Mensch und Tier. Tiergestützte Intervention in der Sozialen Arbeit

Wie der Einsatz von Therapietieren Menschen mit Demenz helfen kann


Bachelorarbeit, 2021

77 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Executive Summary zu der Bachelorarbeit

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DEMENZ
2.1 Definition von Demenz
2.2. Klassifikationen von Demenz
2.2.1. Die primäre Demenz
2.2.2. Die sekundäre Demenz
2.3 Die Schweregrade der Demenz
2.3.1. Leichte Demenz
2.3.2 Mittelschwere Demenz
2.3.3 Schwere Demenz
2.4. Klinische Diagnosekriterien
2.4.1. Anamnese

3. BEHANDLUNGEN DEMENZERKRANKTER MENSCHEN
3.1. Medikamentöser Therapieansatz
3.2. Nicht-medikamentöse Therapieansätze
3.2.1. Erinnerungstherapie / Reminiszenz-Therapie
3.2.2. Das Realitäts-Orientierungs-Training
3.2.3 Ergo- und Beschäftigungstherapie
3.2.4. Validation nach Naomi Feil
3.2.5. Die Milieu-Therapie
3.2.6. Musik- und Kunst-Therapie

4. TIERGESTÜTZTE INTERVENTION
4.1. Definition von Tiergestützter Intervention
4.2. Die Geschichte der Tiergestützten Intervention
4.3. Tiergestützte Aktivitäten / Tiergestützte Therapie
4.3.1 Tiergestützte Aktivitäten (TGA)
4.3.2. Tiergestützte Therapie (TGT)

5. DIE BEZIEHUNG ZWISCHEN MENSCHEN UND TIEREN
5.1 Geschichtliche Entwicklung der Mensch-Tier-Beziehung
5.2. Die Erklärungsmodelle
5.2.1 Die Biophilie-Hypothese nach Wilson
5.2.3. Ableitungen aus der Bindungstheorie
5.3 Die Mensch-Tier-Kommunikation
5.3.1. Analoge Kommunikation
5.4. Schlussfolgerungen zur Mensch-Tier-Beziehung

6. GESUNDHEITSFÖRDERNDE WIRKUNG DER TIERE AUF DEN DEMENZERKRANKTEN
6.1. Tiere als Ressource für den Menschen
6.2. Physische Auswirkungen
6.3. Psychisch-Mentale Auswirkungen
6.4. Soziale Wirkung

7. DIE BEDEUTUNG DER TIERE FÜR DEMENZERKRANKTE MENSCHEN
7.1. Aktuelle Forschungen und Studien
7.1.1. Studien und Statistiken bezüglich Bedeutung für Demenz Patienten/innen
7.1.2. Direkte Wirkmechanismen in der Tiergestützten Intervention mit Demenzerkrankten

8. TIERE IN PFLEGEEINRICHTUNGEN .
8.1. Eingesetzte Tiere
8.2. Einsatzmöglichen der Tiere in Pflegeeinrichtungen
8.3. Gesetzliche Grundlagen Tiergestützter Intervention
8.4. Finanzierung der Maßnahme

9. FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

Executive Summary zu der Bachelorarbeit:

Mensch und Tier. Tiergestützte Intervention in der Sozialen Arbeit - Wie der Einsatz von Therapietieren Menschen mit Demenz helfen kann

Diese Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Mensch-Tier-Beziehung und welche Einflüsse eine tiergestützte Intervention im Bereich mit demenzerkrankter Menschen hat. Dazu wurde folgende Forschungsfrage gestellt: Wie wirkt sich eine tiergestützte Intervention auf Demenzpatienten/innen aus und auf welchen Erkenntnissen basieren diese Wirkungen?

Um eine mögliche Antwort auf diese Frage finden zu können, musste vorerst erst einmal festgestellt werden, was Demenz überhaupt ist und wie es diese Menschen in ihrem täglichen Leben beeinträchtigt. Folgend wurden betrachtet, welche Möglichkeiten eine Mensch-Tier-Beziehung mit sich bringen kann und welche Wirkeffekte auf den jeweiligen Demenzpatienten/innen in dem Kontakt mit dem jeweiligen Tier und dessen Halter/-in treffen. Nach dem Erhalt dieser Erkenntnisse, lässt sich die Forschungsfrage wie folgt beantworten:

Es konnte aufgezeigt werden, dass ein Tier gleich mehrere positive Einflüsse auf demenerkrankte Menschen haben kann. Nicht nur im Bereich der Psyche, sondern ebenfalls auf der physischen und sozialen Ebene zeigt der Kontakt mit Tieren seine positive Wirkung. Aber nicht nur dies konnte aufzeigt werden, sondern auch die Wirkeffekte die in der jeweiligen Interaktion zwischen dem Demenzpatienten/innen, dem Tier und dem Tierhalter/-in herrschen. Diese verdeutlichen, dass es für Menschen mit Demenz einfacher ist, Kontakt zu Menschen aufzubauen, wenn ein Tier als eine Art Sicherheitspunkt sich mit ihm Raum befindet und in die Interaktion integriert wird.

Schlussendlich kann aufgezeigt werden, dass eine tiergestützte Intervention mit Demenzpatienten/innen hilfreich und förderlich sein kann.

1. Einleitung

Das Internationale Diagnoseklassifikationssytem ICD 10 beschreibt Demenz als:

„Ein Syndrom als Folge einer meist chronischen oder fortschreitenden Krankheit des Gehirns mit Störung vieler höherer kortikaler Funktionen, einschließlich Gedächtnis, Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen. Das Bewusstsein ist nicht getrübt. Die kognitiven Beeinträchtigungen werden gewöhnlich von Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens oder der Motivation begleitet, gelegentlich treten diese auch eher auf. Dieses Syndrom kommt bei Alzheimer­Krankheit, bei zerebrovaskulären Störungen und bei anderen Zustandsbildern vor, die primär oder sekundär das Gehirn betreffen.“ (ICD 10, F00-F03)

In Deutschland leben nach jüngsten epidemiologischen Schätzungen rund 1,6 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung. Die meisten von Ihnen sind von der Alzheimer­Krankheit betroffen. Durchschnittlich treten täglich etwa 900 Neuerkrankungen auf. Sie summieren sich im Lauf eines Jahres auf mehr als 300.000. Infolge der demografischen Veränderungen kommt es zu weitaus mehr Neuerkrankungen als zu Sterbefällen unter den bereits Erkrankten. Aus diesem Grund nimmt die Zahl der Demenzerkrankten kontinuierlich zu. Sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt, wird sich nach unterschiedlichen Vorausberechnungen der Bevölkerungsentwicklung die Krankenzahl bis zum Jahr 2050 auf 2,4 bis 2,8 Millionen erhöhen. Dies entspricht einem mittleren Anstieg der Zahl der Erkrankten um 25.000 bis 40.000 pro Jahr oder um 70 bis 110 pro Tag. Die Zahl der Betroffenen, die noch nicht das 65. Lebensjahr erreicht haben, beträgt mehr als 25.000. (Deutsche Alzheimer Gesellschaft, 2020)

Eine Demenzerkrankung beginnt mit dem langsamen Gedächtnisverlust eines Menschen, der dann mit zunehmender Zeit immer prekärer wird. Mehrere lebenswichtige Funktionsbereiche eines Menschen werden hierbei stark beeinträchtigt. Diese sind zum einen das Gedächtnis, das Denken, die Auffassungsgabe, aber auch die Lernfähigkeit und das Urteilsvermögen.

Mit zunehmender Dauer, aber auch Schwere der Krankheit werden dann ebenfalls noch die Wahrnehmung, die Orientierung und die Sprache des Menschen beeinträchtigt. (Vgl. Maier/Schulz/Weggen/Wolf, 2011, S. 14)

Prognose für den Bevölkerungsanteil der Demenzkranken in Deutschland im Zeitraum von 2010 bis 2060

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Prognose für den Bevölkerungsanteil der Demenzkranken in Deutschland im Zeitraum von 2010 bis 2060 (Quelle: Barmer, 2010)

Die Krankenkasse Barmer veröffentlichte 2010 in deren Pressemappe zum Barmer GEK Pflegereport eine Statistik, die aufzeigt, dass im Jahr 2010 rund 1,5% der Bevölkerung in Deutschland unter Demenzerkrankungen leiden (Siehe Abb. 1). Bei einer Einwohneranzahl von 80,827,000 Millionen Menschen bedeutet dies, dass im Jahr 2010 rund 1,212,405 Millionen Menschen, die in diesem Jahr an einer Demenzerkrankung erkrankt sind. Laut der Berechnungen der Barmer Krankenkasse, könnte dieser Anteil schon bei 2,3% im Jahr 2030 liegen. Weitere 30 Jahre später, sprich 2060 würde sich der Anteil wieder um 1,5% erhöhen. Das wären dann rund 3,5% der Bevölkerung in Deutschland, die an einer Demenzerkrankung leiden würden. Bezieht man diese Prozentzahl nun auf die Anzahl der Einwohner aus dem Jahr 2020, wären das rund 2,932,439 Millionen demenzerkrankte Menschen. Es ist sichtbar, dass die Anzahl der demenzerkrankten Menschen immer weiter zunehmen wird. Was gleichzeitig auch bedeutet, dass immer mehr Menschen Pflege-oder Hilfeleistungen in Anspruch nehmen müssen.

Im Jahr 2020 wurden rund 80,2% der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland zu Hause versorgt. 51,3% davon werden sogar nur durch Angehörige betreut. Dies führt zu starken Belastungen für die betreuenden Angehörigen, der nicht alle über einen längeren Zeitraum gewachsen sind. Die Pflegestatistik weist dabei nicht gesondert auf, wie viele der der Pflegebedürftigen in Deutschland explizit demenziell erkrankt sind. Demenz ist daher der häufigste Grund für eine Aufnahme in ein Heim. Der Anteil demenzkranker Heimbewohner hat in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen. (Vgl. Statistisches Bundesamt, 2020)

Es stehen viele Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die nicht auf der Einnahme von Medikamenten beruhen. Eine parallellaufende Therapie mit der Einnahme von Medikamenten ist nicht unbedingt ausgeschlossen. Welche Behandlung ohne Medikamente in Betracht gezogen werden können, wird nicht vorrangig aufgrund der Demenzform des Betroffenen entschieden. Bei der Auswahl wird neben der Persönlichkeit der Demenzerkranken auch die Lebensgeschichte des jeweiligen Patienten/innen berücksichtigt. Zudem spielen die Demenzstadien, die jeweiligen Beschwerden, die ein Patient/-in aufweist und die aktuelle Lebenssituation eine wichtige Rolle.

Demenziell Erkrankte leben in ihrer eigenen Welt versunken. Pflegende und Angehörige finden kaum Zugang zu dieser Welt. Der Beziehungsaufbau ist, bedingt durch den zunehmenden Verlust der kognitiven Fähigkeiten und den damit verbundenen Einschränkungen in der verbalen Kommunikation sehr schwierig. Insbesondere diese Einschränkungen in der Kommunikation und die Schwierigkeiten beim Zugang zu den Patienten/innen, sind für die Betreuenden und Angehörigen belastend und häufig von Frustration begleitet. Wenn die Persönlichkeit „versinkt“ und ein erhöhter Abbau der für die Informationsweiterleitung wichtigen Nervenzellen im Gehirn vorliegt, sind besondere Wege zur Kontaktaufnahme notwendig. (Vgl. Maier/Schulz/Weggen/Wolf, 2011, S. 16)

Die positiven Wirkungen von Heimtieren auf das Wohlbefinden und die Gesundheit ihrer Halter/-innen sind seit mehreren Jahrzehnten beschrieben und belegt worden.

Der Umgang mit Tieren kann offenbar sowohl innerhalb intensiver persönlicher Beziehungen zwischen Menschen und ihren jeweiligen Heimtieren, aber auch innerhalb kurzfristiger Kontakte zielgerichteter tiergestützter Interventionen verschiedene Wirkpotentiale entfalten. Schon seit Jahrhunderten werden Tiere auch für den therapeutischen Zweck genutzt. (Wesenberg, 2014, S. 85)

Aufgrund der Tatsache, dass Tiere als Partner im Leben oder auch als sogenannte therapeutische Begleiter eine wichtige Rolle, insbesondere auch im Bereich Kommunikation mit schwerkranken Menschen übernehmen können, werden sie mehr und mehr für therapeutische Zwecke bei den unterschiedlichsten Erkrankungen eingesetzt.

Literatur und Forschung zur tiergestützten Therapie konzentrieren sich zurzeit jedoch vorwiegend auf die positiven Auswirkungen bei Kindern und Jugendlichen.

Durch die Erkenntnis, dass Tiere aber auch wichtige Bedürfnisse älterer Menschen, wie beispielsweise nach Nähe, Zuneigung, Liebe, positiver Zuwendung, sinnvoller Aufgaben und Tagesstrukturierung erfüllen bzw. abdecken können, rücken zunehmend auch die positiven Wirkungen der Tiere bei alten Menschen und speziell auch bei Menschen mit Demenzerkrankung in den Vordergrund.

Immer mehr Studien belegen, dass der Kontakt zu Tieren positive gesundheitliche bzw. gesundheitsförderliche Wirkungen auf einen Menschen haben. Auch in Deutschland gibt es heutzutage immer mehr Alten- und Pflegeheime, die tiergestützte Interventionen mit ihren Patienten/innen durchführen. Diese Art der tiergestützten Intervention findet vor allem mit Katzen, Hunden oder ähnlichen Haustieren statt. (Vgl. Markgraf, 2020, S. 12)

Es bestehen zudem noch weitere Möglichkeiten einer tiergestützte Intervention mit beispielweise Wasser-Tieren, wie Delfinen oder Robben. Das Wohl des Tieres muss jedoch an oberster Stelle stehen. Deswegen dürfen für diese Art der Intervention nur Tiere in Betracht gezogen werden, die an sozialen Kontakten interessiert und diese auch gewohnt sind. Heimische und nicht-heimische Exotentiere wie Reptilien sind daher nicht geeignet für die Tiergestützte Intervention. (Vgl. Deutscher Tierschutzbund e.V., o.J., S. 14) Vor wenigen Jahren jedoch war dies Möglichkeit der Tiergestützten Intervention mit den jeweils dafür geeigneten Tieren aufgrund von Befürchtungen vor hygienischen Risiken, Mehrarbeit und anfallender Kosten noch undenkbar.

Im Rahmen der vorliegenden Bachelorarbeit wird untersucht, ob tiergestützte Interventionen bei Menschen mit Demenzerkrankung die Möglichkeit einer besseren Beziehungs- und Begegnungsentstehung verschaffen, daher gehend auch zu mehr Wohlbefinden, Lebensqualität beitragen können und zu einer Gesundheitsförderung der Erkrankten führen kann.

Können Tiere die Grenzen überwinden, wo menschliche Kommunikation und Kontaktaufnahme mit Demenzerkrankten an ihre Grenzen stoßen? Ist die tiergestützte Therapie in der Lage die betroffenen Menschen besser zu erreichen als bisher angewandte Konzepte? Wie ist der Kontakt zwischen den Demenzpatienten/innen und den jeweiligen Tieren? Wie können langfristige Therapiemöglichkeiten aussehen? Diese Fragen soll im Rahmen dieser Bachelorarbeit unteranderem auf Grundlage von diversen Studien und Fachliteratur geklärt werden.

Zu Beginn dieser wissenschaftlichen Arbeit werden die theoretischen Grundlagen zu Demenz im Überblick dargestellt. Neben dem Krankheitsbild und deren Klassifikationen, werden die unterschiedlichen Schweregrade einer Demenzerkrankung näher beleuchtet und zudem die Diagnosekriterien, die herrschen, um eine Demenz feststellen zu können.

Folgend werden die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten einer Demenzerkrankung näher betrachtet. Hierbei wird zwischen der medikamentösen und der nicht­medikamentösen Behandlung unterschieden. Weitere Details bzw. Informationen folgen in diesem Kapitel.

Wurden nun all diese Grundlagen einer Demenzerkrankung erläutert, wird im vierten Kapitel die Tiergestützte Intervention betrachtet. In diesem Kapitel werden vorerst die Grundlagen betrachtet, sprich was eine tiergestützte Intervention überhaupt ist, welche Unterschiede und welche Einsatzmöglichkeiten bestehen.

Der fünfte Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Menschen und Tieren. Hierbei werden verschiedene Erklärungsmodelle herausgearbeitet, die die besondere Beziehung zwischen Mensch und Tier erklären und verdeutlichen sollen.

Zudem folgt eine Erklärung zu der besonderen Kommunikation, die zwischen Mensch und Tier herrscht.

Aufbauend auf diesem Kapitel, wird im folgenden Kapitel die bereits erwähnte gesundheitsfördernde Wirkung der Tiere gegenüber demenzerkrankten Menschen erklärt. Sowohl die sozialen als auch die physischen und physischen Auswirkungen werden hierbei genauer erläutert.

Im siebten Teil dieser Arbeit, wird die Bedeutung der Tiere, die diese für die Demenzpatienten/innen haben betrachtet. Um diese wissenschaftlich belegen zu können, werden hierzu verschiedene Studien und Forschungen herangezogen und die aktuelle Studienlage zusammengefasst. Des Weiteren werden in diesem Kapitel die jeweiligen Therapiemöglichkeiten und -formen, die im Bereich der Tiergestützten Interventionen möglich sind, detailliert betrachtet.

Im letzten Teil und damit achten Teil wird abschließend erörtert, welche Tiere gerade vorwiegend in Pflegeinrichtungen eingesetzt werden und vor allem, wie die hier stattfindenden Maßnahme der Tiergestützten Intervention konkret durchgeführt werden. Denn all diese Maßnahmen stehen unter bestimmten und festgelegten gesetzlichen Grundlagen, die sichergehen, dass das Tier und die Patienten/innen ausreichend geschützt sind. Aber nicht nur die gesetzlichen Bestimmungen müssen beachtet werden, sondern ebenfalls, wie eine Tiergestützte Intervention finanziert werden kann. Denn nur wenn dies gelingt, kann diese in der jeweiligen Pflegeeinrichtung ausgeführt werden.

Zum Abschluss dieser Bachelorarbeit folgt dann das Fazit und das Literaturverzeichnis.

2. DEMENZ

2.1 Definition von Demenz

Demenz ist der Überbegriff für eine Gruppe von altersbedingten Erkrankungen, die mit behindernden Einschränkungen von geistigen Fähigkeiten einhergehen. Der Krankheitsverlauf ist meist fortschreitend. Zwischenzeitliche Erholungsphasen, leichte Besserungen und vorübergehender Stillstand des Krankheitsgeschehens sind ebenfalls möglich. Es gibt circa 50 verschiedene Formen von einer Demenzerkrankung. Demenz kennzeichnet nicht den natürlichen Prozess der Alterung eines Menschen. (Maier/Schulz/Weggen/Wolf, 2011, S. 14)

Aus dieser Definition einer Demenzerkrankung wird deutlich, dass es sich hierbei um eine Krankheit handelt, die jeden Menschen mit zunehmendem Alter treffen kann. Typische Symptome bei einer Demenz sind der frühzeitige und häufige Gedächtnisverlust.

Zudem zählen zu den weiteren Symptomen:

Das Erinnerungsvermögen und das Kurzzeitgedächtnis verschlechtern sich. Dies kann bedeuten, dass alltägliche Gegenstände verlegt werden und nicht wiedergefunden werden. Zudem stellen Demenzerkrankte oftmals dieselben Fragen, weil sie sich an nahzurückliegende Ereignisse nicht mehr erinnern können. Orientierungsstörung. Dies kann zur Folge haben, dass Patienten/innen nicht mehr das konkrete Datum und den jeweiligen Aufenthaltsort nennen können. Sie verlaufen sich vermehrt in vertrauter Umgebung und finden anschließend zudem nicht mehr den Weg nach Hause.

Sprachstörungen. Den Demenzerkrankten fällt es zunehmend schwerer, Gesprächen oder Fernsehsendungen zu folgen. Die Bedeutung des Gesagten kann nicht mehr richtig entschlüsselt werden. Zudem findet eine gewisse Wortfindungsstörung bei den Menschen statt. Den Menschen findet es schwer gewisse Dinge zu benennen und erinnern sich nicht mehr an das richtige Wort dafür.

Die Konzentration und die Denkprozesse sind beeinträchtigt. Der Patient kann sich wesentlich schlechter konzentrieren als noch vorher.

Er ist schneller von bestimmten Dingen abgelenkt, wie dem Fernseher, dem Radio oder Ähnlichem und kann sich nicht mehr auf das „Eigentliche“ konzentrieren. In diesem Zusammenhang entstehen auch die Lese-. Schreib- und Rechenstörung bei Demenzpatienten/innen.

Verhaltensauffälligkeiten und psychische Veränderungen. Der Betroffene neigt- ohne Anlass- zu Stimmungsschwankungen.

Zudem können sie reizbarer, aggressiver und streitsüchtiger in diesem Zusammenhang werden. Dies hat oftmals zur Folge, dass der Patient sich in die eignen vier Wände zurückzieht. Es tritt ein gesellschaftlicher Rückzug ein.

(Vgl. Maier/Schulz/Weggen/Wolf, 2011, S. 15-19)

2.2. Klassifikationen von Demenz

Alzheimer die wohl bekannteste Demenzform, jedoch ist sie nicht die Einzige. Allgemein werden die Demenzformen in primär (degenerative/vaskuläre) und sekundär (nicht­hirnorganisch) eingeteilt. Diese werden in dem folgenden Kapitel erläutert.

2.2.1. Die primäre Demenz

Etwa 70 Prozent aller Demenzerkrankungen sind „degenerative Demenzen“. (Maier/Schulz/Weggen/Wolf, 2011, S. 25) Die bekannteste und weitverbreitetste Form einer Demenz ist wohl die Alzheimer-Krankheit. Die Alzheimer-Krankheit ist eine unheilbare Störung des Gehirns. Durch das Absterben von Nervenzellen im Gehirn werden Menschen mit Alzheimer zunehmend vergesslich, verwirrt und orientierungslos. Es gibt zwar Möglichkeiten, die Krankheit und ihre Folgeerscheinungen zu behandeln. Aber stoppen lässt sie sich bisher noch nicht. Das Risiko an Morbus Alzheimer zu erkranken, steigt mit dem Alter. (Vgl. Wesenberg, 2014, S. 42)

Im alltäglichen Sprachgebrauch werden die Begriffe „Alzheimer“ und „Demenz“ oft gleichbedeutend verwendet.

Dabei ist die Alzheimer-Krankheit mit rund zwei Drittel aller Fälle die häufigste Demenzform. (Wesenberg, 2014, S. 36) Unter dem Begriff „Demenz“ werden über 50 Krankheiten zusammengefasst, bei denen die Gehirnleistung abbaut.

Neben Alzheimer kommen die vaskuläre Demenz, die Lewy-Körperchen-Demenz und die frontotemporale Demenz am häufigsten vor. Sie unterscheiden sich in Ursache, Symptomen und Verlauf von der Alzheimer-Krankheit. (Alzheimer Forschung Initiative e.V., 2019)

Die Lewy-Körperchen-Demenz handelt es sich ebenfalls um eine neurodegenerative Erkrankung, die der Alzheimer-Krankheit sehr stark ähnelt. Gerade deswegen ist es umso schwerer, diese Krankheiten voneinander zu differenzieren.

Die Lewy-Körperchen-Demenz kennzeichnet sich vor allem dadurch, dass die Patienten/innen starke Schwankungen der geistigen Leistungsfähigkeit und der Aufmerksamkeit aufweisen. Zudem weisen sie oft sehr detailreiche optische Halluzinationen auf.

Neben all diesen Symptomen leiden die Erkrankten oft unter leichten Parkinson Symptomen. Diese äußern sich in unwillkürlichem Zittern der Hände, Steifigkeit der Bewegungen und einem unsicheren Gang. (Vgl. Maier/Schulz/Weggen/Wolf, 2011, S. 28­29)

Die zweite Form der primären Demenz ist die Frontotemporale Demenz. Bei der frontotemporalen Demenz handelt es sich um eine Form der Demenz, die mit dem Abbau der Nervenzellen zunächst im Stirn- und Schläfenbereich beginnt, daher auch der Name. (Alzheimer Forschung Initiative e.V., 2019)

Kennzeichnend für diese Demenzform sind früh eintretende Verhaltensauffälligkeiten und Probleme im Sozialkontakt. Dies lässt sich daher leiten, dass der geschädigte Hirnbereich für die Kontrolle der Gefühle, des Sozialverhaltens und die Einsicht zuständig ist. Dies äußert sich dann darin, dass die jeweiligen Patienten/innen sich oftmals sehr aggressiv, unbeherrschbar, antriebslos und apathisch verhalten. Zudem kommt, dass der Teilbereich des Gehirns, der für die Sprache zuständig ist, schnell angegriffen wird und somit die Sprache schon im frühen Stadium stark leidet. Körperlich hingegen äußert sich diese Demenzform damit, dass die Erkrankten eine frühe Inkontinenz und Körperstarre aufweisen. (Vgl. Maier/Schulz/Weggen/Wolf, 2011, S. 29-30)

Eine weitere Form der primären Demenzerkrankungen ist die Vaskuläre Demenz. Bei dieser Demenzform ist es üblich, dass Blutgefäße verstopfen mit der Folge, dass die angrenzenden Hirnregionen nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden können. Infolgedessen werden Gehirnlaufbahnen geschädigt. Während diesem Prozess kann es zu größeren Schädigungen, wie beispielweise einem Schlaganfall oder einer Multi­Infarkt-Demenz kommen. Jedoch kann dies auch in Form von kleineren Schädigungen, wie beispielweise Mikroangiopathie oder vaskulären Enzephalopathien, auftreten.

Typische Symptome allgemeine Verlangsamung, Denkschwierigkeiten, und depressives Verhalten des Erkrankten. Neben diesen Symptomen treten ebenfalls neurologische Anzeichen auf, wie Gangstörungen, Feinmotorik Störungen oder Schwindel. Bei einem starken bzw. großen Schlaganfall ist es zudem möglich, dass ein Taubheitsgefühl oder Lähmungserscheinungen auftreten. (Vgl. Maier/Schulz/Weggen/Wolf, 2011, S. 30)

2.2.2. Die sekundäre Demenz

Sekundäre Demenzen sind Hirnleistungsstörungen, deren Ursachen in anderen Erkrankungen liegen. Diese Formen der Demenz sind die einzig heilbaren, da diese mit einer Behandlung der Grunderkrankung behandelt und gestoppt werden können.

Sprich Folgeerscheinungen können vollständig geheilt werden.

Die ist jedoch nur der Fall, wenn die Grunderkrankung frühzeitig erkennt und behandelt wird. Wird dies nicht getan, kann die Krankheit möglicher Weise schon zu fortgeschritten sein, um sie komplett zu stoppen.

Mögliche Ursachen bzw. Grunderkrankungen, die zu solch einer sekundären Demenz führen können, sind:

- Erkrankungen der Schilddrüse (Über- oder Unterfunktion)
- Gehirntumor oder Gehirnblutungen
- Vitaminmangelkrankheiten: Folsäuremangel, Vitamin B1-, B6-, B12- Mangel
- chronische Leber- oder Nierenerkrankungen
- dauerhaft Hirnschädigungen durch chronische Vergiftungen: Alkoholismus, Arzneimittel, Industriegift oder Ähnliche
- langfristige Elektrolytstörungen

(Maier/Schulz/Weggen/Wolf, 2011, S. 32)

2.3 Die Schweregrade der Demenz

Eine Demenzerkrankung lässt sich in verschiedene sogenannte Schweregrade einteilen. Diese dienen dazu, dass ein Überblick darüber herrscht, wie schwer bzw. stark die Erkrankung und deren Folgen sind. Damit dies für jeden Mitarbeiter bzw. Nahestehendenden dieser Person kenntlich sind, werden diese in der jeweiligen Akte des Patienten/innen niedergelegt. (Vgl. Alzheimer Forschung Initiative e.V., 2019)

Zur Einschätzung des Schweregrads der Demenz dient neben der klinischen Symptomatik auch der erreichte Wert in der Mini-Mental State Examination (MMSE). Die MMSE ist das weltweit häufigste Verfahren der klinischen Diagnostik von Demenz.

„Der Mini-Mental-Status-Test (MMST) ist ein Schnelltest, der der Erfassung kognitiver Störungen bei älteren Menschen dient und eine hohe Aussagekraft über die Diagnose Demenz hat. Gerade bei dem Verdacht auf eine Demenz wird er am häufigsten als Erst- aber auch als Verlaufstest angewandt und ist damit das meistgenutzte Instrument zur Diagnose einer Demenz“ (Flöer, 2021)

Die Mini-Mental-Test-Auswertung sieht schlussendlich dann wie folgt aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Weniger als 9 Punkte: schwere Demenz

(Flöer, 2021)

Aus dieser Auswertung lässt sich bereits entnehmen, dass eine Demenz in drei Schweregrade einteilen lässt. Diese werden folgend genauer betrachtet.

2.3.1. Leichte Demenz

Erreicht der Patient am Ende der Mini-Mental-Test-Auswertung eine Gesamtpunktezahl zwischen 24 und 18 Punkten, spricht man in diesem Fall von einer leichten Demenz.

Die leichte Demenz macht sich lediglich durch vermehrte Vergesslichkeit und zeitliche Orientierungsprobleme bemerkbar. Die Betroffenen verlegen Gegenstände, vergessen Absprachen oder irren sich im Wochentag, können jedoch noch vollständig selbstständig ihren Alltag gestalten und leben. Im Vordergrund des leichten Demenz Stadiums steht also vorrangig die Störung des Kurzzeitgedächtnisses. (Vgl. Wesenberg, 2014, S. 53)

Weitere Merkmale der Leichten Demenz sind zudem noch:

- Beeinträchtigung des Denkvermögens
- Eingeschränkte Aufmerksamkeit
- Auftreten von Schwierigkeiten bei alltäglichen Verrichtungen
- Fehlendes Multitasking
- Sprachprobleme
- Stimmungsschwankungen
- Persönlichkeitsveränderung

(ALTER-nativ Wohnen, 2021)

2.3.2 Mittelschwere Demenz

In der mittleren Phase der Demenz Stadien haben demenziell erkrankte Menschen bereits vermehrte Schwierigkeiten bei alltäglichen Erledigungen. Kompliziertere Tätigkeiten im Haushalt oder in der Freizeit werden beispielsweise aufgegeben oder gar vernachlässigt, sodass Erkrankte auf fremde Hilfe angewiesen sind.

Dabei treten Defizite im Erinnerungsvermögen auf, in der Erkennungsfähigkeit, in der Kommunikation oder beim Lernen. Oft denken Betroffene im zweiten Stadium, sie befinden sich im besten Erwachsenenalter und in Vollbesitz ihrer körperlichen und geistigen Leistungen. Sie möchten beispielsweise verreisen oder ihre Eltern besuchen. (Vgl. Wesenberg, 2014, S. 54)

Eine mittelschwere Demenzerkrankung weist folgende Symptome auf:

- Verlust von zeitlicher und räumlicher Orientierung, verstärkte Einschränkung der Kommunikation und Sprache
- Auftreten einer verstärkten Unruhe
- Angstzustände
- Oftmals auftretende Harninkontinenz

(ALTER-nativ Wohnen, 2021)

2.3.3 Schwere Demenz

Ab einer Punktzahl von unter 9 Punkten bei dem Mini-Mental-Test spricht man von einer schweren Demenz. In der Endphase der Demenzerkrankung sind die jeweiligen Betroffenen im sogenannten „embryonalen Stadium“. (ALTER-nativ Wohnen, 2021)

Das bedeutet, dass Patienten/innen bettlägerig sind und v.a. palliativer Versorgung bedürfen. Einzelne Stadien können sich in ihrer Symptomatik überschneiden. Der Verlauf der Erkrankung ist abhängig von der Demenzform und äußeren Einflussfaktoren wie körperliche Erkrankungen, Über- und Unterforderung, Einsamkeit und Depression. Symptome einer schweren Demenz sind folgende:

Kognitive Beeinträchtigungen: Gedankengänge können nicht mehr nachvollziehbar kommuniziert werden.

Lebensführung: Es ist keine unabhängige, selbstständige Lebensführung möglich.

Häufige affektive Störungen: Unruhe, psychotische Störungen, aggressive Verhaltensweisen, Schreien, gestörter Tag-Nacht-Rhythmus, Nesteln (Störungen wie bei mittelschwerer Demenz).

Benötigte Hilfe: Dauerhafte Betreuung und Beaufsichtigung sind notwendig.

(Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK), 2021)

2.4. Klinische Diagnosekriterien

Der langsame und schleichende Beginn der meisten Demenzerkrankungen ist die Ursache dafür, dass Einschränkungen und auffällige Verhaltensweisen der Betroffenen oft erst im Rückblick als erste Symptome einer Demenz erkannt werden. Dies ist besonders problematisch, da es sinnvoll ist, Demenzerkrankungen möglichst frühzeitig zu diagnostizieren, um diese dann auch dementsprechend behandeln zu können.

Ein minimaler Teil der Demenzerkrankungen kann durch Behandlungen wesentlich gebessert werden. Dies ist vor allem der Fall, wenn die Demenzerkrankung eine Folgeerscheinung einer bestimmten Grunderkrankung ist (sekundäre Demenz).

Bei den primären Demenzen wie etwa der Alzheimer-Demenz gibt ein frühzeitiges Erkennen den Betroffenen zumindest die Chance, sich mit der Krankheit und ihren Folgen auseinanderzusetzen, bevor sie dazu die Fähigkeit verlieren.

Dementsprechend ist es von Bedeutung, dass die jeweiligen Angehörigen vermeintliche Symptome nicht verdrängen oder übersehen, sondern sich bewusst und rechtzeitig mit ihnen befassen. Denn nur so können weitere Folgeschäden vermieden werden. (Vgl. Bundesministerium für Gesundheit, 2020)

2.4.1. Anamnese

Stellt man gewisse Symptome, die einer Demenzerkrankung ähneln fest, ist die erste Anlaufstelle der Hausarzt. In einem Gespräch wird dieser erfragen, welche Beschwerden und Veränderungen in der letzten Zeit aufgetreten sind und zum Demenzverdacht geführt haben. Da es zum Krankheitsbild gehört, dass der Betroffene selbst bestimmte Symptome meist gar nicht selbst wahrnimmt, ist es für den behandelnden Arzt umso wichtiger den Kontakt zu Angehörigen zu schaffen, um weitere wichtige Informationen zu erhalten. Diese Erfragung seitens des Arztes wird als sogenannte Anamnese bezeichnet.

Diese Anamnese wird nochmal in zwei Kategorien unterteilt. Diese werden in den kommenden Kapiteln näher erläutert.

2.4.1.1. Eigenanamnese

In der sogenannten Eigenanamnese geht es darum, dass der Patient selbst von dem jeweiligen Arzt befragt wird. Primär wird die Krankengeschichte des Patienten/innen hierbei erfragt und erläutert.

Aber nicht nur die Krankengeschichte ist hierbei von Bedeutung, sondern ebenfalls die Vorgeschichte des jeweiligen Patienten/innen. Der Arzt soll hierbei ein Gefühl erhalten, inwieweit der Verdacht auf eine Demenzerkrankung sich schon in diesem Gespräch bestätigt oder eben nicht. Ist dieses Gespräch geschehen, wird der Arzt eine Fremdanamnese einholen.

2.4.1.2. Fremdanamnese

In der Fremdanamnese werden Angehörige des Patienten/innen zu dessen Symptomen erfragt. Wie bereits erwähnt, nehmen Patienten/innen selbst oft Symptome nicht wahr und handeln dementsprechend auch nicht zeitnah. Dies kann dazu führen, dass die Krankheit nicht frühzeitig erkannt werden kann und die entsprechende Behandlung wohlmöglich dadurch erschwert bzw. gehemmt wird.

Zudem ist diese Erfragung der Angehörigen auch insofern wichtig, da eine Demenzerkrankung genetisch bedingt sein kann.

Dies ist zwar in 95 Prozent der Fälle nicht der Fall, dennoch ist mit einer nur 5-prozentigen Wahrscheinlichkeit die frühe Form der Krankheit genetisch bedingt.

Hierbei ähnelt der Verlauf der familiär-bedingten der sporadischen, also plötzlich auftretenden, Form. So sind die Veränderungen im Gehirn gleich.

Auch die durchschnittliche Erkrankungsdauer ist ähnlich. Abweichend ist jedoch das Eintrittsalter. Denn bei der erblichen Variante tritt die Krankheit bereits im Alter von 30 bis 60 Jahren auf. (Vgl. Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz, 2016)

Wenn aufgrund der Familienanamnese der Verdacht auf das Vorliegen einer autosomal dominanten Form der Erkrankung besteht, kann in der aus Blut extrahierten DNA des Ausgangspatienten/innen festgestellt werden, ob er oder sie Träger einer Mutation in einem der drei gegenwärtig bekannten krankheitsauslösenden Gen. (Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz, 2016)

3. BEHANDLUNGEN DEMENZERKRANKTER MENSCHEN

Für die meisten Demenzerkrankungen gibt es keine Heilung. Aber die Medizin bietet viele verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die die Lebensqualität von Menschen mit einer Demenzerkrankung verbessern und ihnen helfen, den Alltag möglichst lange selbstständig zu gestalten zu können.

Hierbei unterscheidet man zwischen zwei Behandlungsmöglichkeiten, die bei einer Demenzerkrankung möglich sind. Dies sind zu einen medikamentöse Behandlungen und zum anderen nicht-medikamentöse Behandlungen.

3.1. Medikamentöser Therapieansatz

Degenerative Demenzerkrankungen, wie beispielweise Morbus Alzheimer, Morbus Pick, Chorea Huntington oder Morbus Parkinson, sind Demenzerkrankungen, bei denen sich die Nervenzellen im Gehirn eines Patienten/innen abbauen. Diese Form der Demenz ist, wie bereits erklärt, nicht reversibel. Das Ziel des Medikamentösen Therapieansatzes ist es, dass dieser Abbau der Nervenzellen verlangsamt bzw. verzögert werden soll.

Auch typische Symptome wie Orientierungslosigkeit, Konzentrationsschwäche oder Depression können damit gemildert werden. Um die geistige Leistung zu stärken, werden vor allem sogenannte Antidementiva eingesetzt. Zur Behandlung von depressiven Symptomen, aggressivem Verhalten oder Wahnvorstellungen werden Antidepressiva oder Neuroleptika verordnet. (AOK, o.J.)

3.2. Nicht-medikamentöse Therapieansätze

Neben den medikamentösen Therapieansätzen, können auch die nicht-medikamentösen Therapieansätze die geistigen Fähigkeiten eines Demenzerkrankten fördern, Alltagsfertigkeiten weiter stabilisieren und das seelische Wohlbefinden fördern. Die Behandlungsmöglichkeiten hierbei richten sich nach der jeweiligen Form der Demenz, dem Stadium der Erkrankung und den jeweiligen Symptomen, die aufgewiesen werden. In diesem Kapitel werden die nicht-medikamentösen Therapieansätze genannt und genauer erläutert.

3.2.1. Erinnerungstherapie / Reminiszenz-Therapie

Mithilfe von Fotos, Geschichten und Alltagsgegenständen werden Erinnerungen geweckt und die geistigen Fähigkeiten angeregt, wirkt stimmungsaufhellend in allen Krankheitsstadien. Denn mit dem Verlust der Nervenzellen im Gehirn, geht auch immer ein Verlust der Lebenserinnerungen mit ein. Dies bedeutet ebenfalls, dass der Demenzerkrankte zu einem Teil auch die eigene Identität für sich selbst verliert. (Vgl. Maier/Schulz/Weggen/Wolf, 2011, S. 118)

Die Erinnerungstherapie soll diesem Prozess etwas entgegenwirken. Sie soll dem Patienten/innen helfen, sich Erinnerungen und Ereignisse noch einmal bewusst zu machen. Es werden alle Möglichkeiten, die dazu beitragen, sich an die jeweilige Vergangenheit wieder zu erinnern:

Vertraute Tätigkeiten sollen wiederholt werden, alte Fotos, Bücher, Musik oder Einrichtungs- und Kleidungsstücke werden zusammen mit dem Patienten/innen nochmals angeschaut und besprochen. Die eigene Identität soll dem Patienten/innen verdeutlich und klargemacht werden. Hierbei geht es nicht darum, dass das Gesagte alles der Wahrheit entspricht, dies ist in diesem Fall eher nebensächlich. Der Austausch, das Gespräch und die versuchte Erinnerung ist das oberste Ziel dieser Therapiemöglichkeit.

Verschiedene Möglichkeiten, um solche Erinnerungen und diese Form der Therapie weiter zu unterstützen sind folgende:

- Das Führen eines gemeinsamen Tagesbuchs
- Die Lebensgeschichte des Patient in einem Album festhalten
- Über das vergangene Ereignisse und Geschehnisse sprechen

(Maier/Schulz/Weggen/Wolf, 2011, S. 119-121)

3.2.2. Das Realitäts-Orientierungs-Training

Bei dieser Form der Therapie ist es von enormer Bedeutung den Patienten/innen wertzuschätzen und seine Verhaltensweise, Sichtweise und Wahrnehmungen zu akzeptieren. Denn gerade Menschen, die an Demenz erkrankt sind, leben oftmals in ihrer eigenen Welt. Diese grenzt sich von anderen Menschen ein stückweit ab. Der gegenteilige Ansatz des Realitäts-Orientierungs-Training (ROT) ist es, den betroffenen Patienten/innen wieder bewusst in die Realität zu holen. (Vgl. Hoffmann, 2000)

Die geschieht, indem man mit diesem bespricht welcher Montag oder Tag gerade ist, wie viel Uhr es ist oder welches Jahr. Der Patient wird mit alltagsrelevanten gegenwärtigen Informationen versorgt.

Diese Art der nicht-medikamentösen Therapie ist primär für Menschen geeignet, die sich im Frühstadium befinden oder eine leichte Demenz aufweisen. Solange der Demenzerkrankte von sich aus nach Orientierungshilfen fragt, indem er nach einer bestimmten Zeit, nach bestimmten Namen oder Ähnlichem fragt, ist diese Form der Therapie bei einer Demenzerkrankung für diesen auch sinnvoll.

Werden diese Informationen durch den Patienten/innen erfragt, sollen diese Fragen immer eine Antwort seitens des Therapeuten erhalten.

Ist die Erkrankung jedoch schon so weit fortgeschritten, sodass solch ein Informationsaustausch nicht mehr stattfinden kann und sich die Konfrontation mit der Gegenwart und den aktuellen Geschehnissen eher negativ auf dessen Gemütslage auswirkt, ist dieser Therapieansatz nicht angebracht. (Vgl. Maier/Schulz/Weggen/Wolf, 2011, S. 114)

3.2.3 Ergo- und Beschäftigungstherapie

Unter Ergotherapie versteht man einen Behandlungsansatz, der über ausgewählte Aktivitäten versucht, Störungen bei einem Patienten/innen positiv zu beeinflussen. Früher nannte man diese Therapieform Arbeits- und Beschäftigungstherapie. Ziel ist es, Alltags­Fähigkeiten wiederzuerlangen oder zu erhalten. (Vgl. Deutsches Grünes Kreuz e.V., o.J.) Bei Patienten/innen mit Demenz kann Ergotherapie in den Anfangsstadien eine Pflegebedürftigkeit herauszögern, eine Selbständigkeit länger erhalten und damit eine Einweisung in ein Pflegeheim zumindest hinauszögern.

Dem Therapeuten stehen unterschiedliche Behandlungsmaßnahmen zur Verfügung, die alle auch für den dementen Menschen geeignet sind. Ähnlich wie bei den "kreativen" Behandlungsmethoden wird der Patient auf einer nicht-verbalen und nicht-kognitiven Ebene angesprochen, das heißt, es wird versucht, ihn über körperliche Empfindungen und Gefühle zu erreichen. (Vgl. Hoffmann, 2000)

Methodisch gehen Ergotherapeuten folgendermaßen vor: Erst wird ein Befund erhoben und dann ein individueller Behandlungsplan erstellt. Dementsprechend werden die therapeutischen Maßnahmen durchgeführt. Als Techniken dienen unter anderem spielerische, handwerkliche und gestalterische Tätigkeiten. Zentral ist die Beratung des Patienten/innen und seiner Angehörigen während der Therapie. Dazu gehört auch die so genannte Wohnraum- und Umfeld Anpassung und die Angehörigenberatung.

Die Beratung soll Wissen über die Fähigkeitsstörungen vermitteln, Verständnis für diese erzeugen, Übertragung von Therapieansätzen in den Alltag ermöglichen und Unsicherheiten im Umgang mit dem Patienten/innen reduzieren.

Die Ergotherapie wird als Heilmittel vom Arzt verschrieben. Die Behandlung kann ambulant als Einzel- oder auch Gruppentherapie erfolgen oder aber in Form eines Hausbesuches verordnet werden. (Deutsches Grünes Kreuz e.V., o.J.)

3.2.4. Validation nach Naomi Feil

Naomi Feil geht in ihrer Theorie davon aus, dass desorientierte alte Menschen in ihre Vergangenheit zurückkehren, um belastende Lebenskonflikte zu lösen.

Das Konzept besteht aus besonderen Kommunikationstechniken, die in der Betreuung von dementen Menschen angewendet werden sollen. Der Schlüssel zu einer adäquaten Kommunikation ist dabei die Validation, sprich das „für gültig erklären“ der Erfahrung und der subjektiven Wirklichkeit eines anderen Menschen. Die Kommunikation bezieht sich durch das aktive Anerkennen der Emotionen des dementen Menschen stark auf die Gefühlsebene. Voraussetzung für den damit verbundenen Versuch, den gesamten Bezugsrahmen einer Person zu verstehen, ist ein hohes Maß an Empathie.

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Ende der Leseprobe aus 77 Seiten

Details

Titel
Mensch und Tier. Tiergestützte Intervention in der Sozialen Arbeit
Untertitel
Wie der Einsatz von Therapietieren Menschen mit Demenz helfen kann
Hochschule
Fachhochschule des Mittelstands
Note
2,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
77
Katalognummer
V1174248
ISBN (Buch)
9783346593511
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mensch, tier, tiergestützte, intervention, sozialen, arbeit, einsatz, therapietieren, menschen, demenz
Arbeit zitieren
Alisa Frick (Autor:in), 2021, Mensch und Tier. Tiergestützte Intervention in der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1174248

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