur Mediendemokratie stehen im Zentrum.

Warum können Medien laut Autor nicht als staatliche "vierte Gewalt" gelten?

Da Medien keine verfassungsrechtlich verankerten Staatsorgane sind, keinen direkten Regierungsauftrag vom Volk erhalten und nicht der gleichen Kontrolle wie andere Staatsgewalten unterliegen, fehlt ihnen die entsprechende Legitimation.

Inwiefern beeinflussen wirtschaftliche Faktoren die Medieninhalte?

Der Autor führt aus, dass der Wettbewerb um Einschaltquoten und Werbeeinnahmen dazu führt, dass komplexe politische Inhalte zunehmend zugunsten einer publikumswirksamen Unterhaltung ("Infotainment") vereinfacht oder verzerrt werden.

Excerpt out of 17 pages  - scroll top

Details

Title
Medien als vierte Gewalt ohne staatliche Legitimation?
College
Free University of Berlin  (Otto-Suhr-Institut)
Grade
1,3
Author
Sandra Rodwell (Author)
Publication Year
2008
Pages
17
Catalog Number
V117376
ISBN (eBook)
9783640199488
ISBN (Book)
9783640205400
Language
German
Tags
Medien Gewalt Legitimation
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sandra Rodwell (Author), 2008, Medien als vierte Gewalt ohne staatliche Legitimation?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117376
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  17  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint