Die Alchemie hat in der heutigen Gesellschaft keinen guten Stand, das war allerdings nicht immer so. In der Renaissance erlebte die abendländische Naturwissenschaft eine Hochphase, viele Fürstenhäuser stellten Alchemisten an, um ihre Finanzsorgen zu mindern. Dabei wurde auch zahlreiche Betrüger entlarvt, so beispielsweise Marco Bragadino und Georg Honauer. Über die beiden Goldmacher existieren mehrere Pasquille in den Fuggerzeitungen, die einen guten Einblick in die Meinung der Renaissance-Lyrik über betrügerische Alchemisten und die Alchemie allgemein gewähren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung, literarische Grundlage und Forschungsstand
2. Die Fuggerzeitungen – die Urform der modernen Presse
3. Pasquille
4. Marco Bragadino
4.1 Historischer Hintergrund
4.2 Pasquille - Aufbau und Inhalt
4.2.1 Pasquill 1
4.2.2 Pasquill 2
4.2.3 Pasquill 3
5. Georg Honauer
5.1 Historischer Hintergrund
5.2 Pasquill – Aufbau und Inhalt
6. Gemeinsamkeiten
6.1 Unbekannte Entstehung
6.2 Knittelvers
6.3 Religiöse Verweise
6.3.1 Venantius Fortunatus und sein „Vexilla regis prodeunt“
6.4 Wunsch nach der Ausübung rechtschaffener Künste
6.5 Bezüge auf die griechische Mythologie
6.5.1 Daidalos
6.5.2 Midas
7. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die in den Fuggerzeitungen überlieferten Pasquille, die sich mit den betrügerischen Goldmachern Marco Bragadino und Georg Honauer befassen, um Erkenntnisse über die Wahrnehmung von Alchemie und gesellschaftliche Normen in der Renaissance-Lyrik zu gewinnen.
- Untersuchung von Schmäh- und Spottschriften (Pasquille) als historische Quelle
- Analyse der Fuggerzeitungen als Vorform der modernen Presse
- Vergleich der inhaltlichen und formalen Gestaltung der Pasquille über Bragadino und Honauer
- Herausarbeitung von Motiven wie Religiosität, Moral und antiker Mythologie in der zeitgenössischen Kritik
Auszug aus dem Buch
4.2.2 Pasquill 2
Das zweite Pasquill über den Goldmacher ist 28 Verse lang, die wiederum in sieben Strophen unterteilt sind. Im Vergleich zur ersten Schmähschrift sind hier nur einige vereinzelte Paarreime vorhanden, die aber kein durchgängiges Reimschema erkennen lassen. Im Kontrast dazu ist die Silbenanzahl in jedem Vers des Gedichts gleich. Mit Ausnahme des letzten Verses, der neun Silben aufweist, hat jeder Vers des Stückes acht Silben. Dies stellt einen weiteren Unterschied zum ersten Pasquill dar, das – wie bereits erwähnt – keine einheitliche Silbenzahl aufweist. Der größte Unterschied der beiden Spottgedichte zueinander besteht darin, dass die zweite Schrift auf Latein verfasst wurde.
Das Pasquill erklärt keine Hintergründe und stellt Bragadino auch nicht vor. Die ersten sechs Verse beschreiben den Galgen und die Hinrichtung des Goldmachers, der als „falsus auri conditor“, als „falscher Schöpfer des Goldes“ bezeichnet wird. Gleich der erste Vers beschreibt Bragadinos Gang zum Galgen bildhaft mit den Worten „Vexilla rei prodeunt“ („die Standarten des Angeklagten rücken vor“). Extra eingegangen wird dabei auf die „duris è ferro vinculis“, auf die „harten Fesseln aus Eisen“. Direkt im Anschluss wird eine Hoffnung ausgesprochen, die wohl mit der Hinrichtung des Goldmachers verbunden war: „Ut nos soluti fraudibus aurum quaeramus probius“ („damit wir, erlöst von den Betrügereien, Geld auf rechtschaffene Weise suchen“).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung, literarische Grundlage und Forschungsstand: Einführung in die Thematik der Alchemie im Kontext der Renaissance sowie Vorstellung der Fuggerzeitungen und der relevanten Quelleneditionen.
2. Die Fuggerzeitungen – die Urform der modernen Presse: Historische Einordnung der Fuggerzeitungen als europaweites Nachrichtennetzwerk und deren Bedeutung für die Geschichtsforschung.
3. Pasquille: Definition und Herleitung des Begriffs sowie Erläuterung der mündlichen und schriftlichen Verbreitungsformen von Schmähschriften.
4. Marco Bragadino: Biografische Darstellung des Goldmachers und Analyse der drei über ihn verfassten Pasquille inklusive ihrer inhaltlichen Schwerpunkte.
5. Georg Honauer: Biografischer Hintergrund zu Honauer und Analyse seines spezifischen Pasquills sowie dessen abweichender moralischer Haltung.
6. Gemeinsamkeiten: Vergleichende Untersuchung der Schriften hinsichtlich ihrer anonymen Entstehung, der Verwendung des Knittelverses, religiöser Motive und mythologischer Bezüge.
7. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse zur Bedeutung der Pasquille als Spiegel der gesellschaftlichen Einstellung zur Alchemie und zu betrügerischen Goldmachern.
Schlüsselwörter
Alchemie, Fuggerzeitungen, Pasquille, Marco Bragadino, Georg Honauer, Renaissance, Schmähgedichte, Goldmacher, Knittelvers, Mythologie, Hinrichtung, Kulturgeschichte, Betrug, Religion, Satire
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Schmähschriften (Pasquille) über die Alchemisten Marco Bragadino und Georg Honauer, die in den Fuggerzeitungen dokumentiert sind.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?
Im Zentrum stehen die historische Aufarbeitung der Goldmacherei, die Rolle von Spottgedichten als zeitgenössische Kritik sowie die Einbettung dieser Texte in den historischen Kontext der Renaissance.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten der untersuchten Pasquille zu identifizieren und daraus Schlussfolgerungen darüber zu ziehen, wie die zeitgenössische Literatur über Alchemie und deren betrügerische Auswüchse urteilte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literatur- und kulturhistorische Analyse, bei der vorliegende Schmähgedichte philologisch untersucht und mit historischen Fakten sowie Quelleneditionen in Beziehung gesetzt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der einzelnen Pasquille über Bragadino und Honauer sowie eine vergleichende Untersuchung hinsichtlich Form, religöser Verweise und mythologischer Bezüge.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Alchemie, Fuggerzeitungen, Pasquille, Betrug, Renaissance, Knittelvers und griechische Mythologie charakterisiert.
Was unterscheidet das zweite Pasquill über Bragadino von den anderen Gedichten?
Dieses Pasquill wurde in lateinischer Sprache verfasst und stellt in seiner Struktur eine Kontrastimitation des Hymnus „Vexilla regis prodeunt“ dar.
Welche Rolle spielt die griechische Mythologie in den Texten?
Figuren wie Daidalos und Midas werden genutzt, um das Scheitern und die Torheit der Goldmacher in einen größeren historischen und moralischen Kontext einzuordnen.
- Citar trabajo
- Tobias Wagner (Autor), 2020, Alchemie im Spiegel der Renaissance-Lyrik. Pasquille über die Goldmacher Marco Bragadino und Georg Honauer in den Fuggerzeitungen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1174615