Der Inselstaat der Philippinen umfasst über 7000 Inseln, darunter knapp mehr als 800 bewohnte Eilande. Der ca. 300.000 km² große Naturraum innerhalb der niederen Tropen ist Teil einer submarinen Gebirgskette zwischen der philippinischen und der eurasischen Platte. Dieser stark zergliederte Naturraum beheimatet über 86.000.000 Menschen, welche erst seit 60 Jahren in einer unabhängigen, präsidalen Demokratie leben. Geprägt durch Jahrhunderte des Kolonialismus und der wirtschaftlichen und sozialen Ausbeutung, gehören die Philippinen heute zu den ärmeren Ländern der Erde, deren Bewohner man trotz großer wirtschaftlicher und sozialer Defizite zu den glücklichsten der Erde zählt. [REESE 2006]
Dennoch leben über 40% der Bevölkerung unter der Armutsgrenze von zwei Dollar am Tag und leiden oftmals Hunger, was zum Einen auf die immer noch nicht zu Ende gebrachte Agrarreform, zum Anderen auf das seit Jahren anhaltend hohe Bevölkerungswachstum (zur Zeit 2,2%) zurück geführt wird. Der Verstädterungsgrad der Bevölkerung liegt bei 59% (Deutschland 87%), alleine in Manila leben 13 % der gesamten Bevölkerung. Die Arbeitslosenquote liegt laut Statistik [NSBC] nur bei knapp 7%, jedoch ist zu beachten, dass seit 2005 ein neuer Maßstab der an die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) angelehnten Definition von Arbeitslosigkeit existiert. Voher betrug die offziell angegebene Arbeitslosigkeit über 11%. Als unterbeschäftigt gelten 21% der Bevölkerung, welche also Vollbeschäftigung suchen, aber nur eine Teilzeitbeschäftigung finden konnten. [http://www.nationmaster.com/ country/rp-philippines 20.10.06]
Insgesamt gesehen sind die Philippinen ein Staat mit großen räumlichen Disparitäten. Agrare Substitenzwirtschaft in Nord-Luzon, indigene Völker der Nord-Kordilleren und auf Palawan und Cash Crops Anbau auf Mindanao prägen das Bild Landes genau so, wie die großen industriellen Zentren Cebu oder Manila, welche gerade innerhalb des Dienstleistungssektors einen enormen Aufschwung erfahren. Diesen Sektor möchte ich innerhalb dieser Hausarbeit genauer beleuchten und hinterfragen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Wirtschaftslage und –Struktur
3 Dienstleistungen auf den Philippinen
3.1 Öffentliche Dienstleistungen
3.1.1 Bildung
3.1.2 Medizinische Versorgung
3.1.3 Wasserversorgung
3.2 Private Dienstleistungen
3.2.1 IT-Services
3.2.2 Tourismus
4 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Struktur und Entwicklung des Dienstleistungssektors auf den Philippinen unter Berücksichtigung der bestehenden sozialen und räumlichen Disparitäten im Land.
- Analyse der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Rolle des Dienstleistungssektors.
- Untersuchung öffentlicher Dienstleistungen (Bildung, Gesundheit, Wasserversorgung).
- Bewertung privater Dienstleistungsbereiche, insbesondere IT-Services und Tourismus.
- Diskussion der Auswirkungen von Privatisierung und Liberalisierung auf die soziale Lage.
- Hinterfragung der räumlichen Konzentration wirtschaftlicher Aktivitäten auf Zentren wie Manila.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Bildung
Bildung ist in den Philippinen sehr hoch angesehen. Sie gilt als bester Weg aus der Armut, als Hauptressource für sozialen Aufstieg und als Produktionsmittel für gesellschaftliches Prestige. Eltern versuchen dementsprechend viele Ressourcen für die Bildung ihrer Kinder zu mobilisieren - die Aufnahme hoher Kredite inklusive.
Prozentual sind die Ausgaben für Bildung mit ca. 19% des Staatshaushaltes enorm hoch. Dennoch entspricht das nur ca. 32 US$/Kopf (Vergleich Deutschland: ca. 8,5% des Haushaltes > 1.454 US$/Kopf). [Welt in Zahlen]
Das Bildungssystem ist dem amerikanischen System nachempfunden. Der Unterricht findet in englischer Sprache statt, wovon die Philippin@s auf dem Weltmarkt großes Kapital schlagen. Nach 6-jähriger Grundschule (Elementary School) folgen vier Jahre Sekundarschule (High School). SchülerInnen mit High School Abschluss können sich an einem College bewerben und anschließend eine Universität besuchen. Die Elementary School und die Secondary School sind kostenlos – sofern sie von der öffentlichen Hand finanziert werden. Insgesamt gibt es auf den Phillipinen ca. 42.000 öffentliche und 8.000 private Schulen (Elementary und Secondary kumuliert). Der räumliche Zugang zu den Schulen ist für die rurale Bevölkerung oftmals erschwert, da es in vielen Dörfern keine Grundschulen gibt. Damit gehen hohe Transportkosten einher oder die Kinder laufen täglich weite Strecke. [REESE, 2006; Department of Education]
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit gibt einen Überblick über den Inselstaat der Philippinen, dessen sozioökonomische Herausforderungen und die wachsende Bedeutung des Dienstleistungssektors.
2 Wirtschaftslage und –Struktur: Es wird die wirtschaftliche Zweiteilung des Landes zwischen moderner Industrie/Dienstleistung und traditioneller Agrarwirtschaft analysiert.
3 Dienstleistungen auf den Philippinen: Das Hauptkapitel beleuchtet detailliert ausgewählte öffentliche und private Dienstleistungsbereiche und die damit verbundenen strukturellen Datenprobleme.
3.1 Öffentliche Dienstleistungen: Untersuchung der Versorgungslage in den Bereichen Bildung, Medizin und Wasser, wobei auf die dortigen Defizite eingegangen wird.
3.1.1 Bildung: Analyse des Bildungssystems und dessen Rolle als sozialer Aufstiegsfaktor sowie der damit verbundenen finanziellen Belastungen für Haushalte.
3.1.2 Medizinische Versorgung: Darstellung des unzureichenden Gesundheitswesens, der starken regionalen Disparitäten und der hohen Kosten für Patienten.
3.1.3 Wasserversorgung: Fallstudie zur Privatisierung der Wasserversorgung in Manila und deren teils zwiespältige Ergebnisse.
3.2 Private Dienstleistungen: Untersuchung der Dynamik in den Sektoren IT-Services und Tourismus.
3.2.1 IT-Services: Analyse des Wachstums des Call-Center-Sektors als bedeutender, aber räumlich konzentrierter Wirtschaftsfaktor.
3.2.2 Tourismus: Untersuchung der touristischen Entwicklungsplanung und der Bedeutung kleinbetrieblicher Strukturen für die Peripherie.
4 Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Notwendigkeit politischer Reformen zur Minderung sozialer Ungleichheit bei gleichzeitigem Erhalt der wirtschaftlichen Attraktivität.
Schlüsselwörter
Philippinen, Dienstleistungssektor, Wirtschaftswachstum, soziale Disparitäten, Bildungssystem, medizinische Versorgung, Privatisierung, Wasserversorgung, IT-Services, Call-Center, Tourismus, räumliche Disparitäten, Agrarreform, Globalisierung, Entwicklungspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die aktuelle Situation und die Entwicklungsdynamik des Dienstleistungssektors auf den Philippinen im Kontext der gesamtwirtschaftlichen Struktur des Landes.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten zählen das öffentliche Bildungswesen, die medizinische Grundversorgung, die Privatisierung der Wasserversorgung sowie die private Wirtschaftsentwicklung im IT-Sektor und im Tourismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Dienstleistungssektor als wirtschaftlichen Wachstumsfaktor zu hinterfragen und die Auswirkungen der Liberalisierung auf die soziale und räumliche Situation der Bevölkerung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Datenanalyse, wobei vorhandenes statistisches Material zur sozioökonomischen Lage und zur sektoralen Entwicklung ausgewertet wurde.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung öffentlicher Infrastrukturdienstleistungen (Bildung, Gesundheit, Wasser) und die Analyse privatwirtschaftlicher Boom-Sektoren wie Call-Center und Tourismus.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die sozialen Disparitäten, der Einfluss von Privatisierung, der Fokus auf die National Capital Region (NCR) und das Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Liberalisierung und lokaler Lebensqualität.
Wie bewertet der Autor die Privatisierung der Wasserversorgung in Manila?
Die Privatisierung führte zu einer Effizienzsteigerung und einem Ausbau des Netzes, brachte jedoch auch massiven Arbeitsplatzabbau und deutlich gestiegene Wasserpreise mit sich, die insbesondere ärmere Schichten belasten.
Warum spielt die IT-Branche eine so große Rolle für die philippinische Wirtschaft?
Die Philippinen nutzen den Standortvorteil ihrer englischsprachigen Bevölkerung und niedrige Lohnkosten, um sich als globaler Hub für Outsourcing und Call-Center zu etablieren, was hohe Wachstumsraten generiert.
- Quote paper
- Tobias Kauf (Author), 2007, Dienstleistungssektor der Philippinen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117548