Ziel der vorliegenden Arbeit soll es sein, Friedrich Schleiermachers in der Abhandlung „Ueber die verschiedenen Methoden des Uebersezens“ von 1813 entworfenen Übersetzungskonzeption im Kontext allgemeiner Überlegungen zum Problem der literarischen Übersetzung und eines kurzen Überblicks über die Entwicklung der Problematik darzustellen.
Zu diesem Zweck werde ich zuerst versuchen, die Problematik der literarischen Übersetzung in ihren groben Zügen bewusst zu machen (Kapitel 2). Anschließend will ich die Entwicklung der Übersetzungstheorie bis zu Schleiermacher skizzieren, um den übersetzungstheoriegeschichtlichen Wert dessen Konzepts besser beurteilen zu können (Kapitel 3). In einem vierten Kapitel werde ich dann das Konzept selbst darstellen. Den Schluss bildet eine resümierende Schlussbemerkung (Kapitel 5).
Die Zitatangaben im folgenden Text, die in Klammern stehen, richten sich nach: Friedrich Schleiermacher’ s sämmtliche Werke, Dritte Abtheilung: Zur Philosophie. Dritter Band. Berlin: Reimer 1838.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkung
2. Die Problematik der literarischen Übersetzung
2.1. Begriffsbestimmung
2.2. Grundsätzliche Probleme der Übersetzung
3. Übersetzungstheorie vor Schleiermacher- Bewusstwerdung eines Problems
3.1. Der rationale Sprachbegriff der Aufklärung
3.2. Paradigmenwechsel in Poetik und Übersetzungsverständnis
4. Friedrich Schleiermachers Abhandlung „ Ueber die verschiedenen Methoden des Uebersezens“ ( 1813 )
4.1. Einordnung in den historischen Kontext
4.2. Schleiermachers Auffassung von Sprache und Übersetzung
4.3. Die verschiedenen Methoden des Übersetzens
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Übersetzungskonzeption von Friedrich Schleiermacher aus dem Jahr 1813 und ordnet diese in den theoretischen Kontext der literarischen Übersetzung ein, wobei die Entwicklung des Problembewusstseins im Vordergrund steht.
- Historische Einordnung der Übersetzungstheorie vor Schleiermacher.
- Gegenüberstellung des rationalen Sprachbegriffs der Aufklärung mit romantischen Ansätzen.
- Analyse von Schleiermachers Definition der literarischen Übersetzung.
- Untersuchung der beiden Hauptmethoden des Übersetzens nach Schleiermacher.
- Diskussion der Unlösbarkeit des Übersetzungsproblems im Lichte der Sprachphilosophie.
Auszug aus dem Buch
Die Problematik der literarischen Übersetzung
Bevor auf die Komplexität des Problems der literarischen Übersetzung eingegangen werden kann, muss deren Gebiet, soweit die Materie selbst es zulässt, erst einmal bestimmt werden.
Als Übersetzung lassen sich gemeinhin mehrere Vorgänge beschreiben: Schon die Erklärung fachsprachlicher Ausdrücke in Alltagssprache ist im weiteren Sinne eine Übersetzung. Des Weiteren bezeichnet man die Übertragung von Lauten in Schrift bspw. als Transkription, die „Übersetzung“ von einer Schriftart in eine andere (z. B. lateinisch zu arabisch) als Transliteration. Ebenso kann die Verfilmung eines Romans als (intermediale) „Übersetzung“ bezeichnet werden.
Der wissenschaftliche Begriff der Übersetzung bezieht sich jedoch auf die intralinguale und die interlinguale Übersetzung. Die intralinguale Übersetzung besteht in der Übertragung eines Textes einer historischen Sprachstufe in eine andere Sprachstufe derselben Sprache (z. B vom Mittelhochdeutschen ins Neuhochdeutsche). Der Prozess der Übersetzung vollzieht sich damit offenbar nur auf der diachronen Sprachebene, woran ich im nächsten Abschnitt über die Problematik der literarischen Übersetzung allerdings noch ein Mal anknüpfen werde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorbemerkung: Einleitung in das Ziel der Arbeit, die Konzeption von Schleiermacher im Kontext der Übersetzungsproblematik darzustellen.
2. Die Problematik der literarischen Übersetzung: Definition des Begriffs der Übersetzung und Diskussion der wesentlichen Herausforderungen bei der Übertragung literarischer Texte.
3. Übersetzungstheorie vor Schleiermacher- Bewusstwerdung eines Problems: Historischer Abriss über die Entwicklung des Übersetzungsdenkens von der Aufklärung bis zur Romantik.
4. Friedrich Schleiermachers Abhandlung „ Ueber die verschiedenen Methoden des Uebersezens“ ( 1813 ): Detaillierte Untersuchung des Hauptwerks, inklusive historischem Kontext und der beiden zentralen Übersetzungsmethoden.
5. Schlussbemerkung: Zusammenfassende Einschätzung von Schleiermachers Beitrag zur Übersetzungstheorie und dessen Bedeutung für das Verständnis der "zweifachen Differenz".
Schlüsselwörter
Friedrich Schleiermacher, Literarische Übersetzung, Übersetzungstheorie, Sprachphilosophie, Hermeneutik, Sprachliche Relativität, Aufklärung, Romantik, Sprachbegriff, Äquivalenz, Paraphrasierung, Nachbildung, Fremdsprache, Originaltext, Interpretationsfreiheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Übersetzungstheorie von Friedrich Schleiermacher und untersucht, wie er das Problem der literarischen Übersetzung im Jahr 1813 theoretisch gefasst hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Sprachphilosophie, die historische Entwicklung des Übersetzungsdenkens und die Unterscheidung zwischen reinem Dolmetschen und künstlerischem Übersetzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Schleiermachers Übersetzungskonzeption kritisch im Kontext der allgemeinen Übersetzungsproblematik und deren geschichtlicher Entwicklung darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und einer historisch-poetologischen Untersuchung der zentralen Quellentexte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Problematik der literarischen Übersetzung definiert, die theoretischen Ansätze der Aufklärung skizziert und anschließend Schleiermachers Abhandlung detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Übersetzungsmethoden, Sprachgefüge, Hermeneutik, Irrationalität der Sprache und der Gegensatz zwischen rationalem und individuellem Sprachverständnis.
Warum unterscheidet Schleiermacher zwischen Dolmetschen und Übersetzen?
Er unterscheidet sie, weil Dolmetschen als rein mechanische Arbeit bei Sachtexten gilt, während literarisches Übersetzen eine schöpferische Kunstform darstellt, die den Geist des Autors einbezieht.
Was bedeutet die "zweifache Differenz" bei Schleiermacher?
Sie beschreibt die Herausforderung, dass der Übersetzer sowohl den zeitlichen Abstand als auch die fremde sprachliche Individualität des Autors überbrücken muss, um das Werk adäquat zu erfassen.
Warum verwirft Schleiermacher die Methode "Schriftsteller zum Leser bewegen"?
Weil dies die absurde Vorstellung voraussetzt, der Autor hätte sein Werk in der Zielsprache geschrieben, was nach Schleiermacher aufgrund der untrennbaren Bindung von Denken und Muttersprache unmöglich ist.
Welchen Stellenwert nimmt die "Irrationalität" der Sprachen in der Arbeit ein?
Sie dient als Kernargument dafür, dass Sprachen nicht einfach ineinander "aufgelöst" werden können, sondern ein fundamentales Hindernis für eine verlustfreie Übersetzung darstellen.
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- Hans Kalt (Author), 2000, Das Problem der literarischen Übersetzung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117473