Die Herausarbeitung der komischen und clownesken Elemente bei Becketts Theaterstück "Warten auf Godot", das 1952 publiziert wurde, ist die Aufgabe dieser Bachelor Arbeit. Es geht in dieser Arbeit nicht darum, "Warten auf Godot" einer Textgattung zuzuordnen. Die Aufmerksamkeit soll auch nicht auf die gängigen Interpretationsansätze des Stückes gelenkt werden, da sie schon häufig rezipiert worden sind. Weiterhin wurde die Frage, ob Godot ein Gott sei, vielfach diskutiert. Aus diesem Grund wird auch dieser Fährte nicht nachgegangen. Ausgehend von den theoretischen Texten über das Komische und das Clowneske, könnte meine Fragestellung eher lauten: Ist Becketts "Warten auf Godot" komisch und haben die Figuren clowneske Züge?
Diese Arbeit ist zweigeteilt aufgebaut. Im ersten Teil soll es einen Auszug verschiedener Theorien des Komischen und
einen Überblick über die historische Entwicklung der Clownsfigur geben. Zwei Zugänge des Komischen - es handelt sich hierbei um "Das Lachen" von Henri Bergson und "Literatur und Karneval" von Michail M. Bachtin - werden
intensiver beleuchtet. Henri Bergson beschäftigt sich in seinem Essay "Das Lachen" mit dem Lachen im Allgemeinen sowie dem Auslöser des Lachens und der Situations-, Wort- und Charakterkomik. Er zieht den Schluss, dass die
Entstehung des Lachens immer mit einem Normbruch einhergehe, der durch das Lachen bestraft und korrigiert werde.
Nach Bachtins Komiktheorie entstehe das Lachen aus der Groteske. Dieses Lachen sei kein herabwürdigendes und
verlachendes, sondern Ausdruck von Freude. Dieses groteske Lachen diene auch der Überwindung der Furcht und sei gleichzeitig Ausdruck von Freiheit. Das Lachen schaffe einen eigenen Erfahrungsbereich außerhalb des Alltagslebens. Im
Zuge der Recherchearbeit zeigte sich, dass die Theorien des Komischen von Bergson und Bachtin in Hinblick auf die Konzeption dieser Bachelorarbeit geeignet sind.
Während das Komische eher ein Gedankenkonstrukt mit vielen Interpretationsmöglichkeiten ist, erscheint der Clown dem gegenüber als eine ganz konkrete Personifikation des Komischen. Die historische, künstlerische, religiöse und politische Entwicklungsgeschichte und der Wandel der gesellschaftlichen Bedeutung der Clownsfigur wird auch Bestandteil des ersten Teiles der Arbeit sein. Im zweiten Teil wird Becketts "Warten auf Godot", mit Hilfe der vorgestellten theoretischen Texte auf das Komische und das Clowneske hin untersucht.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Das Komische und der Clown
- Theorien des Komischen
- Zwei Ausgewählte Theoretiker
- Henri Bergsons Theorie der Herabsetzung
- Michail Bachtins Theorie der Heraufsetzung
- Der Clown und das Clowneske
- Komische und clowneske Elemente in Becketts "Warten auf Godot"
- Komische Elemente bei Beckett nach Bergson
- Komische Elemente bei Beckett nach Bachtin
- Clowneske Elemente bei Beckett
- Fazit
- Das Wesen des Komischen und seine verschiedenen Ausprägungen
- Die Rolle des Clowns als Personifikation des Komischen
- Bergsons und Bachtins Theorien des Komischen im Kontext von "Warten auf Godot"
- Komische und clowneske Elemente in Becketts Stück
- Die Relevanz des Komischen und des Clownesken für die Interpretation von "Warten auf Godot"
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Frage, ob Samuel Becketts Theaterstück "Warten auf Godot" komisch ist und ob die Figuren clowneske Züge aufweisen. Sie analysiert das Stück im Kontext von Theorien des Komischen, insbesondere derer von Henri Bergson und Michail Bachtin. Die Arbeit zielt darauf ab, die komischen und clownesken Elemente in "Warten auf Godot" zu identifizieren und zu analysieren.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung erläutert die Ausgangssituation und Fragestellung der Arbeit. Sie stellt die Bedeutung von "Warten auf Godot" und die Relevanz der Thematik des Komischen und des Clownesken heraus. Im zweiten Kapitel werden verschiedene Theorien des Komischen und die historische Entwicklung der Clownsfigur vorgestellt. Besondere Aufmerksamkeit wird Bergsons und Bachtins Theorien des Komischen gewidmet, die als Grundlage für die Analyse von "Warten auf Godot" dienen. Das dritte Kapitel befasst sich mit der Analyse von komischen und clownesken Elementen in Becketts Stück. Es beleuchtet die Anwendung von Bergsons und Bachtins Theorien auf das Werk und untersucht die spezifischen Merkmale des Komischen und des Clownesken in "Warten auf Godot".
Schlüsselwörter
Komik, Clown, "Warten auf Godot", Samuel Beckett, Henri Bergson, Michail Bachtin, Herabsetzung, Heraufsetzung, Groteske, Absurdes Theater, Sprachkomik, Figurenkomik, Handlungskomik
Häufig gestellte Fragen
Ist Becketts "Warten auf Godot" ein lustiges Stück?
Ja, das Stück enthält zahlreiche komische und clowneske Elemente, auch wenn es oft als deprimierend oder absurd wahrgenommen wird. Die Komik entsteht oft aus der Sinnlosigkeit der Situation und dem Verhalten der Figuren.
Wie erklärt Henri Bergson die Komik in dem Stück?
Nach Bergson entsteht Lachen durch eine gewisse "Mechanisierung des Lebendigen". In "Warten auf Godot" zeigen sich solche automatisierten Verhaltensweisen und Normbrüche, die laut Bergson eine korrigierende soziale Funktion haben.
Was besagt Michail Bachtins Theorie der Groteske?
Bachtin sieht das Lachen als Ausdruck von Freiheit und Lebensfreude, das aus der Groteske entsteht. In Becketts Werk hilft dieses Lachen, die existentielle Furcht zu überwinden.
Welche clownesken Züge haben Wladimir und Estragon?
Die Figuren erinnern durch ihre Tollpatschigkeit, ihre Kleidung (Melonen) und ihre repetitiven Dialoge an klassische Clownsduos wie den "August" und den "Weißclown".
Was ist Sprachkomik bei Samuel Beckett?
Sprachkomik entsteht durch Missverständnisse, Wortspiele, endlose Wiederholungen und das Aneinandervorbeireden der Charaktere, was die Unzulänglichkeit der Kommunikation verdeutlicht.
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- Latifa Lalee (Author), 2018, Ist "Warten auf Godot" komisch? Das Clowneske bei Beckett, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1175506