Der Zusammenhang des Guten und Schönen in Platons Symposion


Seminararbeit, 2008

11 Seiten, Note: 2

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Problemaufriss
1. 1 Das „Schöne“ (tò kalón)
1. 2 Das „Gute“ (tò agathón)

2. Die Kalokagathia – Der Zusammenhang zwischen „schön“ und „gut“

3. Zusammenfassung

4. Literaturverzeichnis
a) Primärliteratur
b) Sekundärliteratur

1. Problemaufriss

Platons Symposion handelt von einem Trinkgelage, das gegen Ende des 5. Jh. v. Chr im Hause des Agathon, eines jugendlichen Tragödiendichters, stattfindet. Es gilt, den jüngsten Theatererfolg des Dichters ausgiebig zu feiern. Da die meisten Gäste bereits am Vortag zu tief in Glas geschaut haben und immer noch an den Folgen der „durchzechten Nacht leiden“[1], entschließen sie sich, auf weitere Alkoholexzesse zu verzichten. Stattdessen soll jeder seine Eloquenz unter Beweis stellen und eine (Lob-)Rede auf den „großen Gott“[2] Eros halten. Angefangen bei Phaidros und Pausanias über Eryximachos und Aristophanes bis zum Gastgeber Agathon überbieten sich die – zum Teil geschulten – Rhetoriker mit Würdigungen und Lobpreisungen auf den aus der Mythologie stammenden Halbgott Eros, den „Gott“ der Liebe[3].

Die unkritischen Darstellungen der Teilnehmer, die sich nur auf die Lobpreisung des Eros beschränken, enden abrupt, als der wahrheitsliebende Sokrates an die Reihe kommt und beginnt, anstatt „schön zu reden“ nun „wahr zu reden“.[4] Um seiner Rede einen objektiven, allgemeingültigen Anstrich zu geben und damit noch glaubhafter zu wirken, erzählt er von einer Begegnung, die er einst mit Diotima, einer weisen Priesterin aus Mantineia hatte. Charakteristisch für Sokrates ist dabei, dass er sein Licht einmal mehr „unter den Scheffel stellt“[5] und der Festgemeinschaft anstatt einer rhetorisch ausgefeilten eigenen Rede, ein Lehrgespräch zwischen Diotima und ihm wiedergibt, welches er vor Jahren einmal mit ihr geführt hatte. Diese Diotima-Rede steht nicht nur in der Mitte des Symposions, sondern wird auch für das „Herzstück des gesamten Werkes“[6] gehalten. Nach dem Vorgespräch mit Agathon und nach ein paar einleitenden Worten Diotimas stellt letztere folgende Thesen auf:

- Eros ist weder schön noch hässlich, weder ein Gott noch ein Mensch, sondern ein Daimon[7].
- Eros übt die Funktion eines Dolmetschers (Vermittler) zwischen den Menschen und den Göttern aus.
- Eros ist nicht im Besitz des Schönen (und Guten). Daher entwickelt er ein unbändiges Verlagen, das Gute zu besitzen, und zwar nicht nur jetzt, sondern für immer.

Genau mit dieser letzten These beginnt die Erörterung meines Essays, für den ich hauptsächlich das Kapitel 7.5 des Gastmahls heranziehe.

An den unwissenden[8] Sokrates gewandt, leitet Diotima dieses Kapitel mit der allgemeinen Frage ein: „Was hat [...] Eros vom Schönen“? Bereits in einem nächsten Satz wird sie genauer: „Wer das Schöne begehrt, was begehrt der?“. Die Antwort scheint für Sokrates einfach zu sein, wenn er kurzum antwortet: „Daß es ihm zuteil werde.“ Doch Diotima drängt weiter und will von Sokrates erfahren, wie einem „das Schöne zuteil wird“[9]. Da Sokrates um die Antwort verlegen ist, vereinfacht Diotima ihre Frage ganz geschickt, indem sie „statt des Schönen das Gute“[10] als Ausdruck einsetzt. Die sich jetzt stellende Frage, was denn derjenige begehre, der das Gute erstrebe, kann schnell beantwortet werden, nämlich, dass es ihm in Form von Glückseeligkeit[11] zuteil werde. Die daraus logische Schlussfolgerung lautet: Der „Besitz des Guten, (macht die) Glückseligen glückselig“[12].

„Beim Streben nach dem Schönen stellt sich immer die Frage nach dem Motiv des Besitzen-Wollens, aber mit der Eudaimonie ist eine endgültige Antwort gegeben; man kann nicht weiterfragen, zu welchem Zweck jemand glücklich sein will, sondern die Antwort bedeutet offenbar einen Abschluß, hinter den sich nicht zurückgehen lässt.“[13]

Wie hängen nun die Begriffe des Schönen und Guten zusammen, dass Diotima sie wie Synonyme verwenden kann? Sind die Inhalte der beiden abstrakten Begriffe deckungsgleich oder wollte Platon seine Leser mit einem billigen Trick täuschen? Was meint „schön“ und „ gut“ überhaupt? Der Philosoph Kurt Sier bezeichnet das Verständnis der Beziehung zwischen dem Verlangen (Eros) nach dem Schönen und dem nach dem Guten gar als entscheidend für die Deutung der ganzen Rede.[14]

Diesen und weiteren Fragen will dieser Essay nachgehen. Der platonische Sokrates gibt nämlich selbst keine Erklärung dafür ab, „worin das ‚schön’ und ‚gut’ als Selbige übereinkommen“[15] und weshalb man die Ausdrücke, wie es scheint, gegenseitig austauschen kann. Es gilt also zunächst die klassische Bedeutung dieser Worte zu klären, um dadurch einen möglichen Zusammenhang abzuleiten, der die Fragestellung des Essay löst.

[...]


[1] Glanzmann (2006: 29f.)

[2] Platon, Das Gastmahl (177c).

[3] Bei Platon stammt Eros aus der Verbindung des Gottes Porius mit Penia, der irdischen Ver­treterin der Armut.

[4] Rehm (1996: 83).

[5] Glanzmann (2006: 33).

[6] Ries (2003: 62).

[7] Eros ist, wie Diotima in 202a erklärt, weder das Schöne noch das Hässliche, sondern etwas „mitteninne“ .

[8] Man muss annehmen, dass Sokrates wirklich unwissend ist und nicht wie sonst üblich nur so tut, denn er ist noch jung und Diotima von überragender Weisheit.

[9] Die letzten vier Zitate siehe Platon, Das Gastmahl (204d).

[10] Platon, Das Gastmahl (204e).

[11] Platon, Das Gastmahl (204e f).

[12] Platon. Das Gastmahl (205a).

[13] Sier (1997: 97).

[14] Sier (1997: 97).

[15] Buchner (1965: 45)

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Der Zusammenhang des Guten und Schönen in Platons Symposion
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Department für Philosophie)
Note
2
Jahr
2008
Seiten
11
Katalognummer
V117398
ISBN (eBook)
9783640199617
ISBN (Buch)
9783640205523
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zusammenhang, Guten, Schönen, Platons, Symposion
Arbeit zitieren
Anonym, 2008, Der Zusammenhang des Guten und Schönen in Platons Symposion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117398

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