Der Nordirlandkonflikt


Essay, 2007

11 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

1 Aktualität des Nordirlandkonflikts

Der Konflikt in Nordirland reicht lange Zeit zurück. Über seine Entstehung und Fortführung gibt es viele Spekulationen. So wird im Alltagsgespräch oft von einem auf Religion gründenden Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken gespro- chen, wohingegen sich Experten darüber streiten, ob dies heute noch oder über- haupt zutreffend ist und der Konflikt nicht auf anderen Tatsachen gründet oder sich auf nicht-konfessionelle Bereiche ausgebreitet hat und Religion nur noch eine un- tergeordnete Rolle spielt.

Im Folgenden soll diese Frage genauer betrachtet werden, indem die Konfliktstruk- tur in kulturelle, strukturelle und personale Gewalt aufgeschlüsselt wird und die relative Deprivation der Bevölkerung Nordirlands analysiert wird. Folgend sollen die Auswirkungen von Globalisierung und Europäischer Integration im speziellen auf diesen Konflikt untersucht werden, um etwaige Hinweise auf zukünftige Ent- wicklungen geben zu können.

2 Der Nordirlandkonflikt – Analyse der Konfliktstruktur und Einordnung in den Weltzusammenhang

Um den noch immer andauernden Konflikt in Nordirland genauer verstehen zu können, soll im Folgenden ein kurzer historischer Abriss gegeben werden, im An- schluss daran die Konfliktstruktur aufgeschlüsselt werden und letztlich die Auswir- kungen von Globalisierung und europäischer Integration auf den Konflikt beleuch- tet werden.

2.1 Historischer Überblick

Im 12. Jahrhundert geriet Irland unter englischen Einfluss. Durch die Reformation Englands, die sich nicht auf Irland ausdehnen ließ, wurde Religion neben Ethnie und bereits bestehenden sozialen und politischen Unterschieden, zur Hauptkonfron- tationslinie erhoben. Einhergehend mit der englischen Eroberung Irlands erfolgte die systematische Ansiedelung der nördlichen Provinz Ulster durch Engländer und Schotten während derer große Teile der irischen Bevölkerung enteignet wurden (Ulster Planatation). Dies führte zu Aufständen seitens der katholischen Iren, hatte aber keine Verbesserung deren Situation zur Folge, sondern führte zu einer weitrei- chenden Entrechtung.[1]

Nachdem Handel und Wirtschaft Irlands seither unter englischer Kontrolle waren und sich, in der unter den Restriktionen leidende Bevölkerung im Zuge der Franzö- sischen Revolution und der neu erwachten emanzipatorischen Bedürfnissen der Bewegung der United Irishmen revolutionäre Strömungen ausbildeten, wurde Ir- land 1801 mit Großbritannien zum Vereinigten Königreich verbunden und das Dubliner Parlament aufgelöst (Act of Union). In dessen Folge kam es im 19. Jahr- hundert zu mehreren erfolglosen Erhebungen gegen die Kolonialmacht[2]. Allerdings führten diese Ereignisse zu einem Aufleben des Irischen Nationalismus und veran- lassten die britische Regierung, sich mit der – aus englischer Perspektive – „ iri- schen Frage “ auseinander zusetzen.[3] Trotz der Umstrittenheit in der eigenen Regierung und vor allem des heftigen Wi- derstands der protestantischen Bevölkerung im Norden Irlands, die durch die an- geblich gefährdete Religionsfreiheit noch ideologisch überhöht wurde, gab die Koa- litionsregierung unter George 1920 dem Druck der Unionisten nach und entschied mit dem Government of Ireland Act die Einrichtung zweier irischer Parlamente in Dublin und Belfast. Im Zuge dessen wurde Irland in Nordirland, sechs Grafschaften der alten irischen Provinz Ulster umfassenden, und Südirland, bestehend aus den restlichen 26 Grafschaften, getrennt.[4]

Die 1905 gegründete, der Irish Republican Army (IRA) nahe stehende Sinn Féin

(„ Wir selbst “) hatte durch die Niederschlagung des Osteraufstandes und die damit einhergehenden Hinrichtung großen Zulauf erhalten und lehnte im Gegensatz zu den Unionisten die Regelung des Zweikammernparlaments für Irland ab. Erst nach anhaltenden von beiden Seiten ausgehenden militärischen Auseinandersetzungen einigte sich die Londoner Regierung 1921 nach mehrmonatigen Verhandlungen mit dem Parteivorsitz der Sinn Féin, Südirland den Status eines Freistaats anzuerkennen und die Kolonialherrschaft zu beenden. Formell bezog sich diese Vereinbarung auf ganz Irland, wobei Nordirland aber die Möglichkeit gelassen wurde sich der Verfü- gungsgewalt des Dubliner Parlaments zu entziehen. Offiziell wurde die für die Re- publikaner eine bittere Enttäuschung bedeutende Trennung Irlands erst mit dem Beschluss des ersten nordirischen Parlaments. Insbesondere die Durchsetzung der unionistischen Interessen bei der Frage nach dem Grenzverlauf, der ihnen eine langfristige Zweidrittelmehrheit und ein dauerhaftes Veto gegen alle Versuche Ir- land politisch zu einen sicherte, führte zu neuem Konfliktpotential in „ [...] der Tradition des historisch vorbestimmten Spannungsfeldes[5].[6]

Die Konflikte zwischen zumeist protestantischen, pro-britischen Unionen und zu- meist katholischen, pro-irischen Nationalisten oder Republikaner verstärkten sich seither und eskalierten 1968 mit dem Beginn der Unruhen in Nordirland der sich durch die zunehmende Unterstützung der IRA und dem Eingreifen der britischen Armee zu einer Art Guerillakrieg ausweitete.[7]

Mit der Verfassungsänderung der Republik Irland, in der sie auf die Eingliederung Nordirlands als Verfassungsziel verzichtete begannen die Friedensbemühungen 1998 (Good Friday Agreement) Gestalt anzunehmen und dauern seither an.[8]

[...]


[1] Vgl. Hermle, R., 1979: Der Konflikt in Nordirland – Ursachen, Ausbruch und Entwick- lung. München, Kaiser Verlag (Im Folgenden „Hermle“); S. 51.

[2] So z.B. 1829 die Katholikenemanzipation, David O’Connels Repealbewegung und die Home-Rule-Bewegung Isaac Butts und Charles Stewart Parnells.

[3] Vgl. Hermle, S. 52f.

[4] Vgl. Hermle, S. 53ff.

[5] Nach Hermle, S. 58.

[6] Vgl, Hermle, S. 55ff.

[7] Vgl. http://www.dadalos-d.org/deutsch/Vorbilder/vorbilder/PeacePeople/troubles.htm (Zugriff 09.01.07)

[8] Vgl. http://www.irelandman.de/index.htm?Abc/gg.htm (Zugriff 09.01.07)

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Der Nordirlandkonflikt
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Veranstaltung
Interregionale Konflikte und Ungleichheiten
Note
2,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
11
Katalognummer
V117447
ISBN (eBook)
9783640196012
Dateigröße
359 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nordirlandkonflikt, Interregionale, Konflikte, Ungleichheiten
Arbeit zitieren
Melanie Rottmüller (Autor), 2007, Der Nordirlandkonflikt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117447

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