Alfred Hitchcocks ‚North By Northwest’ ist ein Verwirrspiel rund um das Thema Identität. Identität, die nicht vorhanden ist, die fälschlicherweise aufgezwungen, die gesucht, die schließlich gefunden wird. In dieser Arbeit möchte ich untersuchen, wie der Film darlegt, dass Thornhills Odyssee quer durch die USA gleichzeitig auch eine Suche nach seiner eigenen Persönlichkeit ist.
Zunächst erläutere ich kurz, wie sich der Begriff ‚Identität’ definieren lässt, um dann die theoretische Entwicklung einer gesunden Persönlichkeit nach Erikson zu beschreiben. Danach werde ich anhand ausgewählter Szenen des Films darlegen, wie sich diese Erkenntnisse auf Thornhill und seine Entwicklung im Laufe der Handlung anwenden lassen. Schließlich werde ich unter Verwendung von Theorien Sigmund Freuds untersuchen, wie das Doppelgänger-Motiv in E.T.A. Hoffmanns Ro-man ‚Die Elixiere des Teufels’ und Alfred Hitchcocks TV-Film ‚The Case Of Mr. Pelham’ zum Ausdruck gebracht wird, sowie Parallelen und Unterschiede zu ‚North by Northwest’ aufzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zum Begriff der Identität und zur Bildung von Persönlichkeit
3. Das Motiv der Identität in ‚North By Northwest’
3.1 ‚Was hat eigentlich das O zu bedeuten?’ - Thornhills Suche nach Identität
3.2 ‚Als ich noch ein kleiner Junge war, erlaubte ich nicht mal meiner Mutter, mich auszuziehen’ - Thornhills Beziehung zu seiner Mutter und zu Eve Kendall
4. Das Doppelgänger-Motiv in ‚North By Northwest’ im Vergleich zum Roman ‚Die Elixiere des Teufels’ und dem TV-Film ‚The Case Of Mr. Pelham’
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der Identität des Protagonisten Roger Thornhill in Alfred Hitchcocks Film „North By Northwest“ vor dem Hintergrund entwicklungspsychologischer Theorien von Erik H. Erikson und vergleicht das darin enthaltene Doppelgänger-Motiv mit literarischen und filmischen Vorlagen.
- Identitätsbildung und Persönlichkeitsentwicklung nach Erikson
- Die Transformation Roger Thornhills vom oberflächlichen Werbefachmann zum verantwortungsbewussten Individuum
- Analyse des Doppelgänger-Motivs und des „zweiten Ichs“ im Hitchcock-Film
- Vergleichende Analyse mit E.T.A. Hoffmanns „Die Elixiere des Teufels“ und dem TV-Film „The Case Of Mr. Pelham“
- Die Rolle der „Ersatzidentitäten“ als Katalysator für Reifeprozesse
Auszug aus dem Buch
‚Was hat eigentlich das O zu bedeuten?’ – Thornhills Suche nach Identität
Verschafft man sich einen Überblick über das filmische Schaffen Alfred Hitchcocks, so stellt man fest, dass sich das Thema der ‚Identität’ und des Verlusts derselben als ein Leitmotiv wie ein roter Faden durch das gesamte Werk des Regisseurs zieht. In Bezug auf die von diesem Identitätsverlust betroffenen Figuren spricht Sterneborg – in Anspielung auf einen Filmtitel Hitchcocks - von den „,wrong men’, die aus ihrem Leben geworfen werden, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort sind“.
In dem 1959 gedrehten Thriller ‚North By Northwest’ ist es Werbefachmann Roger Thornhill (gespielt von Cary Grant), der von einer Minute zur anderen aus seinem Routineleben gerissen wird, da ihn ein Agentenring fälschlicherweise für den feindlichen Spion George Kaplan hält. Auf der Suche nach dem wahren Kaplan wird Thornhill in einen Mordfall verstrickt, so dass er auf der Odyssee, die ihm seine Identität zurückbringen soll, sowohl von den Spionen als auch von der Polizei gejagt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die zentrale Fragestellung ein, wie Thornhills Odyssee im Film „North By Northwest“ als Suche nach Identität interpretiert werden kann.
2. Zum Begriff der Identität und zur Bildung von Persönlichkeit: Dieses Kapitel erläutert den Identitätsbegriff sowie Eriksons Phasenmodell zur Entwicklung einer gesunden Persönlichkeit im Erwachsenenalter.
3. Das Motiv der Identität in ‚North By Northwest’: Dieser Abschnitt analysiert die Transformation des Protagonisten durch die erzwungene Rollenübernahme als George Kaplan und seine zwischenmenschlichen Beziehungen.
3.1 ‚Was hat eigentlich das O zu bedeuten?’ - Thornhills Suche nach Identität: Hier wird untersucht, wie Thornhill durch die Verwechslung aus seinem oberflächlichen Leben gerissen wird und beginnt, eine echte Identität zu entwickeln.
3.2 ‚Als ich noch ein kleiner Junge war, erlaubte ich nicht mal meiner Mutter, mich auszuziehen’ - Thornhills Beziehung zu seiner Mutter und zu Eve Kendall: Die Analyse konzentriert sich auf die psychologische Ablösung von der Mutter zugunsten einer tiefgreifenden Beziehung zu Eve Kendall.
4. Das Doppelgänger-Motiv in ‚North By Northwest’ im Vergleich zum Roman ‚Die Elixiere des Teufels’ und dem TV-Film ‚The Case Of Mr. Pelham’: Der Autor vergleicht verschiedene Inszenierungen des Doppelgänger-Motivs und arbeitet die Besonderheiten von Hitchcocks subtiler Umsetzung heraus.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Verwechslung für Thornhill eine notwendige „Initialzündung“ darstellte, um seine Persönlichkeit zu festigen und Verantwortung zu übernehmen.
Schlüsselwörter
Identität, Alfred Hitchcock, North By Northwest, Roger Thornhill, Erik H. Erikson, Persönlichkeitsentwicklung, Doppelgänger-Motiv, Sigmund Freud, Ich-Identität, Filmwissenschaft, Psychologie, Rollentausch, Existenz, Filmanalyse, George Kaplan
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Thema Identität und dessen Verlust in Alfred Hitchcocks Film „North By Northwest“ unter Einbeziehung psychoanalytischer Ansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die Persönlichkeitsentwicklung des Protagonisten Roger Thornhill, der Begriff der „Ich-Identität“ sowie das Motiv des Doppelgängers im Vergleich zu anderen filmischen und literarischen Werken.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Thornhills unfreiwillige Odyssee als Katalysator für eine tiefgreifende Entwicklung seiner Persönlichkeit dient.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es wird eine film- und literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die maßgeblich auf die Identitätstheorie von Erik H. Erikson sowie die Theorien von Sigmund Freud zurückgreift.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Grundlegung der Identität, die detaillierte Analyse der Filmhandlung und einen Vergleich mit dem Doppelgänger-Motiv aus „Die Elixiere des Teufels“ und „The Case of Mr. Pelham“.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit besonders?
Wichtige Begriffe sind „Ich-Identität“, „Stagnation“, „Ersatzidentitäten“, „Doppelgänger“ und der „Wrong Man“-Topos im Hitchcock-Universum.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Doppelgängers bei Hitchcock von anderen Werken?
Anders als bei Medardus oder Pelham, die an ihrem „zweiten Ich“ zerbrechen oder durch dieses ersetzt werden, nimmt Thornhill die Rolle des Kaplans aktiv ein, um sich selbst zu finden.
Welche Bedeutung hat die Beziehung zu Thornhills Mutter für die Handlung?
Die Mutter wird als mütterliches Über-Ich interpretiert, dessen Loslösung eine Grundvoraussetzung für Thornhills Entwicklung hin zu einer intimen Beziehung zu Eve Kendall darstellt.
- Citation du texte
- Florian Steinacker (Auteur), 2004, Was hat eigentlich das ‚O’ zu bedeuten? - Das Motiv der Identität in Alfred Hitchcocks ,North By Northwest’ , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117494